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soll die Konstruktionen und' beit Bau der lenkbaren Luftschiffe in Deutschland feststellen. Unter der Firma eines Weinreisenden' gelingt es ihm, Beziehungen zu militärischen Kreisen zu finden und schließlich einen veffchnldeten Zahlmeister-Aspiranten auf- zulreiben, der ihm gegen Geld die wichtigsten Pläne Md Papiere ausliefert.
Aber wie gesagt, die Verwendung von Offizieren zu solches Aufgaben ist nur eine Ausnahme. In der Regel bedient man sich dabei besonderer Agenten, denen bestimmte Aufträge gegeben werden. Da man aber bei diesen Leuten nie wissen kann, ob ihren Angaben zu trauen ist, versucht man ein und dieselbe Sache durch mehrere Agenten, die unabhängig voneinander arbeiten, feststellen zu lassen. Erst wenn die verschiedenen Berichte übereinstimmend lauten, kann das Ergebnis als sicher ange- nonrmen werden.
Tie Verteilung der Aufträge, die Verwertung der erhaltenen Auskünfte, ihre gegenseitige Kontrolle ist allmählich zu einer besonderen Kunst geworden, die jahrelange Routine und große Gewandtheit erfordert. Es existiert sogar ein besonderes Lehrbuch, das das Wesen und die Knnst der Spionage im einzelnen lehrt. Die Aufträge, die den Agenten gegeben werden, dürfen nicht zu allgemein gehalten werden, sondern! müssen ganz bestimmte Feststellungen enthalten. Hat man z. B. den Eindruck erhalten, daß ein Staat seinen Aufmarsch verschoben hat, so werden nicht etwa Agenten ausgeschickt, mit dem, allgemeinen Auftrage, die Richtigkeit dieser Annahme zu bestätigen. Cs erhält vielmehr der eine den Arrftrag, die Bauten auf einer! bestimmten Bahnlinie zu erkunden,, die im mutmaßlichen Aufmarschgelände liegt. Es handelt sich da um Ausladerampen, Verlängerung der Gleise, Anlage von Tränke- itnb Verpflegungs-- stationen, Erweiterung des Telegraphen- und Signaldienstes, der den augenblicklichen Bedarf übersteigt. Ein anderer hat die Wegeverhältnisse zu erkunden, namentlich solche, die von und nach den Bahnhöfen führen. Ein dritter wieder hat die Anlage von Magazinen, Ausschreibungen von Futter- und Lebensmittel-Liefe- rungen zu beobachten. Es ist von Interesse, zu wissen, ob die Brücken, die über die Flüsse nsw. führen, verstärkt werden, ob hölzerne durch eiserne imb steinerne ersetzt werden, um so auch schwerere Lasten tragen zu können (Lastautomobile). Die plötzliche Verstärkung der Intendanturen, der höheren Stäbe, häufige Konferenzen der Zivil- und Militärbehörden geben wertvolle Fingerzeige. Vielleicht gelingt es auch, eine der für den Mvbil- machungsfall vorbereiteten und schon im Frieden in Tausenden von Exemplaren gedruckten Proklamationen zu erhalten. Auf diese Weise versucht man von den verschiedensten Leuten einzelne Nachrichten zu erhalten, die jede für sich zwar klein und unbedeutend ist, im Zusammenhang mit den anderen aber ein wertvolles Material bildet.
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Von Wichtigkeit ist die Erkundung neuer Befestigungen. Dabei spielen die fremden Arbeiter, die bei deni Bauten beschäftigt sind, eine große Rolle. Es ist bekannt, daß sowohl bei den französischen wie auch bei den deutschen Befestigungsarbeiten in gvoßeur Umfange italienische Arbeiter verwendet werden. Es läßt sich gar nicht vermeiden, daß diese infolge ihrer Beschäftigung eine ziemlich genaue Kenntnis der Bauten erhalten. Wenn sie ihre Arbeit verlassen und in das Nachbarreich ziehen, können sie aus ihrer Kenntnis gewinn- bringenden Vorteil ziehen. Sie lassen sich bei der Nähe der Grenze und der M-enge der Arbeiter überhaupt schwer kontrollieren, und es ist nicht ausgeschlossen, daß sie auch schon während der Arbeit Nachrichten über die Bauten über die Grenze lnlt(5ine sorgsame Heeresleitung wird das Agentenwesen aber auch für den Kriegsfall vorbereitet haben. Tie Nachrichten, welche die Kaväl'leriepatrauillen bringen, genügen nicht. Sie können tvohl die vordersten feindlichen Linien und die Spitzen der feindlichen Marschkolonnen feststellen, aber nicht, was sich dahinter befindet und da vorgeht. Und gerade dies ist von besonderer Wichtigkeit. Es muß gemeldet werden, ob der Aufmarsch des Gegners tatsächlich so stattfindet, wie man angenommen hat, oder -ob Verschiebungen noch in letzter Stunde eintreten. Dazu bedarf es besonderer Angaben über die Inanspruchnahme der Bahneii, die Ausladeorte-, die Zahl und Art der ausgefchiffteu Truppen. Diese können Nur von besonders beauftragten Personen erfolgen, die aber schon im Frieden ihre Aufträge bekommen haben müssen nnd sich an den fraglichen Orten selbst befinden. Ueber das neutrale Ausland und unter Benutzung verabredeter Texte werden die Telegramme dann an die betreffenden Heeres leitungen gesandt. Der Weg über das neutrale Ausland ist erforderlich, weil mit Ausspruch der Mobilmachung selbstverständlich jeder Staat den Verkehr mit seinem Gegner zu verhinderst bestrebt ist. Alle Telegraphen- und Telephonleituiigen werden zerstört, auch die unterirdischen Kabelleitungen. Aber auch dre m das Ausland abgesandten Telegramme müssen ganz nüber? sanglich abgefaßt fein, weil sie sonst nicht befördert werden, ete dürfen auch nicht den Anschein erwecken, als ob- sie eine besondere Mitteilung enthielten. Als Muster und- Beispiel können die Loden i dienen, deren sich die Großbanken zu Mitteilungen geschäftlicher Art regelmäßig bedienen. Drahtnachrichten .über kanfmanmsche I Transaktionen lauten immer noch am harmlosesten. Kem n.el-e-
Vsm Spionieren.
Allerhand Kundschaftertricks.
In den -letzten Wochen ist hüb et« und drüben soviel von Spionage und Spi-onenriecherei die Rede gewesen, daß der „Spion" ivieber einmal in einer aus Romantik und Verwerflichkeit gewobenen Gloriole erschien. Nichts ist auch mehr geeignet, die Phantasie zu erhitzen, als so abenteuerliche Erzählungen, die häufig über das Tun und Treiben der Spione und ihrer Auftraggeber verbreitet werden. In Wahrheit handelt es sich aber hei der Spionage nm einen Gefchäfts-betrieb, der nach ganz bestimmten, aus der Erfahrung gewonnenen Grundsätzen und Knnst- regcht gehandhabt wird.
Bon besonders informierter Seite gehen uns darüber folgende Ausführungen zu:
Tie Nachrichten über den Gegner bilden die Grundlage für jeden kriegerischen Entschluß. Ties gilt sowohl in taktischer wie in strategischer Beziehung und auch in weitestem Umfange für den Kriegsplan und die Kriegsvorbereitungdn. Zwar irrt der Laie, wenn er annimmt, daß im Frieden- ein Kriegsplan ausi- gearbeitet wird, der den beabsichtigten Feldzug in allen seinen Einzelheiten im voraus festlegt und nach dem sich die KriegS- handlung schablonenmäßig abspielt. Ties ist nicht möglich Aber auch die Maßnahmen, die im Frieden vorbereitet und bestimmt werden können, wie die Versammlung des Heeres an der Grenze, der sogenannte Aufmarsch, die Gliederung- und Gruppierung der Kräfte und die ersten einleitenden Bewegungen sind zum Aeil von den Nachrichten abhängig-, die die obersten Militärbehörben sich über den voraussichtlichen Gegner verschafft haben. Tas Studium der fremden Heere, ihrer Einrichtung und Organisation-, ihrer Ausbildung nnd Taktik, die Kenntnis des voraussichtliaM Kriegsschauplatzes mit allen seinen Hilfsmitteln, die mutmaßflicheil feindlichen Absichten Md die Pläne bilden so recht eigentlich das Arbeitsgebiet des Generalstabes, der darin vom Kriegs- ministerinm und den obersten Waffenbehörden unterstützt wird.
Tas erforderliche Material zu seinen Studien erhält der Generalstab aus den Berichten der Militärattaches und der zu den Manövern entsandten Offiziere, aus der Fachliteratur und aus der Tagespresse. (£g ist aber einleuchtend, daß sich daraus nur ein unvollkommenes Bild des fremden Heeres gewinnen läßt.
Jedes Heer ist bestrebt, seine neuesten Einrichtungen-, seine Waffen und Munition, feine Mobilmachung, beit geplanten Aufmarsch, die neuesten Befestigungen fremden Augen zu entziehen. Ties wird alles geheim gehalten, und es darf nichts darüber veröffentlicht werden. Und doch ist dies gerade das, was für den Nachbar das Wichtigste nnd Interessanteste ist. Er muß bestrebt sein, sich Kenntnis von diesen Dingen zu verschaffen, damit er bei einem Kriege nicht von neuen Einrichtungen üben- rafcht wird. . , v _.
Ta sich die Kenntnis dieser streng gehetM gehaltenen Dinge nicht auf offenem Wege erreichen läßt, ihre Erkundung aber dringend wünschenswert ist, muß eine sorgsame Regierung auf anbereut Wege versuchen, in den Besitz dieser Eehennntsse zu gelangen. Und dazu dient die Spionage.
lieber das Verwerfliche und Unmoralische dieses ganzen Verfahrens besteht kein Zw-eifel. Nicht nur, daß mit unerlaubten! Mitteln gearbeitet wird, sondern schwache Leute tocrbeit direkt zum Landesverrat verführt. Dazu werden einerseits die Notlage, andererseits die gewöhnlichsten Leidenschaften der Menschen benutzt. Tie Haupttriebfeder bildet wie stets das Geld, aber wo dieses versagt, tritt häufig die Verführung durch das Werb an dessen Stelle. Auch Aussichten auf Orden nnd Ehrenzeichen spielen eine Atolle dabei. Seltener ist Rachsucht oder gekränkter Ehrgeiz das Motiv. So sehr sich alle über das Unmoralische klar sind, so wenig können die Regierungen daraus vernichten. Es existiert kein Staat, der sich mcht biefeS Mittels B’cbicntc
Im Lause der Jahre find die Strafen, die auf das- Verbrechen der Spionage gefetzt find, immer schärfer, und Harrer geworden. Sie haben es aber nicht vermocht, diesem treiben Einhalt zu gebieten. Tie vielen Prozesse, die in den Wen Jahren vor dem Reichsgericht in Leipzig gespielt haben, sind ein deutlicher Beweis dafür. Man muß aber nicht etwa denken, daß wir hauptsächlich unter der französischen Spionage leiden, sondern ebenso wird man in Frankreich über deutsche Spionage klagen. ~ , _ . , „,
Die Spionage ist von allen »tauten nN tyrteben planmäßig organisiert. Es ist bekannt, daß in Parts ein besonderes, dem Geueralstabe unterstelltes Bureau de rensetgNe- ments existiert, das den ganzen Spionagedienst leitet. Verhaltms- mäßig selten werden Offiziere direkt ins Nachbarland W Or- ffmdiguugszwecken entsendet. Es finden sich wenige zu dieser Art der Tätigkeit bereit, nnd die Ergebnisse ihrer Arbeit find gering. Sie können wohl die militärische Beschaffenheit eines Landstriches, beit Zustand der Kommunikationen, den Bau von Brücken, Befestigungeit usw. feststellen, zu anderen muitartschen Geheimnissen fiitben sie selten Zutritt. Wollen sie dies dennoch erreichen, müssen sie sich wieder anderer Personen bedienen, ^n welcher Weise dies geschieht, schildert in sehr anschaulicher Weise ein soeben erschienenes Buch: „T er Luft kr e u ze r-spto n von I. v. Adler krön. Ein französischer G-enernlstabsoffizter


