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Rudel ab, zieht sich an eilten verlasseMt Ort zurück, legt sich zwischen den Felsen nieder, leckt ihre Wunden und wartet aus Heilung oder Tod. Kranke Gemsen, die ihren Tod nahe slihleu, verbergen sich in einsamen Schlupfwinkeln, die nur ihnen bekannt sind. Die Lamas haben ihre besonderen! BeMkvzum stervM, 'wo sich ihre Gebeine zu wahren Knochenhügelu ansammelu. An den. User« mancher südasrikauischeu NW.fmdM sich Wte owM mit ihren bleichenden Gebeinen buchstäblich uber^at. ckus dieselbe Weise sind wahrscheinlich auch die großen Knochentager entstau - den, die sich aus den Ueberbleibseln ausgestorbener Büren-, vvaneu- und anderer Geschlechter in den Hohlen Mitteleuropas angemuimelt finden Besonders selten ist ein toter Bogel anzutrefsen, denn dre sterbenden Bügel fliehe» das Licht des Tages und suchen dre dunkelsten Plätze auf, um dort ihr Leben auSzuhauchen Dle,e eigentümliche, aber nicht unerklärliche Gewohnheit wird aber dock taum vo,r allen Tieren geteilt, und es gibt noch eumu zwerten Grund, warum sich das Absterben der Tierwelt dem Auge deS Menschen entzieht. Jedes tote Tier ist so und so vlelm Betteru und Genossen ein erwünschter Bissen, und Hunderte, gar tausende größere und kleinere Mäuler sorgen dafür,daß es bald zum Verschwinden gebracht wird. Mit Eintritt der Dämmerung erscheinen all die Marodeure des Tierreiches auf dem Plan, die oft so wenig sympathische» Verwandten. des treuesten MeuschensreundeS, des .Hundes, ferner die Geier, die Krähen, soioie Millionen von Insekten. und andere, um die Totenliste des zur Neige gegangen^ Tages , zu revidieren. In wenigen Tagen ist voll dem größten Riesen kaum mehr eine Spur übrig geblieben. So muß cs sogar dem ungeheuren Elefanten ergehen, denn niemals werden. -Skelette toter Elefanten airgetrosfen. Man schreibt die beinahe unglaublich erscheinende Vernichtung der kolossalen Elefantenkuochen der Tätigkeit von Wiederkäuern zu. Für diese gehört es zu den größten Liebhabereien, an Knochen zu nagen, und das mächtige Mesautcnskelett wird von ihnen in etwa zwei Jahren voWandig aufgezehrt. Auch bei unseren Haustieren, soweit sie der Wiederkäuersippe angehören, ist dir Vorliebe für Miueralstosfe, wie Mörtel, Gips und sogar Erde, soweit sie Kalksalze enthält, wahrzunehmen, und ihre wilden Geschwister suchen diese Stoffe in den Ticr- knochen aus, die ihnen von dem großen Sterben geliefert werden Daß tote Vögel nicht lange sichtbar bleiben, ist wohl um so leichter erklärlich, als ihr Fleisch für eine besondere Delikateste unter den Tieren gilt. Zunächst bleiben nur die Federn an der Stelle liegen, wo soeben ein größeres Tier sein Mahl gehalteii bat, bis auch diese verschwinden, zernagt und in Pulver verwandel durch Myriaden von Insekten und durch die gefräßige Welt der niederen Tiere, denen nichts Lebendes widersteht. u.
Vermißtes.
* Die große Fran. Die Fr-M wächst dem,Manu über den Kopf! . Die Gegner der Frauenbewegmrg haben diesen Alarmruf langst ausgestoßen. Und jetzt ist auch der wiss ensch'a ftl i ch-e Beweis für die Wahrheit ihrer Behauptung erbracht. Die englische Zeitschrift „Health and Streugth" — zwei schwer auszu- sprechende. aber schöne Worte, denn sie bedeuten „Gesundheit und Kraft" - teilt die überraschende Tatsache mit, daß mit dem Selbst- bswusftsein der Frauen auch ihre K ö rpe r grö ß e beständig wächst. Die jungen Mädchen Von fünfzehn bis achtzehn Jahren sind heute im Durchschnitt um zwei bis drei Zoll größer, als ihre Mütter in« gleichen Alter waren. Noch 1895 betrug die mittlere Größe eines suugcn Mädchens nach englischen Maßen fünf Fuß rmd drei Zoll. Heute wird sie auf mindestens fünf Fuß tmb fünf Zoll berechnet. Dieses beständige Wachsen ist nach dem genannten; Blatt der Frauew- lueti aller gebildeten Völker gemeinsam. Den Männern könnte diese Erscheinung als wirklicher Beweis für Gesundheit und Kraft des ganzen Menschengeschlechts 'nur Freude machen, wenn sie nicht mit einer unerfreulichen Erscheinung Hand in Hand ginge. Der Manu wird nämlich beständig kleiner. Er wächst nicht gleich seiner schönere» Hälfte. Seine Größe bleibt 'nicht einmal dieselbe. Nein, er wird kleiner und kleiner, Md erleichtert es höflich bed Fran, ihm über den Kvpf zu wachsen. Marcel Prövost untersucht int „Figaro" die Ursachen dieses Niedergangs der Männerwelt. Er ist mit der englischen Zeitschrift des Glaubens, daß die Frauen ihr körperliches Ausstrebeu dem Sport verdanken. Und er sieht eine Zeit heraunahen, in der die Frau den Man», beherrscht, da sie ihm' an Körpergröße und .Körperkraft über ist. „Moderne Männer, seid auf eurer Hut!" ruft Prävost warnend ans. „Niemals war eure bevorzugte Stellung .von ernsterer Gefahr bedroht. Haltet euer Klein erwerb en auf, -oder verhindert das Wachsen der Frau, solange ihr noch die größten und stärksten seid! . . . Noch einige Zoll, und das schwache Geschlecht seid ihr!"
ins. Könne» Affen mit Puppen spielen? Ganz besonders interessante und -aufsehenerregende vsychalogische Untev- suchungeu über die Tierseele sind kürzlich, wie man der „Ins." schreibt, int .Zoologische». Institut von Antiverpe» von dem bö- TORtttcn Naturforscher Dr. van SennfeH -angestellt tvordeu, Ber- snche über das Erkenntnisvcrmögisn. die Unterscheidungöfähigftit lind den Spieltrieb von Aff- u. bei lebtosen Dinge». Nachdem scstp -geste-llt worden war, daß die Tier» erstens sehr schnell eßbar«
Dinge ton nichtverzehrbaren zü imWrscheiden imstaüde ssrech ferner, daß, sie Holz, Stein, Metalle, Zerbrechliches und Un!-> Zerbrechliches -auseinander halten könnten, würde auch der Bep« such unternommen, den Affen Puppen zum Spiele» zu gebe». Ma» hatte zu diesem Zweck -eigens Puppe» Herstellen lassen, die in ihrem Aeusteren vollkoutmeu eiuent Aeffchen itachg-ebildet waren', ja, man war in. dieser Nachbildung sogar soweit gegangen, die. Puppen mit echten AWnhaareu zu überkleiden. Man hatte der Figur ferner um die Lenden einen kleinen Schurz umgehängt nnb das Uhrwerk, das sich im Innern befand, entsprechend aufgezogen, so daß, die Puppe in gewissen Zeitäbstäuden regelmäßig den einen oder den anderen Arm bewegte, sowie auch leicht mit dem! Kopfs nickte. Man setzte hierauf die Puppe in den Affenkäfig und be- vbachtete genau, wie sich die Tiere zu der für sie gänzlich neuen; Erscheinung verhielten. Vorerst betrachteten sie alle, in eine Ecke zttsammengedrängt, die Puppe von ferne und äugten mit großem! Mißtrauen zu deut Pseudoaffen hinüber. Daun aber be- gauu -eines der Tiere Mut zu fassen, kam, allerdings noch mit großer Vorsicht.rmd sehr langsam, näher, ergriff die Puppe schnell bei -einer Hand, sprang jedoch.hierauf sogleich zurück und lief fort, in der Besorgnis, -es könne ihm irgend -etwas zustoßen. Als aber, die Puppe sich Weiter ruhig verhielt, kam das Tier diesmal schoit in Begleitung von zwei ander», abermals hi» und nun begann man die Puppe von allen -Seiten zu betrachteit und z» beschnüffeln, da aber das Röckchen, das sie trug, vorher schon von einem kleinen Assen mehrere Tage getragen war und mit dem spezifische» tierischen. Geruch hinreichend durchtränkt toter, so konnten die Affen bei der Puppe vorerst doch nicht klug werden', mit was für einem Dinge sie -es hier zu tun hätten, einem s-ekt- samen Lebewesen ober einer loten Sache. Es würbe» wiederholt ton de» Affen schüchterne Versuche unteruommeit, sich Gewißheit z-u verschaffen, indem sie schnell heranhuschten und an der Puppe schnüffelten, stets aber siegte ft» letzten Augenblicke doch die Furcht und sie eilten immer wieder davon, um sich in einer gemessen eck, aber sicheren Entfernung zu halten. Als sie aber schließlich wahr- uahme», daß die Puppe, deren Uhrwerk inzwischen abgelauseck war, regungslos verharrte, kamen sie in größerer Zahl herauf Und begannen sich, nachdem die erste Scheu überwunden toordeck war, entgehend mit der Affenpuppe zu befassen, streichelten sie, und stiepen bei dieser Gelegenheit kleine, anfmünternde, Heisers Schreie ans, um die Puppe zu irgend einem Lebenszeichen zu bewegen. Eines der Tiere ging in seiner Vertrauensseligkeit sogar so weit, daß es versuchte, die Puppe nach Affenart zärtlich,zu: 'ientjen. Natürlich -ohne Erfolg. Schließlich schien bei den Äffen doch die Erkenntnis zu siegen, daß sie es nicht mit ihresgleichen zu tun hätten, sie kreischten und schrieen (iingc untere.innnbet und schienen sichtlich in eifriger Weise über die sonderbare Erscheinung zit streiten. Auf alle Fälle konnte ton dem Beobachter f-estgesteÄt werden, daß die Affen, wenn sie auch die Puppe als solche erkannt hatte», doch immerhin deutlich wahrnahmen, daß- die Puppe asseuähnlich sei. Den Schluß des Versuches bildete ein plötzlicher wüster Ueberfall der wütenden Affenherde, die mit eiuent Male von alle» Seiten über die Puppe hersiel und sie in Fetzen riß.
* Boshaft. Fran (zum Hausierer): „Ne, ick brauche geeite Knöppe »ich!" ■- Hausierer: „Aber hier habe ich etwas, was Sie notwendig gebrauchen - Deutsche Grammatik für Anfänger!"
* ll n s chnld vom Lande. Ei» Mädchen vom Lande kommt in ein Putzgeschäft,- um sich 'einen Hut zu kaufen. Die Ver- käuseri» -empfiehlt besonders einen, mit -einem Bogel garnierte»! Hut. Das Mädchen jedoch wehrt entschiede», ab: „Ree! Ree! Ich will nix Lewendiches u-sf meint Kopp hawe!"
Literatup.
— Das literarische Echo. Halbuwuatsschrift für Siterflturfreunbe (Herausgeber: Tr. Josef Ettliuger, Verlag; Egon Fleischkl u. Eo., Berlin SB. ist. Das zweite Februarhest ist sieben mit folgendem Inhalt erschienen: Theodor Poppe: Zur A-esthetik des Tragische». Karl Berger: Schftler-Schrifte» (II). Paul Friedrich: Napoleon - Dichtung"». Grete Massa: Neue Frauenlyrik. Fedor von Zobeltitz: Bibliophile Chronik. Echo der Zeitungen und Zeitschriften. Echo des Auslands (Englischer, amerikanischer, russischer Brief). Echo der Bühnen. Kurze Anzeige». Nachrichten. Der Büchermarkt.
Berwandlmtgs Aufgabe.
Hort — beit — Ader — Stern — und — Leier — Blech — blaß — Adel — Rand — Brut — Eder — male».
Die vorstehenden Wörter sollen durch Hinznst'igen je eines Buchstabens derart in ebensoviele neue Wörter verwandelt werden, daß die hinzugeiügten Bttchstaben der Reihe nach gelesen den Name» eines Komponisten ergeben.
Auflösung in nächster Nummer.f
Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Bellen, Ballen, Bullen, Bollen.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und ©teinbrmferei, R. Lange, Gießen.


