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Weit wir, in Sm MWngruben des München Gruiides etite Kohlenschrämmaschine einMUHreu, Sie Mein Bruder selbst'tov- strnöert hatte. Um 4 Uhr morgens fuhren toiv mit der Friih- schicht ein und arbeiteten btt in einem toten -stoßen, der nicht m die Wetterftihrimg angesiWssen toter, hintereinander Mer Schichten, ofl» 16 Stmcken. Das Kvhleiiflötz hatte hier viele Ber- würse, nack einem duzen Einschnitt in die Kahle schnitten die GtStzle bald das Rot liegende, einen harten Sandstein an. Die Maschine toter für Handbetrieb eingerichtet. Ta galt es nun, mit gmizer Krasb die Kurbel.' drehen, wobei wir uns beide ablösten. Ma Lust toter sehr schlecht und schwül und fortwährend hörten wir das unheimliche Krebsen der aus der Kohle austretendcn (Lase. Ich- mußte meine Leistungen sehr bald auf die Hälfte vermindern, während mein Bruder bei voller Leistungsfähigkeit blieb.
Otto zeigte als kleiner Junge schon eine fabelhafte .yaito» Keschicklichkeit und großes Zeichentatent. Die Familie besitzt noch eine Sammlung ausgeschnittener Vignetten, die unsere Mutter mit den entsprechenden Daten versehen hat. Viele tragen die Jahreszahl 1852, wo er also vier Jahre alt war. Als.Vierzehu- fätzriger modetliecte er sein Porträt vor dem Spiegel so gut, daß Man eine Zeitlang den Plan, ihn Bildhauer werden zu lassen, ernstlich in Erwägung' zog, diesen Plan aber aus pekuniären Rücksichten bald wieder fallen ließ.
Rach Absolvierung seiner Studien auf der Gewerbe-Akademie Mächte ihm Direktor Kenkeaux den Vorschlag, bei ihm als Assistent einzutreteu. Diese Karriere war aber nicht nach seinem sinn. Der stcöWche Wettkampf des praktischen Lebens reizt« ihn mehr. Die Lösung schwieriger technischer Probleme übte einen großen ' Reiz auf ihn, aus, kein Wunder, daß das Flug Problem ihn dauernd fesselte.
War er mehr Künstler oder Techniker? Ein rastloser Trieb zu erfinden, zu erschaffen, zu geben, erfüllte ihn, wie den Künstler seine Idee; die schwierigen äußeren Verhältnisse des Elternhauses iiütefen ihn frühzeitig schon darauf hin, feine Fähigkeiten, die sich Mkch nach der praktischen Seite großzügig entwickelten, zu verwerten und auszubildeu für den Broterwerb. So dämpfte der Kampf ums Dasein ivoht das künstlerische Feuer, das aber nie erlöskh und noch öfter später zum Durchbruch kam.
Die freimütige, sonnige Art seines' Wesens übte ihren liebenswürdigen Zauber auf alle aus, die ihn kannten. Niemals sah inan ihn niedergeschlagen oder verdrießlich. Ein mißglücktes Projekt, eine ketzlgeschlagene Hoffnung erweckten in ihm sogleich die Lust zu neuem Schaffen, „die Scharte auszutoGen", wie er es nannte, und wie viele ergebnislose Versuche, wie viele mühsame Vorarbeiten mußten wir Brüder machen, ehe wir uns sagen konnten, vorwärts gekommen zu sein, den richtigen Weg zum Ziele gesunden zu haben! „Der Vater der Fkugtechnik" wird er jetzt genannt. Mit Recht bann man ihn so neunen, toter doch die Uugtechnik das liebste Kind feines Geistes.
Otto Listenthal war sehr vielseitig begabt. Als in den 80 er Jahren die große soziale Welle durch Deutschland flutete', angeregt durch die Erlasse des alten Küsters, da nahm er an dieser Stimmung lebhaften Anteil und richtete in seiner Maschinenfabrik für gefahrlose Dampstnvtore, auch ein Werk eigensten Schaffens, eine Gewinnbeteiligung für seine Arbeiter ein, welche sich, so lange er lebte, vorzüglich bewährte. Das Verhältnis zu seinen Arbeitern luter das denkbar beste. Aus derselben Gemütsquelle entstammte ein Unternehmen, das leider nickst lauge bestehen konnte, weil sich, keiner der -ahlreichLN Wohltäter in Berlin, auf die er gehofft hatte, zur 'Unterstützung bereit fand. Er wollte dem ärmeren Volke die Segnungen eines klassischen Schauspiels zu Teil werden lassen und er hat tatsächlich eine Zeitlang mit persönlichen Opfern eS möglich gemacht, daß den Bewohnern des Berliner Ostens für ein Eintrittsgeld von 10 Pfennigen der Genuß von Wilhelm! TM, Minna von Barnhekm, der Braut von Messina itftoi geboten wurde.
Die TheaterdirMion toter ihm für Lieferung einer Heizanlage verpflichtet und dies benutzte er, um ans die Regie seinen Eiitz- stnst, geltend zu machen. Der Direktor, der vor meist leeren Bänken schlechte Stücke mit dementsprecheirden Kräften bisher ausführte, überließ meinem Bruder schließlich gern di« Oberleitung. Dieser behielt mit seiner Behauptung, auch das weniger gebildete« Volk hätte gar nicht so schlechten Gefchäuack und würde gern klassische Stücke sehen, Mmn der Preis' zu erschwingen wäre, recht. Die Probe hierauf fiel glänzend ans. Tas Theater war überfüllt und somit die Ges amt ei nnahm e trotz der Preis«: 1. Platz 60 Pfg., tttzter Platz 10 Psg-., weit günstiger als vvcher. Der ideale Zug Schi'llerscher - Dramen und die andächtige Stimmung des Publikums erhöhte erheblich die Leistnnasfähigteft der ausk- führendeu Schauspieler. Philosoph und Philantrop konnten die anregendsten BeobachüMgen km Publikum machen, wenn sie wollten. Siner rührenden Szene an der Theaterkasse muß ich noch Erwähnung tun: Das Haus war ausverkanft, lange vor Begin» der Vorstellung, alS ein altes Mütterchen sich noch herandrängte mit ihrem Groschen in der hochgehaltenen Hand. „AuAverkauft!" rief man ihr zu. „Ach, lassen Sie noch doch »och hinein," bat sie, „ich totfl doch einmal waS von Schillern sehen, wer weiß, Ivie lange ich noch lebe." Die hellen Tränen standen ihr dabei in den Augen. Die Polizei hatte wegen der nngewShnlichm Ueberfülluim Mon Angst ein wtecksames Sütge ans das Ätkal geworfen; mein Bruder, der gerade hinzu kaut, trat der Alten daher seinen Platz
tit der Direktorloge ab. Es toter .ihm Ernst, mit seinem BOveheik, den Geschmack und sonnt die Moral des Volkes auf diese Weiss zu heben. Er hatte sich eine Audienz beim Kultusminister erteteni und denselben vor die Frage einer Subvention gestellt, natürlich ohne Erfolg.
Es dürfte au dieser-Steile von Interesse sein, zu crfefeeii,, daß der beliebte Auler-Steiubaukasten eine Lilienthal'sch« Er- findung ist. Ich hatte damals die Mitarbeit an einem Kftrdev- gartenwerk. Durch diese Anregung kamen wir dazu, uns zur Herstellung -.eines Bauspiels nicht aus Holz, sondern aus Steiw- mafse kausmännisch, zu verpflichten. Da der Herstellung sich mancherlei Schwierigkeiten in den Weg stellten, und wir uns zur Fertigstellung an einen bestimmten Termin gebunden hatten', gingen wir mit schwerem Herzen nm unseren Ofen herum, in dem! die .Keinen Steine gebacken wurden, zu unserem _ Kummer ab sämtlich mit braunen Häßlichen Flecken zum Vorschein tonen', bis es Ottos Scharfblick gelang, die Ursache dieses UebelstaudeÄ in den Verbreunungs'gasen des undichten Ofens zu entdecken und zu beseitigen. ' „
Als feine Bermögensverhältnisse es ihm gestatteten,, ertotttbl er ein Grundstück außerhalb- Berlins und verlebte dort mit seiner Familie neun Jahre migetriibtm Glückes. Er verstand es aber auch, froh und glücklich; zu sein, wie kein anderer. Wer, ihn dort besuchte, der Mußte immer den Eindruck von etwas Originell«»!, Besonderem mitnehmen. Entweder waren es die verschiedenen! praktischen Einrichtungen des einfachen freundlichen. Landhauses in der Boothstraßc in Lichterfelde oder dine Besichtigung von afient möglichen Fluggerät (damals noch ein ungewvhitter Aw- Rich in seiner Hellen Werkstatt mit der Aussicht auf einen prächtigen Rasenplatz. Eine Zeitlang konnte man and) auf diesem Platz eilte Anzahl junger Störche heruntspazieren sehen, bis diese eines morgens auf und davon geflogen waren, fehr zur Beruhigung der Hausfrau, deren Besorgnis, die spitzen Schnäbel der Tiere möchten mit den Gesichtern der spielenden Kinder in unliebsame Berührung kommen, durchaus begriutbet war. . .
Selbstverständlich war Sang und Klang in K mein' Vaupi selten verstummt. Er selbst war hoch musikalisch, ein ®rbtetfl der zur Opernsängerin ausgebildeten Mutter, er spielte ei8entttd)j jedes Instrument, das Ujtn unter die Finger kam, und die KKng» seines Waldhorns pflegten die scheid enden Gäste noch eine ganze! Strecke auf dem' Heimireg zu begleiten. In der sächsischen Schweiz war es, Ivo er einmal armen, herumziehenden Musikanten mit einem improvisierten Konzert zu einer schonen Einnahme verhalf. Diese spielten ihre Weisen vor einem großen Hotel, als' Ott» in ihre» Kreis trat und die große Arie aus dein Troubadour fv meisterhaft sang, daß die Gäste voller Begeisterung den Tellers den er daraus herumgehen ließ, für die armen Leute füllten.
Der liebenswürdige Manu war auch iit dem Punkte, in dem er die ernste Ausgabe seines Lebens sah, in der Flugtechnik, immer bereit. Wißbegierigen und oft leider nur Neugierigen, seine Ideen! ulid Experimente vorzusühren. Fast zti sehr! Ms' er mit grotyu Kosten nahe Lichterfelde für die Flugversuche eine 15 Meter hohe Anhöhe hatte aufschütten lassen und von der Spitze des Hügels die bekannten Gleitflüge ausführte, da tttotbe dieser Platz ein Wallfahrtsort für die schaulustigen Berliner, die sich am! Fuß« des Hügels lagerten, ihre Witze risfen und als Dank für die prächtige Schaustellung ihr bekanntes „Stullenpapier" zurück- fief-eit Jetzt ist der Berg vvn der nahen Lichterfölder Brauerei mit Anlagen gesch-mückt. Aus dem Raume auf der Spitze des Berges, in dem Otto Lilienthal sonst seine Gleitflieger aufbewahrtch ist ein Belvedere entstanden, an dem eine Tafel die Bedeutung des Platzes anzeigk. . „ ,
Allen denen, die Otto Lilienthal periönlich kamtten, Imrdi feilt Bild als Mensch unvergeßlich bleiben. Sein Werk aber, die Begründung der Flugtechiiik, lebt in den Kreisen derer weiter, die aus denselben Wegen tofdjen und arbeiten und es traten fiHre.it zu dem Ziel, die „Erreichung des' mi'chelvsen Segelfliigs^^ das er feilt Lehen lang ersehnte und erstrebte.
Der einsame Tod der Tiere.
Zur Zeit des rauhen, kalten Winters, wenn auch die ®?en> scheu sich in ihre Behausung zurückziehen, sind die Tiere des Feldes und d«S Waldes darauf angewiesen, sich schützende Schlupfwinkel zu suchen, und dennoch lausen sie häufig Gefahr, ihr Leben durch die Mißgunst der Witterung einzubüßen. Trotzdem findet man im Winter und überhaupt selten ein totes Tier, wenn eS nicht gerade von einem mörderischen Feinde ereilt worden ist. Daher ist vielfach die Frage erörtert worden, ob die Tiere zum Sterbe»! mit Absicht verborgene Plätze aussuchen, an denen ihre Leichen nicht gesunden werden können. Wenn man bedenkt, mit .welcher Fülle tierischer Wesen di« Erde bevölkert ist, worin allchhrlich doch eine große Mizahl zugrunde gehen niuß, so ist bie (Tatsache, daß' man so selten ans ein totes Tier trifft, geradezu auffallend. Schon bei Lunden und Katzen zeigt sich die Gewohnheit, daß sie mit dem Eintritte des Todeskampfes den fernsten, dunkelsten Winkel ihres Ausenthaltsories aiiuuchen, um dort ungestört die letzten Augenblicke ihres Lebens zu ycrbmigeir. Die Kaninchen verlassen freiwillig ihren Erdbau, um fern von de», ihrigen zu sterben, ebenso machen es die Feldmäuse ffl® Genossen. Eine tödlich verwundete öfemfc sondert sich von dem


