Deutschland auf -er Weltausstellung Brüssel RO.
bwa. Der Zeitpunkt nähert sich- da die Weltausstellung Brüssel 1910 ihre Tore öffnen wird. Am 23. April 1910 soll die Er- -fftnmg vor sich gehen. , v „x
Das deutsche R e i ch hat die Einladung der belgi;chen Regierung zur Teiluahuie an der Ausstellung amjenommen und chte beträchtliche Summe für diesen Zweck ausgesetzt. Für diese Bereitwilligkeit waren verschiedene Gründe ausschlaggebend, einmal das freundliche Verhältnis zwischen Deutschland und Belgien, ferner die Bedeutung, die Belgien für den deutschen Handel besitzt, und nicht zum wenigsten der Umstand, daß diese Weltausstellung besonders geeignet erscheint, den Interessen der deutschen Industrie zu dienen, weil auf ihr gerade die technischen, Gebiete der Industrie hervorragende Berücksichtigung erfahren sollen und Deutschland auf diesen Gebieten mit allen übrigen Landern mit besonderem Erfolg zu konkurrieren imstande ist.
Tas erste Ziel mußte natürlich sein, Deutschland aus der Weltausstellung einen guten und angemessenen Platz zu sichern. Tics gelang dem deutschen Ausschuß, dem auch Kommerzienrat Gaste l l (Mainz) augehört, nach Verhandlungen mit der belgischen Ausstellungsleitung, ohne Schwierigkeit und es wurde der deutschen Abteilung ein Platz von mehr als 30 000 Quadratmetern an günstig gelegener Stelle zugewiesen .....
Dabei erhielt die ganze Anlage der deutschen„ Ausstellung von vornherein dadurch! ihr charakteristisches Gepräge, daß in Brüssel — u. W. zum ersten Male — säintlichs Ausstellungsgegenstände in deutsche n H a l l e n untergebracht werden, mit anderen Worten, daß auch die Halle» selbst von Deutschland^^ errichtet und als ein Teil der deutschen Ausstellung selb» hergestellt jv.erdesi. Diese Gebäude bilden in ihrer.Gesamtheit eine.architiü-.
Herrscht- solche WifsenschM V'ekgäiigdner Zeiten '«och heute ist so Manchem ungeklärten Kopf.
Und wie der Mensch aws Himmel- Götter Und -Schichalsperkündcv sah, so sand- er dort auch die Zweiheit wieder, den Kämps nm« Sern und Nichtsein zwischen den Mächten des Lichtes und der Finsternis, der iit der Menschenbrust tobt.
Tiefer und tiefer dringt heute der forschende Geist! ein iit den Wunderbau des Weltalls. Er mißt Räume aus, die vvrzustrllm aller menschlichen Phantasie versagt ist. Er mißt und wögt ferne Weltenkörper. Er schaut mit ungeheuren, komplizierten Werk- zeugaugen, au deren Erfindung der Scharfsinn vieler Generationen gearbeitet hat, hinaus zu Welten, von deren Dasein die Voreltern! nichts ahnten. Er bannt Millionen Sternenbilder, die kein noch so gewaltiges. Teleskop dem Menschenauge zeigt, auf die photographische Platte. Er säugt und filtert mit Spektroskopen das Licht, das von den Sternen herüberstrahlt. Er bestimmt die Natur und den Zustand der Stosse, die da droben ihr Licht aussenden. Er zwingt bett Lichtstrahl, seiner Rechnung zu helfen und ihm die Geschwindigkeit zu nennest, mit denen die Himmel«. körper den Raune durcheilen. Ist, er beginnt die Jahrmillivucn des Entstehens und Vergehens der Sternensvnnen, ja ganzer Fixstern- wrfte.it nachzurechnen. Irr die Natur der großen, rätselbollest Kraft, die das All zusaistnieuhält, dringt er ein. Ster neu ströme spürt er ans; die Harmonie ihrer Bahnen beginnt,er zu ergründen. And erhabener noch als dem! inneren Ohre eines Pythagoras braust uns der gewaltige Sphärengefaug.
Sv stehen wir heute unter dem! schweigsamen Himmel der Nacht. Als Inbegriff alles dessen, Wsts ist, steht der Kosmos mit feiner Unendlichkeit von Raum und Zeit vor uns, als höchstes Mer Wunder vor unseren Augen. Er ist das- Land, das alle Mecker trügt, auf denen menschlicher Geist sucht und Erkeuut!- nissen uachgrnbt. Und der engere Kreis in diesem All, der das Menschheitsleben umspannt, ist uns der große Schauplatz des Dramas, das durch alles Kämpfen hindurch in stetigem Gang hinanführt von tiefsten Stufen, des Urdaseins zu immer höheren! Formen körperlichen und geistigen Seins.
Und trotz aller Gedanken über Acuderung der Entropie im! Weltall und über einen möglichen Wärmetod, über ein Zurück- fallen dieser schönen Welt in ein starres Nichts, dürfen wir allo sie freudig in unserer eigenen Brust lebendig fühlen, die heilige^ hie tief geheime Kraft des Ruswürts in der Welt.
Mir ist, wenn ich unter dein! reinen .Sternenhimmel! stehst, als wäre ich in einem erhabenen Tom, und Beethovens' neunte Symphonie erfüllte seine Räume.
Freude heißt die starke Feder In der ewigen Natur.
Freude, Freude treibt die Rädert In der großen Welteuuhr.
Blumen lockt sie aus den Keimen', , Sonnen aus dem! Firmament.
Sphären rollt' sie in den Räumen', Tie des Sehers Rohr nicht kennt. Froh, wie,seine Sonnen fliegen. Froh, wie seine Sonnen fliegen Durch des Himmels prächt'gen Plan', Wandelt, Brüder, eure Bahn, Freudig, wie ein Held, zum Siegen, Freudig, wie ein Held, zum' Siegen!
(Aus' Schillers Lied an die Freude.)
tonische Einheit, in deren Mittelpunkt das selbst die, größten' Riesenhallen weit überragende Deutsche Haus steht. Tie innere Ausgestaltung der einzelnen Hallen ist verschiedenen Künstlern von ausgezeichnetem Rufe übertragen, wie Peter Behrens-Berlin, Martin Tülser-Tresden, Bruno Paul-Berlin, Otto Walter-Berlin.
Tie Gesamtheit der Gebäude ist heute schon unter Dach und Fach. Sie wurden in der kurzen Zeit von Mitte Juli bis Mitte Dezember hergestrf.lt, in der Frist von kaum 5 Monaten sind somit Bauten int Umfange von mehr als 30 000 Quadratmeter errichtet worden. Immerhin bietet die deutsche Abteilung augenblicklich noch ein unfertiges Bild. Trotzdem kamt man sich b'r- reits eine Vorstellung davon machen, wie sie sich nach ihrer Vollendung den Besuchern darbieten wird. Tie deutsche Abteilung lehnt sich an den Pare du Solbosch an und wird sich in ihrem Gesamtcharakter dieser ländlichen Umgebung auch anpassen. Die Entwürfe für das Deutsche Haus ebenso tote für sämtliche ander« deutsche Bauten hat Professor Emanuel von Seidl, der bekannte Münchener Architekt, ausgeführt, der im Ausstellungs? wcseu ausgezeichnete praktische Erfahrungen besitzt. Ohne ängstliche Innehaltung eines einheitlichen Stils scheint das DeutsoW Haus in der Gestalt, die Emanuel von Seidl ihm gegeben HM vorzüglich geeignet, seine Zwecke zu erfüllen'. Einige vortrefflich« Werke deutscher Malerei und Plastik werden als Jnneyschmuck Verwendung finden. Und im Rebenbäu des deutschen Hauses ist bist Deutsche Weinstube untergebracht, wo ein Weinausschank von den in der NahrnngSmittel-Abteilung vertretenen deutschen.Weinausstellern erfolgen soll.
Den Schwerpunkt der industriellen Beteiligung Deutschlands bildet die M a sch in en abterlnng , die in drei großen HaUni untergebracht ist. Die Hauptmaschinenhalle, die, in der Mittj -der deutschen Halleubanten liegt, ist für wichtige ,Zweigs des Spezialmafchinenbaues bestimmt. Daneben befinden, sich die HaM für landmirtschaftliän' Maschinen, sowie die KraftmasckineuhallS mit dem Kesselhause, der Rückkühlaulage und den übrigen Enr- richlungen für den technifchen Betrieb. In der K'rastmafchiuenyailü werden Mafchinen von zusammen etwa 20 000 Pserdekräften vereinigt sein. .
Von anderen bedeutsamen, Industriezweigen wird man nr M deutschen Jndnstriehälle in erster Linie der E isLN' ndu str i«, ferner der Kraftwagen und L »s tsch is sin du irr,. - nM ihren Hilfsindnstriew, der Plauener Spitzensndustrre, dr» Spielw arcnindustrie, der der Herstellung von Musik- in str nm ent en u. a. m. begegnen.
Das deutsche Eisenbahnwesen gelangt umsangretch und anschaulich zur Tarstelkuug, unter Beietliguug beinahe aller großen Firmen des Lokvmotivbaues. In ähnlicher Weise wie ans den srüheren Weltausstellungen in Paris und St. Louis werd ein« Ausst e i I un g deut scher Ingenienrw er ke besorgt >oer- den, und dos preußische Ministerium der öffentlichen Arbeitest wird fick auf dem Gebiete des Wasserbaues beteiligen. Di« deutsche Landwirtschaft ist durch eine Saatzuchtau s st e l l n n g vertreten, die von der deutschen Landwirtschafts'gesellschast vorbereitet wird, , , . ,, , „
Auch eine Unterrichtsausstellung wird veranstaltet; Preutzen, das Königreich Sachsen !>nd Hamburg beteiligen sich daran. Hiev soll ein Ueberblick über das deutsche Schulwesen geboten werden. Vollständig eingerichtete Schulzimmer werden ein wirksames Bild von dem Aussehen deutscher Schulräume vermitteln und d'.e moderne Entwicklung des Unterrichts in Deutschland wird durch Lehrmittel aller Art, sowie eine vollständige Lehrer- und Lchüler- bibiiokyek usw. veranschaulicht. Tas Hilfslchulivesm mit ben' Blinden- und Taubstummenanstalten ist dabei nicht vergessen worden. Räumlich schließen, sich an die linterrichtsansstellung die Abteilungen für Feiumechauik, Optik, Chirurgie« M e ch a it i k und die Ausstellung des deutschen B u ch g e w e r b c s
Diese Auszählung erschöpst aber noch nicht alle Fächer deutschen Wissens und deutschen Könnens, die auf der Brüsseler Weltausstellung 1910 den Fremden gezeigt werden. Die Fülle des Gebotenen ist groß und mannigfach und Deutschiand tritt gut geivappnet und gerüstet in den sriedlicheit Wettstreit der Völker ein, dessen! Schauplatz die belgische Hauptstadt während der Sommermonate dieses Jahres sein wird!...
Vssmnehtss.
* Sen Eise n b a h n -Direktor, so naliltte der Haml- blirger Witz den verflossenen Tireklor des dortig«» Neuen Schauspielhauses, jetzige»» Direktor des.Wiener Burg-Thkaters', weil er während seiner Hamburger Amtsführung dauernd auf der Eise!!- bahn (nach Wien) tag. Im! „Tag" plaudert h'eiite ein Ent- täuschter: An der Kirchenallee steht bekanntlich das Deutsch!« Schauspielhaus', vis-ä-vis davon aber befindet sich der Haupk- bahnhof, und es hieß, der Boron stehe, wenn er in Hamburg weile, immer nur mit einem Fuße in seinem geliebten Theater^ mit dem anderen aber vor dem Billettschalter. allwv man die Hahrkarten nach Wien löse. Tatsächlich erschien Baron Berger in den letzten Jähren säst nur noch zu den Einstudierungen ihn persönlich interessierender Stücke in Hamburg; war die Premiere vorüber, so forderte er schleunig eine Fahrkarte nach Wien. M’O« Frage: die Entwickelung des! Schanspielhauses' Hat unter dieser


