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19io — nr. £9
Mittwoch den 16. November
(Sortierung.)
(Nachdruck verboten.)
Rheiichrovinzen."
„So ist es. Und naturgemäß: Eldringen vertritt di«
Friedel halb-süß.
Roman von Fedor von Zobeltitz.
Sache seiner Firma."
Fritz schnippste mit den Fingern bei einer plötzlichen Erinnerung. „Ein Mitglied des Hauses Miquelon kenne ich auch," sagte er, „freilich nur ein weibliches.. . . ." Er sann einen Augenblick nach. . . . „Nein — das ist Unsinn," fuhr er fort und halb zu sich sprechend, „wir haben nicht zu bitten, wir haben zu fordern! — Also Eldringen, Albert. Ich taxiere, er ist anch der Ehrenmann, der uns die ganze Suppe eingebrockt hat!"
Helldorf zuckte mit den Schultern. Er hatte inzwischen die zweite Flasche Sekt beinahe geleert. „ „Lieber Fritz, laß uns beim Sachlichen bleiben. Ich möchte im Interesse deiner Firma, auch in deinem persönlichen, den Streit beilegen. Es ijst möglich, sogar wahrscheinlich, daß mir . das gelingt. Und zwar auf eine Weise, die euch keineswegs demütigen soll — im Gegenteil. Ms Dank erbitte ich mir nur Eins."
„Und das wäre?"
„Deinen Verkehr in meinen: Hanse."
Fritz durchzuckte es. Wie ein erhellender Blitz schoß ein Verdacht durch seinen Kopf. Seine größte Feindin saß
„Albert, du vergißt, tute kameradschaftlich ich mich mit Abeelen stehe. Es war ganz natürlich, daß ich zunächst mit i h in alles verabredete. Schließlich ist er doch auch der Schöpfer des ganzen Unternehmens und seine treibende Kraft. Natürlich hat er mich anch auf Lesson aufmerksam gemacht. Das geschah aber erst, nachdem meinerseits längst alle Vorbereitungen getroffen waren. Trotzdem ist die Flasche mit dem Taufsekt, der silbernen Hülse UNd allem sonstigen Zubehör auf Wilnsch Abeelens direkt an Lesson gegangen. Daß er sie erhalten hat, beweist die postalische Quittung."
„Sie beweist aber noch nicht, daß sie auch Verwendung gefunden hat," entgegnete Helldorf. „Und tatsächlich ist das nicht der Fall gewesen. Tatsächlich hat Miqnelon- scher „Excelsior" als Taufsekt gedient."
Fritz wurde kalkweiß im Gesicht. „Das weißt du mit aller Bestimmtheit, Albert?!" ries er.
„Mit Äller Bestimmtheit, mein lieber armer Kerl. Es läßt sich nicht ändern: Ihr seid die Reingefallenen."
Das Weiß auf den Wangen Fritzens wich rasch der tiefen Röte des Zorns.
„Dann sind Ivir eben schamlos betrogen worden! Von wem? Von Abeelen gewiß nicht."
„Natürlich nicht. Der einzige Vorwurf, den man ihm machen kann, ist der, daß er euch Dinge zugesagt hat, die ihn eigentlich gar nichts angingen. Aber das liegt nun mal so in seiner Natur. Ich zweifle auch keinen .Augenblick, daß er Lesson gebeten hat, als Taufsekt euren „Excelsior" zu nehmen. Nichtsdestoweniger hat Lesson den der Firma Miquelon gewählt."
„Das widerspricht aber der Angabe des Herzogs!"
„Lieber Freund, als Abeelen deine Depesche beantwortete, hatte er sicher noch keine Ahnung von der Sachlage. Man hat ihm beim Taufakt eine Flasche Champagner gereicht, nicht wahr? Glaubst du, er hatte Zeit, Etikett und Korkbrand zu prüfen? Zudem steckte ja die Flasche in einer silbernen Hülse. Kann sie nicht Aehnlichkeit mit der von euch gelieferten gehabt haben?"
„Gewiß," erwiderte Fritz bitter; „das ist sogar anzunehmen bei der Geschicklichkeit, mit der die Betrüger vorgegangen sind. Wir haben Abeelen aber auch den Schaumwein für das Festmahl geliefert — oder vielmehr dediziert. Sollte er da nichts von der Unterschiebung gemerkt haben? Oder hat man uns wenigstens bei dem Bankett die Ehre erwiesen, unfern „Excelsior" zu trinken?"
„Auch das nicht. Das wäre das Tollste gewesen. Nein, es war gleichfalls Epernayer. Ich bezweifle übrigens, daß Abeelen beim Bankett aus die Flaschen geachtet hat,
die beim Einschenken zudem mit Servietten umwickelt waren. Er mochte, cs für selbstverständlich halten, daß Lesson seinen Wunsch respektiert hatte. Aber es war leider nicht selbstverständlich."
„So ist also Lesson der Schuft gewesen, der Uns ver> drängt hat?"
„Liebster — -Schuft, sagst du. Nun ja — vielleicht'. Aber folgendes ist zu bedenken. Um das Geschäftliche küm- inerte der Herzog sich so gut wie gar nicht. Auch die Ar- rangeinents für die Feier des ersten Aufstiegs lagen |ut Lessons Hand. Er konnte tun, was er wollte. Und das tat er denn auch. Vermutlich haben die Miquelons ihn gehörig gespickt."
„Sicher!" rief Fritz. „Albert, der Wahrheit die Ehre: ist das Ganze nicht eine unerhörte Gemeinheit? Warum kein offenes Spiel? Weil man uns eine Blamage bereiten wollte. Der alte Haß der Miquelons wollte fich austoben. Aber sie täuschen sich, wein: sie glauben, daß ich mich niederstrecken lasse. Ich werde ohne Rücksicht auf Monsieur Lesson die ganze Infamie anfdecken. Vor aller Oeffentlichkeit. Ber Gott, das tue -ich. Ich bin es der Ehre unseres Hauses! schuldig." • _ ,
„Du bist der Ehre deines Hauses schuldig, daß der Skandal sich nicht noch mehr vergrößert. Gegen die nackten Tatsachen läßt sich nicht- machen. Endgültrg sprechen fte imnu am lautesten. Das einzig Verständige ist, durch eine gütliche Einigung mit den Miquelons die Sache aus der Welt zu schossen."
„Sprichst du in. ihrem Auftrage?"
„Wie käm ich dazu? Ich kenne die Leute ja gar nicht." „Aber du kennst Eldringen, ihren Generalagenten für


