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mir theoretische, sondern auch praktische Vorteile erzielt iverden können.
Der Vollständigkeit halber muh noch erwähnt werden, daß Belgien ganz gesondert mit einer großangelegten Heimarbeits- ausstellung auftreten wird. Hier dürfte namentlich die Spitzenabteilung das Interesse der Besucher in höchstem Maße in Anspruch nehmen. Auch ein internationales Arbeiterdorf, in dem Belgien, Deutschland, England, Frankreich, Holland und Spanien mit modernen Arbeiterhäusern vertretensein werden, wird auf der Ausstellung auzutreffen sein. Es ist also durch die beiden Sonderabteilungen Sozialpolitikcrn und Hygienikern Gelegenheit geboten, Spezialstudien zu machen, da ja alle beteiligten Länder mit ihren besten Einrichtungen aufwarten werden.
Wenn mau die Fülle des Gebotenen auf der Brüsseler Weltausstellung in Betracht zieht, dann kommt zum Bewußtsein, welch ungeheure Bedeutung Belgien dieser Ausstellung zu gel>en wußte. Es gibt kein Gebiet, das nicht berücksichtigt wurde, und wenn man bedenkt, daß die mit der Ausstellung verbundenen vielen Fachkongresse das Gezeigte wirkungsvoll ergänzen werden, dann wird man die Bedeutung, welche die Ausstellung für die gesamte Welt haben muß, richtig einschätzen. Sie wird ein getreues Spiegelbild der hochentwickelten Technik und Wissenschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts bieten. Je kleiner das Land, desto größer das Verdienst, daß es sich dadurch erwirbt, daß es die Möglichkeit von vergleichenden Betrachtungen bietet, von der hoffentlich Deutschland Nutzen ziehen wird. I. W.
Ein UomeLeuzusammenstch vor acht Jahrhunderten.
Es ist nun schon oft genug, sollte man meinen, darauf hingewiesen worden, daß ein Zusammenstoß der Erde mit dem Schweif eines Kometen, wenn er tut Laufe dieses Frühjahrs erfolgen sollte, nicht das erste Ereignis dieser Art wäre, das fünfer Planet seit Menschengedenken durchzumachen hätte. Der einzige Unterschied, der zwischen dem mutmaßlichen diesjährigen Renkontre und dem früheren besteht, liegt darin, daß setzt die Astronomen die Begegnung auf Tag und Stunde schon monatelang Voraussagen, während früher die Menschen vorher nichts davon ahnten und meist auch wahrscheinlich von dem eigenartigen Besuch, den die Erde aus dem Himmelsraum erhielt, überhaupt nichts merkten. Sie sahen wohl den .Kometen, wenn er hell genug war, unr sich dem bloßen Auge Zu offenbaren, und sie sahen vielleicht auch einen Sternschnuppenfall, machten sich aber keinen Begriff davon, daß beides miteinander in Zu- sanrmenhang stehen könnte. Und wenn, unsere Vorfahren durch die Erscheinung eines Kometen in gewaltige Angst versetzt wurden, so beruhte diese doch auf einem anderen Merglauben als auf der Besorgnis, daß der Körnet selbst Wer die Erde herfallen und sie entweder vergiften oder zertrümmern könnte. Man kann also sagen, daß die Astronomen viel klüger geworden sind, die übrige Menschheit in diesem Punkt aber weit geringere Fortschritte gemacht hat. Professor Krebs aus Kiel hat jetzt in der Frankfurter Wochenschrift „Umschau" einen kurAen lehrreichen Aufsatz Wer frühere Durchgänge der Erde durch Kometenschweife veröffentlicht. Er erinnert daran, daß, so lange es eine astronomische Wissenschaft in höherem Sinne gibt, nur ein einziges derartiges Ereignis stattgefunden hat und mit vollkommener Sicherheit sestgestellt worden ist. Dies geschah am 26. Juni des Jahres 1819. Damals trat nicht das Geringste von den Wundern ein, die man jetzt in der Erwartung des 18. Mai teils hofft, teils befürchtet, sondern man merkte gar nichts Besonderes. Dreizehn Jahre darauf, also 1832, ging wieder einmal eine Panik durch die Menschenwelt, und Awar glaubte man damals auch, daß ein Komet eine Massenvergiftung über die Erde bringen würde. Es braucht uicht gesagt zu werden, daß auch nicht ein einziges Wesen den Gifttod auf diesem Wege gefunden hat. Daun wurde ferner für den 28. oder 29? Juni 1861 ein Kometenzusammenstoß berechnet, und diesmal hatten sich die Astronomen geirrt. Professor Krebs aber hat eine Ausgrabung in den alten Ueberlieferungen der Himinels- kunde vorgenommen und dadurch festgestellt, daß im Jahre 1106, als der vom Schicksal so arg heimgesuchte Kaiser Heinrich der Vierte auf der Höhe seines Unglücks das fünf- Ktgste Jahr seiner Regierung hätte feiern sollen, ein Ko- Metenzusammenstoß stattgefunden hat. Diese geschichtliche Tatsache verdient heute umsomehr Berücksichtigung, als es schon damals der Halleysche Komet war, der sich in seiner Weise mit der Erde befaßte. Ein Chronist aus dem fechs- Kehnten Jahrhundert, Conradus Lykoschenes, hat in einem allerdings etwas fragwürdigen Latein eine Beschreibung
dieses Näturvorgangs gegeben Und durch einige sonders bare Abbildungen zn veranschaulichen gesucht. Am 5. Februar des Jahres 1106 wurde zum erstenmal bei lichtem Tags eilt Komet gesehen, der angeblich eine Elle von der Sonne entfernt war. Am 9. Februar wurde aus Italien die höchst merkwürdige Beobachtung geineldet, daß Sterne mn Tageshimmel erschienen, „bald' als flögen sie miteinander um die Wette, bald als fielen sie Mr Erde herab". Das können selbstverständlich keine Sterne gewesen feilt, sondern wenn die Nachricht überhaupt als zuverlässig zu betrachten ist, nur Kometenteile, die sieh bei der Reibung mit der Lufthülle der Erde ablösten. Die damalige Erscheinung des Halleyschen Kometen ist eines der wichtigsten Fakta der Geschichte der Agronomie geworden, weil danach im Jahre 1680 Newton zu allererst eine Berechnung der Bahn eines wiederkehrenden Kometen versuchte und gleichzeitig den Astronomen Halley, nach dem der Komet dann später benmint worden ist, dazu veranlaßte, diese Arbeit gründlicher fortzusetzen. Uebrigens blieb der Komet im Jahre 1106 mehr als zwei Wochen lang in erstaunlichem Glanz am Himmel sichtbar, woraus zu schließen ist, daß äuch er durch die Begegnung mit der Erde keinen erheblichen Schaden gelitten hatte.
vermischter.
* Selten frisch Immer wieder muß vor der ganz un- simtigen Anwendung dcs Umstandswortes „selten" gewarnt werden. Ta wurde kürzlich ein Bericht über einen plötzliches Todesfall mit den Worten begonnen: „Gestern abend starb Herr N. Am Morgen seines Todestages war er selten frisch gewesen" — Aha, sagt man sich, kein Wunder, daß er nachher starb: aber das stimmt nicht, denn es heißt weiter: ,-obwohl cr| in der Nacht vorher sehr wenig gescUas« hatte". Also liegt eist Gegensatz vor: trotz schlechten Schlafens war ec „selten frisch", das soll heißen „frisch Wie selten", heißt aber gar nicht so, sondern ist fatsch und höchst irreführend. — In einem änderest Nachruf stand: „Er war vor allem ein Mensch, ein selten wohltuender Mensch, ein christlicher Mensch." Ist das christlich, nur „selten" Wohlzutun? — Oder es steht geschrieben: „Dieses Unternehmen gibt selten gute Dividenden." Also werde ich- mich hüten, Mich daran zu beteiligen, denkt man. Liest man aber Weiter, dann erfährt man, daß so hohe Gewinnanteile ausgezahlt würben, Wie man es selten erlebt. — Ein selten schöner Stil ist keineswegs ein einzig schöner, sondern ein höchst minberWirtiger, der nur hier rind da einige Lichtblicke zeigt: ein selten reicher Ernteertrag ist etwas sehr Betrübliches, genau wie ein selten fleißiger Schüler und ein selten Wohltuender Eindruck. Auch die selten glückliche Ehe, von der man in mancher Todesanzeige liest, sollte doch eigentlich nicht fy öffentlich erwähnt werden: der Anzeigende beleidigt ja den Toten sowohl Wie sich selbst miss seltsamste mit mit dieser Redensart. Mann werd« wir solchen Torheiten sel-i teuer begegnen? ' •'
Abschied.
Heimlich ziehts mich in die Ferne,
Hab die Heimat doch so lieb, Nur ein Mensch und tausend Sterne Wissen, was mich von ihr trieb.
Und so will ich rascher schreiten, Heimat, spürst du meinen Schritt? Leise tret ich, sollst nicht leiden, Meine Leiden nehm ich mit.
Abendstern, dich möcht ich sehen Bis zum heimatserneii Strand. Leuchte noch vorm Untergeben Einmal wie im Heimatland. Karl Feilbach.
_________Magisches Zahlen-Quadrat.
In die Felder nebenstehenden Quadrats --sollen die Ziffern
2 17 26 39
--viermal derart eingetragen werden, daß die Summe der Zahlen in jeder der senkrechten, wagerechteii und Diagonalreihen stets 84 __beträgt.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Kapscl-Nätsels in voriger Nummer;
Was man am Sonntage erwirbt, man am Montage verdirbt.
Redaktion: K. Neu rat b. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Wietze«.
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