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rtriegrerlebnisie aus Klein - Linden.

Mein-Linden, das jetzt gegen 1650 Einwohner zählt, war W Ende des achtzehnten Jahrhunderts ein kleines Dörfchen mit ca. 240 Seelen. Die Einwohner waren Landwirte, Fuhrleute, Handwerler und Taglöhner. Tie Erwerbscerhültnisse für die geringeren Leute umreit in der damaligen Zeit so ungünstig, daß, mehrere in den Steuerlisten alsbettelarm" aufgeführt werden.

Nach Aufzeichnungen aus einem Tagebuch bekam eine Magd jährlich 9 Gulden Lohn, rin Knecht 15 Gulden. Der Taglöhner Ruppert empfing für das Ausgraben von 68 Baumlöchern in der Wüstung 3 Gulden; die beiden Hirten Herbert und Spuck für die Beerdigung mehrerer französischer Soldaten, die an einer Seuche gestorben waren, 1 Gulden, 2 Laib Brot und 2 Schoppen Brannt­wein, und gar der Bürgermeister Anton; Nvydel erhielt 1758vor einen Gang nach; Darmstadt wegen Sachen der Gemeinde 3 Gulden 15 Albus".

Diese ärmlichen Verhältnisse verschlimmerten sich; aber Noch mehr durch die Drangsale der beginnenden Kriegszeiten.

Tas Jrchr 1759 brachte dem Oberfürstentum Hessen viel Un­ruhe. Durch seine Lage an der Heerstraste, die das südliche Deutschland mit dem nördlichen verbindet, war es beständigen Truppendurchmärschen und Einquartierungslasten ausgesetzt. Tie Festung (Niesten befand sich in den Händen der Franzosen, und Klein-Linden, der nächstliegende Ort, war dvn Truppen besetzt, die die Einwohner in beständiger Aufregung erhielten.Am 21. und 22. Dezember waren besonders unruhige Tage, indem die Garnison aus Gießen einen Ausfall machte, Nm Klein-Linden! des Morgens um 3 Uhr zu attackieren. Die Feinde schlichen sich rechts unter dem Schisfenberg, ferner links über Heuchelheim, während die dritte Kolonne auf der Landstraße verblieb. Trotz des Ueberfalles von drei Seiten sammelten sich die Bataillone und die Kavallerie! in Klein-Linden, trieben den Feind aus tarn' Orte und jagten ihn in Konfusion in sdie Stadt."

Zwei gefallene hannöverische Offiziere werden in der Kirche begraben. Tie Gemeinde empfängt 1 Gulden für Begräbnislbsten.

IM VomMenden ^Frühjahr fehlt es den Ortseinwohnern an Saatfrucht. Tie Gemeinde bestimmt solch« geliefert und verteilt sie nach Mastgabe des Besitzstandes an die Bauern.

Im Jahre 1762 nimmt Klein-Linden 600 Gulden auf, nM die entstandenen Kriegsschulden zu bezahlen; als besondere Ein- nahnten erscheinen aber 112 Gulden fürallerhand Fahrgeschirr, das die Vorspannfuhrleute bei der Flucht zurückgelassen haben".

Nach etwa 30 Friedensjahren taucht wieder die Kriegsfackel! auf und wälzt ihren Brand aus dem revolutionären Frankreich über den Rhein in die Main- »und Lahngegend. Tie Schrecknisse des französischen Raubzuges nach Teutschland sollten das Ober> fürsten tum Hessen in der furchtbarsten Weise treffen. 1794 wird auf dem Wredeschen Hof in Klein-Linden ein Lazarett aufge- fchlagen und 217 verwundete Soldaten und 2 Weiber werden dann ausgenommen. Tie Gemeinde bezieht aus Wetzlar Pulver und Mei. Ter Schncidcrmeistier Schaum erhält den Auftrag, aus dem Blei Kugeln zur Landesverteidigung zu gießen. 'Das Torf erhält für 3 Tage als Einquartierung 35 Offiziere, 116 Unter­offiziere, 1792 gemeine Mann, 79 Weiber, 50 Kinder, 511 Knechte Und 1758 Pferde. 1 , , .. .

Ter Gemeindsmann Philipp Renschling fand auf erneM Acker hinter der Burg eine vergrabene Kassette mit wertvollen Brrcs- schasten, fclic er an das Oberamt in Gießen abliefert ,

1795 erhält Klein-Linden als Einquartierung 30 Offiziere, 76 Unteroffiziere, 497 gemeine Mann, 23 Weiber, 722 Knechte und 1993 Werde

' Beim Abzug des Feindes.müssen alle verfügbaren Gespanne aus Klein-Linden Proviant nach deut Kriegslager bet Herborn schassen. Ta Man vergeblich auf die Rückkehr der Fuhrleute Wartet, wird der Gemeindesch.eiber Weigel im Auftrag der Ge­meinde als Kundschafter in das feindliche Kriegslager enfiendet, innt über den Verbleib der Gespamte Nachricht zu erhalten^

1797 erlebt Klein-Linden seine Wvtzrsten Zeiten, «chiul- lehrer Frank schreibt über eine Plünderung in Klein-Linden einen Ausführlichen Bericht. m ,

Wir lesen darüber in einem Kwchen-Protokollbuch folgende Aufzeichnung:Nachdem der Kriegsschauplatz schon verschiedene! Jahre in hiesiger Gegend gewesen und die Kaiserlichen undlftanzö- sischeu Armeen wechselweise avanciert und retiriert waren, drangen die Franzosen den 18. April 1797 bei Neuwied über den Rhein Und zwar so geschwind, daß, sie am 21. April hie Kaiserlichen von den» ganzen Lahnstrvnr bis ait die Nidda verdrängten. Um 3 Uhr nachmittags waren die Kaiserlichen noch in Klein-LlNr-en, aber schon 31/2 Uhr kamen die ersten französischen Dragoner ms Dorf, die in der Lindener Markins Handgemenge gerieten. Bald darauf kam es zwischen Steinberg und Grüningen zu einer Schlach:, die zmn Nachteil der Franzosen ausfiel, wobei auch! derstranzostsche General Ney gefangen wurde. In der nämlichen Nacht oekam das hiesige Torf 600 Mann Dragoner ins Quartier, welche aber am anderen Morgen wieder abrückten. Am 22. /April, morgens 6 Uhr, fiel die französische' Armee, welche sich 6et Meßen m den Gärten gelagert hatte, hier zum Plündern em und dies dauerte bis abends 7 Uhr. Wenn eine Partie fort Mr, kam die andere, so das; in manchen Hausern nicht die geringsten Lebensmittel ubng blieben und die meisten Leute haben in drei Tagen keinen Billen

Brot gehabt. Ter Schaden, den der Ort erlitten, wird auf 14 000 Gulden gerechnet; nicht allein Lebensmittel, sondern auch Kleider! und Weißzeug nebst vielem Geld haben die Feinde genommen'. Ter Schullehrer Frauk hat nach seiner geringen Haushaltung einen Verlust von 250 Gulden gehabt. Es ist doch auch ungleich bei der Plünderung hergegangen. Einige der reichen Häuser in der Obergast hatten sich durch eine Partie Kanoniere Sicherheit ver­schafft, so daß sie nichts dabei verloren. Gleich nach der Schlacht Lei Grüningen kam ein Waffenstillstand zuwege, der 22 Monate dauerte. Tie französischen Truppen wurden in das ganze Ober- fürsientum einquartiert, wo endlich alles draufgegangen. Tas Land ist dadurch so aus- und abgezetzret worden und 'hat so viel« Schulden gemacht, daß Kindes'kinder sie nicht bezahlen können." Wie sehr der Schullehrer Frank in seiner Schluß,bemerkung recht hatte, beweist die Tatsache, daß heute poch 1742 Mk. älter« Kriegsschulden in der Gemeinderechnung für Klein-Linden ein­gestellt sind. Während der Zeit der Einquartierung bezahlt die Gemeinde von Mai bis Dezember 1797 an Ba'lth. Schiefer tri Gießen an Wein für französische Offiziere 520 Gulden und von da bis zum 8. Mai wieder 171 Gulven für Wein und7 Gulden für Branntwein. Auswärtige Offiziere kommen nach K'lein-LindeN und müssen mit verpflegt werden. Di« Frau des Schullehrers erhält 9 Gulden für Zurichtung .der Wäsche zweier ,französischer Offiziersfrauen. Auf Befehl der Franzosen wird die in schlechtem Zustande befindlich)« Ortsstraße (Wetzlarer Straße) von den Maurermeistern Größer und Kinzebach ausgebessert. Tie Gemeinde gerat immer mehr in Schulden. Es werden 5025 Gulden für Kriegslosten ausgenommen und im' nächsten Jahre wieder 888 Gulden für Kriegsfahrteir, weil der Viehbestand so rcduzrert war, daß Fuhrwerke aus der Nachbarschaft herangezogen werden mußten, um die arl die Gemeinde verlangten Fuhrleistungen zu ermöglichen. Um dem großen Notstand in der Gemeinde! Klein-Linden zu steuern, sendet der Amtmann Gravclius Von Gießen an den Bürger­meister folgendes Schreibar:Ta es die Billigkeit svwbhll, als selbst das allgemeine Wohl und di« christliche Pflicht, welch« ein Einwohner dem anderen schuldig ist, es erfordern, daß ber dem dermaligen großen Notstand des Landes und der einzeln«^ Gemeinden jeder dem anderen nach Kräften beistehen und nicht bloß seinen eigenen Vorteil, sondern auch den seines. Neben- Menschen und das allgemeine Veste zu fördern suche, dies aber dadurch hauptsäcUich erreicht wird, daß di« Sommerfelder aus- geste'llt werden, damit man doch wieder Hoffnung habe, ein« gute Ernte zu erhalten, so rechnet Man auf sämtliche Einwohner zu Klein-Linden, daß derjenige, der noch mit Vieh und Geschirr versehen ist, denen so darum gekommen sind, nach allen Kräften! beistehen werde und zwar so, daß sie nicht vorher alle ihre Felder bestellen und die anderen warten lassen, sondern wechselswersS einen halben oder ganzen Tag für sich und ihre unglücklichen Mitemwohner arbeiten werden, damit letztere nicht noch gänzlich ins Verderben gebracht werben." .

Von den weiteren kriegerischen Ereignissen bleibt Klein-Lrnden unberührt. An dem unheilvollen Feldzug Napoleons nach Ruß­land haben unter .Führung des Prinzen Emil von Hessen drei Soldaten aus Klein-Linden teilgenommcar. Zwei von ihnen, Daniel Lenz und Friedrich Weller, sind beim Uebergang über die Beresina! umgekommen. Aus dem Jahre .1813 findet sich bei den hiesigen: Gemeindearten noch ein Schreiben aus Darmstadt vor, in dem die Mitteilung gemacht wird, daß, ein mit vier Ochsen bespannter! Wagen einem russischen Soldaten im Wald« bei Darmstadt ab- genommen wurde. Ter fast zu Tode geschlagene Bauer soll aus Klein-Linden stammen. Ter hiesige Schultheiß, wird in bart Schreiben ausgefordert, den Eigentümer zu ermitteln. B.

Persönlichkeit.

lieber das Wesen der Persönlichkeit lesen wir im! Türmer": Die großen Persönlichkeiten sind eine Groß­macht in der Geschichte, sie sind die eigentlichen Träger des Fortschritts auf allen Gebieten des Lebens. Ihnen gegenüber offenbart sich jo recht die grobe Einseitigkeit der materialistischen Geschichtsbetrachtung. Diese hat die Tendenz, den einzelnen nnd die Wirkung des einzelnen, die Persönlichkeit und ihre schöpferische Kraft möglichst auf ein Minimum herabzudrücken. Die Verhältnisse, die gei­stigen und sozialen Strömungen, die wirtschaftlichen Evolu­tionen, die Umstände, das Milieu, das alles wirb zum all­mächtigen Schöpfer auch der fogenannten großen Persönlich­keiten. So bleibt denn schließlich gar nichts Wunderbares! und Bewunderungswürdiges mehr übrig. Nun liegt ja int materialistischen sozialistischen Geschichtsdogma, wenn: auch nicht alle, so doch einige Wahrheit: denn auch die größten Persönlichkeiten sind Kinder ihrer Zeit und haben Anregung und Geistesuahrung empfangen aus ihrer ttin- gebung aber sind sie damit auch restlos erklärt? Warum sind andere, wiewohl sie dieselbe Lust wie jene Großen geamtmet, so klein geblieben? Warum sind die Knaben, die einst mit einem Luther oder einem Kant zur Schule gingen, nicht auch ein Luther oder Kaut geworden? Gewiß,