Ausgabe 
16.3.1910
 
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Droesigl.

JJlotnan von Georg Freiherrn von Ompteda.

(Nachdruck verboten.)

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Bon all dem erzählte Gräfin Regnier, als habe Agathe keine Ahnung davon. Zum Schluß klagte sie, die beiden brauchten soviel Geld' Dann verbesserte sie aber:

Nicht die beiden, sondern Patsch. Immer sollen wir zahlen. Unser F inge ist so bescheiden! Sie hat ihm vorgeworfen, er zöge sich schlecht an, aber neulich, denke dir, Aga, sagte er mit Tränen in den Augen:Und ich spare doch nur für sie."

Kannst du denn nicht mal mit ihr reden?

Agathe zögerte einen Augenblick, dann meinte sie:

Mas sollte es helfen, wir sind uns ganz fremd. Patsch hat seit Jahren nicht ernst mit mir gesprochen. Nur Hofmachen will sie haben, schwatzen, sich unterhalten. Sie kann nicht allein sein. Sie beschäftigt sich nicht. Bei uns in Kölln verlangt sie nur nach der Zeitung, aber auch nur, wenn eine Skandalgeschichte darin steht oder ein Mord­prozeß. Bald hat wenigstens ihre Lefeperioden, ihr genügt ein neues Kleid. Mein guter Ludwig läßt ihr manchmal vom Gärtner ein paar Blumen bringen, darüber kann sic sich einen ganzen Tag freuen. Gott, sie ist doch auch älter geworden! Und dabei ist doch Baly viel schöner als Patsch. Patsch hat nur eine gute Figur, aber Baty ach, wenn ich so schön wäre!

Gräfin Regnier vergaß den eigenen Kummer:

Aga, die schönen Frauen sind nicht immer die glück­lichen.

Nun, ich gefalle meinem Mann, und mehr braucht's ja nicht.»

Die Exzellenz stand auf:

Ja, wenn deine Schwester so dächte! Mein Gott, wie ist meine Tochter glücklich! Warum kann's mein Junge nicht auch sein? Und ich muß alles in mich verschließen. Du weißt nicht, Aga, wie gut du's hast, du kannst deinem Mann alles sagen, und er sagt dir alles.

Agathe schlug die Sängen nieder:

Ist dein Mann nicht auch unglücklich darüber?

Die Gräfin blickte sie erstaunt an:

Ach, Patsch kommt mit ihrem Schwiegervater ganz güt aus. Er erzählt ihr unpassende Geschichten, das unter­hält beide. Er schimpft nur, wenn er zahlen muß. Immer schwindelt sie ihm Geld ab. Ich glaube auch weiter nichts Schlechtes; die Ehe bricht sie nicht, aber mein Junge soll doch glücklich sein, und die beiden leben ja wie zwei fremde Menschen!

Dre Gräfin sah nach der Uhr:

O, es ist schon halb acht! Mein Mann ist wahr­scheinlich nach Haus gegangen. Sage deiner Schwester nichts, es hilft doch nichts.

Dann legten die beiden zum Abschied einen Augenblick Wange an Wange.

Kurz darauf trat Oskar ein mit der Meldung, der gnädige Herr habe eben telephoniert.- Er ließe die gnä- dige Frau bitten, immer zu essen, er käme ^bäter.

Mit kaum merklicher Verbeugung nahm er an der Tür noch einmal Stellung:

Befehlen gnädige Frau vielleicht das Diner hier serviert? Der gnädige Herr hat gesagt, die gnädige Frau äßen nicht gern allein unten.

Gut, ich will hier essen.

Als zwei Kellner bedienten, stand Oskar ein Stück ent­fernt, ohne sich zu bewegen, nur mit den Augen das Stuf* traaeu leitend.

Wer es dauerte und dauerte, und Ludwig kehrte nicht zurück. Sie nahm ein Buch, begann schließlich zu gähnen, und heu Finger zwischen den Seiten, lehnte sie sich int Stuhl zurück. " Sie fühlte sich in wohliger Stimmung, ihre Kinder gediehen, ihr Mann liebte sie. Hatte es nicht Gräfin Regnier fast mit Neid gesagt? Nur etwas beunruhigte sie leise: er hatte nicht immer das rechte Vertrauen zu ihr. In ihm blieb ein letzter Röst von Fremdem, den die Fahre ihrer Ehe noch immer nicht hatten überwinden können.

Eine Hand legte sich auf ihre Schulter. Sie fuhr auf:

Ach endlich!

Doch es war die Jungfer, die ihr zuredete, zu Bett zu gehen. Selbst ganz verschlafen entkleidete sie Agathe, und die junge Frau schlief ein. Da war es wieder, als ob jemand sie berühre. Sie versuchte wach zu werden. Das Licht blendete.

Verzeih, liebes Kind hörte sie nur. Ludwig sprach von italienischer Renaissance. Sie mußte ihre Gedanken sammeln, sie war doch in Berlin! Nun erblickte sie ihn auf dem Bettrand mit gerötetem Gesicht, wie er lebhafter als sonst erzählte:

Dieses Karyatiden-Portal ist prachtvoll. Der Herzog hat mir gesagt, tvas das allein gekostet hat. Sein Vater hat es aus Jaalten mitgebracht! Und das Gitter mit deck goldenen Lanzen! Vielleicht zu französisch, aber es ist herr- lich! Ich sage dir, die Räume! Ein Saal!!! Es mag größere in Berlin geben, doch kaum einen, der edler in feinen Verhältnissen wäre. Und die Kassettendecke! Im oberen Geschoß: englische Schlafzimmer, ich habe wirklich manch­mal an Kölln gedacht. Nur schlecht gehalten ist's. Da gibt's eine Menge zu tun. Ueberall abgestoßene Ecken und beschädigte Simse! Wie die Vandalen haben sie gehaustj. Der Herzog Nmr auch wütend, als ich es ihm erzählte. Denke dir, er war so liebenswürdig, mich zu so später Stunde! noch zu empfangen. Hatte schon ein glänzendes Anerbieten von einem Börsianer. Aber er war so gnädig zu sagen, ich sei ihm natürlich viel lieber.

Dabei machte Ludwig ein Gesicht, wie wenn er mit sehr vornehmen oder sehr einflußreichen Leuten sprach.

Agathe sah ihn erstaunt an. Er fragte;