Ausgabe 
16.2.1910
 
Einzelbild herunterladen

** 103

teiuijtfjeii ftiHoii (angenehm, anmutig) bezeichnend; denn so wenig angenehnt das Ersteigen deS steilen Berges auch ist: umso reich­licher lohnt die herrliche Aussicht zum Hainagebirge, Knüll, Meiß­ner, zur Rhön, zum Vogelsberg, Tann ns und sauerländischen Ge­birge. Zn Fußen aber bietet sich unserem Auge ein Panorama von. seltenem Reiz, eine mit blühenden Dörfern und Städten über­säte Landschaft. Roch heut« heißt die L-tadt im Munde des Volkes Ameleburg oder Amelburg, und die Umwohnenden gehen knrzwegans'n Berg". Treffend Hai man ivohl die steile Basalt- knppe mit einem mächtigen Altäre oder dem Totenhügel eines Hünen verglichen. Ihren Namen hat die Ohm auch zweien Dor­iern, Ober- und Rieder-Ohmen, übertragen. Gleichfalls keltischen Ursprungs ist die Flußbezeichnung Klein, keltischGleen" geheißen: an ihr liegen die Orte Ober- und Ni e d er kl ei Die heiligen Stätten der Kelten, welche nördlich vom Main wohnten und in einem Zustand zwischen Nomadentum und Seß­haftigkeit zu denken sind, Ringwälle ans großen Steinen, welche sieKirk" nannten, sind noch heute auf dem Altkönig und bei Oberursel (im Taunus) in ihren Resten zu sehen. Außer Bauten, Gräberfunden u. dergl. geben noch Sprachreste Kunde von der einstigen Anwesenheit dieses Volkes in unseren Gegenden, na­mentlich die Rainen von Orten, Flüssen und Bergen. Trotzdem sind s i ch e r e Spuren dessen, daß die Kelteri einst in nnsereni Lande gehaust, iiicht nachweisbar. Arnold hat eilte Sammlung von keltischen Namen herausgegcbeu, deren größere Anzahl jedoch zweifelhaft ist. Erwiesen scheint, daß die. Flüsse Main, Kinzig, Nidda, Weser, Diemel, Edder, Lahn und, wie wir hörten, Ohm und Klein, keltische Namen tragen. Bon ihrem raschen Lause und dem grünlichen, klaren Wasser hat die Edder ihren Name«, der Flammenbach bedeutet und althochdeutsch der Bezeichnung glänzender, leuchtender Fluß, gleichkoumit. Von Tacitus Adrana genannt, tritt sie 778 als Adarua und Aderna, 1244 und 124$) als Ederna und Edcre auf. Ucberhaupt haben die Namen stets, wenn auch nicht immer mehr nachweisbar, einen bestimmten Sinn, und sie sind nicht gedankenlose Lautverbindnugen. Aa, ach, althochdeutsch: aha, ist Bezeichnung für ein fließendes Wasser. So ist Werra und Weser aus demselben WortWisuraha" (vielleicht Wiesen- oder Westsluß) abgeleitet. Ferner deuten Orts­namen auf -pH«, -ass«, -an«, -born, -bach, uugen, -ingen, -münd, -münden die Lag« am Wasser an. Auch zahlreiche slawisch« Orts- Namen sind durch die slawischen Sicdelnugen auf deutschem Boden bei uns cingedruugcn. Im Laufe zweier Jahrtausende fast un- merklich von Osten nach Westen gezogen, wurden die germanischen Volksstämme erst nach der Völkerwanderung seßhaft und erbauten an der bestgelegenen Stelle das Dorf. Die ersten Städte in Deutschland haben wir den Römern zu verdanken, da sich die­selben aus deren festen Lagerplätzen (Burgen) an der Donau und deut Rhein entwickelten, wie: Regensburg, Augsburg, Straß­burg, Mainz, Koblenz, Bonn, Cötn und Trier. Neben den Dieust- mmrnen der Grasen (z. B. von Gudensberg, Ziegenhain, Bilstein, Hanau und Isenburg) siedelten sich im Schutze der Burgen, auch nm Amöneburg, Schweinsberg n. a., Handwerker und Pächter (Hörige) an, und so entstanden auch hier im Laufe der Zeit Dörfer mtb Städte. Orte, deren Namen mit -bürg, -berg, -sels, -stein, zusammengesetzt sind, weisen aus solche Entstehung hin. Sch Weinsberg, vormals Suenesberg genannt, wehrt sich! ebenso wie Schweinfurt gegen die Zusammensetzung des Namens mit Schwein", und doch liegt nichts näher als das. Schweinfurt erklärt man: Suevensurt; Schweinsberg soll von Suana, Suane, d. h. Gericht, Herkommen, oder von fuiuen, mindern, weil der Berg -bet Stadt minder hoch als der Hohenberg ist, endlich auch von 'Sttecn, d. h. Diener oder Hirt, was auchder Schwein" bei den Herden bedeutete. Die Burg ist ein befestigter Ort zum Schutz, mittelhochdeutsch: burc, althochdeutsch: pure, purac: bergen hat die Bedeutung-: in Sicherheit bringen oder -halten. Der Tchloßberg von Rauschenberg soll von dem in seinem Innern geheimnisvoll rauschenden Wasser den Namen erhalten haben, das jedoch nur das Tier findet. Würde man eine Ent« in den Schloßkeller einlassen, so würde sie der Quelle folgen und dieselbe bei Wambach im Wohratal wieder verlassen. Straßburg ist ur- sprünglich dte Burg an der Straß«: Belt heißt Gürtel oder gürtelförmige Straße, woraus vielleicht auch Baltisches Meer abgeleitet ist; ob auch Beltershausen, scheint nicht aus­geschlossen. 3h den Bischofssitzen und Klöstern haben auch viele Städte ihren Anfang genommen, so z. B. Hamburg, Bremen, Lübeck, Hildesheim. Namentlich seit der Zeit Bonifatius' bildeten sich um die Kirchen und Klöster herum Dörfer und Marktflecken; in Hessen. Aus solchen Ursprung weisen Ortsnamen auf. Kirch-, kirchen,-kappet, Münster, -zell hin. Einer frommen Sage nach reicht die Entstehung, von Kirchhain zurück bis auf Bonifatius, indem zwei geheiligte Haine unserer heidnischen Vorfahren christlich ge­weiht und der Verehrung St. Michaels u. Jokobs gewidmet wurden: In G r o ß s e e l h e i m soll sich derApostel der Deutschen" gern und, oftmals aufgehalten haben; auf diesen Ort soll auch das demselben in den Wund gelegte Wort sich beziehen, dort sei seine sseele daheim". Schon 200 Jahre zuvor hatten Chlodwig und viele seiner Franken das Christentum angenommen. Die Franken, deren Raine die Freien, Unabhängigen bedeutet, sirank und frei) werden urkundlich 253 zuerst genannt. Chlodwig (481511) einigte li« unö nahm auch die Chatten in den Frankenbund auf: aber auch die fränkischen Könige machte» keinen. Versuch, die Chatten.

zu unterwerfen. Dieser Name hat sich allmählich ist Hatten,' Hassen und schließlich das heutige Hessen umgewandeit. Im Jahre 699 schon tritt uns die FormHessi" entgegen in einer allerdings schwankendcn Schreibung eines lothringischen Ortsnamens, und 720 ist in einem Reisebericht des Bonifatius die Rede von den Hasst". An den Namen der Chatten erinnern noch Ortsnamen, welche in ihrer Zusammensetzung Kett-, Katz-, Kas- und Ketteru- aufweiscn, wie ferner mit dem Hessennamen solche Ortsbezeich- nungcn in Verbindung stehen, die mit Hasse-, Hesse-, Hette-, Hatz- und Hedde- zusammengesetzt sind. Dergleichen Orte sind in Hessen gar viele zu finden: Hasfenhansen, Hessenstcin, Hatzfeld u. dergl. Reddehausen nördlich von Cölbe, dasHotzeldorf", ist wohl anderen Ursprungs; doch ist noch das mit Hatz- ge­bildete, am gleichnamigen Bache, zur Wohra absließend, gelegene Hatzbach zu nennen. Den Namen der Batten, eines Zweiges der Chatten, tragen noch die Orte, welche mit Batten-, Botten-, Betten-, Besse-, Weden- beginnen. Auch Orte dieser Gattung find zahlreich, tvas durch Battenhausen, Bottenhorn, Bottendorf, Betten­hausen, Besse, vielleicht auch Biedenkopf, angedcutet iverden mag. So leitet des Menschen erstes und heiligstes Eigentum, die Sprache, selbst aus die ersten geschichtlichen Spuren zurück. Die oben ge­nannten Kelten waren es, welch« unseren Altvordern den Namen Germanen" beilegten, d. h. tvahrscheinlich Nachbarn oder Rufer im Streite. Deutsche nannten sie sich selbst erst mehr als tausend Jahre nach der Bekanntschaft mit den Römern.Deutsch" kommt von dem Mittelhochdeutschendrei": das Volk;diutisk" heißt: zum Volk gehörig,deutsch" also: volksmäßig, das Volk be- tresfend. Die deutsche Sprache ist die Sprache des Volkes, im! Gegensatz zum Latein, der Kirchen- und Gelehrtensprache, welche die Deutschen leider schon nach der Völkertvanderung nachahmten. Noch tut 10. Jahrhundert sprachen die Nachkommen Karis des Großen an ihrem französischen Hof« deutsch; dann aber bildete sich in Galdicn aus dem Vulgärlatein und deutschen Eleinentent die französische Sprache, und schon damals schied sich di« deutsche Sprach« in das Hochdeutsch, welches sich wieder in den fränkischen, allemanuischen und bayrischen Dialekt teilte, und in das Nieder­oder Plattdeutsch, die Sprache der Sachsen. Im Ohmtal ist noch heute aus dem Lande die f r ä n k i s ch e M u n d a r t zu finden. Die Sprachgrenze zwischen dem sächsischen und dem fränkischen; Dialekt wirb durch ritte Linie angegeben, ioelche, soweit unser Regierungsbezirk beteiligt ist, ungefähr von der Nordgrenze des Kreises Biedenkopf aus östlich zieht auf der Südgrenze des süd- tvestlichen Zipfels vom Fürstentum Waldeck, und nach Nordostetr zum Habichtswald, zur Fulda nördlich von Cassel, und bis zur Werra südlich von Hanövrisch-Minden und darüber hinaus ver­läuft. Ortsnamen auf -tat, -teln deuten aus niedere Lage. Rasfan hieß im 10. Jahrhundert Nassau«, was nasse Aue oder bewässertes Wiesenland sagen tvill. Bon Muse oder Mosch, d. h. Sumpf, abzuleiten ist Moischt, 1271 Muskede, 1471 Mosche, im 17. Jahrhundert Most genannt, heute Möscht gesprochen. Aus Grenzen! von Ländern und Wasser weisen hin die Ortsnamen, welch» mit -scheid, -schied, -eck endigen; ebenso erinnern an Wald und Rottung diejenigen auf -hart, -loch, -loh, -struth, -cholz, -Hain, -hegen, -rad, -rod, -rieb, -ritte. Noch in jüngster Zeit wurden im Walde bei Bu r g h o l z vier Stämme im Werte von 1600 Mark zum Verkauf gebracht. Mittelhochdeutsch ist der Hac die Eiw- sriedigung oder der abgeschlossene Wald; damit hängt zusammen, der Name der, das vortteffliche Nutzholz liefernden, Hage-, Hain- vder Weißbuch«, so daß Hag die Bedeutung hat: Zaun von lebendigem Holz, Hecke, dichtes Gebüsch, Wäldchen: Dte Orte Hainbach, Weitershain, Altenhain, Riederwald verdanken dem Hain ihren Ursprung. Dannenrod, Ermen- ros, Sellnrod und Rülfenrod sind an der von Holz befreiten und urbar gemachten Waldftäche erbaut. Bergbezeicch nungetr mit keltischem Gepräge sind: Taunus (vonbim" oder daun" b. i. die Höhc^ die Kalbe am Meißner, di« Krukeui- bnrg tut Kreis« Hofgeismar, vielleicht auch Rhön. Aus hohes! Alter deuten bie Ortsnamen auf -hausen, -heim, -Hof; bahnt gehören wohl: E r für ts hau sen, Haarhansen, Holzhan­sen, Ehringshausen, E r b « n h a n s e n. B ü r g e l n ist wohl nach der hier früher befindlichen Burg benannt. Das Wahrzeichen! von Langensteilt ist der über 20 Fuß hohe Stein, ein Me- lonith, an der Ostseite der Kirchhofsmauer des Ortes. _ In bet von Wölfen ost heim gefuchtelt Robung entstand Wolferode.

Das elektrische Haus.

Schon öfters hat nran neuerdings da undi dort Wohnungen eingerichtet, in denen die meisten Hausarbeiten der Elektrizität, übertragen sind und menschliche Bediemmg «nd^ Arbeitskraft.auf ein Minimum beschränkt ist. Tas Höchste aber leistet ivohl in dieser Hinsicht das neue Haus des Herrn Geo. Knap in Paris, Lines Elektrikers ans Troyes, der es ivirklich verstanden hat, den litt sichtbaren elektrischen Hausgeistern noch eine ganze Anzahl neue Seiten abzugewinnen.

Natürlich wird man beim Eintritt in dies elektrnche Haus nicht vvmi Portier, sondern vom Telephon empfangen', dem man NaM' und Art" mitteilt, nm danit geräuschlos eingelassen z« werden. Bon den bekannten Diensten elektrischer LiftS «sw. Wftot wir schweige«, um: sogleich! zutu Clott des« Hauses, dem vler-