Ausgabe 
16.2.1910
 
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zimmer und sprach Kind-, die T

& Sie traten in eilt Schtaszimlner. Wie überall deckten schwere Teppiche den Boden. .Hier stand auch ein kleiner Schreibtisch. Ludwig erklärte: ,

Damit du nicht immer hinüber brauchst sruh oder 11 öch spät abends, lvenn du etwas schreiben willst.

Ein bißchen verlegen, eine fletne Schelmerei nur den Mund, fragte Agathe:

Und im bist nicht hier? .

Er öffnete, die Tür zu einem zweiten, ähnlichen Schlaf­zimmer und sprach etwas kecker als sie:

Er sprach die Wahrheit. Vielleicht war er sich selbst Vicht klar, daß ein Untergrund ihn Zu alledem uiit ver­anlaßt: dort unten fand er zwar die altererbten Hansstucke der Grafen von Kölln, aber manches schien ihnr nicht Prunk­voll genug. Dann wollte er, was er im Laufe der Jahre erworben, immer mit dem ungeborenen Plane, es einmal in einem Schlosse zusammen zu tun, auch aiisstellcii und

Agathe fragte: t n ~

Wie ist das nur alles fertig geworden? . Das ist ja die reine Zauberei.

Kind, hier haben auch Hunderte Von Leuten ge­arbeitet.

Mer daß du an alles gedacht hat! Wann hast du denn das gemacht?

Sie setzten sich in eine Wandvertiefung, in der einmal zur Treppe hinaus eine Tür geführt, die spätere Ge­schlechter zu gemauert hatten.

Weißt du noch, Kind, wie du mich in Paris immer fragtest, was schreibst du nur so viel? Als du müde warst von all dem Herumlaufen und Sehen und dich aus­ruhtest, habe ich geschrieben, gezeichnet und für jedes Stück den Platz angegeben. Nun, sie haben's so leidlich gemacht, wenn auch nicht ganz, wie ich wollte. Wir werden noch St tun haben. Ein Test der Leute ist ja noch hier. Mit men können wir umstellen. Du mußt nur sagen, was dir nicht gefällt. Dein Wunsch ist mir Befehl. Ichbin dein Sklave, bin dein Knecht".

Dabei kreuzte er im Scherz die Arme über der Brust n-b hprttP'iftit* fririft tief

Agathe sank wie ein Kind auf die Kuiee, überwältigt Von ihrem Glück, von der Wiederkehr in die alte Heimat, And.umschlang seine Hüsten:

Ich danke dir, daß du mich genommen hast.

Er beugte sich zu ihr:

w Du mir danken?

Ja, mich armes Ding genommen.

Er.hielt ihr den Mund zu:

Das darfst du nicht sagen.

Dann zog er sie empor, nahm seine Frau beim Arm, And sie gingen zusammen durch die Wirtschaftsräume, loo alles frisch gemalt und gestrichen Ivar, durch die Küche, in der ein neuer Chef feines Amtes waltete, wo es auch das blonde Küchemnädchen nicht mehr gab.

Kind, oie Tür bleibt offen.

IN beiden Räumen gab es keine Waschtische. Dafür zeigte er ihr nebenan je ein Bad mit versenkten Porzellan- badewaunen, die Waschtische daneben.

Der Stall war abgeteilt, in einen Gaststall und einen eigenen. Die Leute standen da wie zur Parade, die Matten waren frisch geflochten, die Pferde kamen wiehernd an die Gitter der Boxen. Der Futtermeister meldete, und wie ein Schwadronsches nahm es Herr Drocsigl entgegen.

Die Wohnungen für das Stallpersonal waren her- gerichtet, alles sah Ludwig mit seinem scharfen Auge, Lud- Urig, der Sohn des Geschäftsmannes und Kohlenbarons, Lumvig, der den Willen von ihm geerbt. Den Willen, fortzusetzen, was sein Vater begonnen, der sein Leben lang geschuftet, um Geld zu verdienen. Geld, zu dem der Sohn nun fügen konnte wozu dem- Vater die Zeit gefehlt: den Schliff des Lebens, alles, was auf der Leiter menschlicher Eitelkeiten emporführte, auf der Leiter, die einst genau so die alten Kölln erklommen, als einer ihrer Ahnen mit dem Schwerte sich hervorgetan, den Ritterschlag emp­fangen, Gut errungen und gehäuft, mit eisernem Arme oder durch den Ring am Finger. Den Willen, der gleich der Notwendigkeit des Atmens in diesem ruhigen, tadellosen Manne lebte, den Wlllen, der ihn durch Agathe geborene Gräfin Kölln die erste Staffel hatte erklimmen lassen Aach oben.

Die Handwerker kamen nicht so bald aus dem Schloß. Ludwig war beschäftigt vom Morgen bis zum' Wend. Agathe folgte ihm überall hin, und nur wenn er Geld-, ängelegenheiten besprach, blieb sie in ihren Zimmern, die! er ihr eingerichtet hatte, Ivie sie es sich nie hätte träumen! lassen. Wenn es ihr auch in den ersten Tagen ein pein­liches Gefühl gewesen, ein rätselhaftes zugleich, hier zu weilen unter so veränderten Umständen, so gewöhnte sie sich doch bald daran. Nicht zum mindesten half ihr dabei,- was ihr Mann zart vorher berechnet: daß sich an diese Räume keine Erinnerung knüpfte. Und doch waren sie ihr von Anfang an vertraut, denn wenn sie ans Fenstev trat, sah sie ja den lieben, allen Park, in dem sie groß geworden war. Ab und zu ging sie hinüber in ihr Mädchen­zimmer. Mer seltsam: die allen Schatten wachten nicht auf, es kam ihr sogar manchinal vor, als habe sie da nie gewohnt, so glücklich fühlte sie sich drüben mit diesem! Mann, den sie täglich lieber gewann.

Sie blickte das Schloß ihrer Väter mit anderen Augen an. Allerlei liebgewordene Unbequemlichkeiten, loie daß der Bankettsaal keinen Ausgang zur Treppe hatte, dev Anrichteraum ungenügend schien, empfand sie jetzt. Ihr! fielen die dunlleu, verräucherten Wände auf, daß sich imi Saal am Fenster die Ledertapete abgelöst hatte und imi Bilder zimmer von der Decke oer Stuck meterlang herab- gefallen war. t

Ludwig selbst schlug keine Aenderungen vor, doch als sie die Mängel zur Sprache brachte, besprach er sich fofort mit dem Tapezierer und dem Berliner Architellen.

Nicht allein int Schlosse wurde gearbeitet. Auch imi Park verspürte man die Anwesenheit des neuen Herrn. Das Verfallene ward in Stand gesetzt, der Rasen abgestochen und die Wege frisch beschottert. Die Einfahrt besser zu. gestalten, Durchhaue zu machen, überließ Ludwig vorerst der Zukunft.

Ueber all der Tätigkeit und im ersten Glück ihres Honigmondes dachte die junge Frau nicht an die Nachbar­schaft, ja nicht einmal an die Familie. Gräfin Lindcubach schrieb, warum Agathe nichts von sich hören ließe? toie antwortete, sie hätten so viel zu tun. Die Gräfin deutete erschrocken an, es würde doch hoffentlich nicht alles um­gestürzt. ~ .

Da Ludwig gerade dazu kam, als seine Frau den Bries las, so gab sie ihm die Zeilen. Er kam einen Augenblick aus seiner gewöhnlichen Ruhe:

Bitte, Kind, habe ich nicht immer nur das Not­wendigste getan? Habe ich nicht nur, was verfallen war, erneuert? Sage mal!

Agathe nickte. Sie ärgerte sich ein wenig über Gräfin Lindenbach, denn schon fing sie an, mehr auf Seite dessen zu stehen, mit dem sie ihr Leben teilen sollte, als bei denen/ die ihres Blutes und Stammes waren.

(Fortsetzung lolgt.)

Aus dem Ohmgebiet.

1. Ortsnamen im Ohm gebiet.

Der Bezirk, Raum oder Umkreis, imierhalb dessen Grenzeik alle atmosphärischen Niederschläge, alte Quellen, Bäche und Nüß­chen einem Flusse zufließen, heißt dessen Gebiet. Die mir eine kurze Strecke unserem Regierungsbezirk angehörige Lahn empfangt ihren bedeutendsten Nebenfluß in der der Gebirgsebeine des Vogels­berges, dem Oberwald, entguillenden Ohm. Auf ihrem etwa zwölf Stunden langen Laufe nimmt die Ohm von links: Rien und Rulfbach, voll rechts: Felda und Klein (vom Vogelsberg) und Wohra (vom Hainagebirge) ans ; die beiden letzteren Flüßchen münden unweit der Stadt Kirchhain. Oberhalb Schweins- bergs, eine halbe Stunde flußabwärts von Homberg, sagt die Ohm der darmstädtischen. Provinz Oberliessen Valet, tritt in den Regierungs-Bezirk Cassel ein und durchfließt in drei­stündigem Laus in den Kreis Kirchhain, der' fast ganz dem Ohmgebiet angehört, um nach abermals beinahe einstündiger Wanderschaft bei Cölbe, etwa eine Stunde von Marburg, ihr Wasser mit dem der Lahn zu vereinigen. Dio Grenzen des Ohmgebietes mögen durch folgende Städte angedeutet werden: Im Norden. Gemünben an der Wohra; im Osten: Nenstadt und Rom- rod; im Süden: Ulrichstein und Grün berg; im Westen: A l l e n d o r f und M a r b u r g. Der Name Ohm entstammt dem Keltischen n. lautete früher Oma, Ama, Amana, Ohmene. Die Stadt Amöneburg, früher AmLnebnrg, Ohmeneburg und Aruneue- bnrgk (164'2) genannt, den einsam ans der Ohmebene aussteigenden und 363 Meter hohen Basaltkegel krönend, trägt den Namen! dieses Flusses. Doch wäre die Erklärung nach dem la-