Ausgabe 
16.2.1910
 
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Mittwoch den |6. Wkuar

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Droesigl.

Bioman von Georg Freiherrn von Ompteda!.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Wgatho trat sofort in den Saal. Alles !var geblieben, wie sie es kannte. Nur frische Blumen dufteten aus den Wasen. Sie öffnete die Tür zum Bankettsaal. Da stand die lange Tafel Ivie einst, an der so oft die fröhlichen Zecher gesessen, und die Zwauzigeuder an den Wänden schauten sie an, als tvollten sie sagen: es ist alles noch wie einst. Sie ging um den Tisch, während Ludwig an der Tür stehen blieb, vorüber am Platz, den einst ihr Vater eingenommen, zu ihrem alten Sitz. In dem hohen Saal hallten ihre Schritte, und das Echo klang wie der fröhliche Jagdruf: Horrido! Hipp, hipp hurra!"

Sie blieb stehen und hielt sich an einer der Stuhllehnen. Wie sie die Augen schloß, war ihr, als säße ihr gegenüber die hohe, hagere Gestalt mit dem roten, lüft- und wein- gefärbten Gesicht, dem gewaltigen weißen Schnurrbart, und Agathe sagte leise:

Der arme Papa! _

Ludwig schwieg und führte sie durch den großen Saal in das Bild erzimmer. Da lag nitb hing und stand noch alles wie einst. Nur von irgend einer unbetaunten Hand auf Befehl des neuen Leiters des Haushaltes, des vornehmen Herrn im Frack da draußen, vielleicht etwas peinlicher gereinigt und dieses oder jenes anders gestellt. Agathe wollte in das Zimmer ihres Vaters, doch Ludwig legte ihr den Arm auf die Schulter:

Agathe, es macht dich nur traurig. Ich habe Befehl gegeben, e§ sollte alles bleiben, ivie es ist. Geh jetzt nicht hinein. Wollen wir nicht glücklich hier sein?

Sie preßte ihn an sich:

Du Lieber, Guter.

Während sie langsam die Treppe hinanstiegen, sprach Ludwig etwas von Pietät, und als sie dem oberen Stock- werke näher kamen, etwas von eigenem Recht, vom neuen Geschlecht, und es könnte nicht alles hier so bleiben.

Mehrere Mädchen standen da, in Schwarz mit iveißeu Häubchen im Haar. Allen reichte Agathe die Hand, wäh­rend Ludwig ein wenig steif dabei stand, lieber alle die Gesichter ging ein freundliches Lächeln, schon als die junge Frau sich näherte, denn der erste Empfang unten an der Frei- treppe war längst weiter telegraphiert worden.

Ludwig sagte:

Agathe, jetzt kommt das Nene! Unten die Gesell­schaftsräume lassen wir, wie sie sind, wenn es dir recht ist.

Sie sah ihn an, mit leichter Rührung kämpfend:

Aber das hast d u doch . . .

r: Nein, d u sollst bestimmen, t- Ich will ja alles, was du, willst.

Also Kind, eure Mädchenräume, sind geblieben, aber ich habe nie verstanden, warum gerade auf der Südseite, wo der wundervolle Balkon ist, die Fremdenzimmer liegen mußten. Die find dir doch nicht heilig, nicht wahr?

Sie sand ihre alte Fröhlichkeit zurück und fing au zu -lachen: x

Und sie sind ja auch nicht schön.

Sie traten in einen Salon mit Stuck und Vergoldung an Wänden und Decke, dessen Möbel, aus der Zeit Ludwig» des Sechzehnten, mit ihren herrlichen Tapisserieüberzügen und dem Alt-Gold ihrer Lehnen, Füße und Säulchen von allen Seiten in Spiegeln zurückgeworfen wurden. Ein vene­zianischer Lüster hing von der Decke. Der alte Kamin war benutzt, die bauliche Ausstattung jener Zeit übernommen. In dem Augenblick, als Agathe mit dem Rücken zur Feuer­stelle in das Zimmer blickte, schlug es hinter ihr zwischen zwei hohen Kandelabern von Meißener Porzellan elf.,. Sie drehte sich um und lachte laut auf vor Freude, als sie in dem hohen Spiegel über dem Kamin die Uhr mit den zarten, neckischen Rokokofiguren und das ganze Zimmer ge­doppelt erblickte:

Das ist ja süß, süß! Aber Ludwig ivie hast du das schön gemacht!

Er strahlte.

Daneben befand sich ein kleines Kabinett, auf dessen Schreibtisch die Silbersachen standen und alles, was Agathe in Paris geschenkt bekommen, als iväre es immer hiev gewesen.

Sie sah die seidenen Vorhänge an den Fenstern und' blickte hinaus in den alten, lieben Park, in dem die hohen Buchen eben im Winde rauschten und die Akazien ihre Blätter zittern ließen. Dann gingen sie weiter; ein Raum kam zum andern. Einer etwa aus der Zeit um 1700, schwerer und dunkler gehalten: Ludwigs Zimmer. In der Bibliothek mit schönen Bronzebeschlägen stand in alten Ledereiubäuden Buch an Buch. Auf dem mächtigen Schreibtisch erhoben sich hohe Bronze-Leuchter, und rundum lehnten Stühle der Zeit mit breiten Armen. Jagdtrophäen gab es hier, alle von Lud- ivig einst erbeutet. Bon einer Indien reise hatte er Tiger­felle mitgebracht, in Spitzbergen einen gewaltigen Eisbären geschossen.

Agathe eilte wie ein Kind von einem zum andern, nahm ihren Mann beim Arm und zog ihn hierhin und dort­hin. Als sie zu einem Raume kamen mit Kredenz- und Eß­tisch, italienische Fayeueeteller an den Wänden, fragte sie:

Ein zweites Eßzimmer?

Er nahm ihren Arm:

Kind, denke dir, wir beide allein in dem großen Saal!

Du hast recht.

Und dann sollst du dich allmählich an alle die AeN- derungen gewöhnen. Hier wohnen wir in einer neuen Welt und doch in deiner alten Heimat. So habe ich mir das ausgedacht.