Ausgabe 
15.12.1910
 
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Donnerstag den (5. Dezember

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Friedel halb-fütz.

Noman von FedorvonAobeltitz.

6N'Mj.) (Nachd-rnck verboten-.)

Sßeitige Tage nach Fritzens Rückkehr sprach Otto Span- Nuth bet ihm vor. _ Der kleine Mann mit der goldumrän­derten grille sah sehr vergnügt aus und schmunzelte bei seinem Eintritt behaglich.

,Habe die Ehre, Herr Friedel," sagte er,zugleich meine beste Gratulation. Ob auch dieser Schreibebries eine solche enthält, weist ich nicht. Mer ich möchte mir ge­statten, cs zu bezweifeln."

Er hatte ein silbergraues Kuvert aus der Tasche ge- zogen und reichte es Fritz. Der sah es an: es trug keine Mdresse.

Für mich, Herr Spannuth?"

Ei ja, Herr Friedel und persönlich abzugeben."

>,Von wem?"

Von meiner Schwägerin Maud. Ein Abschiedsbrief. Sie wollte ihn keinem anoeren anvertrauen als mir."

Fritz schrak zurück.Spannuth Maud ist doch nicht etwa"

Was denn? Tot? I Gott bewahre! Sie ist zwei Tage nach dem Bekanntwerden Ihrer Verlobung nach Amerika abgereist. Sie bleibt auch in Cincinnati. Die halbe Million, die sie im Geschäft stecken hat, must ich! herauszahlen. Trotzdem es ist besser s o."

Fritz schallte noch immer unschlüssig auf das silber­graue Kuvert. Dann wollte er es öffnen. Mer Spannuth winkte ihm abwehrend.

Lassen Sie es lieber," sagte er.Auch über einen Mschiedsbries kann man sich ärgern. Herr Friedel, ich sehe Feuer iii Ihrem Kamin, was .mich! an diesem kühlen Herbsttage recht praktisch dünkt. Wenn Sie den Bries! in die Flammen werfen wollen, möchte ich Ihnen wohl etwas er- Kühlen."

Fritz Perstand Noch llicht.

Ich' weiß! nicht, ob Ihnen bekannt ist,"' begann., er zögernd, und sofort siel Spannuth ein:

Alles bekannt. Sie waren mit Mund einmal so gut wie verlobt."

So ist es, Und grade deshalb "

Grade deshalb rate ich Ihnen, den Brief ungeleseni itt den Kamin zu werfen... Sie mögen Maud gut ge­kannt haben, Herr Friedel," führ er fort.Ich'aber kannte sie vielleicht noch besser. Ich habe Einblicke in die Seele dieser Frau getan, die mich mit Stallnen, auch mit Bewun- derung und schließlich mit Grauen erfüllten. Ich war ihr einziger Freund rch konnte es beruhigt sein, denn ich habe ein braves Eheweib und fünf Kinder und der einzige, dem sie rückhaltloses Vertrauen schenkte. Und ich sage V.hnen , in dieser Fran steckte ein Wehr M MenMiches^

das mit dämonischer Gewalt über die Enge des Daseins hinausstrebte."

Er nickte dazu.So war es. Sie hätte ihren Herrn und Meister finden sollen und wäre mit ihm vielleicht^ glücklich geworden. Mit Ihnen aber--danken Sie

Gott, verehrter Herr Friedel, daß Sie damals meinen' Vor» schlag einer Fusion unserer Häuser nicht ohne weiteres aw genommen haben!"

Was hat das mit Maud zN schaffen?"

Viel. Ich kam in ihrem Auftrage. Sie hatte mit? eine wahnsinnig leidenschaftliche Szene gespielt. Sie nahm kein Blatt vor den Mund. Dies Weib da unten am Kloster- eck, die Helldorf, war ihre Freundin geworden. Diane Helldorf, die Geliebte ihres Mannes jawohl, die. Feiner» Instinkte, auch im Schlechten, gingen ihr ab; aber vielt leicht war es die Gemeinheit ihrer Seele, die Maud be­rauschte. Ein Mann kam hinzu, der grinsende Mephisto! Unsers Gaus, und damit war das Trio fertig. Diane und Maud brauten ihren Trank der Rache, und der Mephisto setzte ihn über das Feuer. Daß Diane Sie haßte, wissen Sie. Es war der kaltschnäuzige Hast einer subalternen Natur. Aber es gibt auch eine Liebesleidenschaft, in die grimmiger Haß sich mischen kann. Dazu gehört einekompli- ziertere Psyche so wie bei Maud."

Fritz sah starr vor sich hin. Er begann zu begreifen.:

Spannuth hüstelte.Ich will nicht dramatisch werden'.: Will auch kurz sein. Aber reden muß ich,schon um meiner selbst willen! Daß Sie Maud dermaleinst äbgewiesen hatten./ vergaß sie Ihnen nie. Und nun war die Gelegenheit der Revanche da. Von kleinen präludierenden Scherzen wie der anonymen Denunziation bei Ihrem Militärgericht schweige ich. Die Haupttntrige setzte ein, als Maud Ihnen ausgerechnet am Tage vor der Ballonfeier in UttenhooveN ein Stelldichein gab."

Auch das wissen Sie!" rief Fritz.

Wie Sie hören, Herr Friedel. Damit sing es an« Eldringen hielt es für sehr wesentlich, Sie von Utten-i Not)en fern zu halten, und Maud nun ja, die hatte? Verschiedenes mit Ihnen zu besprechen. So ging es nun Schlag auf Schlag weiter auf Ihren Ruin los, bis das Drama Mit Ihrem Herrn Vater dazwischen kam. Da liest Maud Mich zu sich bitten. Es war ein Umschwung in ihrer Stimmung eingetreten ein immerhin begreiflicher, wenn Sie gütigst überlegen wollen, daß diese Frau ja doch mit tiefer Leidenschaft an Ihnen hing. Das wußte ich freie, lich bis dahin nicht, aber nun hörte ich es aus ihrem eigenen' Munde und hörte auch alle Schändlichkeiten, die im Hanse Helldorf gebraut worden waren. Und da hatte ich in der Tat nur das eine Empfinden: es muß wieder gut ge< macht werden, was noch gut zu machen ist. So ging ich denn zu Ihnen ohne zu ahnen, daß sich auch hinter? diesen Ratschlägen Mauds die Hoffnung verbarg, sich doch noch einmal mit Zhnen vereinigen zu .könne» *SM