Ausgabe 
15.10.1910
 
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vermischte».

* Die Bogel beer- oder Ebereschenbäume stehen! Mrzert im Schmucke ihrer korallenroten Früchte, hie im Winter einen nicht unwesentlichen Teil der Nahrung unserer hungriggni geheberten Freunde bilden. Besonders Drosseln, Amseln und Seidenschwänze, doch auch andere Weichfresser verzehren neben den Beeren des Wacholder und mancher anderer Sträucher die sog- Vogelbeeren über alles gern. Da die Bäume überreichlich Früchte tragen, so kann sowohl für die Vögel, die im Winter in Wald und Feld draußen bleiben, ein großer Teil am Stamm, d. h. an den Zweigen, gelassen werden, um dort als Wintervorrat Au dienen, als auch für die nach den menschlichen Wohnungen sich Anziehenden Vogel ein nicht unwesentliches Quantum abgeerntet vnd mit nach Hause genommen werden. Die Beerendolden reihe Man daheim dann vor dem Fenster an lange Fäden und lasse sie trocknen, titn Winter mische man sie unter die Berlepschen Futter­küchen oder unter die für Drosseln bestimmten Vogelfutterarten. Sie werden von allen größeren Weichfressern gern genommen! werden.

* Professor Garners Abenteuer mitSusie". Der amerikanische^ Professor R. L. Garner, der lange Jahre NN afrikanischen Urwald verbracht hat, um das Wesen und die Sprache der Affen in ihrer natürlichen Entfaltung zu studieren, kehrt letzt nach Amerika zurück. Er wird von einem jungen weiblichen Schimpansen begleitet, der ihm in den fünf Monaten «eines Daseins ein verständnisvoller Genosse und guter Freund geworden ist Susie - so heißt das Urwaldkind - soll gleichsam bxe Blute der Erziehungsergebnisse darstellen, die Garner in seinem langiährigen, vertrauten Umgang mit den Affen des afri­kanischen Dschungels gewonnen hat. Im World Magazine erzählt er von seinen Erfahrungen und Versuchen mit Susie, die seine

fiel wieder ans die Turmuhr zur Rechten ora, ne te räpiat Hora! Dann kam die Nacht. Von drüben, von der Enceinte und den Forts her, strich das bleiche Licht elektrischer Scheinwerfen über den Schnee. Das Licht huschte vorüber, und Dunkelheit) herrschte wie zuvor. Aus weiter Ferne tönten das Rauschen her Pariser Gürtelbahn, Hundegeheul und Signale.

Spähend schaut der Posten in die Nacht. Von rechts her nahen sich Gestalten sie kommen näher und näher kN fällt das Gewehr.

Halt! Werrr da?" .

Patrouille vom vierten Korps'!"

Losung?" .......

Friedrich!"

Feldgeschrei?"

Leuthen!"

Sann passieren!"

Der Posten atmet äuf, die Kameraden voni vierten Korps kommen heran, um nach kurzer Begrüßung im tiefen Schnee weiterzutappen, während den anderen wieder Einsamkeit um­fängt. Sind das nicht Salveir? Der Posten horcht. Ja, rollende Salven und dann Kanonendonner! Grauenvoll dröhnt es von Versailles herüber. Drüben im Süden muß es heiß hergehen gewiß wieder ein Ausfall ....

Ja, wenn erst unsere Belagerungsartillerie hier ist, dann soll die verflixten Kerls, die Rothosen, der Deibel holen!" Der Herr Sergeant findet allgemeine Zustimmung. Zwanzig Mann liegen da als Feldwache in einembombensicher" eingedeckten Erdloch auf Stroh und warten, bis an sie das Postenstehen und Matrouillengehen herankommt.

Endlich Weihnachten und Neujahr waren schon längst vorüber , war unsere Belagerungsartillerie da. Batterien wurden in den Nächten gebaut und mit Zwölf- und Vierund- -wanzigpfündern armiert. Und nun ging das Konzert am Morgen des 21. Januar 1871 auf der Nordfrvnt los, nachdem hier schon früher das Präludium gegen den Mont Avron gespielt hatte. Hei, wie unsere Granaten die Franzmänner aus den Werken Ihn Vorterrain herauswarfen. Die Artilleristen arbeiteten wie die Zyklopen sie sahen schwarz aus wie die Mohren.

Tage uich Nächte währte das Bombardement. Von drüben Her wurde kräftig geantwortet. Ein Vergnügen war's nicht, in dem Eisenhagel als Bedeckung bei der Artillerie auszuhalten. Uber allmählich wurde das Antworten von drüben schwächer. Unsere Batterien wurden bis auf tausend oder zwölfhundert Schritts in neuangelegten Positionen vorgeschoben. Schon in der Frühe des 26. Januar konnte das Feuer in verstärktem Maße fortgesetzt werden. Den ganzen Tag über säten die Gra­naten und Bomben, diese aus vier gezogenen Mörsern, Tod und Verderben in den Forts. Auch St. Denis hatte bitter zu leiden. Die Nacht brach an unentwegt schossen unsere Artilleristen weiter.

Um Mitternacht war's wie mit einem Zauberschlage reine Kanonade, kein Schutz mehr, sondern tiefes, feierliches Schweigen. Und dann braust ein gewaltiges Hurra durch die Sttlle der Nacht, ein mächtiges, begeistertes Hurra, das sich fortpflanzt die ganze Vorpostenkette entlang, denn Paris hat kapituliert! Viktoria!

bisherigen Versuche vervollständigen. Er hat bereits 21 Schim­pansen sein eigen genannt unb noch eine viel größere Anzahl dieser Tiere im wilden Zustand beobachtet, wenn er in seinem! gegen die Angriffe der Löwen und Tiger geschützten Käfig seine! Tage mit dem Studium der Affenseele verbrachte. Aber ein geschickterer, angenehmerer und klügerer Vertreter seiner Rassd ist ihm noch nicht vorgekommen als Susie, wenngleich er sich entschieden dagegen verwahrt, daß sie etwa ein Wunderkind sei< Sie leistet uiti> vollbringt nur das, was eben ein normaler! Schimpanse, der von frühester Fugend an unter menschlicher! Aufsicht steht, durchaus mit seinen Geisteskräften erreichen kann.- Als Susie fünf Wochen alt war, nahm Prof. Garner das Aeffchenj ganz allein unter seinen Schutz und in seine Erziehung.Ich halte sie durchaus nicht etwa für eine Ausnahme und will auch nicht behaupten, daß sie menschliche Intelligenz oder etwas der­artiges besäße, aber physiologisch betrachtet ist Susie einem! menschlichen Kind von etwa 2Vs3 Jahren gleich." Garners kann an dem Beispiel Susies Nachweisen, daß die von vielen wissenschaftlichen Autoritäten vertretene Ansicht von der F a r» benblindheit der Schimpansen unrichtig ist. Schon früher! hatte er an wenigstens sieben verschiedenen Schimpansen beobachtet/ daß jeder von ihnen verschiedene der Primärfarben mit eben­solcher Sicherheit und Genauigkeit unterscheiden kann wie bet normale Mensch. Mit Susie hat er nun diese Versuche fortgesetzt und vervollkommnet. Der Affe bekommt einen länglichen Kasten mit 6 verschiedenen Fächern, deren Deckel einzeln in die Höhe gehoben werden können. Die Deckel sind abwechselnd rot unds grün gefärbt. In den Fächern unter den roten Deckeln befinden sich kleine Stückchen Zucker, unter den grünen Stückchen von Frucht oder Nuß. Der Professor hält dann Susie etwas Zucker und etwas Frucht oder Nuß hin, um festzustellen, welcher Lecker­bissen ihr gerade lieber ist. Hat Susie gewählt, dann stellt et den Kasten vor sie hin und erzählt ihr in deutlichem Tons Zucker im roten" undNuß im grünen". Dann öffnet Susie mit Sicherheit die Deckel der Farbe, unter denen der von ihp bevorzugte Leckerbissen sich befindet. 21 mal hat sie so nach­einander die roten Deckel geöffnet, ohne die grünen zu berühren/ und 18 mal hintereinander die grünen, mit sorgfältiger Vermeidung! der roten. Garners Absicht geht durchaus nicht auf irgendwelche Abrichtung der Affen, sondern er will nur die in den Affen vorhandenen Fähigkeiten wecken und feststellen. Ebenso zeigte Susie auch bei einem Kasten, der Deckel mit roter, weißer und! blauer Färbung besaß, einen sicheren Farbensinn und eine scharfe Unterscheidung der einzelnen Farben. Der Professor fertigte füg Susie einen Würfel, einen Zylinder, einen Ball und eine Pyramide von festem Holz an. Sie unterscheidet nicht nur die verschiedenen Formen durch bloßes Sehen, sondern sie hat auch allmählich gelernt, die Figuren nach ihren Namen herauszufinden. Außerdem weiß Susie ihren eigenen Namen und die Bedeutung von einer! ganzen Anzahl abstrakter Worte, wieKamm her!",Geh weg"/ Setz dich",Nimm auf diesem Stuhle Platz" usw. Susie lernt die Bedeutung von Worten rascher erfassen als irgend ein anderer! Affe, den Garner besaß, aber sie macht gar keine Anstrengungen, sprechen zu lernen, und stößt nur selten einen Laut in ihrer eigenes Sprache aus. Vielleicht hat die längere Abwesenheit vom Urwald die sonst so kluge Susie, die sonst so vieles vor ihren im Freien lebenden Gefährten voraus hat, verstummen lassen.

* Skeptisch. Herr:Es hat einen Maler gegeben, ttet Spinngewebe so natürlich an die Decke malte, daß das Dienst­mädchen sich tagelang bemühte, sie fortzukehren/^ Hausfrau:Daß es einen solchen Maler gegeben hat, glaube! ich--aber ein solches Dienstmädchen niemals."

* Die junge Firma. Furchtbar langweilig sind die Handwerker. . . jetzt Habe ich schon Pleite gemacht und die Ladeneinrichtung ist noch nicht fertig.

* Verlockend. Vater (bestellt beim Lithographen die Ver­lobungsanzeigen für seine Tochter):Machen Sie's billig. . , meine Tochter verlobt sich sehr häufig."

Bilderrätsel.

Auflösung in nächster Nummer»

Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Hase, Nase.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R, Lange, Gießen.