Ausgabe 
15.10.1910
 
Einzelbild herunterladen

3 LIIsTh «WW»

4;:®

MWj rain

U^W

ÄMiWllalk

i'räHöi

V

C-iJSkl UKW UMM

Mr

erste Bowle in der Fliederlaube. Addio, Herr Friedel. . /< Er ging.

Fritz blieb nachdenklich Zurück. Er warf sich Ktiif das Sofa und versank in Grübeln. Daß Pfarrer Wediger gegert ihn geeifert hatte, kümmerte ihn wenig. Der Mann war als Zelot und politischer Gegner seines Vaters bekannt. Im übrigen: ihm stand das Recht W, gegen den Zwei- karnpf z.u donnern. Den Unsinn des Duells empfand Fritz selbst; Hu dem Unsinn gesellte sich hier auch noch die Tragik.

Und das Tragische des Falls lastete schwer aus tfemS jungen Mann. (Er ergpfand anders als der Opa. An-, aesichts des Todes war in ihm aller Haß gelöscht. Er konnte nicht vhne Wehmut an das stille Gesicht seines Gegners denken und an das rote Blut, das seine Stirn und Wange genäßt hatte. Ob unwissentlich oder (nicht: an der Tatsache ließ sich nicht rütteln, daß er einen SKejrti scheu getötet hatte.

Unter der Last seines Gewissens hatte Fritz nie KU leiden gehabt. Es war auch jetzt nicht das Gewissen, das in ihm laut wurde. Es war nicht die bittere Reue, die aus den Tiefen des Herzens hervorbricht und alles Denken Zur Qual macht. Es war vielmehr eine Empörung wider die Vernunftlosigkeit, war das niederdrückende Gefühl, unt einer grenzenlosen Torheit halber ein Leben vernichtet^ vielleicht auch ein Familienglück zerstört zu haben.

Zweifellos: dem raschen Streit im Theaterfoyer lagen Motive zugrunde, die ihn über die Leichtfertigkeit eine« Augenblicksstimmung hinaushoben. Alter persönlicher Grimm und der Haß zweier konkurrierender Häuser kamen da zum Austrag. Wer die Torheit blieb dennoch: dis fürchterliche Torheit eines Duells, das als Faree gedacht war und doch nicht mit begütigendem Händedruck enden sollte.

Fritz hatte sich nie befragt, was er vom Zweikampf hielte. Und hatte man Hn darüber gefragt, er würde wahrscheinlich achselzuckend geantwortet haben:Zuweilen kommt man nicht ohne ihn aus. . ." Heute verabscheute er ihn: mit der ganzen Kraft dessen, der sich einer unsag^ baren Dummheit bewußt ist und einsieht, daß sie sich nie wieder gut machen läßt. Und mit dieser Erkenntnis kam! auch eine größere Klarheit in sein Leben. Ein Gefühl des Unbefriedigtseins kroch wie auf Spinnenfüßen durch seine Seele. Er hatte es schon öfters zu empfinden gemeint, aber niemals mit so krasser Deutlichkeit wie jetzt. . Ihn verlangte nach einer stärkeren Anteilnahme an den Dingen der Welt, als der Soldatenstand in seinem ewigen Stai dium der Vorbereitung es ihm gestattete. Ihn verlangt« nach Arbeit der Persönlichkeit und zugleich nach einer Tätig«! leit, die sich in Lohn umsetzte.

Das war das alte Kauftnaunsblut. Man hatte es unterbinden wollen, aber es wurde doch wieder rebellisch!. Die kaufmännische Pflichttreue hatte sich bei Fritz auch als Offizier bewährt. Und es war manches (Gute dazu

Friedel halb-süß.

Roman von Fedor von Zabeltitz.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Ich dank es dem Herzog von Abeelen, Ihrem Freunde. Er war zu einem Bierabend in das Schloß geladen worden und hatte von mir gesprochen. Und sehen Sie, nun ist das Erstaunliche das, daß dem Kaiser mein Karikaturen- buch besser gefallen hat als seinen Richtern, die auch die meinen waren und da wollte er miä) gelegentlich rennen lernen. Das wurde nun so gedeichselt, daß ich am letzten Festspielabend im Theater sein mußte, und da wurde ich in der großen Pause zum Cercle befohlen."

Und wurden sofort zum Professor ernannt< mit dem pour le merite der Friedens klasse?"

Steht mir noch in Aussicht," entgegnete Feßler lachend. >,Vorläufig vorläufig waren es drei unvergeßliche Mi­nuten für mich, dieses Gespräch mit dem Kaiser. Man wird das alte Soldatenherz auch unterm Zivil nicht los. Das hat mich am meisten gefreut, daß der Kaiser so genau Be­scheid wußte. 'Er fragte mich:Man hat Sie ja wohl auch wegen Majestätsbeleidigung verdonnert?"- ,^Fawohl, Majestät", antwortete ich und fügte hinzu, daß man mir nach vierzehn Tagen den Rest der Strafe erlassen habe. Da lachte der Kaiser und meinte:Die vierzehn Tage kommen auf ein anderes Konto aber die Majestätsbeleidigung habe ich Ihnen nrcht weiter übelgenommen. . . ." Da war denn so ungefähr unsre Unterhaltung aus. Einem anderen hätte sie nicht viel gesagt und wieder ein anderer würde Hurra geschrien haben. Ich ging bloß stillvergnügt nach Haus, weder Skeptiker, noch Hurraschreier, aber "mit so einem warmen Gefühl im Herzen, einmal wieder auf einen gciWen Menschen gestoßen zu sein. . . . Uebrigens habe ich Ihnen auch schönste Grüße vom Herrn Herzog auszurichten, und er warte darauf, zu einer Probe IhresExcelsior" geladen zu werden."

Soll geschehen Uebermorgen siedle ich nach Schratt- ffein über. Ich behalte freilich noch meine hiesige Woh­nung und werde mich auch öfters in der Garnison zeigen, bis der Prozeß beendet ist. Wer ich kann mich doch nun wenigstens dem Geschäft widmen."

geßler erhob sich; er wollte aufbrechen.Wann ist aupwerhairdlung?" fragte er.

Noch unbestimmt. Ich hoffe, vor dem ersten Muli. Dem Divisionskommandeur liegt auch daran, die Sache aus der Welt zu schaffen. Die Zeitungen Katschen fürchterlich."

Feßler bot ihm die Hand.Grüß Gott, lieber Freund. Einen weiß ich, der Sie mit offenen Armen in Schrattstein erwartet. Das ist Kesselholz. Für den siird Sie die Morgen­röte und der Frühling. Er singt Halleluja und Dora schlägt dazu ihr Nachtigallenlied. Ich freue mich auf die