Ausgabe 
15.9.1910
 
Einzelbild herunterladen

und nach einer Wegebieaung sah ich auf einer entfernten »inne das erste Eifelkreuz, das sich in seiner dunkelen Massigkeit scharf von dem gelben Rauch der Fabriken m Vallendar abhob. Auf schmalem, düsterem Waldweg wan­derte ich dann im allmählich heftig geworbenen Regen dahin, bis ich unerwartet rasch an einen hohen Holzturm-, denLydiaturm, gelangte, von dem ich eine entzückende, über­wältigende Aussicht auf den dunkelblau schimmernden, siurmbewegten Laach er See genoß. Der Wind pfiff und schnaubte mir kühl um die Ohren und kleiner, spitzer Riesel­regen stach mir in die £>ant, aber das trotz der Wit- ternng klare und scharfe Landschaftsbild hielt mich mit aller Macht gepackt. Rings von vulkanischen Bergkuppen umgeben, die meistens bewaldet sind, liegt der eiförmige See, dessen Ufer hohe Schilfstauden umsäumen. Fern ver­loren sich die Höhen in den Wolken und still lagen die ausgedehnten Gebäulichkeiten des Klosters von Maria Laach mit seiner hochtürmigen Abteikirche.

Nach einer langen Pause stieg ich hinab an den See und wanderte auf der gebauten Straße nach dem Kloster. Unterwegs traf ich einen jungen Schäfer, der einen hes­sischen Militärmantel um die Schulter gehängt hatte und auf einem Baumstumpf sein Wesperbrot verzehrte. Wir unterhielten uns eine Weile und er erzählte mir man­ches von den Patres des Klosters, in dessen Diensten er stand. Auch feiner eigenen Meinung gab er unverblümt Ausdruck. Indem kam eine Anzahl Seminaristen unter Führung eines alten, würdigen öerrn in kurzen schwarzen Kutten und hohen Schaftstiefeln; lauter junge, knaben­hafte Gesichter.

Der Schäfer lächelte. He studiern of Pater!

Ich stellte meine Kamera auf nnb wie ich auf den Ball drückte, schoß der Regen in Strömen herab, daß die Schafe entsetzt durcheinander sprangen, aber das Bild ist doch etwas geworden. In den wenigen Minuten, die ich noch bis zu dem Kloster zu gehen hatte, wurde ich abermals völlig durchnäßt, und anstatt nach Mayen weiter zu wan­dern, blieb ich in dem Hotel Maria Laach, wo ich einen wundervollen, stimmungsreichen Abend erlebte. Der Regen hatte nach einer Stunde aufgehört, leise wellend lag der See im Abendrot nnb mein Kahn schon kette sich tändelnd auf den Wellen.

Fern über die Höhen zum Pferch zog der Klosterschäfer von Maria Laach.

(Fortsetzung folgt.)

Vermischter.

* Eine traurige Erinnerung an den letzten M rieg mit Frankreich frischt einer unserer Mitarbeiter auf. Er schreibt uns: Die auf einem isolierten Hügel liegende Festung Laon, die ihren Hauptstützpunkt in der Zitadelle, int Ostteil der Stadt, besaß, war als Knotenpunkt verschiedener Eisenbahnen und Straßen für die auf Paris zu operierenden Deutschen ein wichtiger Platz, der besetzt werden mußte. Als daher die 6. Kavallerie-, Division sich am 7. September der Stadt näherte, ließ sie den Kom­mandanten, General Therremiu d'Hame, durch das vorgeschobene 15. Manen-Regiment zur llebergabe auffordern. Dieser bat um Bedenkzeit bis zum andern Tage. Daraufhin wurde Oberst von Alpen sieben mit der 15. Kavallerie-Brigade und einer reiteip- den Batterie in die Nähe der Stadt nachgeschoben, um die llebergabe itachdrücklich einzuleiten. Der Kommandant erbat sich aber nochmals Bedenkzeit bis zum 9. September morgens, um .Verhaltungsbefehle aus Paris eiuzuholen. Die deutsche Truppen- tnacht wurde inzwischen verstärkt durch die 14. Kavallerie-Brigade/ das Jägerbataillon Nr. 4 und die 2. reitende Batterie des Art.- Reg. Nr. 4. Infolgedessen erklärte sich nun der Kommandant zur llebergabe des Platzes bereit. Wahrscheinlich ist die unerwartetü Beschleunigung veranlaßt.worden durch das Drängen der Zivil- behördeir. die die Stadt vor einer Beschießung bewahren wollten. Die Bedingungen waren: Auslieferung der Festung und allen Kriegsmaterials; die Mobilgarde, 2000 Mann, verpflichtet sich, nicht mehr gegen Deutschland zu kämpfen; diese Truppe wird aufgelöst; eine halbe Kompagnie Linien-Jnfanterie des 55. Re­giments wird kriegsgefangen; die Offiziere, die ihr Ehrenwort geben, nicht mehr gegen Deutschland zu kämpfen, werden entlassen, die andern kriegsgefangen. Zur Durchführung dieser Bestim- snuugen rückten daher die deutschen Truppen an und in die Stadt und Festung: die beiden Batterien fuhren vor der Stadt auf, die 14. Kavallerie-Brigade blieb bei ihnen als Bedeckung; die 15. Kavallerie-Brigade besetzte die Ausgänge der Stadt; die 4. Kompagnie des Jäger-Bataillons blieb in der Vorstadt Vaux; die 2. und 3. marschierten bis zum Marktplatz und von dort nach den verschiedenen Toren, die sie besetzten; die 1. Kompagnie endlich

löste die französische Wache am Eingang der Zitadelle ad önti nahm bann Aufstellung in dem Hofe der Zitadelle. Hier fanbeit sich auch der Divisionskommandeur, Herzog Wilhelm tzst Mecklenburg-Schwerin, Und der Divisionsstab, sowie die Brigadestäbe und mehrere höhere Offiziere ein. Gegen 12 Uhr (9. September) fand die llebergabe des Platzes statt; 25 Geschütze/ 2000 Gewehre und anderweitiges bedeutendes Kriegsmaterial fiel in die Hände der Deutschen. Die französischen Truppen wurden, abgeführt, beziehungsweise entlassen, nachdem sie die Bedingungen, erfüllt hatten. Gerade verließen die letzten den Hof, so daß sich außer den Deutschen nur noch einige französische Offiziere,- darunter der Kommandant, dort befanden, als plötzlich es war etwa 2 Uhr kurz nacheinander zwei heftige Explosio­nen erfolgten. Bomben- und Granatenteile, Gewehrgeschosse,- Steine und Schutt flogen umher und richteten sowohl auf dem! Hofe als auch in der Nachbarschaft der Zitadelle eine entsetzliche Verwüstung und Verwirrung an. Als sich Rauch und Staust etwas verzogen hatten, lagen auf dem Hofe deutscherseits 3 Offi­ziere und 39 Mann tot; 12 Offiziere, darunter der Herzog- Wilhelm, der Oberst Graf von der Gröben, der Major von Schönfels vom Generalstab u. a 60 Mann waren teils schwer, teils leicht verwundet. Auch der General Theremin wurde schwer: verletzt (er starb an den Wunden iam 4. Oktober), sowie eine} Anzahl der Offiziere, Mannschaften und Einwohner der «stabt,- zum Teil getötet, zum Teil verletzt, im ganzen über 300 Mann., Die Untersuchung ergab, daß das Pulvermagazin mit allen Vor­räten (Bomben, Granaten, Patronen und Pulver) in die Luft geflogen, vielleicht auch noch eine Mine explodiert war, daß dies« Explosionen aber durch verbrecherische Hand verursacht warem Der Urheber war jedenfalls ein Unterbeamter der Festungs­artillerie, namens Heuriot, der sich als bisheriger Verwalter des Materials wahrscheinlich Zugang zu dem -Magazin verschafft hatte,- um dieses und damit die ganze Zitadelle nebst den ftegreicheiii Deutschen zu vernichten, dabei aber selbst den Tod fand. Dafür, daß der Kommandant oder seine Offiziere eine Mitschuld an dem allem Völkerrecht Hohn sprechenden Vorfälle hatten, ergaben sich keine Anhaltspunkte.

* ©et6ft schuld.Wie ich gestern abend um 9 Uhr vom- Hofbräuhaus nach Hause ging, hab' ich mich tüchtig erkältet." Wie kann inan 'aber auch um 9 Uhr schon nach Hause gehen?!

Mcherüsch.

D e' n I u b i l ä u m s j a h r g a n g derM o b e r n e tt K u n st" eröffnet ein aufs reichste ausgestattetes 1. Heft. Bei ihrem Erscheinen vor 25 Jahren hat sich diese vornehme, illustrierte; Zeitschrift int Fluge die allgemeine Beliebtheit errungen. Das vorliegende Heft des Jubiläumsjahrgangs beweist, daßModerne! Kunst" noch heute dieselbe unmittelbare Wirkung ausübt. An erster Stelle sei der spamteube, humoristische Militärroman des Frei­herrn von SchlichtDer Garbegraf" hervorgehoben. Würdig steht ihm die ErzählungDer Spiegel" von Georg von der Gabelentz zur Seite. Eine Huldigung aus Malerkreisen ist das Widmungsblatt zum 25 jährigen Jubiläum von Professor Hans LooscheuSt. Lukas' Gruß". Hans Koberstein hak für den Jubiläumsjahrgang ein Titelbild von duftiger Zartheit! geschaffen. Mit besonderem Glück veröffentlichtModerne Kunst" seit jeher fesselnde Aufsätze, die von Künstlerhand glänzend illustriert sind, wobei Künstlerhumor und Künstlererlebuisse in allen Farben schillern. Wir nennen aus dem ersten Hefte die mit Handzeichnungen von Hans Stubenrauch reich versehene, hu­morvolle Plauderei von Maximillian KraußDer Schwabinger Bauernball, ein Münchener Künstlerfest" und den exzentrisch- komischen AufsatzDie Macht der Töne" mit Illustrationen von Paul Halle, der in das Treiben der Berliner Musikkapellen einen eigenartigen Einblick gewährt. Zur Erfüllung der Aufgabe, das Theater in ernster Weise zu pflegen, fordert das 1. Heft des Jubiläumsjahrgangs durch einen seltenen Beitrag aus der Feder des Altmeisters Friedrich. Haase die TheaterplaudereiVor­nehm" auf, die gerade für diesen Bühnenkünstler außerordentlich charakteristische ist. Fügen wir hinzu, daß dem Heft zwei doppel­seitige, prächtige Extrasteilagen hinzugefügt sind, und der Zick- Zack in Bild und Wort originelle Aufsätze enthält, so muß mast gestehen, daß der Jubiläumsjahrgang würdig eingeleitet wird.,

Logogriph.

Mitf" erfreut es viele Leut' Zur schönen Sommerszeit, Weils nach dem Wort mith" uns beut Viel Neues weit und breit.

Allüberall erscheinls mitz" Von fern und in der Näh', Wenns Fahren und Wandern nicht mehr geht, So tu's nur gleich mitt".

Auflösung in nächster Nummer»

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer? Handelsschule.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitats-Buch- und Steindruckerei, R, Lange, Gießen.