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'er mit 200 Zietenhusaren zur Auskunduug auf Bienowitz vor, Die Sommernacht war überaus milde, aber stockfinster. Ter Marsch sollte um 7 Uhr früh fortgesetzt werden. Ein; österreichischer Deserteur, Hauptmann Wiese, hatte berichtet, Daun werde morgen in der rechten Flanke und Lasch im Rücken angreifen, woraufhin der König seinen rechten Flügel mehr zurückbog. Bon Laudon wußte Wiese nichts, und man nahm an, dieser werde sich hüten, von vorn dem Löwen in den Weg zu rennen. Doch da kannte! man Laudons Ehrgeiz und Unternehmungslust wenig, der gerade jetzt sich bei Nacht in dichten Marschsäulen vorbewegte, den König anzufallen. Ihn weckte Hundt sofort mit der Meldung, der Feind stehe keine 400 Schritt vor der linken Flanke stromabwärts bei Bienowitz. Mit gewohnter Geistesgegenwart untersagte Friedrich Alarm Und Reveilleschlagen und ordnete die Rathenow-Grenadiere in aller Stille, um zehn Swölfpfündep zu decken, die er sofort auf den Rehberg schaffen ließ. Die Bn- gaden Schenkendorf und Bülow und das Dragoner-Regiment Krakow mußten Linksum machen, die Linke zu verlängern.
Laudon marschierte ohne Patrouillen Und Vorhut, um Nicht 'irgendwo den Gegner aufzuscheuchen, da er Friedrich ein neues Hochkirch zu bereiten gedachte, den er noch in dessen 'ursprünglichen Stellung weiter rückwärts annahm, ohne dessen Vorbewegung bis ans Katzbachgewässer zu ahnen. Statt dessen stieß er letzt Kirf eine starke, vorbereitete Front, der geplante. Ueberfüll verkehrte sich ins Gegenteil. Seine dicken, unbehilslichen Kolonnen, die soeben dichtgedrängt den Fluß überschritten, empfing em Mörderisches Geschützfeuer vom Rehberg, und die schlesischen Nyen- schessky-Grenadiere, im Laufschritt den Rathenowschen nachgefolgt, eröffneten gemeinsam mit jenen Höchst wirkungsvolle Salven. Dre tapferen Kanoniere auf dem Rehberg ließen sich durch Gewehr- e und Kartätschen aus der feindlichen Vorderlinie nicht
, die lärmend durcheinanderwirrte und verzweifelt nach Ent- Wicklnng strebte. Der Uferraum erwies sich so eng, daß Laudon in vier oder fünf Linien hintereinander aufmarschieren grüßte. Der fähige Feldherr erwies sich trotzdem anfangs der Bedrängnis gewachsen, seine Energie setzte es durch, daß seine Grenadiere reserve, an der Spitze voraus, die Bienowitzer Höhe besetzte, wo nur Lagerwachen der Zietenhusaren standen, und seine Reiterei auf der äußersten Rechten zwischen Pohlschildern und Bienowitz sich 'formierte. Um dem verheerenden Feuer vom Rehberge zu entgehe«, das fortwährend tiefe Lücken in die Marschsäulen riß, ritten Laudons Schwadronen vor und warfen mit großer Ueber- zahl Krakows Dragoner zurück. Deren für Schußgefecht eingeübte leichte Schwadron pfefferte jedoch aus einem Hinterhalt, einem Gebüsch beim Gehöft KruMmelinde, und fünf Bataillone General Bülows begrüßten die Verfolger mit solchen Salven, daß sie kehrt machten. Da holte sie ein General Anton Krakow mit den Kürassier-Regimentern Seydlitz (Ohlau), .Markgraf. Friedrich (Pommern) und Leibregiment (Elbsachsen) ein, hieb sie in die Pfanne und trieb sie in ihr eigenes Fußvolk hinein. Die beiden Vordertrefsen Laudons verknäulteu sich, seine Lage verschlimmerte sich fortwährend. Der König stellte acht Bataillone des Generals Grasen Wied am Dorfe Panten weiter rechts schräg Vuf, so daß sie sowohl einem etwaigen Uebergangsversuch oberhalb Pantens entgegentreten, als auch links ins Ringen am Rehberg eingreifen konnten. Hinter dem Wolfsberg, wo. alle übrigen Zwölspfünder anffuhreN, führte General Wedell vier Bataillone als Reserve, und rechts von Panten deckten die Kürassierregimenter Prinz Heinrich Und Karabiniers die rechte Flanke. Aber diese 19 Bataillone Und 30 Schwadronen hatten 44 Bataillone, 44 Grenadierkompagnien und 15 Reiterregimenter Laudons gegen sich, der sich mit gewohnter Tatkraft bemühte, seine geschlagenen Vorderteile durch frische abzulösen. Dreimal erneuerte er den Mngrisf, obschon seine Artillerie und' Kavallerie im buschbesäten Gelände von Pohlschildern keine Entwicklung sanden. Noch gab es überall harte Arbeit. Zuerst wich sein rechter Flügel. Hier fiel das altberühmte Regiment Anhalt-Bernburg, mit Ungnade des Königs wegen eines Vorfalls bei Dresden belastet, mit wahrer Wut angrisfsweise gegen die Weißröcke aus, schleuderte den Geschwadern Salven aus nächster Nähe ins Gesicht, und drang mit dem Bajonett, die Pferde niederstoßend, in sie ein. Die Zwölf- pfünderbatterien fuhren furchtlos mit vor, die weltberühmten Sepdlitz-Kürassiere ritten fünf Bataillone nieder und nahmen sie gefangen. Vier Fahnen nnd zwölf Kanonen fielen in ihre Hände. Das Leibregiment vernichtete andere Schlachthaufen. Kaum eine halbe Stunde währte dort der Kampf. Länger hielt sich die Mitte, in welche jetzt die Spandauer Rosenroten, Regiment Kronprinz, Helden von Zorndorf und Hochkirch, grimmig embrachen. Auch hier wichen die Oesterreicher außer Fassung, doch ihre Linke brachte Friedrich arg in Verlegenheit. Wegen steten Liiiks- zichens der Schlachtlinie, da dort auch Regiment Wedell (Marker) und Alt-Braunschweig (Magdeburger) links von Panten zum Angriff antraten und den Feind bis ans Wasser drängten, klaffte bei Panten selbst eine Lücke. Rasch entschlossen warf Laudon eine ganze Brigade dorthin, eine nur noch dort postierte Halbkompagnie zur Wafsenstreckung zwingend, und zerschnitt so die Ber- binduiig zwischen Friedrich und Sieten. Dieser rückte beim ersten Kanonendonner sofort aus, um gegen Daun zn sichern, rndeM er den Gloßberg mit schwerem' Geschütz besetzte und die Stem- brücke, von wo Uebergaug drohen konnte, zwischen Töpferberg Lnd Pfaffendorf bestrich, Tie Reiterei unter dem Herzog von
Holstein setzte sich in Bereitschaft, um alles zu attackieren, tu'aS- die Katzbach überschreiten wolle, ähnlich wie Blücher später aufs gleicher Walstatt befahl. Eine Reserve unter Graf Finkensteist schied sich aus, um den König bei Bedarf nach links zu untere stützen. Das Frontmacheir nach zwei Seiten brachte aber zuletzt! einen stumpfen Winkel zustande, wo Friedrich und Sieten fast Rücken an Rücken standen und dessen Schnittpuiikt Panten LaudoN unmöglich behalten durfte. Graf Wied, von dort flankiert, hielt! einen dreimaligen Vorstoß der Mitte aus, wobei feine zwei Grenadierbataillone litten und den Major Stechow verloren, bis Wedell' die Gardebrigade Saldern hinter dem Wolfsberg vorführte. Ege die in Panten sestklebende Masse ihr zu langes Zögern überwandt, weil sie fürchtete, bei weiterem Vorgehen etwa ZieteN ins Garn zu laufen, erstürmte das dritte Bataillon Garde das! Dorf. Major Rohdich warf die große Uebermacht nach der. Katzbachbrücke, der hünenhafte General Saldern brachte eine frische Batterie herbei, die Panten anzündete und gemeinsam mit dest Leibgarden und Gardegrenadieren links davon in die Schlachtreihe einschwenkte. Dem Druck dieser Kerntruppen gab letzt Laudons Linke so nach, daß sie all ihr Geschütz auslieferte.. Umsonst sandte Laudon seine ganze Macht übers Wasser ins Feuer, nur vier Kroatenhaufen und zehn ungarische Schwadronen blieben jenseits. Die Rechte verlor schon Bienowitz, dreimal hieb Krakow in die Weichenden ein, deren an Zahl so wert überlegene Masse sich in der Verzweiflung, an den Fluß gedrängt, nach Kräften wehrte. Die Ferdinand-Füsiliere (NeU- Rnppiu) fochten hier herzhaft, allen taten es die drei Bataillone Anhalt zuvor, ein Leibregiment des Alten Dessauer, Helden von Prag und Kollin, Sobald der König zwei Bataillone Zielens Und die rotröckigen Gendarmen-zn-Pferd an sich zog, warf letzt auch seine Rechte den letzten Widerstand nieder. Laudons Massen wogten über die Brücken rückwärts unterm Schutz einer .Batterie Und eines Todesrittes, den seltsamerweise ein JnfaiNerie-Maiorl vom Leibregiment Laudon ansührte. Die ungarischen iLchwarziug- Kürassiere- brausten über die Ruppiner herein, die sogar zwei! Kompagniefähnlein dabei verloren. Doch Regiment Anhalt ging mit lautem Racheschrei den Reitern mit blankem Stahl zu Leibe, Krakow befreite die gefangenen Ruppiner, General 83enormer eroberte rechts mit den Karabiniers eine Batterie und Krokmv- Tragoner zersprengten links. das Fußvolk, eroberten zwölf Kanonen, drei Fahnen, zwei Standarten und schleppten 1000 Gefangene fort. Laudon wich in voller Auflösung; um drei Uhr früh fiel der erste, um sechs Uhr der letzte Schutz.
Tann vernahm gar nichts von dem Schlachtengetche, da dep Wind es abwärts wehte. Einen Versuch an der Pfassendorferj Steinbrücke verleidete ihm Zielen gründlich mit 20 Zwölspfündern und 20 Schwadronen. Laschs Husaren plänkelten bei Rüstern übers Schwarzwasser, Hauptmann Prittwitz vom 1. GardebatailloN trieb sie aber von Hummel aus zurück. So waren denn 32 000 Manu Landons mit 120 Geschützen nur 14 500 Preußen erlegen, 83 Geschütze, 23 Fahnen, 4—5000 Gefangene bildeten die Trophäen. Nach neuester österreichischer Angabe seien nur .2140 gefangen und 3800 getötet und verwundet worden. Ta jebod); allein zwei Generale und 86 Offiziere gefangen wurden, verdient die geringere Ziffer feinen Glauben, auch liegt es auf der Hand, da die Preußen 775 Tote und 2435 Verwundete embufiten,; daß der österreichische Blutverlust den Umstünden nach 5000 Manu überstieg, wie preußische Berichte sagen.
vermischter.
* Ein Wettrennen zwischen Mensch und Pferd, Ein eigenartiges Wettrennen hat vor kurzem in der argentinischen Sirdt Rosaria stattgesunden: Der berühmte italienische Dauerläufer Dorando Pietri, der Sieger im „Marathon-Lauf , maß seine Kräfte mit einem Pferde, das als Trabrenner in Rosario berühmt ist. Es galt eine Strecke von 5 englischen Meilen im scharfen Trabe zurückznlegen. Pietri blieb unbestrittener Sieger,- er erreichte das Ziel in 27 Minuten 43 Sekunden. Das Pferd traf erst später völlig erschöpft am Ziele an und mußte sofort zum Stall abgeführt werden. Der italienische Dauerläuferi aber, so berichtet der Diario von Buenos Aires, ivar »och vollkommen frisch. Als man ihn fragte, ob er nicht erschöpft sei, antwortete er Nur lächelnd: „Bringt mir em zweites Pferd, ich laufe weiter." Mer kein Besitzer wollte fein Tier solcher Anstrengung und einer Niederlage gussetzen.
* Ein Riesenwalfisch. An Bord des Frachtdampfcrs „Aragoma" ist nt Newyvrk des Skelett eines Walfisches eingetroffen, das im amerikanischen Museum für .Naturgeschichte! einen Ehrenplatz erhalten soll, beim es rührt von einem der größten Walfische her, die je erlegt worden sind. Allem die Kiefernknochen haben eine Länge von 25 ymtz, das ganze --mep war über 200 Fuß lang, das getrocknete Skelett wiegt. t>o Tons, Tas Monstrum wurde im vergangenen Winter m laPamscheN Gewässern harpuniert. Die Ueberführmig des Skeletts von Mo,l in Japan nach Newyork hat allem an Fracht 20 000 Mark ver
schlungen.
* Japanische S a m m elwut. Von dem Sammeleifer der Japaner, der meift eine sehr exzentrische Richtung cmschlagt, weiß die Revue allerlei Amüsantes zu berichten. So herrschte int Jahre 1893 in Tokio die Mode, Kaninchen zu sampicln. Nach,


