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Marynka Marynka?! Michalina lauschte erfreut: war das vielleicht die kleine Marynka, die zu ihrer Zeit noch ein Kind gewesen war, das niemandem angehörte, ein Kind, das hier zwischen den Ställen ausgewachsen war? O, vor der brauchte sie sich nicht zu fürchten! Und so schlupfte fie schnell hinein in den Koben.---

Der Rittmeister; der gegen die Zeit der abendlichen Kuhle Mit der Gouvernante seiner Schwester im Garten Prome­nierte, war fast verblüfft, als aus einem dichten Gebüsch im Rücken des versteckten Bänkchens, auf dem er eben mit Fräulein Wollenberg Platz genommen hatte, em leises Pst-Pst" ertönte, so zart wie das zirpende Rusen einer Grasmücke. Eine Weidengerte berührte mit einem mahnen­den Tupfen seine Schulter. Er drehte den Kopf da stand die kleine Marynka, die Hühner- und Schwernemagd, winkte eifrig nnd legte dann ihren nicht gerade tadellos sauberen Zeigefinger ginn' Zeichen des Schweigens auf die Lippen.

Was fiel dem' kleinen Wechselbalg ein?! Wollte die etwa auch schon kokettieren?! Da müßte Man ja einen netten Geschmack haben! Mer na! Gutmütig erhob sich Paul Kestner. Er bat das Fräulein, einen Moment zu ent­schuldigen.

Nun, wo steckte denn jetzt die kleine Marynka?! Der Rittmeister Log um das Boskett.He, Marynka!"Sie war nicht mehr da, wohl aber stand auf dem Kiesweg, über den der sonnige Wendglanz tanzende Lichter warf, ein rundes braunes Mädchen und blinzelte ihn scheu an.

Ein:Donnerwetter!" entschlüpfte dem Rittmeister. Das war gerade keine angenehme Ueberraschung. Er hatte die Michalina, das einstige Stubenmädchen seiner Mutter, erkannt. Hastig fuhr er in die Tasche, er wollte ihr ja gern etwas schenken. Da brachte sie stockend und stotternd ihr Anliegen hervor.

Also heiraten wollte sie, die Michalina?! Erleichtert atmete er auf. Na, das war ja ganz reizend, ganz famos! Und den neuen Krug wollte ihr Bräutigam gern pachten? Bräuer > -Valentin Bräuer den Namen wollte er sich Merken h ganz famos! Nun natürlich, der kriegte den Krug uud kein anderer! Da konnte sie sich fest daraus verlassen! .

Er schüttelte ihr die Hand: das wär recht, daß sie zu WM gewmmen war!

Sie küßte seine Hand:Padäm do nog!" Mehr konnte fie nicht stammeln. Ihr Herz war so schwer; es drückte ihr fast den Atem aus.

*

Warum weinst du?" sprach die kleine Marynka, als sie Miteinander aus dem Garten schlichen.Er ist doch ein guter, gnädiger Herr! War er nicht gut zu dir?"

Doch, doch, er ist sehr gut gewesen," schluchzte Micha­lina und befühlte das große Silberstück, das der Herr Rittmeister ihr in die Tasche gesteckt hatte. Fünf Mark i was konnte sie alles dem Jafio dafür kaufen! Aber die Freude wollte nicht kommen in ihr Herz. Ja, wenn fie wirklich die Braut gewesen wäre, für die er sie gehalten hatte! Es war süß gewesen, ihn so sprechen zu hören; sie hätte seinen Irrtum nicht verbessern mögen, um alles in der Welt nicht. Wer, o sie legte die Hand aufs Mieder, was hatte sie da für einen bösen'Schmerz!

Weine doch nicht!" sprach- die kleine Marynka und drückte ihr mitleidig die Hand.Hast du Ursache zu weinen? Nein, du hast gar keine Ursache! Du hast einen Großvater. Wenn ich meine Gänse treibe auf die Stoppel, da" fie hob den Arm und deutete nach dem Lysa Gora hinüber, der sich wie ein Wahrzeichen jenseits der drei Grenzen reckteso treibt der alte Dudek nebenan seine Schafe auf Chwaliborczycer Stoppel, und wir treiben neben­einander, und ich höre ihm so gerne zu. Ich wünschte, ich hätte auch ein so liebes Großväterchen! Und du hast auch noch eine Mutter o, wie ich wünschte ein Mütterchen!"

Und ein Bübchen, ein kleines," ergänzte Michalina schnell und trocknete mit dem Schürzenzipfel ihr beträntes Gesicht. .

Da seufzte die kleine Marynka:Wünscht' ich doch, ich hätte -auch so ein Bübchen, ein kleines! Mit dem läßt sich Mt schwatzen, nicht wahr? Ich habe nur meine Hühnchen und Gänse, und die Ferkelchen von der alten Rozyczka. Mer alle sie werden geschlachtet werden. Das Bübchen nicht! jO, du Glückliche!"

In ihrem kurzen Röckchen, auf ihren bloßen Füßen stand die Keine Marynka am Hoftor unter der Akazie und sah noch lange, lange der Davonschreitenden nach.

Michalina eilte sehr: was würde Stasia wohl Jagen, daß sie solange hatte warten müssen?! Aber wie sie sich auch umschaute, nach rechts und links und vor und zurück, keine Stasia war zu erblicken. Der hatte es sicherlich zu lange gedauert, die war schon nach Hause gegangen!I

Aber Stasia hatte die Zeit nicht zu lange gewährt;! sie hatte gar nicht gemerkt, wie die dahineilte. Schon läutete das Abendglöckchen jetzt war es die Stunde, in der sie am Luch ihren Bräutigam treffen sollte ab er­ste dachte gar nicht an diesen.

Mit Pan Szulc saß sie unten im tiefen Wassergraben^ den die Sommerhitze so ausgetrocknet hatte, daß kein Tröpf­chen mehr darinnen war. Wer Gras wuchs da unten', Gras, so weich wie ein Pfühl. Sie küßten sich. Sie hatten sich unendlich viel zu erzählen, und noch viel mehr sich M küssen, und so viel zu lachen. Und dann verabredeten sie, daß sie sich öfters hier treffen wollten im Wassergraben, der wie ein tiefer Schnitt durch die Felder schneidet, und in dem man sitzen kann, ohne daß jemand, der über die Felder geht, eine Ahnung davon hat.

Sie verabschiedeten sich auch hier unten. Es war ent langes, heißes Umfangen. Daß sie des Niemiec Braut war, daraus nahm Pan Szulc keine Rücksicht für den war sie doch viel zu schade!

Mit zerrauften Haaren, das Geficht glühend, kletterte Stasia endlich, sich an den Grasbüscheln hinaiifhelfend, zum! Rande hiuan. Noch einen Blick ein Grüßen mit den Augen ein Spitzen des Mundes Und dann lief sie fort, während der Inspektor unten iioch eine Strecke weiter ging; um dann am gaiiz andern Ende des Grabens aufzutauchen'.

Atemlos näherte sich Stasia den Weiden am Luch.. Was würde sie mir schnell Vorbringen, sich zu entschuldigen? Was sollte sie sagen, um den so lange vergeblich Harren-, den zu versöhnen?! Und was die Michalina ausgerichtet hatte, das wußte sie nun -Mch nicht. recht dumm! was erzählte sie denn jetzt schnell für ein Märchen?!

Mit zitternden Fingern ihr verwirrtes Haar zu orbneit versuchend, hielt sie an nun war sie am verabredeten Platz. Ganz still lag der Luch, so still, daß das leise Rauscheu der Schilshalme im Abeudwind wie ein mächtiges Brausen klang. Unter einer grünhaarigen, wehenden Weide lag Walenty, die Arme als Kissen Hinterm Kopf, das klare Gesicht frei nach oben gekehrt.

Friedlich schlief er in glückseligem Behagen, ohne Harm! wie.ein Kind. Er konnte auch schlafen, unbesorgt wie ein Kind, denn er war sicher bewacht. Neben ihm kauerte Michalina. Die Küie hochgezogen, die Arme um die Knie geschlungen, wiegte sie den Oberkörper hin und her in lautlosem Rhythmus und hielt die Augen unablässig auf den Schläfer gerichtet.

(Fortsetzung folgt.)

Liegnitz.

Zum 150. Gedenktage- 15. August 1760.

Von Karl Bleibtreu.

(Nachdruck verboten.)!

Friedrich der Große hielt sich seit der Kunersd-orfer Kata­strophe mühsam über Wasser und fristete seine Kriegsführung sh hin durch beständige Manöver. Doch das Bleigewicht der Materick wuchtete ihn nieder, die Uebermacht erdrückte ihn. Noch behielt er den Nordteil von Schlesien, aber er sah sich von Breslau! durch Tschernitschefs Russen abgesperrt, und die letzte Basis Glogaik bedrohte Laudon von Liegnitz her, Daun und Lasch drängten' Von der anderen Seite. Von 90 000 Oesterreichern eingekreist,- nur noch für drei Tage Brot im Lager, wechselte Friedrich rasch seine Stellung. Seine Beiwachtfeuer ließ er Dann gegenüber brennen, um über den Abniarsch zu täuschen, und bezog die Stellung Wolfsbcrg-Pfaffendorf. Längs dem Schwarzwasser bis zum Dorfe Hummel stellte er seinen rechten Flügel unter Zielen auf, um gegen Daun zu demonstrieren, das Uebrige stand mit Front nach Liegnitz, alles in allem nur 30 000 Mann. Der! Abmarsch vollzog sich in nächtlicher Stille, die Truppen schlum­merten unterm Gewehr oder erwarteten schlaflos den Tag. Denn bei etwaigem Vormarsch auf Liegnitz stieß man sicher Ms den Feind.

Ter König ruhte wach an einem Wachtfeuer des linken Flügels', seinen Rotschimmel Cäsar neben sich angebunden an einem Baum; um ihn her das Brandenburger Grenadier-Bataillon Rathenow, Gewehr im Artn Auf Vorposten., Ten Major Hundt schickte