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Wmüisbvllö Fron Frvu tioit heule nicht ebenso merftttüzbig1, Ivie das geblümte Kattnnkkidchen unserer Großmutter? Unsere heutige Mode wechselt so rasch und unser heutiges Geschlecht hat so wenig Sinn, Mutze und Platz zum Aufbewahren solcher au sich größtenteils wertloser Eintagsdinge, daß vielleicht in einigen Monaten von all dem närrischen, koketten, blödsinnigen, berückenden Krimskrams nichts, aber gar nichts mehr da sein wird. Und was dann? Wie will Wan sich nach nur drei Jkhreft Kittel Kollektion der 1909 getragenen Damen hüte verschaffen?
Noch eins! Wir stehen in der Kindheit des Auto- und Luftschiffverkehrs. Wurde es für unsere NackMmmen nicht von höchstem Interesse sein, die ersten wSnnlichsm und weiblichen Auto-- und Luftschiffmoden im Original sehen zu können? Sie lverdett sicher darüber lüchieln, so wie wir jetzt über die kindliche Gestalt der ersten Lokomotive lächeln, aber sie werden uns dankbar sein, daß wir weitschauend» in unserer Zeit an die kommend« gedacht haben.
Es ist wahr, wir haben Photographien, Kinemlatographen Mrd .Zeichnungen von den Modesonderbarkeiten rurserer Zeit in Hülle Mid Fülle, aber das genügt nicht. Jeder Maler, der einmal versucht hat, nach allen Stichen (und wären diese selbst von Chvdowiecky) ein Kostüm herzustellen, !veiß, wie unzureichend für solchen Zweck selbst die beste Zeichnung ist.
Und die sogenannten Reformkostüme! Wie lang wird es dauern, und sie .sind verschwunden, vergessen! Und doch haben sie einmal die weiblichen Gemüter bewegt und beschäftigt,. wenn auch die Gestalten, die sich in dieser Weise drapierten, nicht immer die hierzu berufensten waren. Wie merkwürdig würde sich aber «ins Sammlung solcher Resbrmkostüme ausnehmen! Merkwürdig nicht nur den späteren Geschlechtern, sondern auch schon uns, die Wir all dies noch mitcrlebt haben! —
Ich bin mit meiner bescheidenen Plauderei, die nichts als eine Anregung sein soll, zu Ende. Freilich ließe sich noch manches beifügen, was der Erinnerung wert wäre. Wie merkwürdig ist rs zum Beispiel, daß sich seit einigen Jähren neben der plh- bergebrachten durch Volkslrachtenvereine geförderten Nativnal- rleidnug unserer bayerischen Berge ein eigenes Kostüm zu entwickeln scheint, das die weiblichen Sommerfrischler aus der Stadt Mit aufs Land bringen, das, so wie es ist, nie und nirgends getragen wurde, und das internationalen Charakter hat, Tirol, Steiermark, Tegernsee, Norwegen! Auch! diese Erscheinung unserer Zett verdiente es, sestgehalben zu werden. Oh sie schön ist oder nicht, Mwint hier nicht in Frage. Für uns muß es genügen, ihr Dasein zu lbnstatteren. Denn wer weiß, ob aus diesen etwas konfusen Anfängen sich nicht noch das entwickelt, was inan eine Tracht, ein Kostüm nennt? —
Doch genug der Anregung, und der Fragen. Ich fürchte, schon diese werden genügen, mir die Ungnade Mer jener Museumsdirektoren zuzuziehen, die (und das tun ja doch die meisten) sich über Mailgel an Platz zu beklagen haben.
„Auch iwch moderne Kostüme? Wo kommen wir hin? Wo ist da ein Ende?"
Ein Ende? Niemals, meine Herren, so lange es Moden, das heißt Menschen gibt! Und wenn in den letzt bestehenden Museen svirklich kein Raum mehr stir die heutigen und künftigen Mode- thpen sein sollte, wie wäre «cs, wenn man in Deutschland sich entschlösse, ein Museum zu gründen, in welchem die Mode unserer Zeit in charakteristischen Typen uns und unseren Enkeln erhalten würde? __________
von Dr. Steins Forschungsreise in Senlral-Asien erstattet der Gelehrte selbst einen ausführlichen Bericht, dessen erster Teil in der Umschau erschienen ist. Bereits auf seiner Reise 1900/01 war er bei Grabungen im Süden der Taklawakan-Wüsto aus die Ruinen alter Wohnstätten und Tempel gestoßen, die seit langen Jahrhunderten in ihrem Sandgrabe wohlbewahrt schlummerten und völlig neues Licht auf eine interessante alte Kultur warfen. Eine reiche Zivilisation, aus indischen, chinesischen und antikklassischen Einflüssen geboren, hatte einst in diesen Oasen des Tarimbeckens geblüht; davon gaben prächtige Skulpturen und Malereien, Reste alter Mauern und Bewäfse- rnnaskanäle ein stolzes Zeugnis. Jur April 1906 brach nun Stein zu einer neuen Reise auf, um diese Stätten ergebuis- rercher Arbeit weiter zu durchforschen. Sein Weg führte ihn vom Fort Chakdarra zunächst durch Gebiete, die einst den Sivgesz-ug Alexanders gesehen hatten und in denen zahlreiche Ruinen aus lutddhistischer Zeit sich erhoben. Die Gebirge waren noch mit gewaltigen 'Schneemassen bedeckt und mußten unter großen Mühen und Gefahren überschritten werden. Im Juni brach Stein von Kachgar aus Und erreichte Anfang August Khotan, das auch bei seiner vorigen Reise feine Operatronsbasis gebildet hatte. Die archäologische Kampagne in der Wüste, begann nnt der Untersuchung der Trümmerstätten nördlich von Hanguya- Kanton. Eine Reihe schöner Stuckreliefs, die einem buddhistischen Tempel aus dem 5,-6, Jahrhundert n. Ehr. ent
stammten, wurden geborgen. Sehr zahlreich waren die beschriebenen Holztäfelchen und Handschriften in Sanskrit, Chinesisch, Tibetisch und der unbekannten alten Sprache Khotans, die -aus den Schutthaufen der zerstörten Tempel- ruinen ans Licht traten. Kunststil und Münzfunde wiesen» deutlich aus die zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts n. Chv., als die Zeit, zu der diese Siedlungen verlassen wurden. Wett älter war ein anderer Ruinenplatz, mehrere Tagemärsche jenseits des Punktes, wo der Myafluß im Wüstensande versiegt. Hier stieß man in fast jedem der ausgegrq- benen Häuser auf Schriftfunde, schön gearbeitete rechteckige hölzerne Täfelchen mit genau paffenden, als Umschlag dienenden Deckstücken, wie sie für die amtlichen Dokumente gebraucht wurden, dann auf keilförmige Doppeltäfekchen für yalboffizielle Korrespondenz und auf einfache Brettchen für Aufzeichnungen, alles in indischer Schrift und Sprache, die die letzten Bewohner um die Mitte des 3. Jahrhunderts n. Ehr. als „Makulatur" zurückgelassen hatten. Ein besonders reicher Fund an alten Dokumenten glückte in dem Hause eines höheren Beamten, in dem man in einem geheimen Versteck eine Menge von noch uneröffneten, mit völlig intakten Tonsiegeln und Umschnürungen versehenen Schriftstücken entdeckte. Die Siegel zeigten zumeist Ab<- drücke nach antiken Gemmen mit Darstellungen des EroS, der Athene, des .Herakles usw. Stach» diesen ergebnrsreichen Arbeiten wurde eine Expedition zu den von Sven Hsdin im Jahre 1900 entdeckten Ruinenstätten nördlich von Lop nox unternommen. In der wasserlosen Wüste, bet dem eisigen Nordostwind und der Kälte von über 18 Grad Celsius war die Reise ein schwieriges Beginnen, denn die Arbeite» mußten süns Wochen lang in der öden Wüste Nahrung und Trank erhalten. Das notwendige Wasser wurde in Form von Eis mitgeführt. Die Nachgrabungen in den Bauresten der verschiedenen Ruinengruppen lohnten aber reichlich die Mühe. Sogar im äußersten Osten des Tarim- beckens hatte sich eine imposante Kultur und Kunst entwickelt; die architektonischen und kunstgewerblichen Arbeiten zeigen deutlich jenen grako-buddhistifchen Kunststil, der im! nordwestlichen Indien unter dem Einfluß der Antike in den letzten Jahrhunderten vor und den ersten Jahrhunderten nach Ehr. geblüht hat. Soweit auch das Lop-nor-Gebiet von Khotan entfernt ist, fo hat doch der indische Einfluß» biA hierhin sich erstreckt. Das erwiesen auch 'Dokumente in indischer Schrift und Sprache, die neben chinesischen Schriftstücken gesunden wurden. Auch diese Stätten sind etwa m der zweiten Hälfte des dritten nachchristlichen Jahrhunderts von ihren Bewohnern verlassen worden. Ende des Jahres 1906 waren hier die Arbeiten beendet. Die Kälte war bis auf 27 Grad Zelsius gestiegen, die eisigen Winde führten Krankheitsfälle herbei. In dieser schrecklichen Witterung wurde' nach höchst beschwerlichem achttägigem Marsch das verfallene Fort Miran mit seinen umliegenden Ruinen durchforscht. Außer zahlreichen Dokumenten zur tibetanischen Geschichte wurden in den Schutthügeln der buddhistischen Tempel zahlreiche Kunstwerke aufgefunden, so Torsos kolossaler sitzender Bnddhastatuen und herrliche, wenn auch schwer beschädigte Wandfresken, die in Auffassung und Behandlung so ausgeprägten westlich-klassischen Stil zeigten, daß tmni vor ihnen eher an den Schmuck einer römischen Billa Kleinasiens, als an den eines Buddhaheiligtums an der Westgrenze des eigentlichen Chinas denken mochte. Auch diese Heiligtümer wurden irrt 3. Jahrhundert n. Chr. verlassen. Bon den Fresken wurde ein großer Teil abgelöst und mitgenommen. Attf einem uralten, ttoch von Marco Polo erwähnten Wüstenweg zog dann die Karawane der Tunhuang-Oase zu, die an der Westgrenze der chinesischen Provinz Kansu liegt. Fünf Tagemärsche von ihr entfernt stieß Stein zum erstenmal auf verfallene Wachttürme und entdeckte bald auch Spuren einer sie verbindenden Mauer. Ein sehr altes Bauwerk war entdeckt, ein riesiger Grenzwall, der in Zweck und Anlage der noch heute bestehenden „Großen Mauer" an der Kansugrenze entsprach. Der „Limes" wurde nun in der noch winterlichen Wüste eingehend untersucht. In Abständen von 3 bis 5 km erhoben sich die massiven Wachttürme mit den bescheidenen Stationen für die Posten. Aus zahlreich gefundenen chinesischen Schriftstücken ging hervor, daß die Erbauung dieses Grenzwalles am Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. erfolgte, als unter Kaiser Wu-ti die Ausdehnung der chinesischen Macht nach! Zentralasien begann- Mit bewunderungswürdigem Scharfblick halten die alten chinesischen Ingenieure den Bau an-


