Ausgabe 
14.11.1910
 
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ländischen Lüftschiffer-Gesellschaft auch die Arrangements der Ballontaufe geleitet, und daher sei feilte Aeußerung zur Sache allein maßgebend. Man könne ja die Möglichkeit zugeben, daß die Firma Friedel sich um die Lieferung des Taussekts bemübt habe; das sei sogar wahrscheinlich, da sie die gute Idee, den Taufchampaguer nach dem Namen des Luftschiffes zu benennen, den Herren Miquelon sofort nach­geahmt habe: aber an dem nackten Faktum, daß bei der Weihe des Ballons Miquelonschcr Champagner verwendet worden, sei trotzdem nichts zu ändern.

DasJournal des Döbats" sprach immer noch in leidlich gemäßigtem Tone. Doch die kleineren Pariser Blätter schäumten förmlich... Sie unterstMön der Firma Friedel, jefttgy gewHhnlichen Betrüst verübt zu haben; sie sahen auch in der gleichnamigen Bezeichnung der Marke Excelsior einen frechen Raub". Und dann ergoß sich eine Schale bittersten Hohns über den deutschen Schaumwein, diesefade Limo­nade", gegen die der schlechteste französische Champagner noch ein Genuß ohnegleichen fei.

Kesselholz hatte das Inserat der Miquelons zuerst in derKölnischen Zeitung" gefunden und stürzte damit eiligst zu Fritz. ES war in der achten Abendstunde. Fritz war daheim geblieben. Eine grenzenlose Unruhe hatte sich seiner bemächtigt; auch eine geheime Furcht. Obgleich die Ant- wortdepesche Meelens auf seine Anfrage nicht klarer hätte lauten können, bedrückte ihn das Empfinden, daß bei der Taufe desExcelsior" irgend etwas nicht gestimmt haben müsse. Er hatte daher noch einmal an Weelen geschrieben, war aber bisher ohne Entgegnung geblieben. Das machte ihn stutzig. Allerdings liebte der Herzog das Briefschreiben nicht, Pflegte aber gewöhnlich auf der Stelle telegraphisch zu antworten. Es ivar ganz unverständlich, daß er es in diesem Falle unterlassen hatte.

Als nun Kesselholz in heller Aufregung mit derKöl­nischen Zeitung" erschien, hatte Fritz das Empfinden, als schwinde plötzlich der Boden unter ihm. Es war in der Tat tote eine Ohnmachtsanwandlung; Ueberarbeitung und Schlaflosigkeit hatten ihn nervös gemacht. Aber er be­herrschte sich. Wenn er jetzt zusammenbrach, wurden die Intriganten in Epernay Sieger. Denn daß es sich um eine unerhörte Intrige handelte, war nunmehr klar. Wie sie in Szene gesetzt worden, ließ sich freilich noch nicht über­sehen; aber es schien, daß auch Herr Lesson dabei die Hand im Spiele hatte. Auf den Rat von Kesselholz beschloß Fritz, selbst nach Uttenhooven zu 'fahren, um mit Abeelen Rücksprache zu nehmen. Man setzte ein Telegramm an den Herzog auf, mit der Anfrage, ob Fritz willkommen sei, und bat um Antwort auf driitgeudem Wege. Diese Ant­wort konnte noch in der Nacht eintreffen, so daß für Fritz die Möglichkeit gegeben war, mit dem Frühzuge nach Utteri- hovven zu fahren. Dann mußte die mündliche Aussprache Polle Klarheit bringen.

Kesselholz war noch nicht lange fort, als Fritz nener- diugs Schritte auf der Treppe und int Korridor hörte und dann eine ihm wohlbekannte Stimme, die den Diener zurückwies:Lassen Sie nur, Verehrtester ich Tenne den Weg. . .

Fritz öffnete die Tür. Helldorf stand vor ihm und Nickte ihm zu.Guten abend, mein Junge," sagte er, >,etwas unerwartet, nicht wahr? Ich möchte gern Euern Excelsior" mal kosten aber laß mir vorher einen Kognak geb en, mir ist lab brig im Magen."

Er warf Hut Utto Havelock auf das Sofa. Fritz war überrascht durch den Besuch, aber er äußerte es nicht. Er gab dem Diener Auftrag, den Wein zu bringen und bot Holldorf einen Sessel an.

Helldorf warf sich wuchtig in den Fauteuil utid! preckte die Beine weit von sich.Eine Zigarre, Fritz, wenn ich bitten darf; ich danke dir. ..." Er begann park zu qualmen. . ..Kinder, was macht Ihr? Der vanze Gau ist in Aufregung. Alle Schaumweinfritzen stecken Die Koppe zusammen und wispern und flüstern. In Wies­baden hört man nichts weiter als von Enerm Streit mit den Miquelons." '

),Er wird erst losgehen," sagte Fritz.

-Und bist du des Ausgangs sicher?"

1Wenn das oute Recht siegt ja."

Das Recht läßt sich biegen, Und du hast es Mit pfiffig gen Gegnern zu tun."

Kennst du sie?"

Zum Teil. Deshalb komm ich her."

Der Diener kehrte zurück. Er brachte eine Flasche Excelsior int Eiskübel und eine Flasche Heuessy. Helldorf trank hastig einen Kognak, dann noch einen.So," meinte er,der Grund ist gelegt. . . Nun füllte er ein Wasser­glas mit Champagner und sog die Blume ein.Sehr fein," sagte er;das haben die drüben nicht. Abex eK ist- doch ein Fehlerdabci. Die BluM wird sich Mit oenJahren yt staxf gHvickemr . n* Jetzt stank er, langsam, schlür­fend, zuwetlen absetzend; aber er leerte das Glas. . . « Meine Zunge ist miserabel geworden, Fritz; sie ist gründ­lich verdorben. Immerhin so viel Verständnis ist mir noch geblieben, um konstatieren zu können, daß das der beste Schaumwein ist, der je fabriziert worden ist. Tat­sache! Und wenn du mich fragst, ob er mit den großen Marken der Champagne in Konkurrenz treten kann ich meine ja. Er hat seine Eigenart. Er nähert sich dem! Mumm und Gvulet. Er ist nicht so süffig wie Cliquot und Myöt; er ist na ja, das muß ich sagen kein Getränk für die Schäkerstunde; aber er ist gehaltvoll und prächtig in seiner Frische. So als Abschluß eines Diners, als Aus- peitscher für die schlaff gewordenen Magennerven ganz exquisit! . . ." Uno er goß sich abermals ein.

Dein Urteil freut mich," entgegnete Fritz und klin­gelte, um noch eine zweite Flasche zu bestellen.Wir haben auch große Hoffitungen auf die Marke gesetzt und sie deshalb absichtlich mit Fanfaren und Klingklang auf den Markt gebracht. Und nun kommen die Leute von Eper­nay und wollen uns das Geschäft verderben! Wer ich werde ihnen dienen! Morgen reife ich nach Uttenhooven. Es ist eigentlich unnötig, da der Herzog von Weelen mir die Bestätigung meines Rechts bereits schwarz ans weiß ge­geben hat. Aber die letzte Veröffentlichung der Miquelons, zwingt mich dazu, einen notariellen Akt über die Vorgänge aufnehmen zu lassen."

Du wirst Abeelen gar nicht mehr vorsinden," sagte Helldorf.

Fritz stutzte.Was heißt das? Ist er verreist?"

Allerdings. Er hat Aerger gehabt. Infolge irgend einer Unvorsichtigkeit, vielleicht auch durch Bosheit ich weiß nichts Näheres ist das Steuersystem an seinem Ballon zerstört worden. Die Reparaturen können lange Zeit in Anspruch nehmen. Inzwischen ist der Herzog nach Amerika gereift, um sich die Flugversuche der Gebrüder Algernon auzusehen.

Nach Amerika!?" rief Fritz in schmerzlicher Ent­täuschung.

Ganz richtig: nach Nord-Carolina."

Teufel, das ist unangenehm! Das ist ein Strich durch meine Rechnung. Wer noch lange nicht der Sieg ber Gegenpartei. Auch Amerika liegt nicht außerhalb der Welt, und wenn ich einen Prozeß gegen die Miquelons anstrenge, komme ich zum Schwur und kann unter Eid aus- sagen, welche Abmachungen ich mit Abeelen getroffen habe."

Helldorf griff nach feinem Glase.Mein Lieber, ich fürchte, du verkennst die Sachlage. Was du mit Abeelen besprochen und abgemacht haft, dürfte für die juristische Ordnung der Angelegenheit ziemlich gleichgültig fein."

Doch nicht. Wir haben zunächst bei dem Zeremonien­amt im Haag angefragt, ob wir den Tanfwein liefern! dürften. Das wies uns an Weelen als den Besitzer des Luftschiffes."

Was schon ungenau war. Denn nicht Weelen, sondern der Deutsch-niederländischeit Luftschiffer-Gesellschaft gehört' der Ballon Excelsior. Allerdings besitzt der Herzog einen! großen Teil der Aktien, aberBesitzer" in rechtlichem Sinne ist er keineswegs. So führt er auch nur den Titel eines Präsidenten der Gesellschaft, während als gcschäftsführen-. ber Direktor Herr Lesson fungiert. Und au d en hättet ihr euch in eurer Angelegenheit wenden müssen."

Fritz hörte mit gespannter Aufmerksamkeit zu. Es war mermmrbig, wie gut Helldorf Bescheid wußte! == (Fortsetzung folgt.)