Ausgabe 
14.11.1910
 
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Montag den K November

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Frwoel halb-süß.

vornan von Fedor von Zobeltiß.

lFortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Auch diese Zusammenberufung der Generalagenten war dem Opa aufanc, durchaus nicht recht gewesen. Es kostete Geld und harte' eigentlich wenig Zweck; es war wie ein Theateraufzug, der kaum zur Sache gehörte. Aber Fritz ließ sich nicht beirren: ihm lag au der persönlichen Be­kanntschaft mit diesen Leuten, die die Verbindung intimer «gestalten sollte; ihm lag auch daran, über manche Neuerung, die er einzusühren gedachte, ihre Ansichten zu hören. Mit dem Barer war nichr mehr zu rechnen. Es war Fritz un­endlich peinlich, als er merken mußte, daß der Kommerzien­rat beim Frühstück zu viel trank und mit schwerer Zunge eindeutige Anekdoten zu erzählen begann. Aehnliches war früher niemals der Fall gewesen; vor allem hatte der Kommerzienrat immer nur in mäßigen Grenzen pokuliert, schon deshalb, um sich nicht die feine Zunge zu verderben, die für seinen Beruf so wichtig war wie bares Geld. Fritz war froh, als sich sein Vater nach beendetem Frühstück zurückzog, umwichtige Briefschaften zu erledigen".

Einige der Ageitten, wie die für Petersburg, London und Konstantinopel, blieben mehrere Tage, da mit ihnen toeaeit Lagervergrößerungen, Zollfragen, Kreditgewährun­gen und mancherlei anderem noch wichtige Besprechungen zu erledigen waren. Inzwischen fand Fritz aber Zeit, den Angriffen der französischen Journale, die bereits in deutsche Zeitungen übergegangen waren und gerade im Rheingau großes Aufsehen erregten, entgegenzutreten. Er entwarf mit Kesselholz und dem Opa eine Erwiderung, die gedruckt Und an die bedeutendsten deutschen und frac Ischen Blätter versandt wurde; demMatin" undFigaro", die zuerst die diskreditierende Nachricht gebracht hatten, gingen be­sondere Schreiben zu. In seiner Erwiderung begnügte Fritz sich damit, das letzte Telegramm des Herzogs von Abeelen Wiederzug eben: es war in der Tat die kürzeste Aufklärung, und sie sprach am lautesten für das gute Recht der Firma Friedel.

Der merktvürdige Streitfall begann allgemach auch die Allgemeinheit zu interessieren. Konkurrenzkämpfe ähnlicher Art kamen ja häufiger vor, aber ihr Lärm drang über die Kreise, die sie angingen, kaum hinaus. Hier lag die Sache insofern anders, als der Streit sich an ein weltbewegendes Ereignis anknüpfte und es zudem den Anschein halte, als fühle Frankreich sich in seiner nationalen Ehre angegriffen. Die chauvinistischen Blätter begannen sogar schon mit einer

Hetze gegen den Herzog von Weelen. Man spürte seines Abstammung nach und stellte die Genealogie seines Ge­schlechts auf. Der Ahnherr der Meelens war Jehan ds Moranville gewesen, der aus der Dauphinse nach Belgien eingewandert war und sich in der Provinz Hainaut era Schloß gebaut hatte. Der Herzog war also französlsche Extraktiou; aber er schien das vergessen zu haben. Er war auch durcy die Grafen von Brie an Frankreich gefesselt, war infolge der Ererbung des Herzogstitels derer von Barbayon belgischer und als Fürst von Beste-Kerkehooven und Gras Rhemen holländischer Untertan und hatte das preußische Jndigcnat erst verhältnismäßig spät erhalten. War es nicht ein Skandal, daß er sich trotzdem mit Vorliebe als Preuße aufspielte? Uno nun hagelten die Vorwürfe noch dichter. Er hatte die Erfindung seiner neuen Stabilisations- und Steuerungssysteme zuerst dem Kriegsministerium in Berlin vorgelegt. Da hatte man ihn abgewiesen, es hieß sogar, mit lächelndem Hohn. Aber er hatte suh nicht abschrecken lassen; er war auch nach dem großen Erfolge wieder rn das preußische Garn gelaufen; er hatte den Prinzen der Nieder­lande, dem er alles verdanite, gröblich beleidigt, und man sagte sogar, er habe eine heftige Szene mit der Königin Wilhelmine gehabt. Die meisten dieser Geschichten trugen den Stempel der Erfindung an der Stirn. Aber der Skandal ging erst los, als Miquelon fils folgendes Inserat erließen, Gegenüber den Machenschaften der Herren K. A. Frie­del in Schrattstein, die sich auf eine angebliche Mitteilung des Herrn Herzogs von Weelen beziehen, teilen wir dem Publikum ein Telegramm mit, das uns am 2. August abends 7.22 erreichte und diesen Wortlaut hat:

Herren Miquelon et fils. Epernay (Frankreich).

Wir bekunden hiermit, daß sich der Herr Herzog von Weelen beim ersten Aufstieg seines Luftschiffes Excelsior für die Zeremonie der Taufe einer Flasche Champagner mit dem EtikettExcelsior" der Firma Miquelon et fils in Epernay, Frankreich, bedient hat.

Deutsch-niederländische Lustschiffer-Gesellschast. Der Direktor

Henry Lesson."

Das Aufsehen, das dieses in allen größeren Zeitungen Frankreichs und Deutschlands an auffallender Stelle er­schienene Inserat verursachte, war ungeheuer. , DasJour­nal des Dsbats" brachte auf seiner ersten Seite, unmittel­bar nach dem Leitartikel, eine Erläuterung dazu, in der es ausführte: es sei zweifellos, daß das von der Firma K. A. Friedel mitgeteilte Telegramm des Herzogs von Abeelen entweder eine Fälschung oder aber, daß der Herzog düpiert sei. Tatsächlich habe der Chefkonstrukteur des Her-

I zogs, Herr Lesson, als technischer Direktor der deutsch-niedere