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higen dürfe, fragend den Mick von seinem Herrnj
Hause gebracht hatten. Hektor, das sonst so sichere arieV, war gescheut vor den Weiden. Die mochten wohl tut Nacht- Wind geflüstert und sich seltsam bewegt haben, aber fast unglaublich war's doch, das; das Pferd, das so oft diesen Weg gemacht hatte, so schreckhaft sein sollte! „Ent Hass sprang auf, ein .Hase," hatte Hanns-Martm mit verlöschender Stimme gehaucht.
Barmherziger Gott, wie war er zugertchtet gewesen! Blaue, fast schwarze, blutunterlaufene Stellen überall, dm Kleidung zerrissen,, am Kopf eine blutende Wunde. Der! Gaul mußte ihn fnrchtbar getreten haben! Weinend hatte- Helene diese Wnnde gekühlt; er sagte gar mchts, stumm überließ er sich ihrer Sorgfalt, aber als sie anspannen hieß, Doktor Wolinski zu holen, wurde er unruhig. Seme Hände, die schlaff auf der Decke gelegen Hatten, ballten sich. Es zuckte in seinem, fast bis zur Unkenntlichkeit verschwollenen, blutrünstigen Gesicht, lind als sie, unsicher geworden, ob tnan ihn so beunruhigen dürfe, fragend den alten Hoppe ansah, der, keinen Blick von semem Herrnj
i verwendend, stumm am Fußende des Bettes stand, stöhnte der mit geschlossenen Augen Daliegende: „Nicht — den -= Polacken — nicht!" m ,
Helene hatte später ihrem Manne ihr Befremden da- rüber ausgesprocheii: warnm denn nun auf einmal Doktor. Wolinski nicht mehr?! , , a ,
„Er würde mich vielleicht vergiftens War das ent Scherz? Dazu ward es mit einem zu bitteren Anflachen gesagt. War es Ernst?! Eine solche UngeheuerliaMt — nicht auszt'.denken!
Helene fand sich nicht zurecht iit ihrem Mann, jetzt noch weniger als schon in der ganzen letzten Zett, -seufzen I hätte sie mögen und weinen. Unwillkürlich ruckte ste deut I alten Hoppe näher. Der ging auch so, wie sw um den Gatten, um den Herrn herum und schaute besorgt. Sie
I wachten beide, und oft glitt ein rascher Blick zwischen ihnen hin imd her. „Er muß fort, er muß für eure Werte fort, sagte Helene. Der Inspektor versprach es ihr m die Hand.
| ja sorgen würde er schon für Deutschau, aG set es thm eigen' Und dem rauhen Marrn war dabei, als er das junge Weib so vor sich in Angst vergehen sah, ein Gestandins I über die Lippen gekommen, dessen er sich jetzt nicht mehch schämte: jetzt erinnerte er sich, was er diesem „hochmütigen Aristokraten" zu danken hatte. Wte der ernst em Gefühl für ihn gehabt, so hatte Hoppe jetzt hundert Gefühle I für seinen Herrn, schon um der Frau und um der Knaben I — ja, um der Knaben willen! Drefe suchten rhn oft auf in seiner Jnspektorstnbe. „Sst, Papa ist krank, sagte der I Netteste, wenn die jüngeren Brüder lärmten, und sein froh- kant,"* »ft Wte bi« I Mutter das in letzter Zeit gesagt. Ja, rhr Mann ivar krank, viel kränker vielleicht, als sie selber es wußte Eme Tode^ I hanaiakeit ergriff oft die lrebende Frau, nur ihn rumg I halten, nur keine UrM.tteM.ng ! . Kinech neuen Mrecken
Das schlafende Heer. I
Roman von Clara Biebig.
Wortsetzung.) (Nachdruck verboten.) I
Als Valentin Bräuer am Morgeii nicht zu Hause war, I schlug Michalina Lärm. , I
Sie warteten auf ihn den ganzen Tag, und als er nicht I kam, fingen sie an ihn zu suchen. Am Tupadlo ivar er I zuletzt vou der Michalina gesehen worden, da suchten sie I nun zuerst. Peter Bräuer setzte dreihundert Mark Be- I lohnung aus; das ging fast über seine Kraft, aber war I ihm der Sohn nicht tausendmal mehr wert? Er wollte I mit dem Kopf durch die Wand: der Junge sollte, her | Junge mußte wiederkommen! Aber als der nicht kam, I brach dem starken Mann der Wille. Er schluchzte, ganz I gebrochen. Die Mutter hoffte immer noch: konnte es denn I nicht sein, daß der Junge davongelaufen war, aus Aerger I über das Weibsbild? Vielleicht daß er heimgelaufen war, I nach Hause, an den Rhein, in einer plötzlichen Sehnsucht?! Wäre "das denn so ganz ttnmöglich, hatten ste denn nicht alle Sehnsucht dorthin? Vielleicht auch, daß ihn die alte Braut gezogen, daß er die doch lieber gehabt hatte als die polnische Hexe!
Fran Kettchen hatte die unmöglichsten .Vermutungen, sie suchte mit diesen sich und ihren Peter zu trösten; auch zur Michalina sprach sie so.
Aber die Magd schüttelte den Kopf und rang stumm die Hände. Wußte sie's doch besser, wußte sie's doch ganz genau: ob sie auch stießen mit Stangen und das | Moor durchforschten von hüben und drüben, von rechts nach links — „hier ist untergegangen", so war's.
*
Helene von Doleschal war eine der ersten auf Deutschau, die von des jungen Ansiedlers Verschwinden hörte. Ein lauter, entsetzter Aufschrei der Mamsell, der gellend aus der Küche zu ihr drang, als sie eben durch die Gesiude- rämne schritt, erschreckte sie. Was war geschehen?! Schon wieder etwas?! Sie fing an zu zittern.
Noch waren es kaum drei Wocheu her, daß der Braune, auf dem ihr Mann zur AnsiedlUug geritten, spät in der Nacht ledig zurückgekommen war und mit erregten Hufschlägen so gegen das geschlossene Hoftor gedonnert hatte, daß der Wächter nicht rasch genug hatte herbeieilen können, nm dem gnädigen Herrn, der so ungeduldig mit dem Peitschenknauf klopfte, zu öffnen. Aber der gnädige Herr hatte nicht auf dem Gaul gesessen. Und der alte Hoppe, in Todesangst — noch ehe man's ihr, der Frau, gemeldet i—- hatte sich sofort aufgemacht mit dem Wächter, um den Herrn zu suchen. Unweit des Lysa Gora, dort, wo der Weg vom Luch kommt, war er den ihn Suchenden begegnet. Aber er war gewankt gekommen wie ein Betrunkener; ße hatten ihn führen müssen, kaum, daß sie. ihn nach


