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jein Grünspecht hämnrerte. und hier littb bä flitzte ein rost röckiges Aefschen, eine Eichkatze, raschelnd den Stamm hinanf in bis schützenden Wipfel.
' Mle dle. BWer und. Geräusche des Waldes konnten Hans Bohrend aper nicht aus/seinem Mübeln reihen. Sein Bev- yältnis zu den Jachmannschen Mädels drängte zu einer Entscheidung, die ihm schwer fiel. An di« Ronde Hedwig dachte er, wenn alles Wl und friedlich in ihm war; an Gabriele, wenn das Blut in ihm brannte. „Wenn ich nur rvützie, ob sie auch ein gutes Herz hat!" dachte er bekümmert.
Ans dem Kirchdorfe trug der Wind feierliches Geläute zü ihm herüber.
„Pfingstglocken!" sagte er sich-. „Mutter Jachmann ist längst nach der Kirche unterwegs uub ich treff' die Mädels allein. Großer, Gott, wenn mich der heilige Geist doch auch ein bißchen erleuchten wollte! Komisch übrigens, daß noch nirgends ein Pirol zu sehen ist! Wenn die sonst in der Sonne an einem vorüberflitzten . . . Wie eine Strähne aoldnen Haares sah das immer aus, oder auch wie ein erleuchteter Gedanke, den ich jetzt so nötig hätte,. . ."
Ein Rascheln und Hopsen aM Boden riß ihn aus seinen Betrachtungen, und wahrend vor seinem Geiste noch das lvnndervofl goldne Gefieder der Pfingstvögel blitzte, sah> er «eine graue, noch unflügge Krähe vor sich über den ckpern.
„Ein schöner Pirol!" dachte er ironisch. Wer dann sprang er doch zu und griff nach dem Bogel, der den Kopf in den Nacken drehte und ihn mit Weitaufgesperrtem Schnabel ängstlich und wütend anfauchte. Schwapp! hatte er ihn bei den Flügeln und hob ihn schmunzelnd aus.
• „Melleicht will dich Hedwig aufziehn, Hans Huckebein! Die mutz ja sowieso immer die hMe Arche Noah um sich heruur haben." —
*
Als er aus dein Forst heraustrat, nickten ihm über den MtterWUn der Jachmann sch en Villa duftige, weißblühende Fliedertrauben entgegen. Und zwischen den Flieoertrauben tauchten zwei junge blühende Mädchengesichter auf und nickten ihm gleichfalls zu. Eine Brünette mit schwarzen, lebhaften Augen und eine rosigblasse Blondine, Gabriele Und Hedwig, seine Leidenschäft, und seine Freundschaft.
„Was halten Sie denn da hinter dem Rücken?" fragte Gabriele schon von weitem/ „Was für mich oder für Hedwig?" .
)Mr beide", rief er ffröhlich, .„Men Pfingstvogel."
1 „Einen Pirol?"
In freudiger Erwartuirg streckte die blonde Hedwig ihm die Hände über den Zaun entgegen, während Gabriele ihn ungläubig an suhl
Kräh, kräh- kräh! Der angebliche Pfingstvogel ließ mit eiuemmal seine mißtönende Stimme erschallen und iin gleichen Mrnnent warf Haus Behrend ihU über das Gitter zwischen die beiden Mädchen.. Erschrocken sprang Hedwig zur Seite.
„Pfui! Mich so anMführen!" sagte sie lachend.
Um Gabriele ns volle, heihrote Lippen zuckte es spöttisch. „Die sollen wir wohl aufziehn, bis ie reif zuin Wschießen ist! Ein komischer Heiliger sind S e! Wenn es nicht zu schade um die Patrone wäre. . . bä, sehen Sie . . ..."
Sie zeigte nach deut Garteutisch, auf dem eine kleine, doppelläufige Büchse lag.
Hans Behrend, der inzwischen eingetreten tvär, schüttelte Mißbilligend den Kopf.
„Selbst am Pfingstsonntag? Nicht böse sein, Fräulein Gabriele, aber Sie Wertreiben das Schießen ein bißchen. Wieviel Geschöpfe haben Sie denn heute schon abgeschossen?"
„Leider nur eins. Einen Täubenhabicht. Mer das sah dafür auch köstlich aus, wie der durch die Zweige gesellst kam." Ihre schwarzen Augen funkelten lroch in der Erinnerung, ivähreud über Hedwigs Gesicht ein Schatten glitt.
„Er war so schön", sagte sie traurig. „Und das Weibchen hinterher... Es schrie so kläglich und flog immer über uns hiir. Ich könnt es gar nicht ntehr mit anhören. . ."
„Natürlich," spöttelte Gabriele, „immer Anwalt des Mitleids! Mir tat Weiter nichts leid- als daß ich keine zweite Patrone bei mir hatte." '
Hans, Behrend konnte seine Blicke nicht losreißen von diesem Mund, den er so leidenschaftlich gerne geküßt Hütte Und der ihm doch immer wieder mit seinen Worten wehe
tat. Er Wie das Gefühl, daß er sie entschuldigen müsse, vor sich so gut wie vor der Schwester.
„Sie macht sich schlechter als sie ist, Hedwig," sagte er in scherzendem Tone. „Schließlich schießt sie ja doch nur. Ms Mitleid, aus Mitleid mit all den Junghasen und kleinen Vögeln, die von dem Raubzeug sonst vernichtet, würben. Nicht wahr, Gabriele?"
Gäbriele lachte hell auf : „Wahrhaftig nicht," gestand sie ehrlich. Aber daun biß sie sich auf die Lippen. Sie hatte bte bange, beinahe angstvolle Frage in seinen Augen bemerkt und war nicht die Persönlichkeit, sich einer unüberlegten Aufrichtigkeit Wegen um eine gute Partie zu bringen.
„Im Moment des Schliffes denkt daran wohl kein. Mensch," lenkte sie also klug eilt. „Mer sonst. . Warum soll gerade ich kein Mitleid mit dem Habichtweibchen haben? Denken Sie denn, ich kann es mir nicht vorstellen, Wie das ist wenn man einem sehr, sehr gut ist?"
Halb übermütig und dabei doch mit verlogenen Augen . ah sie ihn von unten auf an und in Hans Behrends Bücke lieg es wie stummer, heißer Jubel. „Ich wußte es ja," agten seine Augen, „ich wußte es ja, daß du doch ein gutes Herz hast Und wenn du weißt, wie das ist, wenn man jemanden sehr, sehr gern hat... Ach du, ach du!" Mik Morten wagte er das freilich nicht zu sagen, aber dafür drückte er ihr die Hand, als ob er sie gar nicht mehr loslassen wollte.
Hedwig Jachmann hatte die kleine Szene zwischen den beiden wohl bemerkt. Stumm drückte sie ihr Gesicht zwischen die Fliedersträuche. Wer sie fühlte es selber, wie ihre Schultern vor schmerzlicher Erregung zitterten und in tiefer Ber- 7 Wirrung bückte sie sich ganz herab, bis unter das Gebüschs - wo die kleine Krähe saß und sie mit blanken, mißtrauischen Augen beobachtete. „Jetzt ist es mit meiner Hoffnung ganz aus", dachte sie, „und glücklich wird er mit Gabriele gewiß nicht."
Ihr Versuch, dem Tierchen den Kopf zu krauen, wurde übel belohnt. Wütend schlug der kleine Waldteufel mit dem Schnabel nach ihr und hob ein ohrenzerreißendes Gekrächz an: „Kräh, kräh, kräh", unaufhörlich und heiser vor Mui und Angst
Und plötzlich klang von oben ein anderer Krähenschrei als Antwort. Wie herbeigelockt durch den Hilfeschrei ber kleinen strich eine alte, granc Krähe über ihre Häupter ■ dahin, schoß schräge herab und wendete sich dann wieder ruckartig zur Flucht wie in plötzlicher Erkenntnis der fürcht- ' baren Gefahr.
„Großer Gott! Dies sonst so scheue Tier!" Staunend sahen alle drei nach oben.
„Nächstenliebe in der Tierwelt", sagte Hans Behrend ernst „Ist das nicht rührend? Hört den Angstschrei von seinesgleichen und vergißt darüber fast die Sorge ums . eigene Leben..."
Hedwig nickte ihm mit feuchten Augen stumm zu. „War das vielleicht die Mutker?" fragte sie dann leise.
Behrend zuckte die Achseln. „Möglich, aber nicht wahrscheinlich. Es ist wohl der Hilfstrieb allein, der sie hergeführt hat."
In Gabrielens Augen funkelte es Bari aus. Ihre Büchse ergreifend, gab- sie dem jungen Vogel einen Tritt mit der Stiefelspitze. „Willst du schreien, kleine Bestie!"
Die kleine Krähe hüb auss Neue ihr Schmerz- und Angstgekrüchze an und Wieber kam, von der unfaßbaren Gewalt des Mitleids getrieben, die Mte herangeschwirrt. Kaum aber war sie in Schußweite, als Gabriele den Oberkörper zurüchwarf, die Büchse an die Backe hob und abdrückte. Ein einer Knall — dann sauste, sich dreimal in ber Luft über- chlagend, die Mte gerade vor dem jungen Tierchen tödlich ;etrofsen zu Boden. Einige Male zuckte sie noch, dann schlug ie den Fang in das Brustgefieder, auf dem ein roter Blutstropfen stand, und verendete.
Triumphierend sah Gabriele sich um. Gleich darauf Hcf aber ein häßliches, nervöses Zucken über ihr Gesicht.
„Ach so," sagte sie unsicher, „das war auch Wohl Wieber nicht sentimental genug!"
Hedwig War ganz blaß. . ~
„Pfisi, du, du! Wie du das tun konntest! Ein Tier! durch das Edelste, was es hat, in den Tod zu locken!"
Hans Behrend machte ein finsteres Gesicht. Ihm War, alS wenn die Kugel in das Herz seiner Leidenschaft gegangen


