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Schicksalsbotschaft iinfc nichts ändereS als das in dem! Augenblick!
Wer da sterbe» könnte wo sie das sagte' In dem eiskalten See, imt den die Berge groß und blendendiveitz »uie ernste ewige GeWr stehen und zuschauen!
Aber nein ! Der Tod ist etivas Heiliges. Er soll feilt Schaustück für die Sensationslust sein, auch nicht für di« eigene. ,'
In Schönheit sterben! So aus der Welt gehen, daß es kein Auge beleidigt! Gehen, wie man in eine Kirch«
Seiten zurückzublättern in diesem Heft. Auf dem Pastier geht das so leicht: vom Mück ins Elend, und umgekehrt.
Lotte Gelsa. Sckstoß Berg, am Starnberger See. Von dem unglücklichen König sagte sie es damals.
In Schönheit, Sonne, Glück leben — oder sterben. Ja, ja, er hatte recht, in seinem königlichen Wahnsinn mehr recht, Nls die ihn halten wollten! Ich beneide ihn! '
,Für den gesunden Menschen heißt tapfer leben mehr chls in Schönheit sterben.'
Ich höre Georgs Stimme noch.
Für den gesunden Menschen, ja. Aber König Ludwig war das nicht.
Bin ich es denn? Gesund an Leib und Seele?
Kann ein Baunr gesund sein, wenn inan ihm das Lebenswasser abgräbt? Er kann nicht anders, ex muß sterben!
23. April.
eintritt! — . , .
Hinter der Stadt ist das Mühlenwehr. Da werd der Fluß tief und starkströmend, besonders jetzt, wo er das Schneewasser von den Bergen fuhrt. Der Weg dahin ist nicht weit, und es geht da selten ein Mensch
Morgen früh will ich erst Georgs Briese verbrennen und diese grünen Hefte. .
Eine unklare Erinnerung geht mit durch den Kopf bei dem Gedanken, so als ob ich ähnliches schon einmal erlebt oder gehört hätte.
Ach, ich weiß: mein Vater. Die alte Marie hatte mir ja damals erzählt, daß er Papiere iinb Briefe verbrannt hatte. Er war nur nicht fertig geworden, der Dod war zu früh gekommen für seine Vorsicht. „
Nein, bei mir ist es anders. Ich habe Nichts ängstlich zu verstecken und zu vernichten, dessen ich mich schämen müßte. Ich will nur kein doeunrent humain für indiskret« Neugier hinterlassen. Ich will mein Höchstes nicht pro-, saniert wissen!
Ich habe nichts mit chni gemeinsam, im Tode nicht, toi« ich cs im Leben nicht hatte, seit ich ihn kannte, wie er war. Ich kann den Kvpf hoch tragen, wenn ich den letzten Weg ticnc t
Mir ist leicht und frei zu Sinn wie seit lange nichh Morgen, morgen!
(Fortsetzung folgt.)
Und warum denn nicht sterben?
Was hält mich denn? Was hindert mich zu gehen, ohne daß ich gerufen bin?
Mein Gewissen? Das schweigt. Dem überfahrenen Huird auf der Straße gönnt mau den barmherzigen Schuß, der der Qual ein Ende macht. Warum nur dem Tier? Warum nur bei körperlichem Elend?
But in that sleep of death what dreams may ccme,
When we have shuffled off this mortal coil,
Must give us pause . . .
Das Jenseits? Ich habe keine Furcht. Daiite härte Nicht aus dem Leben herauszugehen brauchen, nur inferno und purgatorio zu sind en. Schwerer leiden kann ich nicht, als ich bis jetzt gelitten habe. Was jenseit des Tödes liegt, kann nur ein Weg aufwärts sein — Nirwana, Friede für Friedlose! '
24. April.
Sterben! Ich höre das Wort, als ob jemand neben mir ginge und es mir leise ins Ohr sagte, in einem ein* dringlich scharfen Flüstern. Ich sehe es geschrieben, wo ich die Mlgen hinlvende, an der Wand des stummen Hauses, vor meinen Fußen auf dem Gartenweg, überall.
Es wächst und wird stärker. Wächst an mir herauf wie ein Wasser, das steigt und bis au den Hals geht. Ich fühle, ss muß kommen. ..
Wer wird denn ein Wort än mich verschwenden oder mir nachtrauern, wenn ich aus dem Leben gehe?
, Lotte Äelsa? La, ein paar Läge, vielleicht auch Wochen wird sie ehrlich traurig fein. Und dann kommen die Arbeit Und ihre Liebe und das Vergessen.
Die Bekannten und guten Freunde hier und anderswo? Die werden reden und mutmaßen und kopsschütteln, bis sie etwas anderes haben, das ihre müßigen Zungen in Gang hält. _
Der Doktor, der praktische Mann, wird drei Kreuze schlagen und seinem Schicksal für die gnädige Bewährung vor mir dankbar sein.
Wer du? Liebster, du?
Das Eine.hätte mich wie mit Ketten halten können. Ich habe mich zermartert an der.Frage, aber jetzt bin ich Mir klar geworden.
Es wird ihm zuerst ein Schlag sein, das weiß ich Wer dann, bald, wird sich leise, leise ein Gefühl von Befreiung in ihm regen. Es wird ihm leichter sein, mich zu verschmerzen, wenn er mich überhaupt nicht mehr erreichen kann. Er wird ruhig an mich denken und über dem Leben die Dole vergessen.
Jedes Wort, das ich hier schreibe, schneidet wie ein aer. Wer, es ist eine geheime Süßigkeit darin: ich e Platz, damit er ruhig leben kann!
25. April.
Ich weiß jetzt, daß ich es tun muß. Diese Nacht ist es mir klar geworden, während ich aus dem offenen Fenster in das Aprilgewitter sah, das über die Baumknospen im Garten mit Schloßen und ungeheuren Wolkenbildern hinfegte. lieber den Bergen stand der Himmel sekundenlang in blauem Feuer.
Die Prachtvolle fessellose Tollheit da draußen machte auch in mir etwas frei. Wie ein Triumph kam der Entschluß über mich, aus dem energielosen Jammer heraus'.
In Schönheit sterben!
Wie kam Lotte Gelsa eigentlich dazu, das zu sagen? Sie rnit ihrem warmblütigen Lebenstrotz?
Aber es gibt wohl Schicksalsworte, die gesagt werden Müssen. Und der Mensch, der sie sagt, ist Dräger der
Der pfingstvogel.
Skizze von Georg Busse-Palma (Berlin).
Hans Behrends volles, stark gebräuntes Gesicht wurde bei jedem Schritt nachdenklicher und sank immer tiefer herab. Wie hatte seine Mutter immer gesagt? Heirate niemals eine, die so aussieht, wie du deine Geliebte möchtest! fein komischer Rat, aber es steckte was dahinter, Ach Gott, überhaupt sein Muttchen! Schade, daß er es nicht mehr um seine Meinung fragen konnte ! — Und während der märkische Saud unter seinen gewichtigen Tritten in weißen Staubwolken aufwirbelte, suchte er sich darüber klar zu werden, was ferne Eltern und Voreltern, was der ganze biedere Bauernschlag, dem er entstammte, zu Gabriele Jachmann wohl sagen V 1 „Hübsch, klug, aber nicht unser Fall," stellte er fest. Es war altes an ihr viel feiner herausgearbeitet als bei feiner Familie. Vom kleinen Köpf an bis zu den Handgelenken und dem schmalen Fuß. Wenn er sich selbst dw gegen ansah. . . Grobschmiedearbeit von oben bis unten. Da änderte auch der feinste Sommeranzug nichts daran. Und innerlich stand es wohl ebenso. Dumm war er ja gewiß nicht, aber vielleicht doch zu dumm für eine Frau, die gar aus die Universität gehen wollte. Und das und nichts geringeres beabsichtigte diese Gabriele!
' Freilich, ganz unabänderlich tour diese Absicht wohl nicht. Es schien ihm vielmehr, daß sich hinter diesem Plan ent Ultimatum für ihn verstecke, des Inhalts: wenn du reelle Absichten hast, so erkläre dich, denn sonst geh ich dir durch die Lappen! Ob Hedwig, Gabrielens Schwester, der Gc- sühlsunsicherheit eines Mannes wohl auch so energisch nachhelfen würde? .
Der große, blondbärtige Manu blieb mitten im Weg« nachsinnend stehn. . , . , ,,
„Nein!" sagte er dann halblaut, „Hedwig ift; viel zu gut und zu weichherzig. Sie ist so gütig wie ich wünschte, daß es Gabriele wäre. Aber vielleicht ist Gabriele ebenso und gibt sich nur anders!"
Seufzend ging er weiter und bog in einen schmalen Pfad ein, der den hochstämmigen Kiefernforst schräge durchschnitt. Die Radeln des Vorjahres lagen noch dick am Boden, an den lichteren Stellen war das junge Maigras aber schon üppig in die Höhe geschossen. Baumläufer kletterten an der rissigen Borke der hundertjährigen Riesen umher.


