Ausgabe 
14.4.1910
 
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Verschiedene Falbe besitzt. Ter MersemW Dtattb ist gelb', ,bte gröberen Körner haben die bekannte vvamgevote Ockersarbe, die Mr den Mars charakteristisch ist, und Twoß nimmt daher Eisen- vxyd als die Ursache der Farbe der Marskontinente au. Noch größere Stücke sind rein rot, die größten Kristalle zeigen einest Stich ins Violette. Id größer das Korn, nist so dunkler die Farbe; Befeuchtung wirkt wie Vergrößerung des Korns durch die Herabsetzung des diffus (d. i. nach! allen Richtungen hin VRfteeut) reflektierten Lichtes. Man hat ost beobachtet, daß dis Einzelheiten auf großen Gebieten der Marsoberflächje durch einen Mlbxn Schleier verhüllt werden, was offenbar Winden mit Wüsten- staub entspricht, wie es Lowell auch gedeutet hat. Es, ist natürlicher­weise nur der feinste, gelbe, bisweilen p-rangefarbige Staub, der Wn der dünnen Luft mitgeschleppt tmrd. ,

Wenn ein Kanal, der verschwanden gewesen ist, wieder Mist Vorschein kom'mt, beobachtet man Mufig, wie Schiaparelli, der braße Bahnbrecher auf dem! Gebiet der Marssorschnng, sagt, erst einen duntlereir roten Strich inmitten der rosafarbenen Umgebung. Offenbar ist eine Befeuchtung des Wüstensandes eingetreten, bevor die eigentümliche dunkelgrüne Färbung derKanäle" sich geltend macht- Bei anderen Gelegenheiten sieht man einen grauen Nebel die Strecken erfüllen, die später, wenn der Mbe! geschwunden ist, Pils Kanäle hervortretm. Offenbar liegen alfv die Kanäle in Niederungen, in denen, wie auf der Erbst, die kalte nebelerWltü Lust herniederfließt. Auch in diesem Falle gibt also eine recht leichte Befeuchtung zur Bildung von Kanälen Awlaß. Keine nennenswerten Wassermassen sind dazn nötig.

Auf dem Mars sind Walken verhältnismäßig selten. Jedoch sind mehrere sichere Fülle, in denen Wolken beobachtet würden, fest-gestellt Wörden. Man hat häufig weiße Punkte in der Nähe der Pole Wahrgenomwtstn, offenbar Schneefelder, die jedoch recht kurze Zeit bleiben und demnach Wohl sehr dünn sind. Solche Erscheinungen kommen auch in der Mhe des Marsäquators' vor. Was auf die niedrige Temperatur daselbst hinweist. Schiaparelli beobachtete 1882 eine Anzahl! von spiralgedrehten Schneefeldern, die bis über den Aequator toM Nordpol sich heraberstreckten'. Mo diese Streifen über Kanäle gingen, wären sie abgebrochen, Vffenbar Weil der Schwee in der Feuchtigkeit der .Kanäle zerging.

In der Marswlüst-e werden deshalb die Büchst, die vielleicht bvrt sich vorfinden, bald im Wüsteirsand- versiegen. Tie Seen, die da in den Niederungen an den Spalten der Küste sich! ausbilden, sind mithin, wie die Wülstenfeen auf der Erde, sehr fläch und seicht, mit stark salzigem Wasser und häufig austrocknend. Bei dein Aüstvocknen eines solchen Wassertümpels scheiden erst der Küste entlang die schw'erlöslichen Salze aus. Bei der niedrigen Tem­peratur sind diese die schwefelsauren und kohlenfauren Salz«. Weiter hinein an tieferen Stellen kristallisier«! Kochsalz und EhlvrmagnesiuM, und zuletzt in den tiefsten Stellen das' am meisten ht)groskoplsche «.Wasser anziehende) Salz Chlorkalzium aus. Tiefe Austrocknung kann auch eine Folge des Zustierens' bei zunehmender Kälte int Winter sein. Tatsächlich verschwinden die Kanäle all­mähliche, nachdem der Frost gekommen ist. Die Gefriertemperatur der Salzlösungen liegt unter 0 Grad C., für gesättigte Lösungen vpn Kochsalz bezw. Chlorkalzium bei 22, bezw. 55 'Grad C. t Es scheiden sich dabei Kristalle aus Eis und Silz aus, alsoj Körper, die keine glatte Oberfläche bilden. Dasselbe' gilt für die sog. Oasen, die wohl hauptsächlich Ivie die Salzsteppen der Erde Ws großen Ebenen mit stark salziger Erde bestehen.

Ans diesen Kristallsammlungen verdampfen wegen der großen Trockenheit die Eisstistalle, deren Wasser sich an den kältesten Teilen, d. h. dem in Winternacht liegenden Pol, auf dem Mars Niederschlägt. Kommt dann der SourMer mit feuchten Winden Sn den schmelzenden Schineernassen am Pol, so ziehen die Salze den ausgetrockneten Seebecken das Wasser an, werden feucht, wird die Kanäle treten (schon bei 55 Grad C.) hervor. Je größer die Feuchtigkeit, um so Mehr Saltzstreifen werden feucht, d. h. um so breiter erfchieint der Kanal. Diese Befeuchtung der Kanäle schreitet vom Pol zum Aequator hin; Lowell hat die Zeit zum Befeuchten der Strecke vonri 72. Breitegrad bis zum Aequator zu 52 Tagen bestimmt. Die Ausbreitung der Wasser­dämpfe geht natürlicherweise über den Aequator hin, so daß auch aus der anderen Seite die Kanäle hervortret«», und schließt nicht, bevor ein Teil der Tämpst auf dem im Mnterdunkel gehüllten Piol sich abfetzt, wo wir leider nicht beobachten können. Wenn dieser Pol wiederum SomMer hat, geschieht die Ueberströmung jder Wasserdämpse in entgegengesetzter Richtung, und die Kanäle kommen in umgekehrter Ordnung wie das Vorigemül zuM Vorschein.

Ta die sog. Binnenseen oder Oasen nach Lowell tiefe Riede- rüngen sind, so ist eine solche Bewegung des strömenden flüssigen Wassers kaum denkbar. Einige nehmen wühl an, daß die In­genieure auf dein -Mars riesige Punchwerke konstruiert hätten, kton'it sie die 'Wassermassen höben. Wegen der Verwitterung und der Abschleisung durch Wüstensand sind' wohl die schroffen Uneben­heiten auf Mars entfernt, wodurch- es sich erklärt, daß. Lowell vergeblich nach Schatten der Berge suchte. Daraus schließt er, daß Berg«, die mehr als 600 bis 900 Meter die Umgebung über­ragen, auf dem Mars nicht Vorkommen. Mts anderen Beobach­tungen glaubt aber Campbell auf eine Bergkette von etwa 150 Kilo­meter Länge und 3 Km. Höhe schließen zu müssen. Jedenfalls gibt «8 große Niveauunterschiede, die Kanäle verlangen aber, toeint Wasser in ihnen nach beiden Richtungen strötnen soll, eine v-oll-

koMmstu glatte Oberflächst, die s-o unwahrscheinlich ist, daß map nicht damit rechnen darf. Daß das Vvrschreiten des WasserdampfeS nicht von Höhen, die nur ganz langsam hinaufsteigen, in nennenA- werte'm- Grade aufgehalten werden kann, dürfte wohl felbstverständst sich erscheinen.

Bisweilen erscheinen die Kanäle sowie ihre Kreuzungspunkte Verdoppelt, es ist aber nur für ettv-a 12 vom Hundert der Kanäle nach-gewiesen. Parallele Erdspalten sind außerordentlich gewöhn- sich, und Reiben von Seen, die entlang parallelen Erdspalten eingelagert sind, kommen z. B. außerordentlich häufig in Skandi­navien vor. Die Mächtigkeit zweier paralleler Verwerfungen kann aber sehr verschieden sein und auch die Ansehnlichkeit und AnK- dehnung der zu ihnen gehörigen Seen. Mair hat demnach zu er­warten, daß vorr zwei Zwillingskanälen der eine stüftiger als der andere hervortritt, und zwar iinM'er derselbe, was auch als tatsächlich zutreffend Loivcll hervvrgehoben hat. Bisweilen tritt nur der eine der Zwillingskauäle deritlich hervor.

Auf dem MarS gibt es eigentlich, nur ein einziges Weltmeer : das auf der Südhalbkugel befindliche Südmeer (Mare Australe). Sein größter Teil ist aber von Inseln erflijllt oder von Untiefen, die bisweilen ganz voM Wasser entblößt iverdeu und daim rötliche 'Farbe annehMen. Vermutlich sind diese Untiefen in der Wirklich­keit gvoße Salzwüsten, die bisweilen Feuchtigkeit anziehen, bis­weilen aber ganz oder teilweise austrocknen und dabei mehr oder Weniger rötliche Farben annehmen. Ter übrige unbedeutende Teil des Meeres, das den Südpol umgibt, ist bis zum-Boden oder jedenfalls auf Mehr als einen Kilometer Tiefe gefroren. Im Sommer tauen vielleicht kleine Tümpel auf, ganz wie auf dem Pvlareis rmseres nördlichen PolarMeeres. Diese Tümpel sind Wie die Binnenseen nach aller Wahrscheinlichkeit mit konzentriertest Salzlösungen gefüllt.

Lowell hat auch, in diesem Meere Kanäle gefunden, was ja ganz natürlich erscheint für dieUntiefen". Man hat auch beobachtet, daß beim Abtauen der Polarkälotte einige kanalartig« Linien vor ihrer näheren Umgebung schneefrei iverdeu. Falls man eine wenn auch schwache Ausströmung von Gasen tote Wafser- dampf, Kohlensäure und Salzsäure aus dem Marsinneren in den Spalten annimmt, dürste diese Erscheinung ebenso wenig eigen­tümlich erscheinen, tote das recht plötzliche Hervortreten von einigest Kanälen auf dem Festland, wobei die Ausströmung von Wasser­dampf wähl in erster Linie in Frage kommt. Tie dunkle Farbe rührt, außer vvn der Feuchtigkeit, vielleicht teilweise von der reduzierenden Beschaffenheit der ausströmenden schwefelhaltigen Dämpfe her, Wodurch das Eisenoxyd in grünes Oxydul »der schwarzes Sulfid umgewandelt wird.

Bei dem Verduitflen der Pölarkalotte sieht matt häufig groß« Nebelballen in ihrer Umgebung. Diese deuten an, daß bie Luft dort mit Feuchtigkeit gesättigt ist. Tie nächstliegenden SalziünMl Ws dem Ozean saugen die Feuchtigkeit an sich, dehnen sich aus und erscheinen dann in dunkler blauer Farbe. Dieses Blautoerden des Ozeans wurde imMstr als eine Andeutung von dem Vor­handensein von Schinelzwasser von 0 Grad C. angesehen. Wie oben angedeutet, schmilzt Ehhorkalzium mit Eis schon bei 55 Grad C. Es möge bemerkt werden, daß konzentrierte Salzlösungen (z. B. mehr als 3 Prozent Kochsalz enthaltend) tont' Baden aus frierest. Weit ihr T-uhteMaxiMuM unter ihrem Gefrierpunkt liegt, ßlN umgekehrt wie bei beit Süßwasserseen. Daher scheidet sich in den aufgetauten Salztüm'peln auf dem zugeffvuenen Süd-Polarm-eer des Mars bei starker Kälte das Eis zuerst am Boden aus und läßt die konzentrierte Salzlösung an der Oberfläche, bis diese zu einer Mischung von Eis- und Salzkristallen ausstiert.

Ich habe mit den obigen Zeilstn eine Darstellung der eigent- tümlich auffallenden Verhältnisse auf dem Mars zu geben ver­sucht, die gänzlich auf unsere von der Erde bekannten physikalischen und chemischen Gesetze gegründet ist. Selbstverständlich dürft« ein folchstr Versuch den Vorzug verdienen vor der Erklärung unter Annahme vvn überaus intelligenten Marsbewohnern, durch die man tatsächlich alleserklären" kann, aber in der Wirklichkeit ebensowenig erklärt, wie durch die Berufung auf bisher unbekannt« physische und chemische Kräfte, die ebenfalls für diefen Fall versucht wurde.

Die Aufzeichnungen Napoleons III. in Wilhelmshöhe, die bisher fast unbekannt waren, bringt Henri Welschingep wieder in Erinnerung und veröffentlicht interessante Bruch­teile aus ihnen, die gerade für die Gestaltung der Ver­hältnisse int Augenblicke eine gewisse Bedeutung haben. Man liest nämlich, da:Gewiß standen die Streitkräfte nicht int richtigen Verhältnis, aber der Sieg hätte mehr bestritten werden können und der Ausfall wäre für unsere Waffen weniger verhängnisvoll gewesen, wenn die militärischen Operationen nicht unaufhörlich politischen Erwägungen untergeordnet worden wären. Wir wären auch besser vor­bereitet gewesen, wenn die Kammern nicht fortwährend sich darauf gesteift hätten, das Kriegsbudget herabzusetzen, wenn sie nicht stets Maßregeln widerstrebt hätten, die die natio­nalen Kräfte vermehren sollten. Zu diesen Hauptursachen unserer Niederlagen müssen wir noch die bedauerlichen Ge­wohnheiten hinWfügen, die in die Armee durch den afrikgj-