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Ich habe ehr War sehr heftige .Sympathi'ien unter Mchern, die ich ebensowenig begründen kann wie bei Menschen. Ich liebe sie eben, itnb damit gut. Gösta Borling —- Jens Peter Jakobsen — Ricarda Huch. In denen sanden wir uns. Dann erzählte er von seinen Arbeiten — den außerdienstlichen, die eigentlich Konterbande sind. Keine selbstschöpferischen, nur historische, literarische, zu denen er Material sammelt. Er kam ordentlich ins Feuer dabei.
Ich fuhr ihm auf einmal unartig mitten in den Satz.
„Warum sind Sie Soldat geworden, Herr von Berg? Warum haben Sie nicht studiert?"
„Studiert?" Er zuckte die Schultern, „mein Vater hat mich sehr früh ins Korps gesteckt. Als der eigentliche Mensch in mir aufwachte, war ich für einen andern Beruf verdorben."
Er sah mit gerunzelter Stirne vor sich hin.
„Früher war es mein Plan, nur bis zum Major zu warten, dann den Abschied zu nehmen und noch zu saldieren."
„Ja, aber Tilla? Was sagt die dazu?"
Es war mir nur so herausgefahren, ich bereute «es sofort, als ich den Ausdruck in feinem Gesicht sah. Er nickte.
„Das ist es eben. Ich kann es meiner Frau nicht antun. Leider ist das aber der einzige Gefachen, den ich ihr tun kann. Mehr als ein durchschnittlicher Frontsoldat Werde ich nie sein. Das -gleiche, was jeder andere auch fertig bringt. Vielleicht nicht einmal das!"
Er warf mit einem Ruck den Kopf zurück, als ob der hohe rote S'rfujeit ihn drückte.
„Verstehen Sie nicht, daß, es für einen Mann das Bitterste ist, wenn er sich sagen muß, daß seine besten Fähigkeiten einfach für nichts da sind und verkommen? Mchts Ganzes, alles nur halb. Und dabei gilt man in der Familie für einen verschrobenen Kops und langweiligen -Pedanten. Das lvar früher schon so bei meinen Eltern. Und jetzt —"
Er hätte eifrig gesprochen, nun brach er plötzlich ab.
„Verzeihen Sie meine Rücksichtslosigkeit. Ich vergesse aanz, daß Sie angegriffen sind," sagte er hastig und förmlich, „es ist auch fönst nicht meine Art, über meine persönlichen Angelegenheiten zu reden."
Ich konnte nicht anders, ich streckte ihm rasch die Hand hin.
„Bitte, bereuen Sie das nicht! Denken Sie, wir wären feit langem gute Freunde."
Er zögerte einen .Augenblick, dann stand er auf und küßte mir die Hand.
»Wenigstens wollen wir es von jetzt an sein, nicht wahr?"
15. November.
Ich lese also den „Grünen Heinrich" und schlage vor- schriftsmäßig alle paar Seiten das Buch erst wieder zu. Dann gehen meine Gedanken spazieren.
Ich mag solche Abseitsmenschen. Ich meine nicht den ,Grün en Heinrich" — obgleich der mir auch gefällt — sondern TillaS Mann. Ich mag sie, gerade weil der Tnrch- schnitt sie verschrobene Köpfe nennt.
Der brave Durchschnitt — lieber Himmel, er ist ja so nötig wie das tägliche Brot. Aber Wenn es nur Durch- schnitt gäbe, wollte ich nicht leben. Das Leben lohnt sich nur um die paar Elitemenschen, die einem über den Weg laufen. J
Und er ist mir eben sympathisch. Ich habe ihn seit dem Morgen neulich nur bei den Mahlzeiten gesehen, und auch da war er eilig. So ein armer Fronthauptmanu hat s sauer genug. Aber es ist so ein schweigendes Ber- standnrs zwischen uns seit diesem feierlichen Rütlibund neulich. ■
Tilla -— Tilla ist, keine Elite, aber wir vertragen Uns. Sie hat mir ihre sämtlichen Toiletten und- ihren Schmuck -gezeigt und genoß sichtlich meine- ehrliche Bewunderung. Sie kommt mit allem!, was sie interessiert, zu wir — nicht nur mit den Toiletten. Eigentlich rührt mich daeses Vertrauen; sie merkt augenscheinlich nichts von der Unsichtbaren Mauer zwischen ihr und mir. Sogar jeden klemen Aerger über ihren Mann bekomme ich haärklem zu hören; eine unfreiwillige Indiskretion, die mir ihm gegenüber peinlich ist. Einmal versuchte ich, ihr das klar zu Machen, Sie sah mich naiv erstaunt M.
„Warum soll ich dir das nicht sagen?"
Tilla^eil Witter zwischen Mann und Frau gehört/
Sie verzog etwas den Mund. ,
„Wenn er nett wäre, würde ich auch schon nichts sagen. Wer so! Ich muß mir das von der Seele reden. Das! wirst du erst verstehen, wenn du selbst verheiratet bist."
Es gibt eben Menschen, die Prometheus in seiner Werkstatt nicht fertig bekommen hat. Die Mischung ist nicht recht durchgeschüttelt. Drei Gran kühle Weltllugheit, zwei natürliche Gutmütigkeit — unreifes Denken und der naive Egoismus der schönen Frau — das ist Tilla. Solche Naturen machen mich ungeduldig — vielleicht auch ungerecht/ weil ich sie weder ganz mißbilligen noch rückhaltlos gerst haben kann.
Es gibt aber Stunden, wo ich ihr sehr gut bin. Das ist, wenn sie mir Baby mit heraufbringt. Die ganze selbstbewußte Junohaftigkert wie weggeblasen, wenn der Junge ihr mit den derben Händchen ins Gesicht patscht und art der kunstvollen Frisur zerrt. Weltkind wird Madonna. Eine -Metamorphose, die ich anstaune.
Ich hab nie gewußt, daß ich Kinder so lieb' haben konnte. Ich hatte ja nie näher mit ihnen zu tun. Baby tyrannisiert mich. Ich bin nie angegriffen, wenn er befiehlt, daß Dada ihm vorfingen soll. Es macht mich schort gesund, dieses lachende, blonde Stückchen Leben nur anzu- sehen. Ich fange au, mich hier wohl z-u fühlen, glaube ich.
17. November.
Es war da ein tiefer, schwarzer Brunnen, in den hatte ich alles hinein geworfen, was Erinnerung und Vergangenheit heißt; und ich drückte den Deckel fest zu, wenn er sich einmal heben wollte.
Nun ist er doch aufgesprungen. Es hat alles nichts genutzt.
Ich hatte das schon lange heimlich gefürchtet. Es war ja so selbstverständlich nach dem Gespräch damals beij unserer ersten Bekanntschaft. Aber als die Frage gestern nun wirklich kam, fuhr ich doch förmlich zusammen.
Herr von Berg hatte schon zehn Minuten neben meinem behaglichen Krankenlehnstuhl gesessen, als er in ganz ruhigem Gesprächston sagte: „Was macht denn die Arbeit, von der Sie mir damals erzählten?"
Ich sah aus dem Fenster an ihm vorbei und zwang mich, gleichgültig zu antworten.
„Sie ist nicht weit gekommen."
„Hätten Sie nicht Lust, sie hier wieder aufzunehmen? Vielleicht konnte ich Ihnen dabei Rat geben, cs würde mich interessieren, wie Sie ja wissen."
Ich schüttelte den Kops. „Wenn er nur aufhörte,"' dachte ich.
, „Haben Sie denn Aufzeichnungen gefunden? Sie meinten damals, Ihr Herr Vater hätte vielleicht Tagebücher hinterlassen?"
Es hat wohl die Krankheit noch schuld, daß meine Nerven so widerstandslos sind. Mir liefen plötzlich die Tränen über das Gesicht. Er sah es.
„Ich verstehe, daß Ihnen das traurige Erinnerungen sind —"
Die ernsthafte Teilnahme in seinen Augen brachte mich auf einmal außer mir, ich weiß nicht warum.
„Nichts verstehen Sie, gar nichts! Ich will nichts davon wissen, ich hasse die Erinnerung, hören Sie? Warum haben Sie überhaupt davon angefangen? Es ist indiskret von Ihnen —"
Ich weiß, nicht, wäs ich ihm sonst noch gesagt habe, oder was er antwortete. Als er einen Augenblick daraus! die Tür hinter sich zumachte, kam es wie eine Sturzwelle von Zorn und Jammer über mich.
Und nun?
Das alte Chaos! Soll mich das denn nie los lass en?
(Fortsetzung folgt.)
Neuer vom Marr.
Bon- Svante Arrhenius.
(Schluß.)
. v 'Dtt Stoff der Metevriten ist in hohem Grade eisenhaltig =4 viele Metaorlte bestehen aus fast reinem' Eisen. Nachdem diese Eiseilteilchen ans den Mars niedergefallen sind, werden sie uott dem' -Sauerstoff oxydiert, der ohne Zweifel in der Marslust sich befindet, was auch Slipher spektroskopisch festgestellt hat. Es entsteht daber Eisenoxyd, ein Stoff, der je ir-achj feiner Körnergröße'


