Donnerstag den April

Nr. 58

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Ihres Vaters Tochter.

Roman von Lu tu von Strauß und Torney.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

12. November.

Ich habe mir diese ersten Tage noch das Essen herauf- briugen lassen. Aber heute war Schwester Anna hier, um nach mir zu sehen, und Hut mir eine resolute kleine Stand­rede gehalten.

Sie sind jetzt kein kranker Mensch mehr. Und wenn Sie nun nicht Energie haben und sich weiter verweichlichen, werden Sie das Ihr Lebtag nicht wieder los!"

Ich seufzte etwas, aber ich bin wehrlos gegen Schwester Annas freundliche Tyrannei. Also bin ich heute zu Tisch heruntergegangeu. Es war eine ungeheure Unternehmung, auf der Treppe wurde mir schwindlig und schwarz Vör­den Augen. Aber es ging doch.

Baby. auch mit. Es saß eingepfercht in seinem hohen Kinderstühlchen und starrte mit runden, himmelblauen Äugen auf die fremde ,Dada'. Dann schlug es aufkreischend mit dem Löffel in die Suppe, dgß sie aufspritzte. Das War mein Empfang.

Das Bengelchen ist übrigens wundervoll. Den Kopf voll krauser, Heller Härchen, Lachgrübchen in den derben, roten Bäckchen und bis in die Fingerspitzen zappelnd von Leben. Ein Rubensscher Putto.

Seine Erziehung ist ein Experiment wie so oft bei ersten Kindern. Wenn er etwas nicht mag und ein .Schüpp­chen' zieht, fließt Tilla über vor Mitleid.Mein Armes, nein, du brauchst das Garstige da uicht essen, nein, nein!"

Aber merkwürdigerweise hört der Junge kaum darauf. Er sieht seinen Vater an, und wenn der ein ernstes Gesicht macht, sitzt das Kerlchen stramm und löffelt tapfer den Spinat herunter, wenn auch eine kleine Träne salzen hilft.

Tilla sagte nichts, aber sie schien etwas geärgert. Fünf Minuten später, als der servierende Bursche draußen war:'Georg, was ist das für eine Geschichte mit Haupt- mann Elze. Frau Bredemanu Lat mir so sonderbare An­deutungen gemacht."

Er zuckte die Achseln.Dienstsachen, 'liebes Kind."

Sie hebt eigensinnig das Kinn in die Luft.

Wenn Fran Bredemaun davon weiß» kann ich es auch wissen. Ich blamiere mich einfach, wenn ich mir das alles erst von andern erzählen lassen muß. Gar nicht als ob ich. eine Regimentsdame wäre. Die andern Damen wissen es doch auch von ihren Männern."

Er hat eine Falte zwischen den breiten, dunklen Augen­brauen.

Was die andern tun, ist ihre Sache, ich kolportiere keinen Regimentsklatsch, lind außerdem,, wem: ich nach

§auje komme, möchte ich von andern Dingen hören als ewig von Dienstgeschichten." ,

Ich, ich, immer ich. Natürlich, meine Wunsche kom­men daneben nicht in Betracht." .

Er nimmt ihre etwas widerspenstige Hand nt ferne und sieht halblächelnd zu mir hin. ,...

Da sehen Sie es, gnädiges Fraulecn. Wir Manner

sind eben alle tyrannische Egoisten. Arme Tilla."

Sie zieht ihre Hand ungnädig weg und schiebt ihren

Stuhl zurück.

Gesegnete Mahlzeit!" . ,

Ich kroch nachdenklich wieder mente Treppe hinaus.

Familienglück in Gewitterstimmung.

Jetzt bin ich sehr stolz auf diese erste Unternehmung.

Nur etwas erschöpft. Ich habe meinen Schlaf verdient,

14. November.

Tilla und ich haben ein paar Tage allein gegessen, Babv der einzige Mann am Tisch. Herr voti Berg hatte scharfen Dienst, ich hörte nur immer zu aller Herrgotts­frühe seinen Säbel die Treppenstufen hinunterrasseln und sein Pferd vor der Haustür das Pflaster mit den Hufen bearbeiten.

.Witte früh, als ich noch in meinem weißflockigen losen Morgenkleid mtf dem Diwan lag und Kakao trank, klopfte es.

Verzeihen Sie, daß ich so früh komme. Wenn ich störe, schicken Sie mich einfach fort." , .

öerr von Berg! Utid mein Haar noch ut zwei Zöpfen mit weißen Schleifen! Einen Augenblick wollte ich ver­legen werden, aber dann lachte ich doch.

.Mein, bitte, ich freue mich über den Besuch. Es darf Sie mrr nicht Bschrecken, haß; ich aussehe ime eut Schulmädel."

Er stand und sah auf mrch herunter.

Das paßt ja gerade sehr gut, da ich komme, um Sie etwas zu bilden. Ich wollte Ihnen gern ein paar Bucher bringen, ich denke, Sie haben jetzt viel Zeit ziim ßcfcit/'

Ich streckte ganz gierig die Hände «ans.

Ach, bitte, geben Sie her! Ich habe nichts Ver­nünftiges mehr! Was ist es?"

Er legte ein paar Bände aus den Atffl).

Keine Schwere Lektüre, sdas ist jcht u'chts Üw Aber alles Lieblinge von mir. Kennen Sie Kelleiw .Ginnen

Heinrich'?" ,

Ich schüttelte den Kopf. ,

Bor dreibändigen Romanen habe ich immer zu viel N^,Man^muß auch Ruhe dazu haben. Immer ein paar Seiten lesen und dann das Buch hmlegen und nach klingen lassen. So wie mmt guten, alten Wein trinkt.

Wir waren gleich im Plauschen wie .alte Bekannte, als er da neben meinem Diwan saß.