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Wu lesen. Agathe, du haft acht Seiten geschrieben, dabei D die Schrift nicht einmal groß. Also laß etwas weg.
Sie setzte sich mit ihrem Mann hin, und sie strichen «inen Satz nach dem andern. ■—>
Gräfin Patsch war die einzige, die kein Wort über die Wandlung ihrer Schwester zur Keinen Pariser Modedame verlor. Sie sagte fast wegwerfend zu ihrem Bräutigam:
— Das ist ja alles sehr schön bei Agathe, aber man Mch auch bi« Figur darnach haben.
Sie war schlechter Laune, denn ihre Hochzeit wurde längere Zeit hinausgeschoben. Graf Mguiers Vater meinte, es sei eine ungünstige Zeit, um Papiere zu verkaufen. Einmal sagte er sogar etwas von: sie müßten für alles sorgen, von Köllnscher Seite sei ja nichts da. Endlich ward Die Hochzeit erst auf den Herbst festgesetzt.
Tann erst,, wahrscheinlich, würde Ludwig die Fürstin Hohengart Wiedersehen, die einzige der Damen, die hi Had- densen gewesen, von der er nichts wieder gehört hatte. Er sprach in Paris seiner Frau von einer Aufmerksamkeit für sie, aber Agathe schien nicht dafür zu sein. Trotzdem hatte Ludwig etwas gekauft: eine Marmorfigur von Rodin. Eine dunkle Ahnung' sagte ihm ztvar, er könne nicht etwas geben, das er von vier Dienstmännern herein tragen lassen • mußte. Doch als die Kiste geöffnet dastand und der sehnend gestreckte Oberkörper des herrlichen Aktes ihnen blüten- weiß entgegenleuchtete, beichtete er .Agathe, dies sei für die Fürstin bestimmt. Sie bat:
Ludwig, tu das nicht.
Warum nicht?
Du kennst sie nicht genüg.
Er sah die schöne Skulptur anr
— Sie kann sich doch nur freuen darüber. So was bekommt sie nicht alle Tage!
— Siehst du, Ludwig, du sagst es eben. Es ist zu kostbar.
Mit einem Mal umschlang sie ihn;
— Liebst du mich?
i— Wie kommst du darauf?
Sie schmiegte ihren blonden Kopf an seine Wange:
Sei gut, ich habe dich ja so lieb, so unendlich lieb Und ich möchte, daß. alle meinen Ludwig . . ,
— Was möchtest du?
>— Daß alle ihn ebenso lieben wie ich.
Er begann zu lachen:
'—Da würdest du aber eifersüchtig sein!
s— Auf dich nie!
Wie blickten wieder auf die Marmorfigur, und ihr kam Mit weiblicher Schlauheit ein Gedanke:
— Weißt du, daß ich einen Wunsch habe? NUN?
*— Schenk mir's.
Mit einem Jubelruf preßte er sie an sich:
— Alles, was du willst! Du weißt ja gar nicht wie glücklich du mich damit machst. Sage mir alle deine Wünsche, alle, alle--
Ein wenig protziger Stolz klang aus seinen Worten, als er weiter sprach:
> — Das macht mich ja so.glücklich, daß ich in der Lage bin, dir jeden Wunsch zu erfüllen!
Ludwig waren seine Geschenke bisher vorgekommen, als verbessere er nur Agathens Geschmack. Nun zeigte sie von selbst den Wunsch, etwas Schönes ihr eigen zu nennen. Und Schenken war sein höchstes Glück.
Sie standen Arm in Arm vor der Figur. Agathe strich leise Über den Zarten, gleichsam Verschwimmenden Wrper, der unter der Hand zu beben schien, als sei er picht Stein, sondern ein sehnsüchtig zitternder Menschenleib. Aber noch beschäftigte sie der Gedanke des Geschenkes an die Fürstin:
— Weißt du, dis Hohengart ist ein bißchen prüde. Eine nackte Figur . .,
!— Ein Akt.
Gelehrig nahm sie auf:
Ern Akt könnte sie verletzen. Du kannst gewiß fein: itt Hohengart würde sie das nie ausstellen.
Er lachte:
r—. Das ist dumm!
Sie ist es auch ein wenig!
- --Ob. . .oh . . .!
Es klang etwas daraus, als dürfe man so etwas von Muer Fürstin nicht sagen.
-Agatha fuhr fort:
— Papa behauptete mal von ihr: wenn man von Hosen spricht, tvird sie rot.
Mer Agathe verfärbte sich selbst bei dein Wort. War es der Gedanke, daß sie eine Unzartheit ihres Mannes in kluger Weiblichkeit leise verbessert, war es die Ueberlegung, daß sie zum ersten Male Ludwig etwas gesagt, das sie von ihrem Väter als Mädchen gehört hatte, — kurz, sie schmiegte ihren Kopf an ihres Mannes Wange, und als er sie anf- rrchten wollte, sank ihr Gesicht immer mehr herab. Sie atmete tief und blieb so cm seiner Brust, in sich nur einen Gedanken: tote bin ich glücklich!
*
Als auf dem Wege von der Station an der Waldecke die hohen Renaissance-Giebel des Schlosses Kölln auftauchten, traten Agathe die Tränen in die Augen.
Und nun wuchs der Bau allmählich ans der morgendlich dampfenden Heide, die Fenster blinkten in der ersten Sonne, immer höher stiegen die alten Mauern. Agathe verzehrte mit den Blicken das liebe Schloß, das ihr ganzes Leben umfaßte. Sie kamen an den hohen, zerfallenen Saud- steinbogen, der den Eingmig zur Allee bildete. Um den Park lief keine Matter, sondern ein natürlicher Graben, einst voll Wasser, jetzt bon dichtem Grase überwuchert, solange Agathe ihn kannte. Durch jahrelange Uebung mar er den Dorf- leuteti anheim gefallen, die ihn mit der Sichel abmähten. Wie sollten die das Grün kurz halten, denen doch nur am! Heuertrage gelegen war!
Ms sie in dem Wagen, den Ltrdwig aus seinem Berliner Stall vorausgeschickt, durch das Portal fuhren, Diener und Kutscher in einfacher, schwarzer Livree mit glatten Knöpfen, ließ der treue Besitzer etwas fallen von:
— Da tmrß wieder Wasser hinein. Ra, das werden wir schott machen.
Agathe sah ihn erschrocken an:
— Dann haben die Leute ja kein Gras.
Er meinte zerstreut, denn ihm schien schon alles int Kopfe herumzugehen, was hier geändert werden mußte:
— Der Schlendrian hört auf!
Mathe lehtrte sich itt die Kissett zurück, und erst als er in der Freude des pingen Besitzes sich umblickte zwischen ben hohen, alten Bäumen, unter denen sie hinrollten, bemerkte er ihr Schweigen:
— Was hast du?
— Ach, nichts.
Nun machte die Allee einen Bogen. Ein riesiges Saud- {teinbecken ward sichtbar, in das ein breiter Graben mündete, ich in der Ferne verlierend: der Kanal. Wer der Wasser- piegel war versunipft und versandet. Seit vielen Jahren hatte keiner daran gedacht, hier Ordnung zu schaffen, denn diese. Ordnung kostete Geld, und das wurde für Pferde, Jagden, Sekt und Spiel verbraucht. Die Säume wichen zurück, ein freier Platz tat sich auf. Das Schloß, seitdem! sie in den Park eingefahren, beit Blicken entzogen, erschien von neuem. Agathe ergriff den Arm ihres Mannes:
— Sieh nur!
Dann lehnte sie sich an feine Schulter, und er, der nur kritisch-stolze Besitzer-Augen für das alles hatte, nierkte int Augenblick nicht, daß seine Frau weinte. Erst als er von der Schloßterrasse sprach, aus deren Sandsteingeländer Barock- Jäger standen, das Hifthorn blasend, gewahrte er, daß sie ihn nicht ansah. Er richtete Agathe auf:
Wir sind gleich da!
Seine Frau sollte guten Eindruck machen und nicht gebeugt sitzen, mit dem Taschentuch vor den verweinten Augen. Ms der Kies int Hofe knirschte und sie ein paar Diener am Haupteingang stehen sah, hatte sie ihre Fassung wieder. Sie meinte, Elßmaun würde die Treppe herab- steigen, doch ein Herr, -- denn so sah er aus — kam ihr entgegen mit grauen Koteletten, im Frack mit weißer Binde, und ihr war einen Augenblick alles fremd. Der neue Haushofmeister, von feinem Herrn ein wenig obenhin begrüßh stand da, während zwei Diener den Schlag öffneten.
Ludwig sagte seiner Frau:
— Haushofmeister White.
Sie reichte ihm die Hand. Der int Frack beugte sich mit erfreutem Lächeln darüber. Mathe wattdte sich zu den Dienern.
< — Oskar, schon acht Jahre frei mir, und hier James.
Auch ihnen reichte sie die Hand. Nicht verlegen, nicht familiär: sondern Dame. Wie Frau Agathe Droesigl und


