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Her« Louis Dnoesigl über den neuen Läufer die Stiege hiimufschritten, iahen all die altere Grafen und Gräfinnen von Kölln in Wen Panzern itnb Seidengewändern, in ihren Puffeuivämsern und festlichen Kleidern nieder auf den fremden Mann, der mit der ihres Namens am Arme in ihr Mes Schloß einzog.
(Fortsetzung folgt.)
Das versinkende Paris.
Jetzt, wv die Gefahr der Wassertotastrophe für die schöne Stadt an der Sein« glücklich überwunden ist, erscheint in „Kunst imb Künstler" ein reizvoller Aufsatz Georg« Moores über das Versinkende Paris. Er meint das Paris seiner Jugend, wo er mit beit führenden .Impressionisten hier gliüMche Jahre «ei> brachte, und er findet nun, daß das Paris seiner Liebe tot sei. „Ich schaute mich nach den vertrauten Zeichen der kleinen Bour- geosie und der Künstler um, die hier in den siebziger und achtziger Jahren zu Haus« waren; doch ich fand keine Spur von ihnen, mir einen gemeinen, schmutzigen Krämergeist. Ta war das Cafe ÄtouvÄles Athenes, in dem. sich Manet, Tegas, Pissaro, Tes- bvutin, Form, Mendes und Paul Alexis abends einzustellen pflegten, das Casö, in dem ich Französisch gelernt habe und alles, was ich von Literatur und Kunst weiß. Doch wie verändert ist das Cafs! Was für eine schreckliche, unklassifizierbare Gesellschaft verkehrt seht dort! Nur ein raubtierhasies Mlerweltsbürger- tum, von deut ich mich mit Grausen .abwandte. Tas Haus, in dem Fwmeutin tvvhitte — der tüchtige Bialer, der mit die schönste französische Prosa schrieb (ich hab ihn so manches Mal frühmorgens über den Platz gehen sehen, einem Araber ähnlich, denn er war vom langen Aufenthalt in der Wüste wie die Araber ge- wivrden) —■ auch dies Haus ist in ein Restaurant umgewnndclt, Und die Führer aus dem Grand Hotel locken hie Touristen hin Mit dem Versprechen, ihnen das Künstlerleben in Paris zu zeigen.
Und so sind die lieben kleinen Ball-Lokal« verflossener Zeiten dahin, und an ihre Stelle trat das Moulin Rouge, ent großes Etablissement mit Reklamezetteln davor, die alle möglichen neuen Reize den Touristenhorden verheißen. Statt seines alten Stammlokals findet Moor« eine Reihe neuer Häuser, eifernd Tragbalken mit Latten und Kalkbervurf, durch die man jeden Laut hört, selbst die Träume seines Nachbarn. Allen modernen Kvmsort gibt es dort; jawohl, es gibt dort Badezimmer, in den siebziger Jahren etwas Unbekanntes auf dem Montmartre. Man hat stch damals weniger gewaschen, aber man schrieb und malte vesser. Vielleicht vertragen sich Kirnst und Sauberkeit nicht zu- nuten. Auch Tortoni existiert nicht mehr, zu dessen kleinem eis von StülLen vor 30 Jahren alle großen Künstler zu kommen Werten, um ihren Absinth oder Wermut zu trinken. Der letzte Pariser, den man regelmäßig vor seinem Cafä sitzen sehen tonnte, war Catulle Mendes. Wirtshaus und Bar auf den großen Bvulevacds vertrieben die Cafes. Gewisse Teile von Paris find durch eine sogenannte servitude geschützt, indem der Höh« der Gebäude eine Grenze gesetzt wird. Trotzdem hat die Rue de la Paix gelitten, und die Place Vendäme, einst bte elegante Wohnstätte des Wels während des ersten und zweiten Kaiserreichs, ist S Hotels, Pntzgefchäften, Damenschneidern und Antiquitäien- n ausgeliefert. Und überall in der Architektur ist der Sinn für Proportion abhanden getomMert.
Mait glaubt endlich nach Paris zu kommen, wenn man Über die Seine geht. In der Rue du Bac tvurde allgemein Französisch gesprochen. Eine wahre Erlösung, das vertraute Idiom ivieder zu hören nach dein Sprachengeplapper in "der Rue de Rivoli. Auch di« Gesichter waren französisch Und im Luxeni- bvnrg-Garten stieß Moore auf einen Anblick, der ihn noch mehr an das alte Paris gemahnte: Ein Student mit langem Haar schlenderte in der bleichit Septembersvnne dahin und las im Gehen. Ter Anblick war so erfreulich, daß ich der Versuchung, den Studenten anzusprechen, nicht widerstehen tonnte. Eine ganze Woche wär ich in Paris gewesen, ohne Französisch zu hören. Sie erzähltett sich vom Quartier Montmartre und schieden voneiw- and«r mit deut Ausdruck des Bedauerns, daß es sehr bald keine Pariser mehr geben werd«, da es der Ehrgeiz aller Fremden sei, nach Parts zu tontwn, und der Wunsch aller Pariser, auf dem Lande zit leben.
Die Zeinde der Eisenbahn.
Tie EisenbahnunfMe, die sich in den letzten Tagen ereignete'»! itiib di« so vielen Menschen das Lebert kosteten, geben einem Aussätze eine beklägenswerte Aktualität, der in der neuesten Nummer der Lectures pour Tons veröffentlicht wird und der sich mit den Ursachen der Bahnkatastrophen beschäftigt. Tie Anzahl der Unfälle, Di« durch menschliche Irrtümer hervorgerusen trerden, ist verschwindend klein gegenüber den Katastrophen, die aus Ratar- ereigitisse zurüchzehen. In tveitaus den meisten Fällen ist «s der Zorn entfesselter Element«, der dis größten Katastrophen hervE- vust. In erster Linie zeigt sich hier das W a s f e r als ein Feind der EisenbaHn; die Äste der grüßen Unfälle, die durch U«b«w schbenuuung hervvrgerufen wurden, ist «in diisteres Zeugnis für dis Feindschaft der Natur gegen das Menschenwerk der Eisenbahn. •
Die Wasser Lockern beit Unterbau, ohne daß das Auge dies währ- nimmt. Sv hat vor 15 Jahren «ine Hochflut den Bahndamms der Newt-orker Zentraleisenbakm unterminiert, keine äußeren Merkmale kündeten das Zerstörnngswerk des Wassers; aber als eilt Schnellzug mit voller Geschwindigkeit über dis Streck« brauste, brach der Schienen bart unter dem gewaltigen Truck zusammen, zwei Passagierwagen überschlugen sich und 25 Reisende bezahlten Sie Fahrt mit ihrem Leben. Im November 1904 brach über die Ebenen Ohivs eine Hochflut herein. Ter Stationsbeamte ließ den Zug passieren, im Vertrauen aus frühere ähnliche Fälle. Tas Wasser aber stieg so schnell, daß der Expreß bald inmitteit eines stiirmischen Meeres weiterkeuchte. Ein Zurück gab es nicht mehr, die einzige Rettnng war Volldampf voraus. Immer höher fliegen die Fluten; nun drangett sie bereits in die Wagen. Eist Tunnel! trennte bett Zug noch von der nächsten Höher gelegenen! Station. In ivildem Teurpo sauste der Zug tu die dunkle Oefsnuna, in der di« Hochflut sich bereits' brausend zunt Herrn gemaM hatte. Unter den .Pässagieren herrschte eine wilde Panik. Mitten int Tunnel, im Tmniel, Mndete dann ein heulender, zischende« Pfiff, daß die Fluten den Kassel der Maschine erreicht und das Feuer erstickt hatteit. Zum Glück vmr di« Geschtoindigkeit so groß, daß der Zug aus eigener Kraft noch aus dem Tunnel herauskam und L«S halbübersckAremmt« Stationsgebäude von Johnstown erreichte, wo di« Reis«,-den sofort aus ihren Aquarien gerettet wurden. Ein anderer Feind der Eisenbahn ist der W i r b « l st u r m, der in Amerika mehr alÄ eine furchtbare Eisenbahnkatastrvphe herauf- Leschtvvren hat. 1893 wurde Jo der Expreß auf der Fahrt nach LouisvAe ein Opfer des Zyklons. Ter Maschinist sah das Wetter heraitziehen, er versuchte, durch höchste Geschtviudigldit dem drohenden Sturm zu entkommen, aber das' Element wär rafifyer als das Menschengebtld: bei einer Steigung holt« es den in rasend« Geschwindigkeit dahinsausenden Zug ein. Wie leichtes Kinds» spielzeug hob der Wirbelwind di« mächtigen Waggotts von der Erd« empor; dann fielen die Wagen schwer wieder zurück, ze» schmetterten, und 40 Tote und 100 Verwundete wurden das Opfer des Windes. Im rtnsischen Asien richten die großen Sanost ü r m e oft ähnliche Verheerungen an; daß ein Zug durch Sand- vettvehnngen oft tagelang in menschenferner Gegend aufaehalteist wird, ist feilte seltene Erscheinung. Was hier der Sand vollbringt, verübt weiter im Norden das Eis und der Schnee. 1902 geriet eilt Zug inmitten der Steppe in ein Schneewehen, blieb stecken; von der Schauspielertruppe, die in dem Zuge reiste, wurde nut «in Drittel gerettet; die übrigen starben in ber Kälte und deist Eise. Ein« andere Quelle großer Eisenbahnkatasirophen sind die ErSbebeu, die die Schienen verschieben und so furchtbar^ Entgleisungen herbeiführen. In Japan, wo solche ErdersÄütte»- rungen an der Tagesordnung find, haben die Eisenbahngesellschasten einen umfassenden Ueberwaächtngsdienst eingerichtet, der Tag und Nacht die Strecken abpatrvuilliert, nm solche Schienenverbiegungest beizeiten festzustellen. Aber trotz aller Vorsichtsmaßregeln und trotz der Sorgfalt der japanischen Maschinisten ist die Zahl der Eisew- bahmmsälle in Japan, di« durch Erdbeben verursacht werdet«, außerordentlich groß. Doch das Wasser, der Srnid, der Schnee, und das Erdbeben sind nicht die einzigen Fsinde, die di« Ratup d er Eisenbahn entgegen stellt. Zur Zeit, ba in Amerika noch int fernen Westen die gewaltigen Büffelherden umherzoaen, wat es eilte gewöhnliche Erscheinung-, daß Expreßzüge stundenlang, ja bisweilen während ganzer Tage durch mächtige Büffelherds» blockiert wurden. Die Verspätungen waren so häufig und so groß, fcjaJil die ersten Bohngesellsck;aften schließlich Bankrott ntachten. In Ostafrika erschwert der Löwe den Bahndienst, an einsame» Stationen werden die Stationsb-wmten manckMal tagelang von den hmtgernden Raubtieren buchstäblich belagert. Und was in Afrika der Lowe vollbringt, verübt in Asien der Elefant. Noch im Februar 1908 sah der Maschinist eines Zuges, der von Bangtok nach Lapburi fuhr, plötzlich auf der Route einen Elefanten. Zum Bremsen wär es M spät; der Maschinist gab Volldampf, und der Tickhänter wurde von der Lokomotive getötet. Aber 6 Monat« fpiiter fant durch einen Elefanten ein Zug zur Entgleisung, und zwei Passagier« kamen.dabei ums Leben. Sogar die friedliche« Blumen können der Bühn zum Verhängnis werden. Im Engadin wurde 1899 die Streck« von Narzissen so dicht übertvachsen, daß der Zug schließlich im Wumenmeer stecken blieb. In Flvriada hab«» bunte Hyazinthen schon mehrfach das Dampfroß aitfgehalten und in Englisch-Guayana waren es einmal Schnecken, die zn Tausenden den Schienenstrang bevölkerten und schließlich den Zug zur Entgleisung brachten.
Derm* jcktes.
:i* Bismarcks Russisch, lieber Bismarcks Kenntnis deÄ Russischen und seine Erfahrungen mit dieser so ausdrucksvollen! und schwer erlernbaren Sprache plaudert Eugen Zabel in einem Aufsatz der Halbmonatsschrift „Nord und Süd", inbent er es unternimmt, den in der russischen Literatur lebenden Geist des Humors und der Satire aufzulveisen und der durch die tragischen und anklägenden Meisterwerke der Realistik zurückgedräugten nr- spriiuglichen Heiterkeit der russischen Volksseele zu ihrem Recht zu verhelfen. Als Fürst Bismarck 1859 als preußischer fandter nach Petersburg kam, fing er au, bei einem jungen Stw- denten Russisch zu lernen, der ihm zweimal in der Woche früh mn ,10 Uhr Stunden gab. Ter große Staatsmann fürchtete z«--


