Ausgabe 
14.1.1910
 
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die Flitterwochen, indem er eine gefährliche und romantische Forschungsreise ins unbekannte Tibet unternahm, 5000 englische Meilen zurücklegte und seine an Aufregungen und Gefahren reichen Abenteuer in einem spannenden und wertvollen Buch niederlegen konnte. Derjenige, den sein Honigmond wohl am meisten ge­kostet hat, ohne daß er freilich selbst davon Vergnügen hatte, war ein Sohn des Millionärs Charles L. Tiffany, der ein armes Mädchen heiratete und von seinem Vater enterbt wurde. Da er dabei aber 8 Millionen verlor und nur 10 Tage verheiratet war, verlor er jeden Tag fast eine Million und stellte so den Rekord auf in kostspieligen Flitterwochen.

* Geruch und Verdauung. Jedermann hat wohl schon die Beobachtung gemacht, daß die angenehmen Gerüche, die ihm aus der Küche zuströmten, sehr anregend auf feinen Appetit wirkten, während andererseits üble Düste, die vom Essen aus­gehen, recht unliebsame Wirkungen auf den Magen hervorbrmgmi. Ausgehend von dieser Tatsache, hat ein amerikanischer Arzt, L-r. George M. Niles aus Atlanta, wie die, Revue berichtet, wrssen- schastüche Untersuchungen über die Beziehung von Geruch und Verdauung cmgesteklt. Zahlreiche Versuche zeigten ihm, daß ge­wisse Gerüche eine ganz ausgesprochene Wirkung auf den! -Organis­mus vieler Menschen ausüben. Manche konnten es nicht in einem Zimmer aushalten, in dem sich ein Strauß von Flieder »der Jasmin befand; andere bekamen Kopfschmerzen oder sogar Brech­reiz, wenn sie eine Tubarose, ja selbst wenn sie eine Rose rochen. Magenbeschwerden mit mehr oder weniger schlimmen Folgen tonnen durch den Aufenthalt in einem Treibhaus hervorgerufen tverden, in dem sich Heliotropen befinden. Niles beobachtete den. Fall einer Frau von Mittleren Jahren, die jedesmal Herzbeklemmrmgen bekam, wenn sie Geruch von Kalbfleisch aber Fisch verspürte, obwohl sie diese Speisen mit Vergnügen, wenn sie sich die Nase zuhielt und dadurch den Geruch vermied. Häufig wird eine solche Abneigung gegen eine bestimmte Speise hervorgerufen, wenn man sich eimnal den Magen daran verdorben hat, uno es genügt dann schon der Geruch dieses Gerichtes, um Uebelkeit hervorzurufen. Sv empfand ein-amerikanischer Offizier, der lvührend des Sezessions­krieges schlecht znbereitete Zwiebeln ost hatte mit Ekel herunter­zwingen müssen, noch nach 45 Jahren Magenbeschwerden, wenn er eine Zwiebel roch. Es handelt sich in solchen Fällen nicht um Vorurteile und Voreingenommenheit, sondern um wirkliche Ab­neigung, indem durch einen krankhasten Zustand das Berdauungs- shstem angegriffen wird. Wie so durch schleuste Gerüche schwere Magenverstimmungen hervorgerufen werden können, so kann ander­seits durch angenehme Düfte eine sehr günstige Wirkung auf die Verdauung bervorgerufen werden. Das beweist die Praxis der Orientalen, die seit langem Parfüms zur Erzielung einer guten Verdauung verwenden. Nach jeder Mahlzeit ruhen sie in einem 8immer aus, dessen Luft mit sanften oder auch mit angenehmen starken Wohlaerücljen erfüllt ist, oder wenn sie sich diesen Genuß nickst verschaffen können, haben sie wenigstens ein Riechfläschchen immer in der Hand. Auch die Armen wollen diese Annehnlichkc.t nickst entbehren, deren großen Nutzen für ihre Nerven und ihren Magen sie erkannt haben.

* Vom Seelenleben der Tiere. Interessante Einzel­heiten, die ein Licht aus das Seelenleben der höheren Tieye werfen, bringt Pwf. Tr. August Forel in einer Abhandlung über Tierpsychologie bei, die er in derUmschau" veröffentlicht. Reich ausgebildet ist bekanntlich das Gefühis.even des Hundes, der seine bestimmten Zu- und Abneigungen hat, Zorn, Eifersucht, Anhänglichkeit und eine ganze Reihe der auch dem Menschen eigenen Empfindungen keimt. Der Hund kann über Krankheit und Tod eines Freundes trauern, kann tagelang ein bestimmtes Ziel verfolgen, etwas Verstecktes oder Verwickeltes suchen und dcrnn die größte Freude befunden, wenn er es .findet. Wie die verschiedenen Hunderassen, so haben auch die verschiedenen Tiere beim Hunde sehr wechselnde Charaktere und Temperamente. All­mählich wird das Tier förmlich zum Mitarbeiter des Menschen, errät jeinc Wünsche und Absichten, bildet sich nach seinem aus­gezeichneten Gedächtnis allgemeine Vorstellungen und weiß ferne Erinnerungen und Erfahrungen sehr wohl zn benutzen, um bei Ipäteren Handlungen klüger zu werden und sein Tun den Er- al)ningen entsprechend zu gestalten. Hunde lernen gewisse, oft ür sie bestimmte Worte der menschlichen Sprache zu verstehen Darin liegt eine gewisse Fähigkeit, wenigstens etwas vom Ver­ständnis der menschlichen Sprache W erlernen. Dafür führt Forel einige Beispiele an: Unser Hund (irländischer Setter) geht un­gemein gern mit meiner Frau spazieren. Er hat gemerkt, daß meine Fran, die im Hause gewöhnlich Sandalen trägt, zum Spa­zieren 'Lochuhe anzieht. Wenn sie nun Schuhe im Hanse anzieht, wird er unruhig und gibt unzweideutige Zeichen der Erwartung eines Spaziergangs, sobald er die Sache merkt. Das ist ein logischer Schluß. Ein Freund von mir hat einen Hund (Bastard von Schäferhund). Zieht er sich zum Ausgehen an, so kommt der Hund glücklich wedelnd zu ihm, einen Spaziergang erhoffend. Sagt ihm mein Freund ganz ruhig:Nein, heute kannst du nicht mitkommen," so geht der Hund ganz traurig und legt sich wieder hin. Wenn mein Freund nicht angekleidet ist, aber dem Hunde sagt:Willst du mit kommen," so fprtngt dieser lustig zur Tür. Wenn der Hund am Tisch etwas von ihm erhalten hat,

und er sagt ihm dann:Gehe zu meiner Fran" ober zuTherese, ober zuJohanna" (die Mädchen), so geht der Hund stets richtig! zu der betreffenden laut genannten Person (nicht zn einer andern). Sagt man ihm im Wälde:Geh und suche die Therese", so geht er und sucht das betreffende Mädchen, bis er es gefunden hat. Ein Herr nimmt seinen Bernhardiner jeden Abeird, außer Samstag, mit spazieren. Jeden Tag .springt der Hund froh und wedelnd schon vorher an die Tür, den Spaziergang erwartend. Ach Samstag aber läßt er seinen Herrn ruhig fort, ohne solche Zeichen von sich zn geben. Er weiß also vorher, daß es Samstag ist. Bedeutend höher als bei den Hunden sind die geistigen Fähig­keiten bei den sogenannten Menschenaffen. Sie machen individuell gewisse Erfindungen, sind nur nicht fähig, sie ihren Nachkommen zu überliefern, weil ihnen die Sprache fehlt. So lernte ein kleiner Kongvaffe von selbst durch einen Sprung eine ziemlich schwere Türklinke zu öffnen. (Tas tun auch Katzen. Die Red.) Cun Orang, der einen an die Decke geflogenen Gummi- ballon erwischen wollte und es nicht komite, kam von selbst auf den Gedanken, einen Stuhl auf den Tisch zu stellen, dann auf den Stuhl zu klettern, und als das nicht genügte, einen zweitem Stuhl auf den ersten zu setzen, bis er schließlich den Ballon er­haschte. Die Menschenaffen fühlen sich den Hunden und Katzen, sehr überlegen und 'verstehen nicht selten, sie sich dienstbar zu machen und zu leiten, vor allem aber mit ihnen zu spielen lind sie zu necken.

* EinMenschenkenner.Soeben erfahre ich, daß meine Braut gestern 50 000 Mark in der Lotterie gewonnen hat." Du meinst deine ehemalige Braut!"

* Gemütlich Vorsitzender:Es ist mir ganz unbegreif­lich, wie Sie den Mann so ohne Waffe auf einen Schlag niedep- strecken konnten." Angeklagter:Soll ich's Ihnen mal vor­machen ?"

* Bor Gericht. Richter:Sie sind Witwe, Frau Kranz-- hstber?" Zeugin:Nanu, dagegen würde mein Mann auf das allerentschiedenste Protest einlegen!"

^iterntnr.

Briefe aus Kleinasien. Von einem Früh- vollendeten. Groß - Lichterfelde - Berlin, Runge 1910. Ter Verfasser des Büchleins ist Dr. Otto Schönewols, ein Hesse und früherer Gießener Student, 1908 im Aller von 29 Jahren gestorben als Pfarrer für die versprengten deutschen Ansiedler an der Bagdadbahn zwischen Eski-Schehir (Doryläum) und Konia (Jconium). Die an Angehörige und Freunde gerichteten Briefe waren nicht für die Ocffentlichkeit geschrieben, sind aber nun auf vielfaches Drängen von dem Bruder des Verstorbenen in Buchform herausgegeben worden, nachdem der größte Teil schon in derChristlicden Welt" fortlaufend erschienen war. Ein feiner Beobachter und Seeleukenner bclenchtet die eigenartige äußere und innere Lage jener Auslaudisdeutscheil. Künstlerisches Erfassen, wie einer großen Natur, so fremden Geisteslebens in Geschichte und Gegenwart befähigten den Schreiber zu der Doppelaufgabe, die ihm gestellt war: der geistigen Versorgung seiner außergewöhn­lichen Gemeinde und der kunstgeschichtlichen Durchforschung oes inneren Kleinasiens im Dienste des deutschen Archäologischen In­stituts. Die vielseitigen Strebungen in dem überall aufs Uni­versale gerichteten Geiste aber werden zusammengehalten von einem glühenden Idealismus, genährt von einer ebenso freien Ivie tief persönlichen Religiosität. DerPfarrer der Zukunft" ist er genannt worden. Um in das Wachstum dieses Innenlebens einen Einblick zu geben, hat man der über nicht ganz ein Jahr sich erstreckenden Korrespondenz aus Eski Schehir noch ältere Briefe aus den eigentlich entscheidenden Jahren seiner Entwicklung vor­ausgeschickt, die bisher noch nicht veröffentlicht waren. So schließt sich das Ganze zusammen zu einem über das Einzelne und Zeit­geschichtliche hinaus bedeutsamen Dokument menschlichen Ringens um geistige Einheit in der Vielheit und Durchdringens von gewissenhaftem Zögern unter der Last der Probleme zu mutigem Ergreifen einer groß und klar geschauten Lebensaufgabe. Das gut ausgestattete Büchlein enthält eine Karte der Bagdadbahn und der an ihr gelegenen deutschen Ansiedelungen. G. K.

Geographisches Berschiebriitsel.

Portugal Deutschland Frankreich - Oesterreich Schweiz Serbien Dänemark.

Vorstehende Namen sollen derart untereinander geschoben werden, daß eine Buchstabenreihe, von oben nach unten gelesen, den Rainen eines asiattfchen Reiches ergibt.

Auslösung tu nächster Nummer.

Auflösung deS Diamanträtsels in voriger Nummert A

U r i Eimer Armband Diana Enz d

Redaktton: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichen Universitäts-Buch» und Stemdruckeret, R. Lange, Gteßen.