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ist- obzwar uns an ihr nichts Besonderes auffällt; nichts als die Schlichtheit und Qualität ist es, die ihr Wesen bestimmt. Wir find natürlich durch nichts berechtigt, hinter der aparten Außenseite eine geistig und seelisch hochentwickelte Persönlichkeit zu suchen; wir müssen uns gerade darin sehr häufig auf große Enttäuschungen gefaßt machen, aber in der äußerlich betätigten Sorgfalt und Gediegenheit ist schon ein Mittel gegeben, die Geschmackserziehung zu fördern und sie weiter zu tragen und zu verinnerlichen, fnnein ins Haus und hinein ins Herz. Wenn Menschen o weit sind, werden sie die leicht unterlaufende Geschmack- losigkeit in ihren« Heiin zu vern«eiden wisse««, die imitierten Glasfenster, die künstlichen Blume«« und Palmen, die fatalen Luxusartikel, die fabrikmäßigen Kunstgegeustände, die wertlosen Nippes, all bei« unnützen Kleinkram, der keine praktisch«; Bestimmung, sonder«« lediglich die Aufgabe erfüllt, die Blößer« und Mängel des Heims zu verbergen. Tie vornchkne Eleganz und der gute Geschmack beruht auf der sachlichen Güte und Bortrefflichkeit der notwendigen Ge- vrauchsdinge, die keine extravaganten Formen und ««icht den üblen Beigeschmack der berüchtigten Basarware dulden.
Wer die überflüssigen Ausgaben für die talrnihaften Galanteriewaren vermeidet, wird die notweirdigen und alltäglichen Gebrauchsdinge, die einer starken Benützung linier« warfen sind, leicht in guter Qualität haben können, wenn er sie verlangt. Es ist keine kostspielige Sache, luenit man sich auf das Notwendige zu beschränken weiß. Solche Menschen werden dann gegen die „Schmücke Dein Heim!"-Rezepte des Hausfrauenblättchens gewappnet sein, gegen die Exzesse vor« Geschmacklosigkeit, die in« folgenden jüngst veröffentlichten Vorschlag eines solchen Blättchens gipfelt. „Ein aparter Blumenbehälter, der den Vorteil hat,'nichts zu kosten, läßt sich aus einer alten Kindertrompete Herstellen, die man mit Brandmalerei dekoriert, «nittels Nieten und einem kleinen« Blechhaken an die Wand, die Fenster oder bett Türstock hängt und mit frische» oder künstlichen Blumen Mit." Rezepte dieser Art, von solchen Blättchen verbreitet, versteigen sich zu abenteuerlichen Grotesken, davon die Vorschläge über die besagte Verwendung von Kindertrompeten und über die häufig zu findende Angabe, wie man aus leeren Zwirnspulen ein Gewürzkästchen fertigt, noch lange nicht den Gipfel dieser ungeheuerlichett Geschmackskultur erreicht haben. Ueberwältigender ist die Empfehlung des Hausblättchens, aus einem alten Zylinderhnt einen P.p er- korb zu verfertigen, indem man ihm die Krempe ab- schneidet, den häßlichen Rand durch eine Bandstickerei verziert und den Hut mit der Oeffnung nach oben auf einem aus bett so vielseitig verwendbaren Zwirnspulen gefertigten Gestelle befestigt; ober wie man gebrauchte Liebig-Töpfe mit Gummi Arabieum bestreicht, sie in Sternnudeln wälzt, trocknen läßt und die anhaftenden Sternnudeln bronziert, um auf diese Art, je nach Bedarf, praktische Tischvasen, Aschbecher und ähnliches für die Kunstfreunde irn Hause zu gewinnen. Nein, es gehört wirklich nicht viel dazu, um diese und ähnliche Albernheiten eiuzusehen, die von den Ungezählten Blättchen dieser Art in Hunoerttansenden Exemplaren in die Welt gebracht werden und den Schund fördern helfen.
Aber mit den gewonnenen Grundsätzen des guten Geschmacks ist es leicht, eine ganze Welt voll dieses Unrates aus den Angeln zu heben und auch in kleinen beschränkten Verhältnissen die Zeichen der persönlichen KultUr auszu- richtet«. Wir werden uns kaum begnügen, bei den Notwendigkeiten des Alltags stehen zu bleiben, wir werden vielmehr dieselben Mittel auf die Forderungen des künstteri- schen Genusses ausdehnen und die Pflege des Schönen in den unerschöpflichen Vielheiten betätigen. Es ist logisch, daß wir auf dieser Grundlage den Ausdruck der Echtheit ;auch in den Werken der Dichtung, der Kunst und der Musik suchen und finden werden, wenn wir nur wollen. Der gute Geschmack ist, wie Ruskin schon sagte, eine sittliche Eigenschaft, die in unserem Denken und Tun entscheidet. Sie hilft das Gute im Lebet« z«l bewirken und bet« menschlichen Wert zu heben. Der schlechte Geschmack dagegen ist ver- abscheil««ngswürdig, eine Hemmung des Fortschrittes, ein schwerer Rückstand von Barbarei und Unmenschlichkeit, der, «n was für einer Form er immer angetroffen wird, mit 'allen Mitteln bekämpft werden muß.
Wir erkennen ohne weiteres, wie weit die sittlichen Folgen des schlechten Geschmackes gehen, wenn wir die Schäden betrachten, die in gröbster Form die Ausschweif
ungen der Roheit, der Verwahrlosung oder der Trunksucht hervorbringen: oder wenn wir die gemilderten Formen des schlechten Geschmackes betrachten, die Neigung zum falschen Schein, die Versessenheit auf unechten Prunk, auf Geziertheit und Unechtheit, die parvenühafte Talmieleganz, niedrige Titelsucht und die auf ein derart niedriges N.veau berechneten Verfälschungen, die Surrogate der Schund- erzeugniffe mit ihren nachteiligen Kvnsequenzeii, sowohl für den Hersteller wie für den Besitzer. Wir sind anderseits berechtigt, in dem guten Geschmack die Quelle der guten Handlungeti und der schönen Dinge zu sehen, die Fähigkeit, aus dem Kern der Dinge zu schöpfen und die schlichte Liebe zu allem zu, betätigen, was geliebt zu werden verdient. Erziehung zum guten Geschmack ist die allerdringendste Bil- dnngsangelegenhcit, weil sie den Ausdruck der edlen Ge- sinnung, der Gerechtigkeit, der Freude am Schönen und an der Kunst und an der Menschlichkeit bekundet - Der gute Geschmack ist nicht nur die glatte Form, die kalt verbindliche Lebensart, die den äußerlichen Umgang regelt; er ist vielmehr seiner sittlichen Natur nach eine einschneidende, soziale Kraft, indem er uns befähigt, die Menschheit geistig zu veredeln und Kultur zu ti er breit eit, von der die Höhe der Kunst, die Schöiiheit des Landes mit allen Menfchen- werken und schließlich die gegenseitige Achtung abhängt. Die Reinheit und Echtheit des guten Geschmackes ist an ein allumfassendes Gesetz der Schönh.i. g Hunden; w.un diZes Gesetz nur in einem Ding erkannt ist, dann muß sich not? wendigerweise die Vielseittgleit der Anwendung ergeben.
* Der W i dersprnch gegen neue Erfindungen. Die hervorragendsten Erfindungen gaden «nanchein Gelehrten töe- legenbei«, eine erstaunliche Urleitsbeschränklheit zu offenbaren. Wie wir in der populär-wtß'enschaülichen Revue ,.Ter Stein der Weifen", 23. Jahrgang, Hest 2 lefen, erregte der Bericht Franklins über feine Beobachtungen, die zur Erfindung des Blitzableiters führten, bei den gelehrten Herren der Rot)al Societ«) in London Gelächter. Dein Erfinder der Gasbeleuchtung, dein Franzosen Leban, der 1804 starb, wurde eingewendei, daß eine Lampe ohne Docht nicht brennen könne, und feine Erfindung «vurde in Paris erst vierzehn Jahre nach feinem Tode verwertet, nachdem bereits 1805 Birmingham nut der Gasbeleuchtung vorangegangen mar. Als es sich um die Einführung der Eisenbahn handelte, wurden in verschiedenen Ländern von gelehrter und iiiigelehrter Seite die schwersten Bedeiiken gegen dieses Verkehrsmittel geltend gemacht. Ein Medi- ziualkollegium ode> eine Fakultät in Bayern, deren Gutachten ein« gefordert wurde, sprach sich dahin aus, das; die Zulassiing der Eisenbahn als Verkehrsmittel eine schwere Schädigung der öffentlichen Gesundheii bedeute. Die blitzschnelle Beivegung der Wagen mühte bet den Reisenden eine Gehirnerfchütternng, bei den Zuschauern Schwindel und andere nervöse Zustände herbciiühren, und mau müsse daher die Schienen mit hohen Holzwänüen umgeben, um die Bah» den Blicken des Publikums zt« entziehen. Indes hat in Frankreich selbst der große Naturforscher Arago noch 1888 die lächerlichsten Einwände gegen den Bau von Eisenbahnen vorgebracht, iind auch Thiers, der hervorragende Staaismanii und Geschichts- f cb reib er, meinte, für die Bedürfnisse des Verkehrs genügten einige kurze Linien in der Nähe großer Städte; ausgedehntere Linien feien überflüssig.
* Kostspielige Flitterwochen! 300000 Mark für eine Hochzeitsreise! Das ist eine anständige Summe, von der andere junge Eheleute ihr ganzes Leben lang vergnügt undi ohne Sorgen leben können. Wenn man aber erfährt, daß die so kostspielige Hochzeitsreise in die Polargegenden unternommen wurde, in einem eigenen Schiss und mit einer Begleitung von 19 Personen, so wird man begreifen, wie das viele Geld verwandt worden ist. Die Polarexpedition, die der amerikanische Millionär Max Fleischmann in feinen Flitterwochen unternahm, steht an Kostspieligkeit durchaus nicht einzig da. Er konnte voll Stolz 30 Renntierköpse, die Felle von 100 Robben und 32 Polarbären vorweifen, die er erbeutet hatte. Andere bringen von ihren Hochzeitsreisen nicht so sichtbare Erinnerungszeichen mit. Aber eine Weltreise auf einer eigenen Jacht als hochzeitlichen Ausflug zu unternehmen, das ist die Sehnsucht und der Swlz jedes Millionärs. Läßt man das Schiff zu diesem Zwecke bauen, so weiß eine englische Wochenschrift zu berichtet«, bann werden die Kosten 400 000 Mark erreichen, denn man will es doch luxuriös und komfortabel haben, und mit notwendigen Ausbesserungen kann die Summe auch auf 600000 Mk. steigen. Im ganzen wird solch ein aus ein Jahr ausgedehnter Honigmonat, bei dem man sich alle Wunder des Erdkreises ansieht, die stattliche Summe von einer Milliort Mark verschlingen. Annähernd 800000 Mark haben Mr. und Mrs. Penfield auf einer einfachen Nil-Hochzeitsreise ausgegeben: sie konnten es sich freilich leisten, denn Mrs. Penfield hieß früher Annie Wei g htm an Walker und hat von ihrem Vater ein Riesen- vermögen geerbt. Exotischer, wenn auch nicht ganz so kostspielig verlebte der Graf von Lesdain mit feiner jungen. Frau


