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Latz der Eiffelturm durch eine Feuersbrunst zerstört worden sei, Das war für eine moderne Zeitung ein bißchen stark; aber der australische Redakteur war wahrscheinlich nie in Paris und wußte auch gar nicht, wie der Eiffelturm aussieht und tote er gebaut ist. Tie Leute, die falsche Nachrichten in die Presse bringen, vollführen ihre Taten gewöhnlich kurz vor Schluß der Redaktion. Sie gehen von dem Grundsatz aus, daß bei jeder Zeitung die Redakteure gegen Mitternacht so mit Arbeit überladen sind, daß ste nicht tvissen, wo ihnen der Kopf steht. Wie soll man um solche Zeit alle dtachrichten auf ihre Richtigkeit prüfen? . .
IJM übrigen sind die Journalisten nicht die einzigen, dte „dran glauben müssen". Ter Schlüssel zum Manöverfeld und der Regenschirm der Korporalschaft stnd Unfindbare Gegenstünde, aber es hat ste schon mancher Rekrut gesucht, bevor er inne wurde, daß ihn lustige Kameraden zum Narren gemacht hatten. Beim Militär sind derarttge Scherze besonders beliebt: den Artilleristen schickt man zum Unteroffizier, damit er die Flugbahn der abgeschossenen Kanonenkugel hole; der Infanterist Wird beauftragt, für den Kameraden Soundso Suppe aus der ,Kasernenküche zu holen, und muß schließlich entdecken^ daß der Kamerad, dem er die Suppe bringen soll, eine Statue ist, und was dergleichen Scherze mehr sind. ,
Im 18. Jahrhundert gab es in Frankreich sehr berühmte Mystifikationen. Der A b b c Petit war eine Zeit lang das Opfer der Enzyklopädisten: er hatte eine Tragödie, „David et Bethsabee", geschrieben und' hatte deswegen nicht wenig zu dulden. Bald meldete man in allen Leitungen, daß die Tragödie in acht Tagen in der Comsdie zur Ausführung kommen werde, und der arme Abbs war wütend darüber, daß sein Stück aufgeführt toerben sollte, ohne daß man ihm auch nur ein Sterbenswörtchen davon gesagt hatte; bald wieder erzählten die Zeitungen, daß das Muck von der Comsdie abgelehnt worden sei, weil Voltaire! die Konkurrenz fürchtete und aus eigener Machtvollkommenheit die Proben verboten hätte. Kurz, der arme Abbs konnte nicht zur Ruhe kommen. Ein anderer Schriftsteller, Poinsinet, war von einer Naivität, die geradezu erstaunlich gewesen feilt Muß. Man hatte ihm eines Abends eine Salbe gegeben, die die Eigenschaft haben sollte, den, der sich ihrer bediente, unsichtbar zu machen. Sobald nun Poinsinet, der im übrigen sehr hübsche Stücke schrieb, einen Salon betrat, rieb er sich mit der Wundersalbe das Gesicht ein, und die Gäste, die natürlich vorher unterrichtet worden waren, taten, als wenn sie ihn gar Nicht bemerkten. Poinsinet war entzückt von diesem Inkognito, an das er glaubte tote an das Evangelium; aber das Inkognito hatte auch seine Unannehmlichkeiten: eine Dame stieg dem armen Poinsinet auf dieFüße, ein Herr versetzte; ihm einen Rippenstoß usw.
In neuerer Zeit kannte Frankreich drei berühmte Fopper: Sapeck, der: in Wirklichkeit Bataille hieß, Alphonse Allais und Lemice-Terrieux. Sapeck trat eines Tages in den Laden eines KerzenNndlers und sagte, daß er int Auftrage einer Kirche eine große Bestellung zu machen habe; der Kaufmann müsse jedoch zur Probe einige Kerzen anstecken, damit er sehen könne, wie sie brennten. Und der Kaufmann, der von einem glänzenden Geschäft träumte, zündete ein Licht nach dem andern an, während Sapeck sich mit der ernstesten Miene von der Welt Notizen- machte. Nach einer halben Stunde empfahl er sich, um seinen Auftraggebern Bericht zu erstatten: er soll noch heute wieberkommen. Alphonse Allais liebte ähnliche! Scherze. Er ging eines Tages mit Freunden spazieren und' sah vor dem Hause eines Notars eine Ankündigung, aus welcher hervorging, daß irgendwo Land zu verkaufen war. Ohne sich lange zu besinnen ging er in das Bureau des Notars, begann nach dem Preise des zum Verkauf gestellten Landes zu fragen, ließ sich die Grundbuchakten vorlegen und fragte schließlich, ob das Land auch parzelliert werde: er brauche nämlich höchstens' für zwei bis drei Sous. Der Notar, der keinen Spaß verstand, wurde so wütend', daß er den Mann hinauswarf. Lemiee-Terrieux hatte sich zum Opfer seiner Scherze den Millionär Osiris aus^- ersehen. Er richtete an die Zeitungen Briefe, in welchem er ankündigte, daß Herr Osiris irgendeiner Stadt irgendeine Status geschenkt habe, daß er für eine Stiftung 5 Mill. Mark hergeben wolle ufto. Da er die Schrift uUd die Unterschrift jbleSI Millionärs sehr gut nachmachen konnte, schenkten die Zeitungen feinen Mitteilungen Glauben; am nächsten Tage wurde daun regelmäßig die falsche Nachricht von dem unglücklichen Pseudo- Schenker widerrufen.
Vermischter.
* Der Mensch als Paket. Einen interessanten postalischen Versuch machte, wie der „Inf." aus London geschrieben wird, jüngst Herr Henri Turner, ein Bewohner der Insel Äuernfey. ;®r beabsichtigte, sich nach der Insel Serk zu begeben. Da aber diese Reise als höchst gefährlich anzusehen ist, so traute er sich nicht, die Fahrt selbst zu unternehmen, sondern er wollte sie auf anders Weise bewerkstelligen. Als geborener dankee sagte er sich, daß nirgends ein Verbot für Menschen ausgesprochen ist, sich gerade, wie irgend eine Ware, mit der Post befördern zu lassen. .Er sah nicht ein, warum ein Mensch immer als Passagier reisen muß, vorausgesetzt, daß er feine andere Behandlung verlangt, als
sie ihm bei der Beförderung in der Form eines Paketes zuteih werden kann. Sobald sich ein Mensch mit den UnannehmlW- teilen bereit erklärt, die ihm die Beförderung als Paket bringen muß, dann kann ihn niemand hindern, als Paket zu gelten« Außerdem ist er dann noch sicher, daß er ohne jede Gefahr ast seinem Bestimmungsort ankommeN wird. Jedenfalls wollte er den Versuch wagen und begab sich auf die Post zu Guernsey, unk sich als Paket aufzugeben. Der Postbeamte, dem ein derartiges Verlangen noch nie vorgekommen war, hielt ihn für einen Irr-. finnigen. Turner aber erklärte, daß er völlig gesund sei, und ersuchte seinerseits den Postbeamten, ihNt irgend ein Gesetz oder ein Reglement vorzuweisen, in dem die Beförderung eines Men;-- scheu als Paket verboten sei. Der Postbeamte sagte lächelnd, daß tatsächlich eilte solche Bestimmung nicht vorhanden sei, daß es aber hoch nicht gang und gäbe sei, einen Menschen als Paket! zu befördern. Darauf erwiderte Turner ihm', daß ihm der allgemeine Brauch ziemlich gleichgültig sei, und daß er daraus bestehe, mit der Post als Paket befördert zu werden. , Wenn bet Postbeamte wolle, dürfe er ihm! auch eine Abresse mit dem Bestimmungsort auf den Rücken kleben oder um den Hals hängen. Der Postbeamte, der sich über diesen spleenigen Knaben nicht schlecht amüsierte, gab dem Verlangen nach und stellte Herrft Turner auf die Paketwage, um! sein Gewicht und damit das Porto festzustellen. Er verlangte schließlich 5 Schilling und 5 Pence Porto und übergab das eigenartige „Paket" dann einem Landbriefträger zur Beförderung nach bet Insel Serk mit dem Postbampfboot. Daraufhin erstattete er einen Bericht an die vorgesetzte Behörde, die zuerst ratlos war, dann aber Maßregeln ergriff, um die Wiederholung eines solchen Falles zu vereiteln« Ter Briefträger brachte übrigens Herrn Turner wohlbehalten als Paket nach der Insel Serk und lieferte ihn ordnungsgemäß im Hause des Adressaten ab. Ob er ihn auf bet ganzen Strecke! trug, oder ihn neben sich herfühtte, wird in dem Bericht dest „Daily Mirror", ber wir bie Geschichte entnehmen, nicht gesagt,
* Undankbare Reisende. Wie das Hospiz auf dem! Großen St. Bernhard, so beherbergt auch das an der Simplon- straße die Reisenden unentgeltlich; nur ein Opferstock ladet die, die die Gastfreundschaft des Hauses in Anspruch genommen, ein, den Obolus bet .Erkenntlichkeit zu hinter lassen. Das Hospiz ist so ziemlich alle Tage mit Gästen gefüllt und weist eine Fre- quenz auf, wie seit Iahten nickst mehr. Vor einigen Tagen wat der Zulauf so stark, daß sämtliche Hausgänge für bie Touristen in Schlafzimmer verwandelt werden mußten. Das alte Hospiz wird, viel von besseren Familien besucht, bie zUM größten Teile wenigstens zwei Tage am Orte bleiben, so baß man annehmen bürste, ber Opfer stock für bie freiwilligen Gaben weise allabendlich einen erklecklichen Betrag auf. DeM ist aber nicht so. Der Prion erzählte kürzlich, wie die Deutsche Alpenzeitung schreibt, daß man nach einer Woche angestrengter Arbeit, während ber täglich etwa 100 Personen im Hospiz übernachteten, im Opferstock einen Betrag von sage — 45 Rappen gefunden hat. Wenn man bedenkt, daß diese freiwilligen Opferfpenden die einzige Entschädigung für die in weitherziger Weise bargebotene Gastfreundschaft ist, so muß man sagen, daß die Touristen nicht gerade erkenntlich sind. Die Bedienung, ber die freiwilligen Gaben! zukommen, wird davon nicht reich.
* Die Lieb eserklärung im Lichte der Statistik.) Nichts in bet Welt ist beit Statistikern heilig. So gefällt sich jetzt ein besonders fanatisches Mitglied dieser Zunft im Radikal darin, das Benehmen ber beiden Beteiligten bei einer Liebeserklärung systematisch zu klassifizieren und die verschiedenen Klasschij nach ihrer prozentualen Stärkezu ordnen. Folgendes sind seine Ergebnisse, zunächst für den Mann: 36 v. H. drücken den geliebten Gegenstand im Augenblick der Erklärung an sich; 24 v. H. schließen bie leidenschaftlich en Erklärungen mit Küssen auf die Lippen ab; 4 v. H. tun dasselbe mit Küssen auf die Haare; 2 v. H. mit Küssen auf bie Hände; 2 v. H. fallen auf die Knie im entscheidenden Augenblick; 20 v. H. verschlucken fieberhaft den Speichel; 10 v. H. öffnen und schließen nervös den Mund, ohne daß es ihnen gelingt, auch nur ein Wort hervorziibriugen, und 2 v. H- endlich machen ihre Erklärung, während sie auf einem Fuße stehen. Nun aber die Frauen: 60 v. H. sinken wortlos in die Arme des Antragstellers, auf dessen Erklärung sie vollkommen vorbereitet waren; 20 v. H, erröten Und verbergen bas Gesicht; 1 v. H. sinkt ohnmächtig auf einen Sessel; 4 v. H. hören mit wirklicher Ueberraschuug auf bie Rede des Anbeters; 14 v. H. sehen dem Geliebten stumm ins Auge, und 1 v. H. läuft davon, ehe et noch seine Rede beendet, um das große .Ereignis, brühwarm den Freundinnen mitzuteilen,)
Logogriph.
Hurtig durchlauf ich die Felder, bin nützlich, aber auch schädlich Aenderst du meinen Kopf, werd' ich ein Teil von dir selbst.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Tauschrätsels in voriger Nummer:
Cid — Hund — Ader — Rosen — Luchs — Onkel — Teller — Taube — Eier — Wagen — Ostern — Lampe — Tadel — Eier — Rabe. — Charlotte Wolter.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


