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Todtenbrücker Mühle an der Klein, in der Nähe des Brückerwaldes, zwischen diesem und dem Buchenwalde, lag früher das Torf Todtenbrücken. Besitzer der halben Mühle war im Jahre 1357 Lutz von To dien b rü cken. Um die Mitte des 16.
Jahrhunderts lebte als Amtmann zu Amöneburg Christoph von der Kuhn. Seinen Namen führt bis zum heutigen Tag das romantische Tälchen zwischen Hallenberg und Winterberg, im westfälischen Sauerlande; es cheißt das Kühnetal. Er war es, welcher am 4. Januar 1560 an den Stadtrat zu Amönef- bürg schrieb: „Eurem Begehren nach habe ich das vergangene! Steigfest nicht bei eudj, erscheinen können, denn ich! bin denselben Tag verritten gewesen." Tas Geschlecht von Radenhausen, welches frühe ausstarb, hatte das gleichnamige Gut und die Hälfte des Gerichtes „im Rotenbühl" (Kleinseelheim und Schönbach) besessen; die letzlere kam 1766 durch Kauf an den Staats Durch ein „Lehrbuch der Pandekten", d. Hf der Kenner des römischen Rechtes, ist der 1808 in Schifselbach, südöstlich! von Gemünden an der Wohra, geborene berühmte Pandektist Karl Adolf vost Vangerow bekannt geworden. Holzhausen ans Rulsbach war ehedem der Stammsitz der Familie Rau von Holz Hausen, welche hier eine Burg hatte. Tie Raue nannten ich erst von Schröck, dann von Frauenberg; ihren jetzt- gen Namen haben sie erst zwischen 1330 und 1340 angenommen. Schon frühe teilten sie sich in mehrere Stämme, von denen nur noch zwei übrig sind. Tie früheste Geschichte des Geschlechtes, ist eng mit derjenigen von Marburg verknüpft. In der heiif- tigen Ritterstraße und Kugelgasse lagen die Burgsitze verschiedener Adliger, darunter auch die derer von Rau zu Nordeck und Rau zu Holzhausen, um welche ein Torf entstand. Der Stamm^- vater oben erwähnter Stämme erwarb 1630 bte Burg Tor!)ernt und andere große Güter in der Wetterau als Reichslehen. L-eine beiden Söhne ssifteten die Linie Torheim und zu Nordeck. Ge- schichtlich wird zuerst (1080) Thimo von Nordeck genannt; dagegen ist voir der Geschichte der Burg nur bekannt, daß dieselbe später in den Besitz der Landgrafen von Hessen kam.. Wir finden das Schloß dann in den Händen der F a m i l i e M i i ch - (in g; seit 1488 besaßen es die Rau von Holzhausen, und, als diese Linie 1607 erlosch, übertrug Landgraf Morch der anderen Linie Ran von Holzhausen das Besitztum. Seit 1897 geböten Burg und Gut der Familie Molinens aus! Barmen. Auch die..Familie der Schenken zu Schwetns- berg stammt aus Marburg. Ihre Stammburg in Schwernsberg soll von den beiden Söhnen des Ritters Walther aus dem Gefolge der heiligen Elisabeth gegründet worden sein 1246 wurde Guntram, der eine von beiden, von König Heinrich Raspe (1243 bis 1247) mit dem Erbschenkenamt belehnt; ihn sieht man als den Stammvater der Familie an. Seit 1279 ein hessisches Lehen (der Landgrafen), erhielt das am Fuße der Burg entstandene Tors 1331 Stadtrechte. Im dreißigjährigen Kriege wurde Schweins-, berg und seine Burg mehrmals eingenommen und in Brand gesteckt. Der Krieg riß auch zwei Glieder der Familie iah htn- Johann Bernhard, der letzte der drei Furstabte aus dem
Ueber Zopper und Gefoppte
veröffentlicht ein Mitarbeiter des „Gaulois" eine amüsante Plauderei: „Bor einigen Tagen," so schreibt er, „meldeten sämtliche. Pariser Zeitungen, daß der sehr geschätzte Journalist Emile Blaveh ; plötzlich gestorben sei. Die Nachricht erwtes sich bald als talschr. ein „Witzbold" hatte die ganze Presse angeführt Im Zettungs!- wesen passieren solche Dinge fast täglich. Unter diesen Myfttftka- Zonen gibt es einige, die geradezu klassisch geworden ltni>. Es, gibt wohl keinen Menschen, der noch nichts von der berahmtest Seeschlange gehört hätte; diese Seeschlange, deren Gestalt, Größe und Taten ganz genau beschrieben wurden, war mchts als! eine . . . Ente, mit der man einst den „Constttuttonnel W glückt hat, und die von der Redaktion dieses Blattes aus durch die ganze Welt flog. Eine sehr schöne Erfindung war auch der Neger, der während des amerikanischen Bürgerkrieges platt gedrückt wie ein Tabaksblatt in einem Ballen Baumwolle m Havre ankam. Ein andermal telegraphierte man «nein Pariser Blattch daß die Couragebrücke bei Genf abgebrannt set. Der Fopper rechnete auf die Unkenntuis des Redakteurs, der vtelletcyt nicht wissen Würde daß die Couragebrücke aus Stein war und infolgedessen! nicht brennen konnte. Man kann aber ein sehr tüchtiger Redakteur sein und trotzdeni glauben, daß die Couragebrücke von Nolz ist. Jin Jahre 1896 erzählte ein «Malisches Blatt tn gutem Glauben,
weg. Johann Bernharo, Der reyre oer oret ouTituuic uu» Geschlechte der Schenken zu Schweinsberg, siel am 6. November 1632 in der Schlacht bei Lützcil, die bekanntlich den edlen Schwedeni- könig Gustav Adolf als eines der ersten Opfer dieses blutigest Tages forderte. Noch segnete Johann Bernhard die kämpfenden! Kroaten und erfleht Gottes Beistand; doch schon stürmen dm Gegner mit Heftigkeit heran, "'die Streiter weichen zuruck, ergreifest die Flucht: ha trifft den Abt eine Kugel. Stöhnend bricht est zusammen: man trägt ihn aus dem Getümmel, undschon nach kurzer Zeit gibt er seinen Geist auf. Der Rittmeister Ernsts von Linsingen und Johann Reinhard Schenk zu Schweinsberst wurden am 2. September 1635 im! Brücker Wald meuchlrugZ von kaiserlichen Dragonern ermordet. Indessen blüht das Geschlecht, in viele Zweige geteilt, noch heute.
lichen Tatsachen, wenn auch noch! reichlich mit Perlen der Sage durchwöben. Auf der uralten Amöneburg taufte er die mächtigen I Grafen Detik und Dierols; überall wußte er sich Ansehen, Macht ititb Beistand zu sichern. Ter Fürsorge der Mainzer Erzbischöfe verdankt Amöneburg seine einstige Blütö. In der Mitte des 12. Jahrhunderts wird Graf Gotthard als Mainzischer Beamter daselbst genannt. An der Nordseite der Hauptkuppe liegt das Städtchen, nach Süden die Kirche, das dreistöckige Stiftsgebäude, von dem Dechanten bewohnt, und! die Schloßruine. Amöneburg besaß früher ein schönes Rathaus und stattliche Ritter- gobäude;' der Marktplatz iss geräumig. Tie große Zahl der bedeutendsten Heerführer in den verschiedenen Kriegen anzufüh- ren, welche im Ohmgebiet gelagert, gekämpft und Dasselbe buiw zogen haben, würde hier zu weit führen. Erwähnt mag noch werden, daß der „Marschall Vorwärts", Blücher, nach der ruhmreichen Völkerschlacht bei Leipzig (16., 18. und 19. Oktober 1813) gelegentlich der Verfolgung Napoleons die Nacht vom 2. zum 3. November desselben Jahres in Ulrichstein verbrachte. Daß der nachmalige Kaiser Friedrich III. zweimal (1878 und 1884) die Gastfreundschaft des Schloßherrn in Rauisch-Holzhausen genoß, ist vorher bereits bemerkt, und von einer Ankunft unseres! Kronprinzen ebendaselbst und zu gleichem Zwecke geht das Gericht schon seit Jahren um. 1
In Josbäch wohnte früher die Familie Krug, später von N i d d a genannt, und dann ein Stamm der Familie Riedesel, welche sich Ri e d esel zu Iosb adj; nannte und schon 1543 ausstarb. Zwar ist Hel ins Erbanus Hessus kein Kind des Ohmgebietes (geboren am 6. Januar 1488 in Bockendörf im Kreise Frankenberg); doch soll dieser alle seine hessischen Zeit- Nenossen in der Kenntnis des klassischen Altertnms übertreffende, weltberühmt gewordene humanistische Tichter hier seine Stelle finden, da wohlwollende Verwandten in Gemünden an der Wohra dem sechzehnjährigen, unbemittelten Jüngling den Besuch der damals blühenden Universität Erfurt ermöglichten. Philipp der Großmütige berief seinen „Homer", wie er Hessus nannte, 1536 als Professor der Poesie und Rethoriken an die Universität Marburg, wo er jhn oft wegen seines heiteren Gemütes und treffenden Witzes aufsuchte und auch (auf der Südseite der Elisabethkirche) bestatten ließ. In Kirchhain geboren ist Tr. Johann Menge, welcher Kanzler zu Cöln und! Vikarius zu Mainz war. Mit Erlaubnis des Papstes wollte er in seiner Vaterstadt ein Kloster bauen, ließ aber, weil ihm dies dringlicher erschien, einen neuen Weg von Radenhausen bis Kirchhain pflastern, übergab der Stadt alljährlich 200 Gold- gülden zur Unterhaltung dieses Weges und stiftete auch noch ein Familienstipendium von 400 Goldgulden. Tie von Kl au er in Wohra verkauften 1692 ihre Güter an die von Dalwigk und 1753 an den Landgrafen von Hessen-Philippsthal, aus dessen Händen sie an den Staat übergingen. In Schiffelbach hatte die schon 1635 erloschene Familie Schleier ihren Stammsitz. Als Kirchenliederdichter hervorgetreten ist Johann Ludwig Konrad Allendorf, geboren 1693 zu Josbach, gestorben 1773 als Pastor und .Scholarch in Halle a. S. Mus Kirchhain stammte der wegen seines großen Wissens berühmte Kornmann; er berichtet, daß zn seiner Zeit (um 1620) einem zum Tode Verurteilten in Marburg dadurch das Leben geschenkt wurde, daß ein.Mädchen ihn geheiratet habe. (Diese alte poetische Rechtsgcwohuheit lebt noch heute in einzelnen Volkssagen fort.) Johann Georg Estor, geboren im Jahre 1699 in Schweins- berg, .war ein bedeutender Staatsrechtslehrer an der Universität Marburg. Auch die 1450 ausgestorbenen Grafen von Ziegenhain hatten Anteil am Ohmgebiet; u. a. gehörte ihnen Burggemünden und Speckswinkel. Tie WenigenbUrg (d. h. kleine Burg), heute Winnenburg genannt, bewohnte im Anfang des 14. Jahrhunderts die Familie von Hose oder im Höfe. Als einen Reformator vor der Reformation nennen wir Heinrich v o u Lange n st e i n, auch Heinrich von Hessen genannt. Geboren 1325 in Langenstein, wurde er einer der größten Mathematiker und Gottesgelehrtest seiner Zeit, und zeichnete sich außerdem als Astronom und Jurist aus. In Paris lehrte er 1363 an der dortigest Universität Philosophie. Tann wurde er Vorstand der Untti«^ sität zu Wien, 1375 Lizentiat der Theologie in Paris und später Vizekanzler dieser Universität. Von 1384 bis 1397 war er Professor der Theologie und Vizekanzler tn Wien, wö er am 11. Fd- binar 1397 starb. In. der Stephanskirche daselbst liegt er be-- erdigt; ein grobes Grabdenkmal mit einer lateinischen Inschrift ist dem And!enken dieses trefflidjen Mannes gewidmet. Durch, eine Gedenktafel ist das Geburtshaus des als Lyriker, Novellist und Dramatiker berühmt geworbenen, Franz von Ding el- stjedt tn Halsdors bei Wohra gekennzeichnet. Seit 1867 Intendant des Hof-Burgtheaters in Wien, starb er daselbst am 15. Mai 1881.
Einen großen Namen hatte int Mittelalter die Familie von Romrod, welche urkundlich 1197 zuerst erwähnt wird, aber schon 1396 ausstarb. sDie letzten Spuren des alten Schlosses tn dem 900 Einwohner zählenden Städtchen Romrod erinnerst noch an dieses Geschlecht.) Unweit der Ohm, in der Nähe vost Grünberg, trägt ein Dors noch den Namen der 1748 ausgestorbenest Ritter v. M !e r l a u, welche als Reichsvögte auch die Hoheit über fcie HeichsZütex in Kirchhain und Niederohmen ausübten. B« der


