Donnerstag den 13. Oktober
1910
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Friedel halb-süß.
Moman von Fedor von Zobeltitz.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
In dem behaglich eingerichteten Wohnzimmer brannte die Gaskrone. Erich von Feßler saß am Mitteltisch und blätterte in den umherliegenden Journalen. Er erhob sich beim Eintritt Fritzens und streckte ihm die Hand entgegen.
„Seien Sie nicht böse, daß ich es mir gemütlich gemacht habe," sagte er. „Ihr Bursche meinte, Sie müßten jeden Augenblick zurückkehren, und da wollte ich nicht noch einmal auf die Straße."
„Recht so, lieber Herr von Feßler. Kommen Sie aus Schrattstein?"
„Ja. Bringe auch mancherlei. Unter anderem die Entwürfe für das „Excelsior"-Etikett. Dabej zugleich eine unliebsame Nachricht. Unserm Pariser Agenten ist die Eintragung der Marke für FranÄeich untersagt worden."
„Teufel! Und warum?" ,
„Weil — passen Sie auf — genau drei Stunden vorher i— am selben Tage, Herr Friedel! — die Firma Miquelon fils die Eintragung der gleichen Märke in die Register beantragt hat."
„Donnerwetter!" — Fritz ließ sich neben Feßler in den Sessel fallen. >,Was steckt dahinter? Eine Nieder- toä(f)tigfcit !z/
„Ihr Vater und Kesselholz witterten sofort etwas dergleichen. Aber ich halte es für Unsinn. Wir haben keinen Menschen von unserer Idee gesprochen. Es wird ein zufälliges Zusammentreffen sein. Im Grunde ist es seltsam genug, daß man nicht schon lange die Bezeichnung „Ex- celsior" für eine Sektmarke gewählt hat. Sie sollte eigentlich ein Freizeichen sein, wie die Bergmannsschlegel auf den Kohlenfabrikäten und der Chinamann auf den Teekisten; sie paßt so famos zum Knall der Pfropfen und zum Aufwirbeln der Bläschen, zum Steigen des Schaums und der anregenden Wirkung des Champagners."
„Die Phantasie geht wieder Mail mit Ihnen durch, Feßler. Bleiben wir bei der Sache. Ich habe die internationalen Bestimmungen über den Markenschutz nicht im Kopfe. Was hat der Agent berichtet? Sie sagten, nur für Frankreich sei uns die Führung des Etiketts verweigert worden?"
„So ist es. Und auch nur des blanken Worts auf dem sonst inschriftlosen Etikett. Der Agent scheint ein findiger Kopf zu sein. Er hat sich bei der Abweisung Nicht beruhigt, sondern angeführt, daß es sich hier nicht allein um ein Fabrikzeichen handle, sondern auch- um ein MNster, das geschützt werden solle. Demzufolge hat er in aller Schnelligkeit selbst einen Entwurf für die Etikettzeichnung fabriziert und ihn als sogenanntes Geschmacksmuster heim
Pariser Zivilgericht erster Instanz deponieren lassen. Gute« Einfall, nicht wahr?"
„Ich Lin mir noch nicht ganz klar Wer dre Sache. Wenn ich Sie recht verstehe, ist uns also trotz der Abweisung des Patentamts die Führung der Märke in Frank- reich gestattet?"
„Das ist eben das Verdrehte. Wenn wir unsere Champagnerflaschen nur mit dem Worte „Excelsior" Ms dem Etikett über die französische Grenze schicken wollten, wurden wir reinfallen. Ader wir dürfen das, wenn wir „K. A. Friedel in Schrattstein" daruntersetzen und uns des' Etikettmusters bedienen, das Ihr Agent auf dem Pariser Zivilgericht hinterlegt hat."
Fritz lachte. „Wirklich sehr verrückt. Gesetze, die sich widersprechen und gegenseitig aufheben."
„So schreibt auch der brave Agent. Es sistiert ein Dutzend älterer Verordnungen, die durch die Bestimmungen zum Schutze des gewerblichen Eigentums noch nicht Werholt worden sind. Jedenfalls öffnen sie mancherlei Hintertürchen." _
„Die Hauptsache ist, daß uns die neue Marke für Deutsche land und die anderen Länder nicht verboten werden kann. Nach Frankreich führen wir sie doch kaum ein."
„Aber der ,,'Excelsior" Eperncchs kann die Schrattsteinep Konkurrenzmarke tot machen."
„Das wollen wir abwarten, lieber Freund. Da trau ich der Zunge meines Vaters, von Kesielholz und Wester- manu. Es handelt sich um die letzte Probe oiuf ein altes Exempel. Wir werden beweisen, daß der deutsche Schaumwein den französischen überflügelt. Jawohl, Werflügelt! Allerdings — mit den bisherigen billigen Preisen werden wir in diesem Falle dem Publikum nicht dienen können. Aber mebr wie Clicquot und Pommery und Miquelon soll unser ,/Excelsior" auch nicht kosten. Bleibt nur noch die Frage offen: wird der Deutsche trotzdem sein altes Vorurteil nicht besiegen können?"
Feßler zog die Schultern hoch. „Berehrtester, schlagen Sie mich tot, schellen Sie mich einen ausgepichten Pessimisten : ich glaube n t ch t, daß Sie mit einenl teuern Schaums wein werden Geschäfte machen können. Warum nicht? Weil eben das Vorurteil gegen die deutsche Ware einen niedrigeren Preis verlangt als den für die Champagner der Marne. Einen Schaumwein für zwölf Mark und darüber nimmt Ihnen kein Mensch ab. Mer um Himmels willen, ich will kein Miesmacher sein! Vielleicht täusche ich wich — vielleicht schlägt auch die Luftschisfrellame Wie eine Bombe ein. Vorläufig sind wir an ein schauderhaftes Etikett gebunden das hat mich schon ganz rabiat gemacht."
Er nahm die Mappe vor, die er mitgebracht hatte, suchte in ihr und hielt dann Fritz ein Pauspapier entgegech auf dem sich eine Anzahl bläulicher Striche befand. „Bitte, sagte er, „das ist die Vorlage. Was' soll ich daraus machens
Fritz schüttelte den Kopf. „Närrische Geschichte, Feßler.


