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Ihr Hauptheld war der Leutnant und spätere Kommodore Stephen Decatur, der den eigenartigen Plan verfolgte, Napoleon ans den Händen der Engländer zu Msreien. Der Krieg, den Amerika auf deut Mittelnre-er begonnen hatte, richtete sich gegen die Bar- baresken; seine Geschichte — er spielte sich von 1801 bis 1815 ab ----- hat erst jetzt in Emile Dupnb einen Historiker gefnndeni, dessen anfschlußreiches Werk „Amöricains et Barbaresques" türz- lich in Paris erschien. „
Wie fast alle auf den- Mittelnreer .Handel treibenden Patronen muhte auch die junge Republik, die sich erst kurz vorher von England frei gemacht hatte, den barbaresken Raub,waten einen jährlichen Tribut zahlen, um vor Iteberfälien gesichert zu bleiben. Diese blieben aber doch nicht aus und so nrachte sich iur Jahrs 1801 ein amerikanisches Geschwader, bestehend aiis drei Fregatten und einem Schooner nach dem Mittelmeer auf. Die Beys von Algier und Tunis versprachen den Frieden, aber Tripolis er-- öffnete die Feindseligkeiten; in zahlreichen kleineren und größeren Seeschlachten und Gefechten siegten die Amerikaner, der Kongreß bewilligte große Kredite und ließ eine weitere Flotte von sechs Fregatten nach Tripolis abgehen. An der Blvkade dieser Stadt beteiligte sich auch ein schwedisches Geschwader — sie blieb aber erfolglos, da Amerika gerade in dem Moment, als Marokko, Tunis und Algier den Tripotitanern zu Hilfe eilten, den größten Teil seiner Schiffe ans dem Mittelmeer zurückzog. Ebenso erfolglos verliefen die Kämpfe und Blockaden der folgenden Jahre, deren aufregendste die des-Jahres 1803 war. Den Tripolitanerch lunr es gelungen, ein amerikanisches Schiff, die Fregatte „Philadelphia" zu nehmen und in ihren Hafen zu führen. Ter obengenannte Leutnant Decatur wagte sein Leben nit die Wiedergewinnung ; mit 82 Mann bestieg er ein den Tripolitanern ab- genommenes Fahrzeug, hißte auf ihm die Barbareskenslagge und gelangte damit, ohne! Argwohn zu erregen, in den Hafen der Stadt. .Dort enterten er und seine Leute die „Philadelphia", machten die feindliche Besatzung nieder und führten das Schiff zurück. Der Krieg dauerte fort. 1805 waren nicht weniger als 81 amerikanische Kriegsfahrzeuge im Mittelmeer versammelt, ohne einen endgültigen Erfolg gegen die listigen und behenden Gegirer zu erzielen. Auch der heutzutage durch Marokko wiebcr aktuell getoordene Plan, mit Hilfe eines Usurpators, der übrigens auch damals des Sultans Bruder war, das Land zu zerrütten und zu erobern, hatte keinen nennenstvertcn Erfolg und fiihrte einen Frieden herbei, der außer einigen Erleichterungen für die Gefangenen der „Pensylvania" den Amerikanern keinen Vorteil gewahrte.
Erst dem inzwischen zum Kommodore ernannten Helden Stephen Decatur gelang es tut Jahre 1815 durch einen aufs tapferste durchgeführten Kriegsplan, einen Frieden zu erzwingen, ben die Raubstaaten bis zu der Zeit auch hielten, als Frankreich die Piratennester zerstörte und Algier eroberte.
VevmrschLes.
' D e n t s ch e W ö r t e r a >: 5 d e in Englische n. Welchen Einfluß die englische Sprache ani unser Deutsch ausübt, kann man nicht nur aus den englischen Fremdwörtern erfennen, die jetzt so massenhaft in unsere Sprache eindringen — man denke nur an das Sportwesen —, dieser Einfluß zeigt sich auch in neuen deutschen Wörtern und Wendungen, die wir durch llcbersetztrng aii§ dem Englischen erhalten haben. Solche Entlehnungen fhib natürlich mit Freude zu begrüßen, sie sind eine willkommene Bereichertutg unserer Sprache. Hermann Dünger gibt in seiner Schritt über die Engländerei in der deutschen Sprache (2. Auslage, Verlag des Allg. Deutschen Sprachvereins, Preis Alk. 1,20) eine Zusammenstellung von solchen Verdeutschungen englischer Ausdrücke. Hierzu gehören z< B. cmssperren für lock out, Blaubuch für blue-book, Blaustrumpf für blue - stocking, Buchmacher für book-maker, drahten (telegraphieren) für to wire, eutpfindsam sür sentimental, Freidenker für freetliinker, Freihändler für freetrader, Freimaurer für freemason, Geld machen für das amerikanische to make tnoney, Gemeinplatz für common place, Halbblut für half-blood, Heilsarmee für Salvation Aruiy, Heißsporn für hotspur, Hinterwäldler fijr baekwoodsman, Kampf ums Dasein sür struggle kor life, Jungfernrede für maiden speeeb, Leitartikel oder Leiter für ieading artiele ttnb leader, Aleister- fchast (im Sport) für championship, Ring für ring — geschlossene Gruppe von Unternehmern, Rollschuh für roller-skate, Selbst- verwältung für self-govermnent, Stern (einer Bühne) für st ar, Stimmvieh sür voting eattle, Warenhaus für warehouse, Weltschmerz sür world-woe, Zuchtwahl für natural selection.
* Seltsame Gelübde. Als im 15. Jahrhundert die Ritter König Eduards III. von England nach Frankreich zogen, um die Feindseligkeiten gegen die Franzosen zu eröffnen, da leisteten eine große Zahl der geharnischten Kämpfer einen seltsamen Eid: sie verbanden sich das eine Auge mit einem roten Tusche und schworen, diese Binde nicht eher zn entfernen, ehe sie nicht durch Taten der Tapferkeit die Feinde gezüchtigt und geschlagen hätten. Aber die Zeit der seltsamen Gelübde ist mit dem Mittelalter nicht verschwunden, auch das 19. Jahrhundert, ja sogar das 20. können ähnliche Fälle verzeichnen. Wenn and)
Nedaktiou: K. Neuratb. — Rotationsdruck und Verlag der B
die meisten ans ernsten Anlässen heraus entstehen, so entbehren! sie doch nicht der Komik und eiiteS heiteren Beigeschmackes. _ Der Adriatico erzählt bmt-einem Gichtkranken, der in Lourdes Heilung suchte und vorher das Gelübde ablegte, im Falle der Befreiunig von seinen Leiden eine große Reise zu unternehmen, bei der er ein leeres Faß vor sich her rollen wollte. Insbesondere sind es Seelente, die in Stunden der Gefahr wunderliche Eide leisten. Während eines furchtbaren Sturmes schwor ein normannischer Seemann, von Cherbourg nach einer mehrere Stunden entfernten Kapelle eine Wallfahrt zu unternehmen, bei der er eine tüchtige Handvoll Harter Bohnen in seine Stiefel schütten wollte. Der Sturm ging vorüber, die Barke kam glücklich nach Cherbourg, und seinem Versprechen getreu machte sich der wackere Seemann alsbald an) die Wanderung. Aber die Sache Ivar schwerer, als er sich vorgestellt hatte, er hatte kaum einen Kilometer zurückgelegt, als er sich vor Schmerzen nicht mehr weiter schleppen konnte und schleunigst in das erste beste Wirtshaus ging. Dort trank er seinen Schoppen und ließ sich die harten, unbequemen Bohnen einfach kochen. Tie weichgekochten Bohnen schüttete er in seine Stiefel und nahm vergnügt Seine Wallfahrt wieder auf, die er dann auch glücklich zu Ende führte. Sehr häufig sind auch die Geliibde etvigen Schweigens. Als im Jahre 1840 Miß Caroline Brewer aus Leeds durch einen Wortwechsel mit ihrem Bräutigam auseinanderkam, schwor die verlassene Brant, nie mehr mit einem Menschen ein Wort zu sprechen. Und sie hielt Wort, obgleich sie noch 35 Jahre lang lebte; nie mehr hat jemand eine Silbe aus ihrem Munde gehört. Einen ähnlichen Schwur leisteten zwei andere Engländerinnen. Es waren drei Schwestern, die zusammen lebten, zwei von ihnen zankten sich eines Tages sehr heftig und gelobten dann, nie mehr miteinander zu sprechen^ Das Gelübde wurde innegehalten, die beiden schwiegen fortan.. Selbst als die eine der Schwestern auf dem Totenbette lag und die andere der Sterbenden liebevoll beide Arme entgegenstreckte, da blieben ihre Lippen aufeinatidergepreßt, und kein letztes Ab- schiedswort entfloh ihrem Munde.
* 33 erb renne z u Hanse! Eine englische Gesellschaft will den trauernden Hinterbliebenen Verstorbener die Wohltat erweisen, daß sie die Einäscherung des geliebten Toten künftig gleich im Hause vornehmen lassen können. Sie bietet transportable kleine Krematorien zum Kans oder zur SDiiete an, die nicht viel größer, nur niedriger und länger sind als ein gewöhnlicher Gasherd. Sie brauchen höchstens eine Stunde lang vorgeheizt zu fein, bann nimmt ein stählerner Behälter bie Bahre 'auf, ttnb in wenigen Sekunben ist ber Verbrennungsprozeß vollzogen. Tie Gesellschaft empfiehlt bie Apparate in ihren Zirkularen zur festen Anschaffung, ist aber auch bereit, sie bei Bedarf auf telephonische ober telegraplusche Bestellung jeweils leihweise ins Haus zu schicken, natürlich mit allem erforderlichen Personal. Die Anschaffung des Apparates soll vorläufig noch rund 2 00 Mark kosten. Gutsiluirte Leute können sich also jetzt außer Automobil, Pianola und Vakuum-Apparat auch den eigenen Verbrennungsofen im Hause halten. Jedenfalls eine über—afcheude Erfindung.
Viichertisch.
— Der Heilige Garteu. Beiträge zur Erforschmtg der Kindheit; in Verbindung mit dem Archiv sür Altersmundarten und Sprechsprache, herausgegeben von Carl Rößger und Theodor Scheffer. 5. Jahrgang. Hest 2/3. Verlegt bei K. G. Th. Scheffer in Leipzig. Es fällt aus der Artikel von R. Paulsen (Paulsett jun.) über den 7. Tag für deutsche Erziehung in Weimar, eine sehr temperamentvolle, persönliche Arbeit; ferner die Auseinanderftzeung zwischen G. Koch ttnb G. Höller im Archiv über bie Darbietung ber Bibl. Geschichten Alten Testamentes in Altersmundart Wir neunen aus dem Inhalt außerdem: Paulsen, Erneuerung der deutschen Sprache; zur Religion des Kindes von einem Scholaren; zur Frage des ersten Lesebuches von Ettmayr; desgl. Hohl: über bett seitherigen Lese- betrieb und bie „Kindliche Lesebuchkritik". Das Archiv fetzt bie Publikation der Bibl. Gefchichteti in der Erzählung eines Zwölfjährigen fort.
Zitatenkätsei.
Aus jedem der folgenden Zitate ist ein Wort zn nehmen, fo daß sich ein neues Zitat ergibt:
1. Zu kühn wird mir dies Gaukelspiel.
2. Auch ich toar ein Jüngling mit lockigem Haar.
3. Das Herz und nicht die Meinung ehrt den Mann.
4. Du sprichst ein großes Work gelassen aus.
5. Weil ein Vers dir gelingt in einer gebildeten Sprache .... 4
6. Ich schnitt es gern in alle Rinden ein.
7. Das hat mit ihrem Singen bie Loreley getan.
8. Des echten Mannes wahre Feier ist bie Tat.
9. Gelb allein macht nicht glücklich, man — muß es auch haben.
10. Er war von je ein Bösewicht.
Auslösung in nächster Nummer:
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer:
Die Axt im Haus erspart b en Z i mmerm ann.
ü hl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen-


