Ausgabe 
13.8.1910
 
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Samstag den IZ August

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Das schlafende Heer.

Roman von Clara V i e & i g.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Cs war dem Herrn von Deutschan, als habe er einen Schlag ins Gesicht erhalten. Die Augenbrauen zusammen­ziehend, fixierte er den jungen 'Mann scharf:

Wen wen wollen Sie heiraten?! Ich habe Wohl nicht recht verstanden?!"

Die Stasia, die Stasia Fre'ikowski!"

Die Frelitowsli?! Der Vater ist der Förster auf Chwaliborczyce, nicht wahr?"

Zu Befehl, Herr Rittmeister, die is et!"

Mensch, sind "Sie toU?." Doleschal hielt nicht mehr an sich. Er sah den jungen Mann an, als wollte er ihn durchbohren, eine jähe Röte stieg ihm dabei ins Gesicht.

Valentin erwiderte den Mich. Toll sollte er sein? Ei, warum denn? Was tvar denn an der Stasia nicht recht?! Trotzig stellte er sich auf.Die Stasia Frelikowski is mein' Braut. Heimlich waren wir als schon lang ver­sprochen. Zu Michaeli heiraten wir!"

Und Ihr Vater was sagt Ihr Vater dazu?" Dole­schal hatte sich besonnen: hatte er denn ein Recht, hier dreinzureden? Sein Ton klang gemäßigter, nur maßlos erstaunt.

Och de!" Valentin lachte.De hat zuerst mächtig räsonniert, aber nu hat er sich als drein gefunden!"

Alsodarein gefunden" hatte sich der Ansiedler und so schnell schon?! Ein Schmerz ergriff Doleschal. Seine Stimme zitterte der andre hielt's für Unmut, als er nun sprach:Sie Sie gedenken Sie denn nicht Mehr Ihres Fahneneides? Wissen Sie denn nicht, daß Sie diesen Ihren Eid verletzen, wenn Sie eine Polin heiraten?! Sie begeben sich ja Ihres Deutschtums! Mensch, noch gehen teilt halbes Dutzend Jahre ins Land, so haben Sie Ihr Vaterland schon verleugnet, Ihren ehrlichen deutschen Namen Bräuer" inBrvwar",Browarski" oder in Gott weiß was umgewandelt!"

Oho!" Nun blickte der junge Mann schnell erheitert und sagte treuherzig:Och, Herr Rittmeister, ne! Wenn dat das einzige is, wat der Herr Rittmeister furchten?! Da können der Herr Rittmeister ganz beruhigt über sein. Meinen guten Namen, den ich dreiundzwanzig Jahr' ge­tragen hab', den so viel anständige Leut' tragen bei uns zu Haus am Rhein, den halt' ich auch. Un ivat mein Soldatsein anbelangt, da denk' ich immer an. Ich hab' et geschworen: ;

meinem allergnädigsten Landesherrn, Kaiser von Dentsch- land und König von Preußen, in allen diäten zu Wasser und zu Lande und an welchen Orten es auch immer sei, .getreulich zu dienen, allerhöchstdero Nutzen und Bestes zu Fördern, Schaden und Nachteil aber abwenden zu

wollen und mich so zu betragen, wie es sich für einen rechtschaffenen und braven Soldaten gebührt so wahr mir Gott helfe!

Sehen der Herr Rittmeister, wie gut ich dat noch weiß?. Er triumphierte. Aber dann wurde sein lachendes Ge­sicht plötzlich ernst, fast ängstlich.:Oder wissen der Herr Rittmeister sonst wat über dat Mädchen?"

Ich kenne das Mädchen gar nicht!"

Sichtlich erleichtert nickte nun der Bursche:No, dann wär' et ja all ganz gut. Dann werden der Herr Ritt­meister auch gewiß für mich sprechen, dat ich de neue Krug in Pacht krieg'. Denn, sehen der Herr Rittmeister," wieder zutraulich geworden, dämpfte er seine Stimme der Vater is nu mal eso komisch, de meint: jeder soll für sich bleiben, litt ich ja, dat muß ich ja auch gestehn, ich möcht' auch hunderttausendmal lieber mit meiner jungen Frau für mich allein eit Wirtschaft haben, als bei den Eltern wohnen bleiben!"

Er setzte alles breit auseinander, das Herz floß chM über, nun er seiner baldigen Heirat gedachte; er konnte gar nicht genug davon sprechen.

Mit trübem Lächeln hörte Doleschal sich alles an, er hätte dem frischen Jungen gar nicht diese Empfindsamkeit zugetraut, lleberschwünglich pries Valentin seine Stasia: wie gut sie war, wie klug, wie hübsch! Welch fletßtge Hausfrau sie abgeben würde! Alle Welt mochte die Stasia gern leiden, denn immer war sie fröhlich! Welchen Zu­spruch würde der neue Krug durch sie haben, und wie glücklich würden sie miteinander werden! Seine Augen glänzten, er atmete rasch.

Der Erfahrenere hatte nicht mehr den Mut, dem glück­lichen Bräutigam gegenzureden; er schwieg.

Sie standen zusammen auf dem Gipfel des Lysa Gora und schauten weit übers flache Land.

Un litt wahr, Sie sehen zu, dat ich die Wirtschaft krieg'," bat Valentin.

Doleschal nickte.

Da strahlte der Bursche.Och, danke, danke! Jeses, ne, ich möcht' schreien vor Pläsier, wie mer schreit, wenn tu er eit Schanz' stürmt. Nu krieg' ich der Krug sicher, wenn Sie davor sind. Un wenn ich den hab', steht der Hochzeit nix mehr int Weg. Herr Gott, ne, bin ich eso froh! Nu geh' ich aber auch direkt beim Propst, de soll uns nu 'schwind aufbieten!"

Man fühlte förmlich, wie es den Glücklichen drängte, davonzustürmen, mit großen Schritten den Sandhügel herunterzneilen und die Weite zu durchmessen bis hin zu jenem Turin, als wäre die Entfernung vom Berg bis zum Dorf nur eine kurze Spanne. Aber sich des schuldigen Dankes erinnernd, reichte er treuherzig die Hand:

Vergessen werd' ich dat dem Herr Rittmeister nie, dat de so gut zu mir war!" Sich verabschiedend nahm er wieder die Hacken zusammen:Gestatten der Herr Rttl-- meister meinen .allerbesten Dank!"