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an der Stelle lauf dem Wege nach Emsdorf, wo sie acht Tags Kivvr an den Zinken der Gabel des einen Lichtglanz gesehen! und sich derhalben geänstigt hatten. Der Schäfer Hans Kließen aus Ranisch-HolzHausen wurde 1667 beschuldigt, mit einer Person aus Rosdorf Ehebruch getrieben zu haben. Er leugnete dies jedoch und verschwor sich: wenn das wahr sei, solle ihn bei seinem Pferche ein Gewitter erschlagen. Morgens um 9 Uhr ging er bei vollständig heiterem Wetter zur Herde, als plötzlich eine kleine schwarze Wolke am Himmel sich zeigte. Ein einziger Blitzschlag tötete den Schäfer. So findet Spott und Lästerung ihre Sühne. Unberufene Redner und ungeschickte Schwätzer hat es zu allen Zeiten gegeben. Bei dem Begräbnis eines Ritters vom deutschen Orden, mit Namen Bernhard Schwarz zu Mar- burg, trat ein hochmütiger Mensch auf und sprach: „Was soll ich sagen? Hochwürdige, Edelgeborene, Gestrenge und Mannfeste, auch Wohlehrwürdige, Hochgelehrte und so weiter, was soll ich sagen? Was soll ich sagen?" — Der gelehrte, schlichte und gerade Oberforstmeister Jost Burchard Rau von Holzhausen, Erb- wassergraf in der Wetterau, aber rief schnell dem reingefallenen! Redner zu: „Sage, die Welt ist voll Narren, und ich bin deü erste." Ob er wohl wie jener Student in Cölbe durch di« vielen Gesichter sich irre machen ließ? Derselbe, Doktor der Philosophie geworden, wollte den Schimpf von feiten eines seiner Studien^ genossen, daß er nicht predigen könne, denn doch nicht auf sich sitzen lassen. Nachdem er die Erlaubnis des Pfarrers zu Cölbs eingeholt, wanderte er am nächsten Sonntag früh munter von Marburg dorthin, bestieg die Kanzel, war zwar nicht mehr so frischen Mutes, als er die vielen Blicke auf sich gerichtet sah, faßte sich jedoch und teilte seine Predigt in drei Abschnitte. Noch hatte er den ersten Teil nicht beendigt, als er wieder di« vielen Gesichter beobachtete, und, vollständig irre geworden, seins Predigt schloß mit den Worten: „Geliebte Freunde in dem Herrn, ich bitte euch, daß Ihr euch für jetzt an diesem ersten Teil« wollet begnügen lassen; wenn ich 'wieder komme, will ich auch den zweiten und dritten Teil halten," stieg von der Kanzel herab und pilgerte wieder seiner Bude zu. Wann unser Magister sein Versprechen eingelöst, ist leider in den Marburger GeschichtsblätteM nicht verzeichnet; auch die Lokalgeschichte von Cölbe soll darüber! keine zuverlässigen Angaben bieten.
VeLmischLe».
"Trinkgeld und Ruh m. „Die Leute, die die großen Trinkgelder geben, sind gewöhnlich betrunken", soll einer der größten Hotelbesitzer New-Porks gesagt haben, als vor einem New-Porter Tribunal behauptet wurde, eilt erstklassiger Kellner nehme wöchentlich nicht unter 400 Mark an Trinkgeldern ein, — und ein anderer Hotelier ergänzte diese pessimistische Behauptung durch die Erklärung, wenn es einen solchen Posten gebe, werde er sich schleunigst darum bewerben- Wesentlich milder als das Urteil dieser Herren siel die von der „Allgemeinen Hotel-Rundschau" mitgeteilte Antwort eines alten „höheren" Hotelkellners aus, die er aus eine von der Mailänder „Giovine Italia“ veranstaltete Umfrage über die Trinkgelder berühmter Leute gab. Sie ist eine ziemlich deutliche Illustration des Wortes „die Tat ist alles, nichts der Ruhm". Wie der alte gediente Ganymed versicherte, war von den Staatsinännern Franeeseo Crispi am splendidesten, vorausgesetzt, daß er selbst gab. Gingen die Trinkgelder diirch Crispis Majordomus oder Sekretär, so blieb das meiste unterwegs hängen, aber auch so waren die Trinkgelder noch immer dreimal höher als bei anderen Sterblichen und speziell bei Diplomaten, die im allgemeinen sehr knauserig seien. Von den Fürsten der römischen Kirche lernte unser Oberkellner in einem großen Florentiner Hotel den Kardinal Rampolla und den gegenwärtigen Kardinal Staatssekretär Mercy de Val unter dem Gesichtswinkel des Trinkgeldes kennen. „Beide sind nichts wert", schreibt er lakonisch. In demselben Gasthof stieg auch Maestro Mascagni ab, von dem es in den Auszeichnungen heißt: »soso, lala". Maestro Puccini dagegen, liest man, „zahlt anständig". Der sozialistische Abgeordnete und Herausgeber des Witzblattes „Asino", Podrecea ist „ausgezeichnet". Mit geringem Enthusiasmus greifen ins Portemonnaie Gabriele d'Annunzio imd Enrico Ferri, der gerade gegenwärtig so viel diskutierte sozialistische Führer, der große Schauspieler Erntete Rovelli und die schöne Sängerin Lina Cavalieri. „Gut" ist dafür die Tina da Lorenza und „außerordentlich gut" die Bellincioni. Ent wahres Unikum ist die berühmte Düse. Sie nahni der schönen Aussicht wegen im obersten Stock eines röntischen Hotels Wohnung und ließ sich zehnmal am Tage allerlei Näschereien, Getränke usw. aufs Zimmer bringen, wobei der arme Teusel von Kellner die 5 ober 6 Treppen stets zu Fuß machen mußte. Und was gab die größte Tragödin Italiens und der Welt schließlich als Trinkgeld"? . . . Alles in allem drei Sire! Von anderen Berühmtheiten heißt es: Krupp „gut", Nockeseller „gut", Morgan „gut", die Rothschilds „überaus geizig" (avaracei). Dann die bekannten italienischen Patrizier und Millionäre Odescalchi, Rospigliosi, Colonna, Spinola, Raggio Pignatelli, Torrigiani - . . „alle soso, lala". Zola war unglaublich nobel, auch Gorki und Marconi sind sehr gut, Bourget und der alte Senatspräsident Blaserna gehen noch an. Am freudigsten gedenkt der alte Ganymed jedoch der königlichen Prinzen, des Grasen
von Turin, des Abruzzenherzogs und der Herzöge von Genua tut Aosta, die er sämtlich im dereinstigen „Hotel de Route" bedient und die alle ganz „vorzüglich" waren . . . Das kam wohl auch daher, daß die Herrschaften dort immer zu zweien und int — Chambre separse zu speisen pflegten.
* Reisefreuden von Anno dazumal. Wir ver- wöhnten, unzufriedenen Kinder des Verkehrszeitalters müssen von Zeit zu Zeit noch daran erinnert werden, welche Summen von Beschwerlichkeit und Zeitverlust noch unseren Urgroßeltern ein«! große Reise — zumal im Winter — verursachte. Anschauliches zu diesem Gegenstand enthält August von Kotzebues heute ziemlich verschollen?. Schrift „Meine Flucht nach Paris im Winter 1790", Achtzehn volle Tage war der Dichter von Weimar nach Paris unterwegs. Wie es damals in solch einer „Diligence" unterwegs zuging, läßt sich aus folgender Schilderung entnehmen: „. . . Ein Schnupftuch aus der Tasche nehmen, ist eine Arbeit, die ohns großen Schweißverlust nicht vollbracht wird, und einem Beutelschneider sollte es schwer werden, in einer Diligence fein Handwerk ju treiben. . . Das Einatmen von so viel fremden Ausdünstungen ist eine Qual. Zwar sind sechs Fenster im Wagen, da man aber bei schlechtem Wetter nur eins oder ein paar auf- macht, so ist das nicht immer hinlänglich. Sehr ängstlich ist es auch, daß man keine Tür von innen öffnen kann, man sitzt im einem Gefängnis, in einem Käfig, aus welchem nur der Kondukteur befreit. Da fährt er so einen Wagen voll Menschen von einer Stadt zur anderen wie die Bauern einen Hühnerkorb voll Hühner, und oft haben wir, wenn wir auch schon an Ort unjdj Stelle waren, eine halbe Viertelstunde lang warten müssen, ehe es ihm gefallen hat, unser Loch zu öffnen. Diese Art Gefcmgew- schäft hat mir manche Herzensbeklemmungen verursacht, denn ich kann nichts weniger leiden, als eingesperrt zu sein. Will man einmal . . ., so ist das eine schreckliche Weitläufigkeit, ehe der Kondukteur gerufen wird; ehe er die hilferufende Stimme vernimmt; ehe er dem Postillon den Befehl, still zu halten, erteilt; ehe er von seinem hohen Sitze herabsteigt, die Tür zu ösfncm? ehe die sämtlichen Gepreßten sich auf -einige Augenblicke noch härter zusammenpressen, um den einen Notleidenden hinauszulassen, wobei sie natürlich oft schiefe Gesichter ziehen; eh« die Bank aufgehoben wird, die den Eingang verbollwerkt; ehe der Tritt heruntergelassen wird, auf dem man zur Erde herab- steigt. . . Nein, lieber wagt man alles, bevor man sich entschließt, einen so gewaltigen.Aufruhr zu erregen." — Wohl dir, daß du ein Enkel bist!
* U'nntttzer Aufenthalt. Gast: „Wie viel Bier hab' ich jetzt, Mirzel?" — Kellnerin: „Drei Maß." — Gast: „Wie, erst drei Maß, jetzt um neun Uhr?" (Entrüstet zu dem neben ihm sitzenden, sehr gesprächigen Fremden): „Sie, jetzt lassen S' mich aber mit Ihrem Geschwätz in Ruh', verstehen Sie!
SchachMfgade.
abcdefgb
ab cdefgh
8
8
6
6
5
5
3
3
2
2
Weiß.
Weiß setzt mit dem dritten Zuge Matt. Auflösung in nächster Nummer:
Auflösung des Kpeuzvätsels in voriger Nummerst A 8 W 1 t e . u e i
Alumi niuta Steif gaze Weing eist i a i n z s m e t
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


