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Großmutter! rind' zu den Meerschainnpfeisen fernes Großvaters; juitb daß ihm das kleine vergoldete Stttcklcin Eisen jedesmal eine stille Freude schenkt, so oft er es betrachtet; und daß es für ihn so etwas Aehnliches bedeutet wie ein rätselhaftes und geheimnisvolles Symbol des irdischen Lebensglückes.
Meine zweite Aufgabe wars: ein Zahnrad auszufeilen. Ein Troßes gußeisernes Rad ist auf stwei Seiten glatt abgedreht, und den int Guß ungleich geratenen Zähnen ist die Norm aufgerissen; mutt müssen die Zähne so Msgemeißelt und zugefeilt werden, daß sie alle in die gleiche Schablone passen. Zwei Räder verdarb ich, sie mußten wieder umgegossen werden. Das dritte gelang mir. Zur Aufmunterung nach dieser Plage bekam ich Lehrlingslohn; drei Gulden in der Woche. Mein erstes, selbstverdientes Geld! Ich war sehr stolz an diesem silbernen Samstag. Unb diese dreizehn Gulden int Monat waren etwas für mich! Denn die fünfundzwanzig Gulden, die ich monatlich von daheim bekam, ließen sich eilt bißchen hart einteilen.
Um diese gleiche Zeit kam mir noch eilt anderer Glücksfall: ich fand zu den Arbeitern des Schlossersaales ein kameradschaftliches Verhältnis. Sie zeigten einmal in .einer Brotzeit ihre jAthletenkünste und stemmten eiserne Räder und Transmissians- wellcn. Auf dem Boden lag solch eine abgedrehte Eisenwalze von Mehr als einem Zentner Gewicht. Wer sie nicht in die Höhe brachte, wurde ausgelacht. Ich würgte meine nach Schmieröl duftende Knackwurst hinunter, ging hin und fragte: „Därf ichs probiere?" Gleich brüllten sie alle vor Vergnügen. Ich schickte in die Hände. Und wenn mir die Adern am Hals zersprungeit wären! Ich mußte die Welle über den Kopf hinaufbringen! Ganz rot wurde mir vor den Augen. Aber glücklich brachte ich den eisernen Baum vor der Brust um die Kippe und stemmte ihn bis zur Armstrecke Über die Haare hinauf. Von diesem Tage an betrachteten mich die Arbeiter wie einen ihresgleichen. Und einer von ihnen begann mich zu lieben. Es war ein vierzigjähriger, dickbärtiger Mann, der die große Bohrmaschine bediente. Nun schwatzten wir, beide in den Brotzeiten immer miteinander; er erzählte gern von seinem kleinen Vorstadthäuschen, von seiner Fran und seinen vier Kindern; wenn ich am Morgen kam, lachte er mir freundlich zu; und wenn ich bei einer neuen Arbeit ratlos wurde, war er immer gleich bei bet Hand und riet und half. Seinen Namen weiß ich nimmer. Aber dankbar bin ich ihm noch heute.
Ehrenurkunden und Ehrenpreise.
Prof. Dr. Pazaurek, der Direktor des kgl. Landes- tzewerbemuseums in Stuttgart, der sich durch seine,Studentenkunstausstellung und insbesondere durch seine Ausstellung, der Geschmacksverirrungen einen bereits weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannten Namen gemacht hat, hat in der König Karl-Halle des Stuttgarter Landesgewerbemitseums wieder eilte kunstgewerbliche Sonderausstellung von ganz besonderem Reiz eröffnet, die in den nächsten Wochen wohl eine Hauptsehenswürdigkeit der württembergischen Hauptstadt bilden wird. Es ist erstaunlich, was man unter den bescheidenen Namen „Moderne Ehrenurkunden und Ehrenpreis e" hier alles zu sehen bekommt, noch erstaunlicher ist es, was für Quellen Professor Pazanrek zu erschließen verstanden hat, um das Beste, was in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten auf dem Gebiete der Ehrenpreise und Ehrenurknnden geleistet worden ist, in einem umfassenden Gesamtbild vorzuführen. .Es braucht nur darauf hiugeWiesen zu werden, daß es dem Veranstalter gelungen ist, ans dem B i s m a r ck m n s e u m zu Schön- jhaUsen die hervorragendsten Stücke leihweise zu erhalten. So finden wir! die Ehrenurkunde, in der die Stadt Berlin dem Fürsten Bismarck das 'Ehrenbürgerrecht verleiht und die Adolf v. Menzel gemalt, ferner ist hier zu sehen die in Eisenätzung ausgeführte Ehrenbürgerurkunde der Stadt München, die der Städte Karlsruhe, Kaufbeuren, Kempten, Nenbnrg und Nördlingen, die Huldigungsurkunde der deutschen Künstler in Rom, gemalt von Max Fleischer, und, gewissermaßen unter das Kapitel „Ehrenpreise" fallend, der Ehrenpallasch, den der Kaiser dem Fürsten Bismarck zu seinem 80. Geburtstag gewidmet hat, ein 'überaus kostbares Stück der Juwelier- und Waffenschmieöeknnst. Ein zweiter Schrank inmitten der Halle enthält die besten Stücke aus dem Whrenarchiv des Grafen Zeppelin. Hier finden wir die Ehrenbürgeritrkttnde der Stadt Stuttgart, von Pankek entworfen, sowie die der Stadt München, eine Arbeit von Otto H u p p und lin ihrer Art ein interessantes Gegenstück zu der Münchener Ehrenbürgerurkunde für Bismarck, interessant insbesondere auch deshalb, weil man hier die Stilwandlungen in den lepten Jahrzehnten so gut verfolgen kamt. Darin liegt überhaupt nicht in letzter Linie der Reiz der Ausstellung, bereit Zweck sich natürlich in künstlerischer unb kunsterzieherischer Richtung bewegt. Es ist bemerkenswert unb unverkennbar, baß bie älteren Künstler dem gegenwärtigen Geschlecht, soweit es in ber Ausstellung in Erscheinung tritt, in ber Kunst bes Figürlichen über waren. Im Ornamentalen unb in der Kunst ber geschmackvollen Schrist- gruppieriing zeigen sich bie heutigen überlegen. Einen sehr lehrreichen Ueberblick über bie verschiebensten künstlerischen Individualitäten ber Gegenwart gewährt bie sehr stattliche Sammlung von
Ehrenurkunden, die ber Universität Leipzig zu ihrem 500 jährigM Jubiläum zugegangen sinb und Pie alle in beit Originalen für bie Ausstellung zur Verfügung gestellt worben sinb. Die schönste 'unter ihnen ist zweifellos bie Begrüßungsurkunbe bet Technischen Hochschule Braunschweig, auf ber ber auSführenbe Künstler leider nicht ersichtlich ist. Von modernen Künstlern, die mit Werken in der Ausstellung Vertreten sind, seien genannt: Pros. Paul Haustei n - Stuttgart, C i f s a r z - Stuttgart, Peter Behrens, Walther M a g n u s s e n - Bremen, Peter Schnorr, Roduls S t o ck e r, Max Klinge r mit seiner Ehrenurkunde für den Leipziger Oberbürgermeister Georgi und Rudolf Koch- Offenbach, von dem das E h r e n d o k t o r d i p l o m ber Universität Gießen für den Großherzog Ernst Liidwig von Hessen herrührt, bas bieser ber Ausstellung zur Verfügung gestellt hat. Neben beit Werken künstlerischer Handarbeit ist auch die große Zahl ber auf hoher künstlerischer Stufe stehenben Drucke zu neunen. Hier zeichnen sich vor allem die Akademie für graphische Kunst und Buchgewerbe und Georg Belwe-Leipzig aus. Die Abteilung der Ehrenpreise enthält eine stattliche Zahl hervorragender Arbeiten ntoberner Goldschmiedekunst. Hier sind insbesondere die Arbeiten von Pros. Hofacker-Karlsruhe und Prof, van be Velbe-Weimar hervorzuheben. Es ist nicht zu bezweifeln, baß auch diese Abteilung der Ausstellung von belebendem und veredelnbem Einfluß sein wird; daß alle möglichen Gebiete der künstlerischen Idealisierung zugänglich sind, zeigt n. a. der von Karl Beyer-Zwickau entworfene, höchst eigenartige unb durchaus künstlerische unb geschmackvolle Ehrenpreis für eilt — Bundeskegeln. Man darf wohl sicher sein, daß auch diese Ausstellung Pros. Pazaureks gute Früchte zeitigen wird, C, W-. i
Vermischte».
* Hitze und Kleiderfarbe. Im allgemeinen hält matt Weiß für die Farbe, wenn diese Bezeichnung darauf überhaupt angewandt werden kann, die bei großer Hitze für unsere Kleidung am besten gewählt wirb. Früher hat man sich sonst nicht viel Gedanken darüber gemacht, ob dieser Brauch nun schon das Zweckmäßigste darstellt. Da jetzt aber Mehr und mehr Europäer Gelegenheit haben, auch in den Tropen Erfahrungen zU sammeln, wo eine solche Hitze, wie sie uns die ersten Junitagies gebracht haben, Wochen- und monatelang herrscht, hat man auch Versuche mit noch anderen Farben ber Kleider angestellt. Besonders bekannt ist in dieser Hinsicht das Khaki geworden, das sogar vorübergehend die große Mode in Europa zu beeinflussest verursacht hat. Die Bezeichnung Khaki bezieht sich aber mehr auf den Stoff als auf dessen Farbe, und es bleibt noch immer eist Spielraum zu weiteren Prüfungen. In verschiedenen Tropen- armeert, namentlich in Indien, hat man in den letzten Jährest probeweise Kleidungsstücke von einer vrangeroten Farbe gewählt, scheint damit aber auch nicht das Richtige getroffen zu habeist Nach einem jetzt erschienenen amtlichen Bericht aus Indien Wurde dort bie Hälfte jeder Kompagnie mit Weißen, die andere Hälftq mit orangeroten Uniformen ein unb desselben Gewebes bekleidet/ Sodann wurde ein ganzes Jahr lang genau über den Gesundheits- zu stand der Soldaten Buch geführt, auch Gewichtsprüfungen Undj Blutuntersuchungen vorgenommen. Es stellte sich heraus, daß beide Gruppen gleich viel Krankheiten aufzuweisen hatten, auch unter der Sonne in gleichem Grade litten, daß aber die orangerotä Gruppe zu übermäßiger Transpiration neigte und insolgedessest stärkeren Gewichtsverlust und eine Blutverdickung erfuhr. Dieser Umstand erklärt sich daraus, daß die farbigen Stoffe die SonneU- strahlen mehr aufnehmen als weiße. Danach scheint die alte Gewohnheit, weißen Kleidern im Sommer den Vorzug zu geben/ tatsächlich durchaus das Richtige und Beste getroffen zu haben..
* Uttber fr o r ert. -„Was sehe ich? Zwei Tage sind Sis erst bei mir und trinken schon meinen besten Wein?" — „Na, Wissen Sie, wenn das ber beste ist, ba bin ich wirklich neugierig/ wie ber andere ist!" - i
* Vorsorglich. Der kleine Willy wirb von seinem größeren Brnber, Ser Einkäufe für bie Mutter besorgt, mit zum Kaufmann genommen unb bekommt von biefem ein Stück Schokolade. Da er sich nun nicht gleich bedankt, so fragt ihn der größere GBruber: „Nun, Willy, wie sagt man?" — Hierauf der Kleine: Noch eins für Fritz!" 1
Gleichklang-Rätsel.
Kennst btt das Wort, es drückt uns ans, Was man mit harter Semmel tat ?
Auch ist es manches „Alte HauS", Tas uns erteilt gar klugen Rat. Der Raufbold hat's zu jeder Zeit Mit Friedlich-Stillen gern getan, Unb beim Studentenfesttommers Tut man's oft Wassertierchen an, Auslösung in nächster Nummerr
Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer; Kaffer, Kaffee.
Siebaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- unb Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


