Ausgabe 
13.4.1910
 
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greifen, ebenso Ivie jene." Die gleiche Forderung stellte dieseerste Frauenrechtlerin", wie der Straßburger Roma­nist Gröber sie genannt hat, für alle änderet: Lebensfragen fuf. Sie schildert die tinselbständigkeit und Unerfahrenheit alleinstehender Frauen mit drastische:: Worte»: und meint, daß sich die meiste»: Fra»rer:üt Heulen und Weine»: zu- fammenkauern, ohne eine andere Verteidigung, wie cut armer Hund, der sich i>: ein Winkelchen zuriickzieht, und alle anderer: springen über ihn hinweg." ^>ie verlangt, daß den Fraue»:: Einblick irr die Dinge des praktlscheu Lebens gewährt mürbe, und eifert gegen die Angewohnheit der verheirateter: Männer, ihren Fraue»: ihre Verhältnisse und Angelegenheiten nicht klar anseinanderzulegerr. Sie verlangt noch wehr: die Frau soll durchaus ,richt in ihrem Haushalte aufgehen, sonder,: rnuß vom Ber:>.fe ihres Mannes, sei er nun Burgherr oder Kaufmann oder Hand­werker, s'o viel verstehen, daß sie ihn irr seiner Abwesen­heit vertreten kann. Eine Schloßherrin soll in den orts­üblichen Rechtsgebräuche,: bewandert, sein und über Lehns- recht Bescheid wissen, außerdem aber sich auch auf Be­lagerung und Verteidigung von Festungswerken verstehen; die Hanbwerksfrau sollte natürlich in: Stande sein, den Ar­beitern ihres Mannes in dessen Abwesenheit sachverständige Anweisungen zu geben und selbst mit Hand anzulegen. Dies letzte ist die immer wiederholte Forderung dieser ersten Frauenrechtlerin, daß die Heranwachsende weibliche Jugend zur Selbsttätigkeit angeregt werde, und daß ihreite Ge­biete als Mrkungskreis erschlossen werden sollen.

Vermischtes.

* Neber die Zeppelin-Werft in Friedrichs­hafen , die soeben fertiggestellt ist, bringt die erste Nummer der in Ullsteins Verlag erscheinenden neuen illustrierte»: ZeitschriftDie Bauwelt" interessante Mitteilungen. In dem Preisausschreiben war der EnUvurf einer Halle von 43 Meter Breite und 20 Meter Höhe gefordert, die nichts von dem Düftern einer Bahnhofshalle an sich habe», sollte, sondern hell und luftig sein müßte; größte Fenersicher- heit, gute Wärmeisolierung und absolute Standsicherheit des Riesenbaus selbst gegen stärkste Windkräste, waren die weiteren Bedingungen. Die Hauptschwierigkeit lag in dex Konstruktion der Abschlußtore, dre tr.otz ihrer gewaltigen Dimensionen schnell und leicht beweglich sein mußten, um den Luftschiffen nach beiden Seiten hin die Ein- und Aus­fahrt zu ermöglichen. Von den 74 Entwürfen wurde der der Brückenbau Flender, Akt.-Ges., Benrath, preisgekrönt und ausgeführt. Auf schtvereu Betorifundainente», erheben sich in 8 Meter Abstand die Zweigetenkbogenbinder, zwischen denen sich die mit Isolierschicht gemauerten Fachwerkswände spannen. Das Dach besteht aus einer 8 Zentinieter starken Wetouplatte und ist mit Ruberoid abgedeckt. Ans der ganzen 200 Meter betragenden Länge der Halle ist in: höchsten Punkte eine durchlaufende Laterne angeordnet, deren seit­wärts angebrachte drehbare Klappen für eine gute Ent­lüftung sorgen. Zahlreiche Oberlichte und die seitliche»: Fenster dienen für die Belichtung und überall ist eine doppelte Verglasung vorgesehen, (um auch hier durch die dazwischen befindliche Luftschicht eine gute Wärineisolierung zu erreichen. Zu beiden Seiten der Halle befinden sich in 7 Meter Höhe 4 Mter weit ausladende Arbeitsgalerien, welche heruntergelassen werden können, falls der Ramn benötigt wird. Aus; erd en: sind in verschiedener Höhe noch vier feste Laufstege von 1,5 Meter Breite angebracht, um bei: Arbeitern überall den Zugang zum Luftschiff zu er­möglichen. Kranbahnträger mit zahlreichen Laufkatzen dienen für den Transport der Montagestücke. Die ganze Einrichtung der Halle zeigt, daß es sich hier nicht um einen Hafen, sondern um eine Werft handelt, in der LuI- schiffe gebaut werden sollen. Auch der Binderabstand ist mit Rücksicht hierauf gewählt, da die Entfernung der Zwischenwände im Zeppelinschiff 8 Meter beträgt und somit jede Trennungswand bequem unter einem Binder montiert werden kann. Besonderes Interesse verdienen noch die beweglichen Tore. In: erste», Entwurf waren vo>: der Brückendauaustalt Drehtore vorgesehen, auf Wunsch der Baufirma kamen dann aber kombinierte Dreh- und Schiebe­tore zur Ausführung. Die «gesamte 20 Meter hohe Tor­fläche besteht aus vier Teilen, von den die z»oei mittleren oben auf Schienen mittels Rollen gelagert sind, und sich

beim Oeffnen hinter die seitlichen schieben, worauf sich dann die zusammengeschobeneu Flügel um die Endachsen nach außen drehen. Der Antrieb erfolgt durch Elektro- yiotore, welche binnen zehn Minuten'die ^gesamte Giebel­wand öffnen und schließen können. Ueberall ist von vorn­herein darauf Rücksicht genommen, daß im Bedarfsfälle die Halle verlängert und durch einen seitlichen Anbau ver­größert werden kann. Ein eigener Hanptgleisanschlnß ver­vollständigt die Ausrüstung der Werft, in der ii: Zukunft unsere Zeppelinkreuzer das Licht der Welt erblicke»: werden.

* Hohe Kindersterblichkeit i n E n g l a n d. In den englischen Großstädten ist die Kindersterblichkeit außerordentlich groß. Auf tausend Geburten kommen in London 113 Todesfälle der Kinder im 1. Lebensjahre, in Liverpool 141, in Birmingham 144, in Belfast 147, in Manchester sogar 151. In Leeds beträgt die gleiche Zahl 137, in Sheffield 140, in Bradiord 143, in Bristol 126, in West Ham 128, in Newcastle on Tyne 136, in Hüll 145. Demgegenüber stellt sich die gleiche Ziffer für Neiv-Pork nur auf 50. Man schreibt diesen großen Unterschied, über den man in England förmlich erichrocken ist, dem Umstande zu, daß in englischen Städten für die Ueberivachung der Milchversorgimg noch nicht viel ge­schehen ist, ivährend in New-Port z. B. der auch in Deutschland bekannte Mr. Nathaniel Strauß, Präsident des Oesfentlichen Ge­sundheitsamts, in den letzten 15 Jahren zum großen Teil nuf eigene Kosten Milchausgabcstellcn eingerichtet hat, in denen das Publikum sterilisierte Milch erhalten kann. Auch sonst hat man in Nordamerika für eine zweckmäßige und gute Milchversorgung sehr viel getan und hat alle Theorien über gcschä'tiiche Freiheit und über die Unziveckmüßigkeit für den Staat, in das Nahrnngs- mitteigeiverbe regulierend und überwachend einzugreifen, beiseite gesetzt,' um eine Verminderung der Ziffer der Kindersterblichkeit durchzusctzen. Zwar ist dies nicht allenthalben in Nordamerika ge­schehen, vielmehr nur in einigen wenigen Städten. Diese sind aber mit besonderer Energie vorgegangen und haben, wie da? Beispiel von New-York zeigt, große Erfolge damit erzielt. Ta die öffentlichen Gesundheitsverhältnisse in New-York im übrigen durchails nicht ideal sind, haben die Engländer umsomehr den leb­haften Wunsch, eS den Amerikanern in der Ueberivachung der Atilchversorgung und damit in der Einschränkung der Kindersterb­lichkeit gleich zu tun.

* A cheubacha»: ekdote n. Es werden jetzt wieder viele Ache nb ach a u e kdo ten lebendig, die bei: Maler von einer menschlich recht interessanten Seite zeigen. Eine besonders charakteristische, die wir derDüsseldorfer Ztg." entnehmen, möge hier folgen: Vor etwa zwölf Jahren, in jener Zeit, luo jedermann um jeden Preis einenechten Achenbach" haben mußte, hatte ein Düssel­dorfer Bürger bei einein Händler ein Seestück des Künstlers ge­kauft, auf das er nicht wenig stolz war. Die Freude war indes nicht von langer Dauer, denn zu seinem Leidwesen mußte er er­fahren, daß das Bild eine Kopie und als solche eine Fälschung war. Er verklagte den Händler auf Zurücknahme des Bildes. Dieser drehte indes bei: Spieß um und behauptete, sein Bild sei das echte und das angebliche Original sei die Kopie. Ein Sach­verständigenurteil sollte den Streit entscheiden. Der beste Sach­verständige »var natürlich Andreas Achenbach, der denn auch von: Gericht als solcher geladen wurde. Dieser besichtigte beide Bilder aufs eingehendste und war aufs höchste verblüfft von ihrer ab­soluten Uebereinstimmung. Er beschaute das Bild des Klägers von vorn und von hinten, beroch die Farben, schüttelte den Kopf und erklärte schließlich, daß es unmöglich sei, zu entscheiden, welches von den beiden Bildern das Original und tvelches die Fälschung sei.

Silbenrätsel.

an, bis, e, fisch, ger, ham, i, mer, na, ui, ui, och, ros, sib, tum.

Aus vorstehende»! Silben und Buchstaben sollen sieben Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangs­buchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen den Namen eines Komponisten ergeben. Es be­deuten aber die einzelnen Wörter solgendes:

1. Einen Vogel.

2. Nebenfluß der Weser.

3. Gefräßigen Beivohner des Meeres.

4. Weiblichen Vornamen.

5. Strom in Afrika.

6. Türkischen Ort.

7, Griechische Goltheit.

Auflösung üt nächster Nummek.

Auflösung des Magischen Quadrats in voriger Nummer:

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätZ-Buch- und Kteindruckerei. R. Sange, Gieße»