Ausgabe 
13.4.1910
 
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bells Airgaben ettoloi iint 0,4 Gramm pro Kubikuteter icber noch! niedriger sein muß. In einem, Wüstenklima: von 31 Prozent Feuchtigkeit ist die entsprechende Temperatur 17 Grad C. T-ies gilt Dr die Hochsommerzeit, und ist vermutlich ettoa dis mittlere Tagestemperatur. Sie liegt rmgefähr 20 Grad über der, von Christiansen berechneten mittleren Temperatur des Mars. Auf der Erde ist die entsprechende Differenz zwischen der höchstenl mittleren Juli-TeMperatnr (28,1 Grad C.) und der nach Christian­sen bierechueten mittleren Jahrestemperatur (6,5 Grad C.) sehr nahe dieselbe, nämlich 2L6 Grad C. Tiefe Uebeveinstinünungl spricht für die annähernde Richtigkeit der Bercchtiungen aus Camp-, bells Taten.

. In einem Wüstenklima kann der Unterschied der Lufttemperatur zwischen Tag und Nacht 30 Grad C. «oder ^vielleicht noch etwas Mehr betragen. Die Bodentemperatur kann UM das Doppelte, oder noch Mehr schwanken. Es ist also tovhl möglich, daß die Bodentemperatur auf dcM Mars nicht unerheblich über 0 Grad bei Mittagszeit steigen kann, woraus bei dem niedrigen Luftdruck, der von Lowell auf 64 Millimeter, plso ein Zwölftel des Luft­druckes auf der Erde, geschätzt wird, eine schnelle Verdampfung oder sogar Schmelzung von Schneemassen erfolgen kann.

Mars ist also ohne Zweifel eine tote Welt. Tie Kanäle und Oasen sind mithin nicht von intelligenten Marseinwvhnern an­gelegt worden; sie entsprechen vielmehr Erdbebenspalten bei uns. Tiefe Spalten verlaufen geradlinig oder doch nahezu so, unab­hängig von den topographischen Eigentümlichkeiten des Landes. Dasselbe gilt für die Strahlensysteme und die Rillen auf deml Mond, sowie für die Marskanäld. In ihren Schnittpunkten, von denen sie ausstrahlen, sind die Einsturzzentren, die tiefsten Stellen auf der Marsoberfläche, gelegen. Ein solcher Einsturz ist auf Unserer Erde das Tyrrhenische Meer zwischen Sizilien uns Kalabrien. Auf dem Mond sind die Strahlen durch,'lockeren und deshalb Hellen Staub verschüttet. Wenn Mars durch und durch erstarrt wäre, so daß sein Inneres sich, nicht'weiter zusanrmenzöge, dann würde ohne Zweifel etwas Aehnliches auch für ihn gelten. Ein ^Langsames, hin und wieder erfolgendes Nachfinken längs! den Spalten verhindert das Verschütten. Vermutlich tragen auch dazu bei die daselbst heraustretendeu Gase wie Wasserdampf, Kohlensäure, Schwefeldämpfe, Chlorwasserstoff, die bei dem Er­kalten aus dem Marsinueren entweichen, wie Man ans den irdischen Verhältnissen schließen muß. Tadurch bleibt das Wasser und die Kohlensäure auf dem Mars vom vollkommenen Verschwinden zufolge der Verwitterung bewahrt.

Längs solchen Erdspalten kommen sehr häufig, beispielsweise in Skandinavien, Reihen von Seen vor. Nach Cerulli sind die Kanäle" des Mars nichts als Reihen von dunklen Flecken, deren Bilder, wenn nicht die Bcobachtungsumstünde ungewöhnlich günstig find, int Auge zu geraden Linien verschmelzen. Diese Ansicht von Cerulli ist im vergangenen Herbst in der auffälligsten ,Weise von dem wohlbekannten Planetenforscher Antoniadi, der in Meu- don und'Jnvisy bei Paris beobachtete, bestätigt worden. t

Bon den sog. Festlandseen auf denk Mars, die Lowell als Oasen ansieht, und die nach! unserer Ansicht Einsturzgebiete sind, hat Antoniadi nachgcwiesen, daß sie gar keine Regelmäßigkeit besitzen, während Lowell glaubt, daß sie ganz kreisrund sind. Die absolute Geradlinigkeit und die Regelmäßigkeit in der Ver­teilung der Kanäle wird auch von Antoniadi bestritten. Tis ,,Geometrie" (d. h. regelmäßige Konfiguration) der Marsgegen­stände, worauf man die Annahme von intelligenten Marseinwoh­nern gegründet hat, ist nach Antoniadi eine reineIllusion". Fast alle sind darüber einig, daß die roten Partien, die den! größten Teil der Mars-ober fläche ausmachen und deut Planeten feine feurige Farbe geben, ausgedehnte Wüsten sind. Diese Hoch­plateaus haben unzweifelhaft eine geologisch gesprochen außerordentlich lauge Existenzzeit, wahrscheinlicherweise eine Noch längere als die der größten Meer-esties-en auf der Erde. Diese Abgründe in unserem Weltmeer liegen so weit von den Küsten der Kontinente entfernt, daß keine merkliche Menge von Schlamm! dahin abgekrden werd. In diesen großen Tiefen findet man aber Massen von Meteoriten oder Meteorischem Staub, die in der- Länge der Zeit sich da ungestört aufgespeichert haben. Aehnliches gilt offenbar für dyo geologisch uralten Teile des Mars, die kbnti-, uentalm Wüstem , >

(Schluß folgt.)

Line Frauenrechtlerin aus dem 15. Jahrhundert.

Die Bestrebungen unserer Zeit, die Frauenbildung der! des Mannes anzupassen, gehen sehr weit zurück.

Vor einem halben Jahrtausend, im Jahre 1409, ver­öffentlichte Ehrt st ine d e Pisa«, die Tochter eines Ge­lehrten, ein Birch unter dem TitelCite des dames", das recht überraschend wirkt. Die Verfasserin verlangt nämlich, tote Dr. Mathilde Kaste n b e r g in derFrau." ausführt, nichts weniger, als vollkommen gleiche Erziehung beider Geschlechter mit folgender Begründung:Wenn es! Sitte wäre, die kleinen Mädchen zur Schule zu schicken! und mau sie allgemein die Wissenschaften lernen ließen wie die Söhne, so würden sie ebenso vollkommen erlernen und die Spitzfindigkeit aller Künste und Wissenschaften bc-

Und jetzt sieht es fd aus, als lob wir ben poetischen Schleier! des Traumes zerreißen mstßten. Schon vor etwa 20 Jahren be­rechnete Christiansen in Kopenhagen, daß die Sonnenstrahlung! wicht genüge, um die Marstemperatur über 37° C. »zu erhalten. Ans ähnliche Weife Mrd für die mittlere Temperatur 'der Erde 6,50 berechnet, was etwa um 90 C. unter den wahren Wert fällt. Man könnte also w!ohl hoffen, daß die TeMperatitr auf dem! Mars sich tatsächlich etwas höher stellte als der berechnete Wert; daß chber der Unterschied des wahren von dent berechneten Wert zwischen 30 und 400 C. betragen sollte, schien schwer anzusnehmen. Nur der Umstand, daß di« schneebedeckte Umgebung- der Marspole im Sommer verschwindet und dabei das naheliegendeMeer" eine blUU-e Farbe annimmt, die Man nur als von flüssigem' Wasser her­rührend, zn deuten wußte, erhielt den Glauben an eine etwa! ebenso hohe Temperatur auf Mars wie auf der Erde. Um dies Linig-ermatzen begreiflich z« Machen, Mies' ich mtf die Möglich­keit hin, daß die Atmosphäre von Mars große Mengen wörm> schützender Gase, namentlich Kohlensäure, enthalten könnte.

Gegen die Annahme des Vorkommens v-oir großen W-asser- to-er Eisflächen, d. h. Seen mit oder ohne Eisdecke, streitet aber der Umstand, daß man nie eine Spiegelung der Sonne in den günstig dafür gelegenen vermeintlichen Wasserflächen des Mars beobachtet hat. Tie Oberflächen der sogen. Seen Müssen demnach 'als rauh wie Sand' angenommen werden.

IM Januar und Februar 1908 stellte Slip-Her, der in der vorzüglich! ausgerüsteten und günstig gelegenen Sternwarte des eifrigsten Marsforschjers Lowell, arbeitete, Untersuchungen über das Vorhandensein von Wasserdampf in der Marsatmosphäre au. Viels solche Forschungen, wobei man nachsieht, ob das Spektrum des von Mars reflektierten Sonnenlichtes' die Wasserdampf kenn- tzeichuenden sogen. Regenbänder aufweist, waren schon früher an- gestellt worden, und zwar hatten die größten Autoritäten tote Huggins, Janssen und Bogel angegeben, daß ihre Messungen die Anwesenheit von Wasserdampf in der Marsatmosphäre an- deuteten. Man muß dabei berücksichtigen, daß die Regenbänder immer im SvnnMlichtspektruM vorkommen, Mil das Licht auch durch die feuchte Erdatmosphäre gegangen ist. Man vergleicht deshalb das Spektrum des Lichtes voM Mond, in dessen Um- Me-bung kein Wasferdamp-f vorkommt, mit denjenigen des Mars ton- anderer zu untersuchender Planeten. Wenn di« Regenbänder im Marsspektrum stärker hervor treten als im Mondspektrnm, darf Man schließen, daß die Marsluft Feuchtigkeit enthält.

Einige Beobachtungen stritten aber gänz-lich gegen die An- gabetl der genannte« Autoritäten. Sie waren ausgesührt von den Amerikanern Campbell und Keeler, sowie vom Franzosen Marchand, unter den günstigsten äußeren Umständen, d. H-. in mner Atmosphäre, die sehr wenig tont! stjörenden Wasserdampf Enthielt, w'as beispielstveise auf hohen Bergen eintrifft, und mit den besteit instrumentalen Hilfsmitteln. Trotzdem- konntcit diese hervorragenden Astronomen keinen Uttterschied zwischen den Reg-en- bändern im Mond- und Mars-SpektruM auffinden. Die Mn- wvsenheit von merklichlen Wasserdampstuengen auf dem- Mars war Mv recht ftaglich, und damit wurde auch das Vorkommen von Lebe-wesen, deren Existenz Wasserdaurp-f zur Voraussetzung hat, totf diesem' Waneten zweifelhaft.

Slipher kam aber dem bedrohten Verfechter des' günstigen MarsMmas zu Hilfe. Er konstatierte wiederum', und zwar wie -cs schien, durch sehr genaue Beobachtungen, daß die Wasserdampf- itrenge in der Marsatnw-sphäre efrok doppelt so groß war wie in der Nähe der Flaggstaff-Sternwlarte in der Ä-riz-onawüste, wo ter arbeitete. Aus Slip-Hers Angaben läßt es sich berechnen', daß der Wasserdampfgehalt an der Marsoberfläche etwa 2,1 Gramm pro Kubikmeter beträgt. In einem äußerst feuchten, maritimen Klima (mit Wasserdampf gesättigte Lust) entspricht dies etwa 10 Grad C., in einem! sehr trockenen Wüstenklima, demjenigen Moli Galt Lake City in Utah im Svmlmer ähnlichen (31 Prozent Feuchtigkeit) entspricht die genannte Tampsmeuge + 5,3 Grad C.

Di«. Fernrohre wären bei dieser Beobachtung auf die mitt­leren Teile der Mars'schßibe gerichtet, toi» di« Sonne im Zenit stand. Matür-lichmtomse waren diese Ergebnisse nicht sehr erfreulich für die Marsenthufiasten; sie kannten jedoch ihre Ansicht über die Bewohnbarkeit des Mars zur Not aufrechterhalten.

Die letzte Marsnähe im Spätsommer des vergangenen Jahres war ungewöhnlich günstig für die Beobachtung, indem Mars Uns Nicht wieder so nahe fimtint in 17 -Jahren. Tiefe Gelegenheit Würde von bett Marsbeobachtcrn ansgenutzt. So beobachtete Camp­bell das Marsspektrnm von dem höchsten Punkt in den Vereiitigten Staaten, Mount Whitney in Kalifornien (4420 Meter hoch). Er benutzte, Ivie Slipher, photographische Aufnahmen, so daß er in aller Ruhe «ach Rückkehr zum Wohnort die Bilder ausmessen konnte. Er fand keine Spur eines Unterschiedes des Marsspektrums- vvM Mondspektruni bezüglich! der Rcgenbänder. Tie Ergebnisse v-on Slipher erklärt er so, daß Slipher den-Mars etwa um 7 Uhr abends, den Mond dagegen etwa UM Mitternach-t, wenn der Wasserdampfgehält der Luft, w-ie Campbclls Beobachtungen zeigen, Mrntger ist, photographierte. T-iesen Umstand hatte Slipher nicht berücksrchtigt. Es liegt demnach hier ein sehr lehrreiches Beispiel bv« sog. systematischen Beobachtungssehlern vvr.

Ter Wasserdampfgehalt der Luft wär bei CUMpbells Bevbachl- tungen etwa dreimal niedriger als bei denen Slip-Hers. Ich hab« geschätzt, daß der Wasserdmnpfdrnck auf dem Mars nach Camp-