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Da Tont ein BKief y'eule mittag!. Wie eine Antwort e'uf meine hilflose hoffnungslose Stimmung war er:. Eine dringende Einladung von Tilla. jetzt zu ihr zu kommen. Meine gute alte Marse hat ihr heimliK geschrieben.
Ich besinne mich keinen Augenblick. Ich habe schon geschrieben: ja, ich komme.
Einerlei, jwas es ist, wohin! Nur! so eg, weg! Nur ein Ende machen mit dieser Gedaukeugual, die mich auf- zehrt!
5. Oktober.
Ich habe mein Haus bestellt. Marie fährt in ihre Heimat, sie hat vorher alles verpackt, geordnet. Ich habe keine Hand dabei gerührt.
Nur eins. Ich mußte selbst in das verschlossene Zimmer, wo der Schreibtisch stand, auf dem die Papiere noch ungeordnet herumlagen. Das wollte ich keinen fremden Händen überlassen.
Ich habe mit hastigen Händen aufgeräumt, alles Unwichtige ließ ich, wie es lag und stand." Und auf einmal, als ich die blanke, halbleere Schreibtischplatte ansah, auf die durch die Spalte des Fensterladens die Sonne in einer breiten Säule von flimmerndem Staub herunterstieg, packte mich ganz unerwartet eine furchtbare, gewaltsame Sehnsucht. Ich habe mich in den Stuhl geworfen, in dem er gestorben ist, und hab das Gesicht an das harte Holz gedrückt und geschluchzt: „Vater, Vater!"
Es war nur ein Augenblick. Meine eigene Stimme störte mich auf, die so sonderbar in dem großen, unbe- bewohnten Raum schallte. Ich hatte einen gerufen, mit dem ich nichts mehr gemeinsam habe.
Nun bin ich fertig. Sogar dieses Heft bleibt hier. Ich Will den Strich unter die Vergangenheit machen. Ich will nichts mitnehmen, was mich an sie erinnert.
Zweites Auchs
ch Darmstadt, 10. November.
Sie mußten mich heute allein lassen, weil sie zu irgend einem Diner ein geladen sind. Das ist mir ganz lieb. Tie Ungewohnte Aufregung und 'Unruhe der Uebersiedlung vorhin haben meinen armen Kopf doch gleich wieder müde und wirr gemacht.
Fast fünf Wochen, seit ich zuletzt hier war, in Tillas elegantem Gastzimmer., Ich erinnere mich der Tage damals nur undeutlich wie eines verworrenen Traums, die Wirklichkeit verzerrt sich und wird tolle Phantasie. Nur hen Transport ins Krankenhaus weiß, ich noch, diesen schwarzen Magen kästen, gegen den ich mich wehrte, weil ich ihn für einen Sarg hielt.
Dann nichts mehr. Vollständige Dunkelheit. Hin und wieder nur tauchen Gesichter unbegreiflich daraus auf und wieder unter. Ein altes mit einer Drille, vor dem ich Angst habe. Ein paar unbewegliche glatte unter blanken Scheiteln. Der Doktor, die Krankenschwestern. Besonders Schwester Anna mit ihrer gleichmäßigen Gelassenheit. Sie ist der erste feste Punkt in meinem auswachenden Gedächtnis.
Ich kann nur absatzweise schreiben, ich bin noch zu schwach. Immer ein paar Zeilen und dann Feder und Gedanken ausruhen lassen.
Ruhe. Stille. Das war die Quintessenz dieser Kranken- hanswochen. Ich war Kranke erster Klasse und hatte ein Menes Zimmer. Die Wände weiß getüncht, nur ein Kruzifix daran. Schneeweiße Fenstervorhänge. Schnee- werß die Haubenflügel um diese ruhigen, leidenschaftslosen Gesichter der Diakonissen, die auf Filzsohlen schlürften, mit bedeckten Stimmen redeten, mit vorsichtigen Händen mich anfaßten. Jeder Laut von draußen gedämpft und verhalten.
Ich liebte das alles. So hindämmern "im Halbschlaf, ohne zu denken. Was früher war, wußte ich wohl noch, aber es lag irgendwo weit, west weg, wi,e hinter einem großen, schwarzen Wasser.
Morgens und- abends eine ferne, getragene Harmonium- ftimme in meine Stifte herein. Die Andacht im Betsaal Unten. Das waren die Ereignisse des Tags. Und die halbe Stunde, die Schwester Anna an meinem Bett saß, Sie erzählte mir allerlei aus ihrer Arbeit und von den Kranken, die mit mir unter ehrem Dach waren, besonders von den Kindern.
Mir schien das alles so trostlos Und häßlich. "So
ein ganzes Leben zwischen Leiden und schmerzverzogenen Gesichtern. Ich sagte ihr das einmal, da lachte! sie nur behaglich.
. „Häßlich? Man muß es nur von der rechten "Seitx ansehen, Fräulein Weddigen! Das Schöne daran ist eben das Helfenkönnen, das Gutsein mit all diesen armen Seelen. Das macht glücklich."
Glücklich! Ich beneidete sie fast, wie sie nachher mit ihren geschwinden, lautlosen Schritten aus der Tür wischte.
Aber ich könnte nicht auf ihre Art glücklich sein. Ich brauche Schönheit, lebendige, sichtbare Schönheit, nicht nur diese innerliche.
Die letzten acht Tage saß ich im Korbsessel am Fenster, wenn Schwester Anna kam. Stundenlang habe ich von da aus auf den leeren Krankenhausgarten gestarrt, dessen alte, knorplige Birnbäume jeden Tag mehr gelbe Blätter verloren.
Meine Kräfte wollen nur ganz langsam wiederkommen, ich muß wieder gehen lernen wie ein kleines Kind. Tilla sagt mir, daß ich sehr krank gewesen bin. Und die Thphus- rekonvaleszenz soll ja immer sehr langwierig sein.
Sie hat darauf bestanden, daß ich jetzt zu ihr kommen sollte, da keine Ansteckungs- oder sonstige Gefahr mehr vorhanden ist. Ich bin viel zu müde und apathisch, um einen eigenen Willen zu haben. Ich lasse alles mit mir machen.
Ich habe Tilla nur erst einen Augenblick gesehen, ehe sie zum Diner ging, unwahrscheinlich schön in hellblauem Samt und echten Spitzen. Sie küßte mich und war gut zu mir, aber sehr eilig und high spirits. Tas regte mich unbehaglich aus.
Sie fragte, ob ihr Mann mich auch begrüßen dürfte!. Als er hereinkam, kannte ich ihn im ersten Augenblick nicht, die Uniform verändert so. Er merkte es und lachte. „Lassen Sie sich die äußere Hülle nicht anfechten, der Mensch, der darin steckt, ist nicht so — uniform, wie er aussieht."
Gott sei Dank nicht. Er hat mir etwas sehr Sympathisches; ich weiß nicht, woran es liegt, an den Augen oder an der Stimme.
Müde, müde. Muß gleich aufhören zu schreiben. Der Regen prickelt an mein Fenster, das Holzfeuer knattert und zischt. Der grüne Schirm über der Lampe gibt ein mildes, unbestimmtes Licht, das den Augen Wohltat.
Etwas Lebendiges ist auch noch in der Stube: ein feiner, wundervoller Duft, in dem doch schon etwas Welkes! liegt. Er kommt von den paar langstieligen, blaßgelben Rosen, die vor mir im opalisierenden Henkelglas stehen, und die Herr von Berg mir vorhin gab: „Zum Willkommen !"
Müde, müde. Ich will schlafen.
(Fortsetzung folgt.) -
Neues vom Mars.')
Von Svante Art henins.
Unter den Planeten unseres Sonnensystems hat wohl bet Mürs mehr als irgend ein anderer, von unserer Erde natürlich! abgesehen, das Interesse, der Menschheit gefesselt. Ties beruht Var allem daraus, daß sehr viele, darunter einige der größten! Marskenner, wie Flammarion und Lowell, an die Existenz von hoch-intelligenten Lebewesen auf diesem Planeten glauben. Große Vermögen sind zu dem Zwecke vermacht worden, um die Erdbewohner mit ihren vermeintlich überlegenen Kameraden auf dem! Mars in Verbindung zu setzen. Man sah in dem Mars die Verwirklichung des schönen Traumes, der Giordano Bruno (f 1600) zum! Scheiterhaufen geführt hatte.
*) Lebhafter denn je ist der Streit entbrannt über die Wasser-i frage auf dem Mars und das Vorhandensein von sogen. „Kanälen" als Merken denkender Bewohner, seitdem dieser Planet in den testen Monaten der Erde so besonders nahe kam (geringste Entfernung am 18. Sept. 1909 mit 7 800 000 geogr. Meilen). In dieser Zeit ist nun der Mars besonders eifrig beobachtet und photographiert Wörden, und der englische Astronom E. W. Maunder hat auf Grund seiner photographischen Aufnahmen die angeb- EIN. Marskanäle für eine Täuschung erklärt. Auch der amerikanische! Professor Hake ist dieser Ansicht beigetreten. Es wird für unsere Leser von. besonderem' Interesse! sein, die Ansicht von! Pwf. Tr. ©baute Arrhenins in Stockholm über diese Fragen! sinnen zu lernen. Ter ausgezeichnete Forscher veröffentlicht sie, ttt dem nächstens erscheinenden Heft des rühmlichst bekannten Handwecsers für Natnrfreuicde, dem „Kosmas", aus dem lvir sie mxt Genehmigung des Verlages entnehmen.


