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Berlin zurück, um nach zwei WockM wieder nach Teplis zu reifen. Am Wend vor dieser iroeuni Abreise hat der Prinz förmlich! Abschied von Elisa genommen. Die keusche Schönheit dieses Abends im nächtlichen Dunkel des heutigen Reichskanzlergartens enthüllt em Brief Elisas: . Am Tage vor seiner Abreise,
hat er hier gesessen, und den Abend mit uns zugebracht bis nach zwölf Uhr des Nachts, und immer im Garten. Ohne Zwang und Aufsehen haben wir uns da sprechen können, wie ein Bruder mit seiner Schwester spricht. Es war aber doch noch viel schöner! Er gab mir einige Aufschlüsse über sein Benehmen in Schlesien, wovon ich ihm aufrichtig um Rechenschaft gefragt, und er sprach so schön, so herrlich, so ohne irgend einen Anstrich von selbstsüchngcr Liebe, daß ich mich nicht halten konnte, und meine Tranes fielen reichlich auf meine Hände. Ich habe auch nicht versucht, ihm zu verbergen, wie sehr seine Rede mich gerührt, und habe ihm alles gezeigt, was in mir vorging! Diese Unterredung, dieses Wiedersehen hat viel gewirkt und viel Gutes gehabt, meine teuere Luln! Er ist mir noch viel werter geworden in dieser Kerzen, Zeit, und fest ist der Vorsatz in mir eingewurzelt, allen Stürmen zum Trotz sein Angedenken und meine Treue ihni im Herzen zu bewahren! Er hat sich mit mir aussprecl-en können und hat von mir selbst erfahren, was er nur durch Mamas Versicherungen! kannte! So haben wir uns mit tausend Tränen und vielem Weh, aber doch nicht ohne ein kleines Fünkchen Hoffnung ge-, trennt." „
Noch einmal, im Jahre 1823, wurden die Verhandlungen! über die Zulässigkeit der Verlobung der beiden Liebenden auf-, genommen. Prinz Wilhelm hatte im Dezember mit dein König eine Unterredung, die „sehr heftig" verlief, so daß er „iede! Hoffnung schwinden sah". Nach drei Jahren der schmerzlichstes Trennung trafen sich die Liebenden wieder. „Da führte ihn, schreibt Elisa, „Papa herein Seine Tritte hörte ich, ehe er ein trat, aber nicht seine Stimme. Er flog auf Mama zu, nachhep gab er mir die Hand. Wir zitterten heftig, aber geweint haben mir, glaube ich, nicht. Wir haben uns auch umarmt, aber ganz wie sonst. Die ersten Worte, die er herausbrachte, waren: „Nach drei schweren Jahren der Prüfung." Deine Freundin war ganz! stumm, mein liebster Schatz, und konnte dann erst wieder sprechen, nachdem sie sich im anderen Zimmer ans geweint.....Ich bitt
unaussprechlich glücklich! das ist genug!"
Das Schicksal hat die Verbindung der zwei Menschen, die sich so treu geliebt, nicht gewollt..... „Er hat aus Pflicht des!
Königs Wunsch erfüllt", so schrieb der Vater Elisas, Fürst Radziwill, im Jabre 1829. Prinz Wilhelm führte die Prinzessin Augusta von Weimar heim, und auch Elisa lädjielte noch einmal ein furjer Liebesfrühling, bis eine tückische Krankheit sie vott dieser Erde fortritz. . . .
Mit dem Lasio auf der Nashornjagd.
Kurz nachdmi Roosevelt die afrikanischen Jagdgefilde ver- lassen hatte, traf ans der Stätte, wo Teddy seine großen weid- männischen Triumphe geerntet hatte, ein anderer amerikanischer Jäger ein: Colonel C. I. Jones, der berühmte „Buffalo Jones", der es sich zum Grundsatz gemacht hat, kein Tier z u töte n, es fei denn in Notwehr. Er war ausgezogen, um im scywarzen Weltteil seine neue Jagdknnst zu erproben: nur mit dem Lasso ausgerüstet, wollte er Löwen und Nashörner fangen. Der Plan, der damals viel Aussehen und auch Kopsschütteln erregte, ist vollauf geglückt, und mit einer ganzen Menagerie lebender wilder Tiere konnte Buffalo Jones wenige Monate später Afrika verlassen. Ein Teilnehmer jener seltsamen Jagdreise, der Amerika ucr Gun H. Seull, gibt nun in der Weihuachtsnummer des Strand Magazine einen fesselnden Bericht über den Verlauf des eigenartigen Unternehmens und schildert dabei auch den Fang des erstell Nashorns mit dem Lasso. Von Nairobi ans war bte Expedition in das Innere Afrikas vorgedrungen, doch war es nicht gelungen, auf einen Löwen zu stoßen, und der Jagdeifer der verwegenen Lassowerfer anS Wild West mußte sich einstweilen mit Giraffen, einem Elentier und einem Tschita, einer Abart des Leoparden, begnügen. Bis eines Tages das Lager durch eins aufregende Meldung alarmiert wurde; der Jagdgefährte Löveles brachte die Botschaft: „Der Oberst kam eben an den Abhang und faate, brauten liege ein Nashorn. Er ist wieder fort, um Wachs zu" halten." Im Nu war alles aus den Beinen, der Photograph Kearton, der tollkühne Schotte, der mit seinen kinematographischeN Apparaten überall dabei war, packte hastig seine Kamera aufs Pferd, und schweigend, von gespannter Erwartung erfüllt^ brach man auf. Plötzlich sah man den Oberst auf tauchen. „Still!" flüsterte er, „dort unten, kaum hundert Meter entfernt. Seid ihr bereit?" Alle waren es. Die Lassos ivurben vom Sattel genommen, Kearton sprang ab und kroch mit seiner großen Kamera durch das Gras. „Erschreckt es mir nickst, ehe ich meinen Apparat in Ordnung habe, ich winke mit der Hand," Man sah nichts von dem Nashorn, die Büsche verwehrten den Ausblick, eine glühende ssaitze lag über der Landschaft. „Wir sahen, wie Kearton feinen Apparat ausstellte und sorgfältig mit dem Taschentuch die Linien abrieb, dann ein Wink, Colonel Jones stieß einen Schrei aus, und sofort sahen wir im Grase ein mächtiges Nashorn auftarnchrn Die Reiter ritten ihm entgegen, mit überrasckMder Schnelligkeit! machte das Ungetüm kehrt und entschwand im Tal." Nun begann eine wilde Hetzjagd. Nach drei Weilen endlich kommt KM Muse;
Prinz Wilhelm von Preußen und Prinzessin Lltsa Radziwill.
Elisa Radziwill, — ein vielgenannter Name und doch bis Heule keine greifbare Gestalt. Man sprach von der Prinzessin als von der Jugendliebe Kaiser Wilhelms I. und hatte damit den Inhalt dessen, was man von ihr wußte, erschöpft. Haben verschiedene Veröffentlichungen in den letzten Jahren so maiiche Aufklärung über das Wesen und die Persönlichkeit der Prinzessin geliefert, und sind auch insbesondere ihr Seelenleben unb ihre Beziehungen zum nachmaligen großen Kaiser in das Licht der Forschung gerückt worden, !— jetzt erst empfängt man Einblick in das Drama, das die Liebe des Prinzen Wilhelm zu Elisa und das Scheitern eines schönen Lebenstraunies in sich birgt, soeben erscheint nämlich ein Werk „Elisa Radziwill. Ein L eben in Liebe und Leid", unveröffentlichte Briefe der Jahre 1820 bis 1834, herausgegeben von Dr. Bruno Hennig, im Verlage von Ernst Siegfried Mittler und Sohn in Berlin; diese Briefe und der! sie verbindende Text enthüllten in der Tat das große Geheimnis, das bisher sich um die Person der unglücklichen Fürstentocksteü gerochen hatte. Was bisher noch zweifelhaft roar, — ob die Prinzessin die starke Siebe des Prinzen Wilhelm auch erroibert hat, — «s wird zur Gewißheit. Denn in ben nun vch-öffentlichten Briefen an ihre vertrauteste Freundin, an die Gräfin Sulu stosch, geborene v. Kleist, spiegelt sich das zarte Liebesleben der Pnnzeftin Elisa wider, alle Wonne und das bittere Leid, das die Trennung von dein Prinzen ihr zugeftigt hatte. ,
Prinz Wilhelm ist im Hause Radziwill schon aus- und ein- gegangen, als Elisa noch Kind war. Er, der fast aus den Tag genau so alt war wie der älteste der Radziroillschen Prinzen^ fand dort, was er im eigenen Vaterhanse entbehren mußte, — ein reiches glückliches Familienleben. Der Mutter der Prinzessin, seiner Tante, gehörte seine Verehrung schon lange, ehe die Tochter feine Blicke auf sich gelenkt hatte. Man sah fidji, wenn die Radzi- tvills in Berlin waren, wohl nahezu täglich, unb Elisa reifte in diesem harmlos fröhlichen Umgang vom Mädchen zur Jungfrau! heran, ohne jemals andere Empfindungen als die guter Kamerab- schaft für irgenb einen der Königssöhne zu hegen, die in ihrem Eltern hause verkehrten. „Wenn er nicht angefangen hätte mich Mi lieben, würbe ich nie einen Unterschied zwischen ihm unb feinen Brüdern gemacht haben", hat sie in einem späteren Rückblick auf die Anfänge ihrer Siebe gesagt. Zu der gleichen Zeit aber, in bet die Briefe Elisas und ihrer Mutter erkennen lassen, baß mast des Prinzen Neigung verstanden hatte, wird aus dessen Briefen! ersichtlich, daß er seine Neigung zu bekämpfen suchte. Das streng« Pflichtgefühl, das den Königssohn auch in seinen allerpersön, kichsten Empfindungen band, hat das Glück dieser reinen Siebet -schon in den ersten Anfängen gestört.
Auf einem gemeinsamen Ausflug nach Freienwalde war es Elisa zuerst zum Bewußtsein gekommen, daß Prinz Wilhelm sie liebe. In dieser Zeit der jungen Liebe sind die Beziehungen der beiden noch frei von starker Leidenschaft. Auf der Seite des Prinzen ist zunächst ein Geftihl warmer Zuileigung für die Tochter einer hochverehrten Fürstin seines Hauses vorhanden, auf ihrer, Seite noch weniger als das: Ein gehobenes Selbstgefühl der Siebzehnjährigen, unschuldiger Stolz über die Aufmerksamkeiten des Königssohnes. Später, voir einer Reise nach Schlesien, schreibt sie der Freundin: „Prinz Wilhelm fand ich — m Sandeck — fei einer munteren Gesellschaft. Wilhelm roar gut und freundlich wie sonst . . ." Zwei Tage nachher: „Prinz Wilhelm . . . war so sehr gut unb herzlich, als wir schieden, daß ich nicht vhns Wehmut daran denke. Gewiß, er liebt mich recht herzlich — über das übrige will ich kein Urteil wagen, sondern stelle Gottes Fügung alles anheim." Unb bann: „Als wir in Lanbeck voneinander schieden, begleiteten wir ihn bis Kuiizendorf. Er war so bewegt, er weinte so heftig, daß es mich innig rührte und ich« mir sagte: Kann er so um mich weinen?" An anderer Stelle heisst es in demselben Briefe: „Prinz Wilhelm schreibt, miet sonst, recht ausführliche, lange Briefe."
In damaligen ^Briefen aus Posen klagt die Mutter Elisas Über das „Gerwe und 6)eSafe" einer „Klatschenden kleinen Welt wie die hiesige" und erzählt einer Freundin, sie habe sich jetzt sehr ernsthaft verbeten, „Anspielungen auf Dinge zu machen, hon denen nicht die Rede wäre". Aber während Elisa sich im Saufe des Jahres 1821, wohl bestärkt durch die gewaltsam reservierte Haltung des Prinzen, zur Ruhe und Entsagung durchge- kämpft zu haben scheint, war Prinz Wilhelm im Sommer „mit stärkeren Gefühlen geschieden" als jemals. Nun folgten schwere Tage, beim wenn der König in die Verbindung des Prinzen mit der Prinzessin Elisa Radziwill einroilligen sollte, so mußte vorher die Ebenbürtigkeit der Familie Radziwill festgestellt fein. Schwere Tage waren es für beide Teile! Die Fürstin und ihre Tochter haben noch später mit Schrecken und Bitterkeit an diese Tage der "Recherchen des Hausministeriums" gedacht, die nicht anders als kränkend unb bemütigenb wirken konnten, weil sie schließlich! doch die vom Hausmiiiisterium wohl schon von vornherein nie bezweifelte Unebenbürtigkeit ergaben. Prinz Wilhelm war nach der Entscheidung ans Berlin geflohen. Ein Vierteljahr lang reifte er, von leidenschaftlichem Schmerz erfüllt, ja bis zur physischen Erkrankung niedergebrochen, am Rhein und in den Niederlanden Mptjer» Ktz Als. König ks .ausdrücklich feefaffit kehrte er Mch


