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Schloß Beamtenwohnnng, 1826 iuutb'e cs verkauft und abgebrochen. lieber die Gründung des Schlosses berichtet die Sage folgendes: Ein weit von Ulrichstein wohnender Graf überredete. Uw das nötige Geld zum Schloßbau zu erhalten, seine Mutter zum Flüssigmachen eines Kapitals mit dem Versprechen, hier eine Kirche erbauen zu wollen. Als nun die Mutter eines Tages heimlich, um den Sohn zu überraschen, in Ulrichstein ankam und ihr der Graf seine Bauten zeigte, rief sie aus: O Ulrich, was Steine! Der Sohn aber antwortete: Moles Stein! Daher die beiden Namen der Burg. Noch geringer sind die Reste des Schlosses Romrod, welches Landgrafen und Großherzögen als Jagdschloß diente. Der Kirchberg bei Wittelsberg, als Grenzhügel zum Ebsdorfer Grund anzusehen, trägt neben der .romanischen Kirche eine alte „Warte", die einer hessischen Besatzung oder Wache als vorgeschobener Verteidigungspunkt diente und mit Wall und Graben umgeben ist. Auch die Burg zu Ranisch - H o l z h a u s e n hatte früher einen sie umschließenden Wassergraben. An deren Stelle hat der jetzige Besitzer, Botschafter a. D. Freiherr von Stumm, in den Jahren 1873—1875 ein prächtiges Schloß „Neupotsdam" mit großartigen umgebenden Parkanlagen aufführen lassen. Der damalige Kronprinz und spätere Kaiser Friedrich III. hielt int Herbst 1878 und später noch einmal 1884 bei dem Schloßherrn Einkehr. In dem Schloß fanden Uuch die Geländersäulen Aufstellung, welche zu dem' durch Landgraf Wilhelm III. von Oberhessen (1483—1500) errichteten Wil- helmsban am Marburger Schlosse gehörten. Die Stammburg der Schenken zu S chw e i n s b e r g ist erbaut um das Jahr 1230. Durch eine ungeheure, von den Kaiserlichen veranlaßte Feuersbrunst wurde 1635 das Städtchen mit der Kirche und die Burg zerstört, und nur zwei kleine Häuschen blieben verschont. Nochmals fielen diesem Element 1568 über 60 Gebäude zum Opfer. 1646 wurden die Befestigungswerke geschleift. Tie Stadt zählte 1885: 839, 1895: 844, 1900: 789, 1905: 780 Einwohner. Als eine der schönsten Burgen unseres Hessenlandes, von schönen Parkanlagen umgeben, thront die ictzige Burg auf dem Gipfel des Hügels. Durch ein eisenbeschlagenes Tor gelangt man in das von dem Torwart bewohnte Gebäude. Von den auffallenden Rundtürmen sind zwei Geschütztürme von großer Ausdehnung zu erwähnen. Tas höchste Interesse lenkt sich dem Beschauer auf das dreistöckige Prachtgebäude, gedeckt mit einem steilen und durch Dachlucken belebten Schieferdach. Besonders freundlich nehmen, sich die an die vier Ecken des Palastes aufgesetzten Türmchen aus. Die Ringmauer der alten inneren Burg ist noch vorhanden. Wegen der Berührung seiner Besitzer mit dem 'Ohmgebiet soll auch hie Burg Nord eck nicht unerwähnt bleiben; ist sie doch größtenteils erhalten. Hinter der Ringmauer steht der runde Bergfried, während der Grundriß der oberen Burg annähernd ein Quadrat' bildet. Schon im 14. Jahrhundert stand in Schönstadt eine Wasserburg. Das heutige Schloß der Frau Dr. Lucius war bis .1890 Sitz der Familie Milchling von Schönstadt,
Heber Schattenspiele.
Bon Alexander von B e r it tt §.*)
Seit die „Schwabinger Schattenspiele" int Herbst 1907 in München ihre erste Aufführung gaben, ist über diese neue Kunstart viel geschrieben worden, über die Schattenbühye und ihre; Möglichkeiten, über das hier Wirksame und Eigentümliche, meist von den irrigsten Voraussetzungen ausgehend, so daß einnral sogar im Ernst behauptet wurde: man sek auf falscher Fährte, die Schattenbühne könne niemals ein Ersatz der großen Bühne werden. Als ob so etwas je gedacht, geschweige denn je geschrieben worden sei! Das gerade Gegenteil hat zu dem Schattenspiel geführt, so wie es jetzt besteht und einzig Dauer haben kann, nämlich die völlige Entfernung von allem heut Gegebenen, am meisten vom Theater, das mit dem Dichterischen schon seit lange fast nichts mehr gemein hat.
In dem „Jahrbuch für die geistige Bewegung", herausgegeben von Friedrich Gundolf und Friedrich Wolters (Berlin, Georg Bondi, Frühjahr 1910), ist in einem stilistisch und inhaltlich gleich meisterhaften Aufsatze von Berthold Valleutin „Zur Kritik des Fortschritts" dies gesagt: „Die Dichtung, die gilt, ist längst aus den zahlbaren Abendunterhaltungen gewichen und gehört sich und dem Kreise an, der ihr sichere Bedingungen eines reinen Wachstums gewährleistet. Hat sie keine Bühne, braucht sie keine Bühne. Braucht sie eine, wird sie sich eine schaffen." Hier ist ausgesprochen, was seinerzeit die Begründung der „Schwabinger Schattenspiele" nötig machte. Ein neues Dichterisches brauchte eine nnmittelbare Ausdrucksform und schuf die heutige Schattenbühne. 1 •
Damit ist zugleich 'der grundlegende Unterschied zwischen dieser und dem orientalischen, sowie allen andern, dem französischen und dem frühem Schattenspiel der Jahrmärkte gekennzeichnet. Letzteres steht uns heute noch am nächsten, wiewohl wir jtitr mehr wenig davon wissen, doch hat es etwa seine Parallelx-
*) Aus dem ersten Septemberhefte der bestens bekannten Halbmonatsschrift „Das literarische Echo" (Herausgegeben von Mr. Jofef Ettlinger, Verlag Egon Fleischel u. .Co., Berlin).
erscheinung int volkstümlichen Puppenspiel, das jedoch weit verbreiteter und viel beliebter war, schon darum, weil es mit bett gröberen Mitteln wirtschaftete und in ganz anderer, Weise beinj einfachen Geschmack entgegenkam. Auch die künstlerische Marionettenbühne wartet der Erweckung — die äußeren und mechanischen Ansätze und Vorbedingungen sind sämtlich da, allein bloß aus der noch so sehr vervollkommneten Techutk mit Drehbühne und Kunsthandwerk kann die gültige Erneuerung niemals! erfolgen, sondern einzig aus der Neubelebung durch den Dichtor, Das orientalische Schattenspiel hat uns ganz fremde Ursprünge, und unsere Beziehungen zu ihm sind durchaus äußerlich, dem< jene Kunst ist unseres Wesens nicht. Das Schattenspiel in Frankreich, wo es seit über hundert Jahren ohne Unterbrechung fortbesteht, kommt dagegen vom rein Zeichnerischen her; das zN dem Bild Gesprochene ist meistens bloß ein Nebenbei. Mondscheinsilber auf Wasserspiegeln mit Tiefenwirkung (das einzig Falsche, denn das Schattenfpiel ist flächcichaft), Karikatur puh Tagsatire sind dort das Wesentliche.
Die Geschichte des Schattentheaters' ist vor einigen Jahrenj zum erstenmal geschrieben worden von Prof. Georg Jacob (Erlangend in seinem sehr übersichtlichen Und wohlzulesenden Buch „Geschichte des Schattenthcaters". — Der Einzige, der sah, wie sich das Schattenspiel entwickeln müsse, war Justinus Kerner.^ Das Gefühl dafür lag, lvie überhaupt 'für vieles heute jerst Verwirklichte, in der Romantik. Doch brachte sie auch hier nicht die Vervollkommnung, nicht einmal eigentlich die Anfänge. Nur Kerner fahndete und fand', und ihm gelangen Dichtungen, bist wirklich aus dem Schattenhaften staMmen, die unheimlich und nächtig sind, doch er versagt beim letzten dichterischen Ausgestalten. Allein vom Dichterischen kant er zweifellos dazu, und hierauf kommt es an. ' . i i
Was sich im heutigen Schattenspiele ausspricht, ist der besondere Ton, der so und anders nicht laut werden kann. Ep braucht das Schattenbild, weil dies das Unwirklichste ist, das Körperlose, das ineinanderfließen kann mit Wort und Rhythmus. Das gilt nicht nur für das Verwunderliche, Tiefe, sondern auch für das Luftige und Leichte, denn aus dem Vers allein kommt die Bewegtheit; und so hat die Voraussicht sich bestätigt: haß
überall, wo eine Wirkung bloß vom' Bildhaften oder von der
Handlung und dem Vorgang abhängt, diese niemals nachhaltig noch ernsthaft ist. Nur darum war es möglich, daß das iteitei.
Schattenspiel so wirken konnte, wie es geschah, weil hier eilt!
eigenes Dichterisches seinen reinen Ausdruck fand. Vielleicht verstehen nun auch manche, die das Schattenspiel erlebten und genossen, doch von der „monotonen Art des Vortrags" sich befremdet fühlten, wie sehr sie eines mit dem Ganzen ist, lveil „auf sp gesanghafte feierliche Weise Poesie vorgetragen werden müsse", wie einmal Jean Paul zu Platen sagte. So ist es, und so wav es immer., ____________
humoristisches.
* Eine schlaue Köchin. Geheimrats Minna ist schlatN so oft ihr Schatz, der Chauffeur, bei ihr in der Küche war, putzt sie, damit der Geruch nicht auffällt, ihre Handschuhe mit Benzin!
* Gemütlich. Sachse (der aus Notwehr einen Räuber angeschossen hat): „Ach herrcheses, ich hab' Sie wohl wetz g e t a n?" i
Arithmogrlph.
1 2 6 8 deutscher Dichter.
2 112 Nebenfluß des Po.
3 2 5 4 2 8 ein Gewürz.
4 2 1 Teil eines Wagens.
2 8 1 7 8 Gebirge in Amerika.
1 2 8 2 7 mythologischer Name.
5 2 3 2 8 ein Vogel.
2 8 8 2 weiblicher Vorname.
6 7 5 7 wird zur Bereitung von Backivaren benützt.
4 2 5 5 ein Komponist.
7 4 17 ein Planet.
8 7 2 8 1 7 4 Kirchenhistoriker.
Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter bezeichnen der Reihe nach, von oben nach unten gelesen, einen gesunden und nützlichen Sport.
Auflösung in nächster Nummer.
H. pA
9)1. trZ H. trB M. trA H. cB
V. p8 9)1. pB
V. p7
M. carB
V. c9
Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer: Abkürzungen: tr = Treff, p = Pique, c — Coeur, car — Carreau, trB — Treff-Bube, pA — Pique-Aß, cD Coeur-Dame n. s. f.
und carK; Vorhand erhielt: p8, p7, . car8, ear7, Hinterhand den Rest. — M. pZ H. pA
_ . M. pv
Tie übrigen Stiche erhält Hinterhand; somit ist Mittelhand schwarz geworden.
Mittelhand drückt carZ c9, c8, c7, carA, carD, car9, Spielgang: 1. V. carA
2. H. trK 3. V. carD 4. H. trD 5. V. car9 6. H. pK
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»


