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1910 Nr. \\1

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Das schlafende Heer.

Roman von Clara Biebig.

^Fortsetzung.) (Nachdnick verboten.)

Zwischen ihm und Stasia war immer ein Mißverstehen. Ititb sie hatten sich doch ailch so lieb, wie sich die Eltern hatten o nein, noch viel tausendmal lieber, denn sie waren ja noch so jung! Noch kein Jahr, noch kein einziges Jahr miteinander verheiratet! Er fühlte noch dasselbe Wegehren in sich, das in ihm gebrannt, als er sie zum Mltar geführt hatte.

Stasia, Stasia!" Er stöhnte auf in der Nacht und schlug die Fäuste gegen seine Stirn, auf der Schweißtropfen standen. Was hatte er angerichtet?! Nun war sie böse mit ihm auf immer?! Sie hatte der Michalina 'gesagt, man solle ihr andern Tags ihre Kleider und Sachen schicken; er hatte die zurückbehalten, denn er hatte gehofft, dann würde sie danach kommen, oder ihr Baler wenigstens würde kommen, oder eilt Bote oder ein Brief. Aber nie­mand war erschienen. Nein, sie wollte wirklich nichts mehr von ihm wissen, es war nicht nur eine Rederei, pinn saß sie drüben bei ihren Eltern und er saß hier! Und Mischen ihnen lag das Tupadlo.

Ob sie sich wohl um ihn grämte, wie er um sie? Das hätte er gern gewußt. Aber hatte er beim je gewußt, woran er mit ihr war?! Oft hatte er ihr sehnsüchtig in die Augen geschaut, aber sie hatte weggeguckt. Wie ging's nur zu, Vater und Mutter verstanden sich doch mit einem Blick, die Stasia mußte man erst immer fragen und fragen, und dann hatte sie doch noch oft den Kopf geschüttelt:Nie irozumiem po niemiecku!"

Wer wollte ihr einen Vorwurf daraus machen?! Sie verstand eben wirklich nicht deutsch, wohl die Sprache, o, die Sprache ganz gut! aber das andre, all das andre, was sich nicht sagen läßt, nicht!

Sich irrt Bett aufsetzend und den Kopf zwischen beide Hände nehmend, hatte der arme Junge ganz verwirrt um sich geschaut. Wenn er nur wüßte, woran das lag, daß sie nicht zum Glück kommen konnten, zum friedlichen Glück? Hatte er ihr nicht gern was zuliebe getan o, so vieles! Hatte sie ihm nicht was zuliebe getan? O, auch! Be­kreuzten sie sich nicht vor demselben Gott? Gewiß! Und waren sie nicht verliebt miteinander? Das sicher! Und trotz allem und allem eins waren sie darum doch nicht!

Und das peinigte. Das hatte Valentin gepeinigt fast vom ersten Ehetag an, das peinigte ihn auch jetzt mehr als die Eifersucht auf Szulc. Diese Eifersucht war ja töricht begreiflich zwar - aber zu töricht doch! Die Stasia ihrem Walenty untreu sein?!

Und Stasia tauchte vor ihm auf rin Dunkel der Nacht fc silbrig und seidig schimmerte die blonde Tolle, dar­

unter blütenzart ihk weißes Gesicht. Mit brennendeck Augen starrte er sie an: sei doch gut, komm wieder, jvtr wollen nun glücklich sein! Sie lächelte und nickte sprang er aus dem Bett. Wenn es nicht Nacht gewesech wäre, die .Hähne in den Höfen nicht erst zum ersten! Mal gekräht hätten, er wäre zu ihr gelaufen. Ja, er wollte sie zurück holen! Das Miteiuanber-böse-sern war dummes Zeug! Sie sollte wiederkommen, sie mühte wieder» kommen, dann wurde alles gut! #

Und so hatte er sich aufgemacht gleich andren Tags. Wie ein Liebender war er gegangen, der um die Braut werben will. Beim Tupadlo ftttg er an, Trab zu lausen. Ihn ärgerte der weite Bogen, den er machen mußte, denlfl nah, ganz nah winkte hinter den Kusseln die Försteret, und smaragdgrün, mit weißen Rosen besternt, glänzte freundlich die Wiese zwischen ihm und dem Waldrand drüben. Aber nur die Torfgräber, die vergangenes Jahr hier Torf gestochen hatten für Chwaliborezyee, kanntest vielleicht die sichere Furt.

Seufzend gab er sich drein, dem Umweg zu folgen.

Schon vor der Tür der Försterei traf er den Schwieger­vater. Freundlich war die Begrüßung nicht.

Wo ist Stasia?" rief Valentin'atemlos, r

Nicht da!"

Sie ist doch da!" Das sollten sie ihm nicht wieder vormachen wie damals!Ich will mein' Frau holen," sagte er trotzig.Sie soll nach Haus kommen!" Er wollte am Schwiegervater vorbei in die Tür eilen.

Aber der Förster stellte sich breit vor: das wäre! Frech sein wollte der Schwabb jetzt noch, nachdem er seine Tochter so gekränkt hatte?! Die blieb vor der Hand hier. Später würde sich's finden. Da mußte der Ehemann mal erst ganz andre Saiten aufziehen, bis die versöhnt war. Beleidigt war die o! Und Frelikowski hätte die Hände erhoben und sich dann den langen Bart gestrichen mit mr- nahbarer Miene.

Da hatte sich der Schwiegersohn aufs Bitten gelegt/ treuherzig die Hand des Vaters ergreifend: es tat ihm ja so leid, daß er die Stasia gekränkt hatte, bitter leid! Ja, er hatte unrecht, er wollte auch gerne alles, alles tun, sie zu versöhnen! Nur versprechen müßte sie ihm, nicht mehr mit bent Inspektor, bent polackischen Szule, zu tuscheln nicht, baß er was Böses dabei dächte, nein, er vertrug's nur nicht! Das war doch ein Kleines, daß sie ihm das versprach.

Aber Frelikowski hätte die Achseln gezuckt: vorschretben ließ sich die Stasia nun einmal nichts. Mit der Zeit vieli leicht würde wieder Einigkeit kommen; die Stasia war jaj fromm, die ging fast alle Tage zur Kirche!

So tröstete er den Betrübten. Und dann 'versicherte er dem Schiviegersohu, daß er, der gute Schwiegervater, indes kommen wurde, ihm ah und zu Knude zu bringen von der Stasia.