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Wägungen, um diese beiden jungen Menschen zueinander zu führen. Wie er als SVinb durch übermütige Lannen die Pedanten .entsetzt hatte, so war auch sie noch als Backfisch mehr als einmal vbenteuerlustig dem gemessenen Gespräch der Erwachsenen enteilt, war hinausgestürmt zu ihren Brüdern in den Garten, |um mit ihnen zu tollen und zu scherzen, Ivie das das Recht gesunder Jugend. Eine Jugendfreundin erzählt von ihr, wie sie einmal aus dem Salon schlich, draußen auf dem Rasen ihre Brüder fand und nun mit einer Gartenspritze ihre Spielgenossen herzhaft duschte, bis die entsetzten Erzieherinnen ihr das mißbrauchte Gerät aus den Händen rissen und der unschuldig Erstaunten klar machten, daß einer Prinzessin nicht das Recht auf solche übermütigen Belustigungen zustehe.
Im Juli des Jahres 1893 trat Prinz Georg mit Mart) von Teck vor den Altar. Er zählte 28 Jahre, feine junge Frau war 2y2 Jahre jünger. Alle Voraussetzungen zu einer glücklichen Ehe waren gegeben; selbst die kritische englische Aristokratie betrachtete gleich dem Volke dieses Ehebündnis des künftige"^ Königs als glückverheißend und die Zukunft hat dies vollauf bestätigt. Zn der Liebe gesellte sich eine rege geistige Wechselwirkung und der Beiden gemeinsame Ernst, niit dem sie ihre Lebensaufgabe betrachteten. Königin Martz hat in ihrer Jugend längere Zeit in Italien geweilt, ihre Erzieherin, die noch heute ein lieber Gast im Hause ist, erzählt von dem Wissenseiser der jungen Prinzessin, der die Aufgaben ihrer Lehrer nie genügten Und die trotz aller Erzieher im Grunde Autodidakt ist. Sie war auch „University Extension"-Schülerin in Richmond. Schon als junges Mädchen reizte sie weniger die gewöhnliche Romanliteratur, als die Werke von höherem gedanklichem Interesse, Earlhle, Emerson, Macaulay, Lams, Molisre, Goethe und Dante, das waren schon damals ihre Lieblingsschriftsteller, wie sie es noch heute sind. Sie ist teilte begeisterte Anhängerin per Musik und von jeher hatj sie .ein lebhaftes Interesse für das Theater gezeigt. König Eduard pflegte sie oft lächelnd „unseren Musik- und Theaterkritiker" zu nennen, und in London fehlt sie fast nie bei einer Erstaufführung von literarischer Bedeutung, wenn sie gerade in der englischen Hauptstadt «anwesend war. In den Hofkreisen gilt sie als eine gründliche iKennerin der Theater- kuust und aller Theaterverhältuisse und gewöhnlich war sie es, die die Stücke answählte, die bei den Ausführungen bei Hofe oder bei Fcstvorstellungen gegeben werden sollten.
Wohl kein Herrscherpaar Europas hat gemeinsam so weltumfassende Reisen znrückgelegt, wie das neue britische Königspaar. Denn mit dem Äufgeben der Marinelaufbahu war die Wanderzeit König Georgs nicht beendet. Die große Reise, die der britische Thronfolger mit seiner Gemahlin vor 5 Jahren nach Indien unternommen hat, ist ein Ereignis von weittragender Bedeutung geworden, dessen politische Folgewirkungen von den Kennern der Verhältnisse außerordentlich hoch bewertet werden. Es war kein leichter Entschluß, den die damalige Prinzessin von Wales faßte, als sie beschloß, ihren Gatten auf dieser anstrengenden fast einjährigen Reise durch alle Gebiete Indiens zu begleiten. Das Mutterherz konnte sich nur schwer von Iden geliebten Kindern losreißen. Die sorgerwolle Mutter mußte wohl unter Tränen lächeln, als ihr beim Abschied die kleine Prinzessin Martz tröstend zuflüsterte: „Mach dir keine Sorgen, Mama, id:t werde schon auf uns achtgeben." Aber den Eindruck, den das persönliche Erscheinen des künftigen Herrscherpaares bei der indischen Bevölkerung machte, hat das Opfer ausgewogen. Die indischen Fürsten haben es nicht vergessen, daß der heutige König und die heutige Königin sic damals als Freunde besuchten: in den Hindukreisen spricht man noch heute von dem tiefen Eindruck, den diese Reise auf das indische Volk gemacht hat und die indischen Frauen nennen die Königin heute nur noch ihre „Schwester", gerührt durch das Opfer der Mutter, die ihre Kinder Tausende von Meilen von sich «entfernt zurückließ, nm ihre indischen Untertanen zu besuchen.
vevmrschtes.
* Der Gattin i n den Tod gefolgt. Der Abgeordnete Guido Pompili, der frittiere Unterstaatssekretär int Ministerium des Neustem, hat sich, wie aus R o m gemeldet wird, kürzlich in einer Privatklinik erschossen. Den Grund zu dieser aufsehenerregenden Tat bildet der Tod seiner Gattin, die in der Nacht zuvor nach langer Krankheit gestorben ist. — Einer aus- führlicheren Meldung entnehmen wir noch folgendes: Seit einiger Zeit befand sich die in der literarischen Welt Italiens sehr ge-, schützte Dichterin Vittoria Aganovr Pompili, die Gattin des früheren Unterstaatssekretärs des Auswärtigen unter Tittoui, Guido Pompili, in der Klinik eines römischen Frauenarzttes. Dieser Tage mußte fid) die Dichterin einer schweren Operation unterziehen, der sie erlag. Der Gatte war über den Tod der heißgeliebten Frau untröstlich, raffte sich dann aber auf und traf alle Anordnungen für die Bestattung. Dann schloß er sich im Zimmer, wo die Tote aufgebahrt war, eilt und jagte sich eine Kugel durch den Kopf. Herbcieilende Krankenwärter fanden ihn Mar noch lebend, aber nach wenigen Augenblicken verschied er mit den Worten: „Wie bist du schön, Vittoria!" Der tragische Tod der Ehegatten hat in weiten Kreisen «erschütternden Eindruck
hinterlassen, da beide in Italien außerordentlich bekannt tittS beliebt waren. Die Stadt Perugia, wo Pompili Ehrenämter bekleidete und auch begütert ist, beschloß öffentliche Trauer. Vittorig Aganoor, die Frau Pompilis, war eine venezianische Armenierin, Ihre lyrischen Dichtungen,, die sich durch glänzende Form ans- zeichnen, wurden seit 1900 in weiten Kreisen bekannt. Guido Pompili war auch italienischer Delegierter bei der «letzten .Haager Konferenz. Wahrscheinlich aus Schreck über den Tod seiner Kinder starb in Portici der Stiefvater Pompilis, der Schulrat Palmucci, ■ * Das Wetters ü h l e n. Den Einfluß des Welters auf die Stimmung hat wohl schon ein jeder einmal an sich selbst beobachtet. Manche Leute haben schon dann unangenehme körperliche Entpfindungen, wenn ein Witterungswechsel bevorsteht. Besonders Rheumatiker und Nervöse suhlen deutlich „es wird anderes Wetter". Dieses „Wettersühlen" wurde nun gelegentlich des Mitte April in Budapest abgehaltenen balueologischen Kongresses von Dr. Farkas zum Gegenstand eines interessanten Vortrages gemacht. Dr. Farkas bezeichnet aus Grund langjähriger Erfahrungen das „Wettersühlen" als eine selbständige Krankheit. Es besteht dabet eine eigenartige Empfindlichkeit, bezw. eine zuverlässige Vorempfindung gewisser Individuen in der Art, daßKopfweb, Unterleibsschmerzen, Schmerzen in den Beinen, Durchfälle, Müdigkeit, Hiniälligkeit und eine geistige Niedergeschlagenheit 24 bis 36 Stunden vor dem erwarteten Witternngsnmschlag sich einstellen. Dieser ausgesprochene Zustand des „Wettersühlens" ist nach Dr. Farkas allerdings ein seltener und von den Wetterahmmgen rheumatischer und nervöser Leute zu unterscheiden.
* K i r d) e u n d Sanatorium i m P o l a r k r e i s. Am äußersten Ende der bewohnbaren Erde, tut eisigen Alaska, steht seil einiger Zeit die nördlichste Kirche der Welt. Eigentlich ist es keine Kirche, ja nicht einmal ein Kirchlein, denn das Gebäude ist nur aus einer geringen Anzahl Balken errichtet, die durch eiserne Klammern zusammengehalten sind. Dennoch hat diese Kirche ihrem Gründer, dem spanischen Mönch Pater Bernard, nicht weniger als 10 000 Franken gekostet. Der Sprengel, den diese nördlichste aller Kirchen beherrscht, ist öde, aber ungeheuer groß und von Eskimos beivohnt, deren Hütten vierzig und fünfzig Kilometer voneinander entfernt sind. Zu der Polarkirche soll nun auch ein Sanatorium in der Polarzone kommen, und zwar ivird es, wie norwegische Blätter melden, aus Spitzbergen errichtet iverden. Sein Begründer, der schivedijche Arzt Dr. Ekeloef, hat es speziell für Tuberkulöse und Anämische bestimmt. Als Mitglied einer der letzten PolarerpSditionen hat er konstatiert, daß in bett arktischen Gegenden Blulzirkulation und Stoffwechsel beschleunigt ivird und der Appetit so groß ist, daß die Nationen vervierfacht iverden müssen. Diesen die Sebenshnittioneit steigernden Momenten stehen freilich als deprimierendes die mehrere Monate dauernden Polarnächte gegenüber. Dian hofft ihnen dadurch aus- weichen zu können, daß man das Sanatorium nur während der Sommermonate beivirtschastet, mit dem Eintritt des Herbstes aber schließt.
* Anerkenn n N g. „Sagen Sie mal, Sie sind doch aus Spremberg; wieviel Einwohner sind denn dort?" — „Zwölf" tausend!" — „Zwölftausend? Na, das ist für so'ne kleine Stadt alles mögliche!"
Rösselsprung.
Auflösung in nächster Nummer.
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Auflösung dcS LogogriphZ in voriger Nummer: Ulm, Ilm, Alm, Olm.
Redaktion: K. Nenrath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch, und Stemdruckerei, R. Lange, Gieße».


