Donnerstag den (2. Mat
01
MO — Nr. 75
ak laTÜ
iw
'AWA
■Jm8
V ’V;
SSII
M
411
1‘SI OMW
Ihres Vaters Tochter.
Noman von L u l u von Strauß und Torney.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
6. April.
Den ganzen Dag bin ich herumgegangen wie betäubt. Ich kann nichts denken, nichts fühlen/nichts wollen.
Es ist alles vorbei und zu Ende.
Es kommt mir vor lute ein beklemmender Alpdruck, ein Traum. Oder nein, das andere war ein Traum. Dies ist das schwere, bleierne, starre Aufwachen in eine böse, harte Wirklichkeit herein.
Ich sehe ihn nie wieder. Er hat es selbst gesagt. Da auf dem Fleck hat er gestanden. Ich sehe ein Gesicht vor wir in Schlaf und Wachen; wie aus Stein, jeder Zug Härte gegen sich selbst und gegen mich.
Mitten hinein in mein Warten gestern die Diirglocke. Die Lampe klirrte, wie ich sie anziindete, so zitterten mir die Hände. Ich hatte seine Stimme gleich erkannt.
Ich hab mich ihm in die Arme geworfen, er hielt mich so, ohne zu sprechen. Mein letztes bißchen Glück!
„Liebster! Daß du endlich da bist! Ich habe so gewartet! Tilla war hier bei mir. Es war schrecklich!"
„Meine Frau?"
Er ließ nüch auf einmal los, seine Stimme klang heiser.
„Also doch. Ich hatte gehofft, sie wüßte nichts."
Seine Frau! Die Benennung verletzte mich in dem Augenblick; es war wie ein kalter Luftzug zwischen ihm und mir.
Er schien das auch zu fühlen. In seinem Gesicht war diu gespannter Ausdruck.
„Ties ist der schwerste Weg, den ich in meinem Leben gemacht habe."
Ich dachte, er spräche von beut' Abschied heute.
„Es ist doch nicht für immer, Liebster! Du schreibst mir doch! Wir sehen uns doch wieder!"
„Nein!" Er schnitt mir den Satz fast brutal ab. „Deswegen komme ich ja, Agnes, um dir das zu sagen. Du mußt das doch auch selbst wissen. Es ist ein für allemal vorbei, alles."
„Georg!"
Mir waren die Arme schlaff heruntergefallen, ich starrte ihn an, die Angst erstickte mich beinah. „Das ist ja nicht möglich! Sag, baß es nicht wahr ist! Quäl mich nicht —"
Er legte den Arm nm mich .und führte mich zum Lehnstuhl,' ich war ganz willenlos. Er blieb vor mir stehen.
„Agnes, hör zu. Ku weißt jä selbst, wie es zwischen uns gekommen ist, Schritt für Schritt. Ich! entbehrte so viel, find dä kamst du mit deinem feinen Verständnis
für alles Beste in mir. Ich hätte mich dem Verkehr mit dir nicht so hingeben dürfen. Als du gehen wolltest, merktq ich das schon. Aber dann kamen deine Briese. Du so allein, und dabei dieses wundervolle Vertrauen zu mir. Jede Zeile, die du schriebst, riß ntich näher zu dir. Und dann das Letzte, das mit dem Doktor. Da hielt ich's nicht aus, ich mußte zu dir. Ich habe Urlaub genommen, die Reise eingerichtet trotz Tillas Widerspruch. Jede Vor-- sicht habe ich vergessen. Ich redete mir eben ein, du hättest mich nötig."
„Das war ja die Wahrheit, Georg! Ich hatte btd)| nötig! Wie mein Leben!"
Er hörte inich gar nicht. 1
„Versteh mich, Agnes, dir mache ich keinen Bor-« Wurf. Auf dich kommt kein Schatten von Schuld. Alles aus mich!"
„Nein, nein! Auf dich auch nicht! Aber wenn btt jetzt gehst, das ist, Sünde, Georg, das verzeih ich dir nie -—"
Er sah über mich weg.
„Dann muß ich das auch noch tragen. Du hast recht, wenn du mir nie verzeihst. Mer es hilft nichts. Ich bin ja nicht frei."
„Nicht frei? Was hat sie denn für Rechte auf dich? Bessere als ich? Wir haben uns doch lieb! Das ist doch das Höchste!"
Das Herz schlug mir bis zum Hals herauf in schwerem vollen Stößen.
Sein Gesicht war jetzt hart.
„Tas denkst du heute, aber später käme die Erkenntnis Tu ertrügest das nicht, Agnes. Ich muß jetzt stärker fein! als du und iueiter sehen. Es wird mir, weiß Gott, schwer genug."
Eine wilde Angst war in mir. Ich mußte um mein Glück kämpfen, gegen ihn selbst, wenn es sein mußte!
„Denkst du denn, ich ertrüge es so? Jetzt ohne dich leben? Tausendmal lieber unrecht tun —"
Er schüttelte den Kopf.
„Ich kenne dich besser als du selbst. Und es ist auch noch etwas anderes. Mein Kind."
Eine kurze, schwere Stille.
„Baby? Der bleibt doch bei dir, Georg. Oder —"
Meine. Gedanken suchten fieberhaft irgend einen Ausweg. Mir fiel keiner ein. Ich konnte nicht klar denken. Nur nicht ihn verlieren!
Ehe ich eüt Wort fand, sprach er. Er sah mich nicht an dabei.
„Es geht nicht, Agnes. Mein Sohn hat den Vater nötig. Und den fleckenlosen Namen. Den bin ich ihm schuldig. Es geht nicht."
Und auf einmal verstand ich den furchtbaren Ernst in seiner Stimme. Es war umsonst. Da half nichts mehr.
Ein wilder, hilfloser Schmerz war Plötzliche in mir. Ich


