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Der Polizeihund.

Eine Endliche Krimmalgeschichle von M Z itz er, Nieder-Eisenhmlsen.

(Schluß.)

Jörg, der einzig« Sohn des Hauses, hatte sich, von den Abenteuern der Nacht ermüdet, gleich nach dem Essen aufs Ohr gehegt. Von den Vorgängen, des heutigen Tages ahnte er nicht das Geringste. Die zornige Stimme des Vaters schreckte ihn auf.

Kanin war er vor die Haustür« getreten, da stürzte Argus Wie ein Tiger auf ihn tos. Nur mit Mühe gelang eS seinem Führer, ihn zu bändigen.

Und nun trat mit festem Schritt der Wachtmeister auf den Sprachlosen zu und legte seine Hand schwer auf dessen Schulter.

KvinMen Sie sofort mit auf die Bürgermeisterei!"

Woas ist danir los, wioas soll aich dann gemoiM hüstn?" stammelte Jörg -erbleichend.

Tas wird sich schon finden," sprach der Mann des' Gesetzes barsch,und nun vorwärts Marsch!"

Ter alte Mtterfch war hineingegangen, UM die verzweifelte! Mutter zu trösten, die Umstehenden bildeten eine Gasse für den bedauernswerten Burschen, 'den der Wachtmeister, dicht neben ihnr schreitend, nicht aus den Augen liest. Dis große Wch'rzahl war von seiner ^Schuldlosigkeit überzeugt, und eg fehlte nicht M drohen- den und beleidigenden Zurufen. Aber es' gab auch einige, die vielsagend die Achsel zuckten.Mer kann von allem naut soahn."

Drei aber standen unter dem Haufen, denen die Sache nahe ging'.

Hanndingels Jvakob West feinen Freund- Lui .heimlich an.

Wer hetts boot gedvicht, daß Spaß efui e End nahm ?"

Mir misse bekenne, wäis gange hett," antwortete der be­drückt.

Oach lest «mol, da Jörg wird sich schunn draus' helfe'."'

Tahcim auf ihrem Stübchen, schluchzt Lieschen zum Herz- zerbrechen.Mei Jörg, mei Jörg, woas soll aich mit vanfange, nun aich darf und kann doch naut gesahn. Woas e> Unglück, woas tz Unglück!"

Ter also Belveinte wurde derlveit vom Wachtmeister einem scharfen Kreuzverhör unterzogen. Allen «Fragen nach seinem Ber- lveilcn von denn Zeitpunkts ab, wo er die Kameraden verlassest,, setzte er ein hartnäckiges Schweigen entgegen'. Mochte daraus werden, was da wollte, um keinen Preis hätte er sein MÄdchest Verraten und bloßgesteltt.

Nach dem Zeugnis des Herrn Bürgermeisters sind Sie ein ehr­licher und unbescholtener Bursche, dem' ein Einbrnchsdiebstahl nicht zuzntrauen ist," redete ihm -der Wachtmeister im Guten zu,aber wenn Sie mir keine Aufklärung geben, niust ick» Sie in Haft nehmen. Sie machen sich durch Ihr Schweigen nur inkmdr mehr Verdächtig."

Aich soahn naut," lehnte der also Angeredete ab,macht ivvaS ihr wollt."

Darauf wurden die Wirtsleute 'vernommen. Weder die Aüsi- sagen der Eltern, noch der Tochter, wirtten cnckersiichungs'ördernd. Lieschen wurde überdies nur zu einigen nebensäWchen Fragen hcrang« zogen.

Ta spielte der Wachtmeister seinen Haupttrumpf.aus. Auf einen Wink brachte .Hanngottsried ein Paar Schuhe herein.

Erkennen Sie diese als Ihr Eigentum an?"

Iva," nickte Jörg,doat sein mei WerkdoagssckMih."

Sie haben dieselben gestern abend getragen?"

Auch das wurde bestätigt.

Was sagen Sie nun dazu, hast die Schuhe unzweifelhaft in) den Abdruck passen, den ich- im Wirtsgarten festgestellt habe?"

Jörg ward blutrot und schwieg.

BvNb," mischte.sich der Bürgermeister ein,bei Sach flieht schlimm, mit Lengelu kannst« naut giout gemache, gestieh nur, doat is der tieft, aich, -für mei Deel, gleewe isit, daß. die gd- stöhle hast."

Aich aach nit," schloß sich Hamigottfried an, der froh War, eine Gelegenheit gefunden zu habest, sich dem hochherzigen Spender so manches GläsleinsVolksbittern" erkenntlich zu erweisen.

So kommen wir nicht weiter," nahm der Wachtmeister den .llntersuchungsfaden wieder auf,rufen Sie die Elisabeth« Seibel stoch mal' vor." . . 1

Zitternd erschien Lieschen wiederum vor dem Gestrengen. Dem' Geliebten einen Blick zuwerfend, in dem eine Welt voll Angst, stich Verzweiflung lag, trat sie an den Tisch heran'.

Sagen Sic mal" der Schnanzbart schlug unbewußt einest freundlicheren Ton an «sagen Sie mal, Fräulein, von Ihrem Schilafzimmersenster aus können Sie doch recht Wohl den Garten übersehen und ein etwaiges verdächtiges Geräusch in der Nähe watzrn-ehmen?" I

Et woar fit dunkel gestern Noicht," antwortete sie leite.

Und Sie haben nichts, gar nichts gehört?"

Nee, goaruaut."

Nochmals drang der Gendarm in das Mädchen. Aber sie blieb standhaft dabei, nichts gesehen und gMört zu habest.

Na, ich loerde schon Schwung in die) Kiste bringest," wmrlv er ab. Er drehte sich noch Jörg um:Wegen drmaendest Ver- Kachtcs, bei dem Gastwirt JvHannes Seibel einen Ttebstahl mittels

Einsteigens begangen. .zu haben, erkläre ich Sie hiermit im Namen des Gesetzes für verhaftet imb werde Sie sogleich mitnehmen!"

Mit einem Aufs-chr-ei warf sich Lieschen zwischen beide und klammerte sich an den 'Burschen.

Mei Jörg, mei Jörg', oach laßt en doch giehn, Herr Wacht­meister, e halt joa naut gemoicht, e is ünschillig, aich w«, wst e wo ar!"

Und zum Hellen Entsetzen der Eltern und ungläubigem Staunen der anderen erzählte sie- alles, was sich in der Nacht 51t getragen und wie sic ihn hinausbegleitet habe.

Ist das hierorts Gebrauch und- Sitte' mit den nächtlichen 8«nstergesprächen?" «rknndigte sich der Wachtmeister bei dem rtsvberhaupt.

,,Jajva, doat is sun aale Moore," erklärte dieser,aich hstnns selbst en meine junge Joahle getriebe, freilich bei de M'arechest en de Stouw darf mer net, oawer bei Jörg könnt stet anners/'

Aich hetts groade.su ge'mo-icht," grinste Hanngottfried.

Haste schunn lang boat Gebimmel mit dem' Jörg?" schricj Hannjust nun, ohne Mcisicht auf die Umgebung', grimmig feine! Tochter an.

Iva, Vatter, mer hustn oins gern," bekaimte sie ruhig. No lvvart, bis mer heem komcktt," eickschied er brohend.

Da raffte ElsMth ihre ganze Energie zusammen:Diou donst ent naut, doat sähe aich dir, denk broan, war des selbst gemoicht Ust."

Beinahe hätte es noch einen Familieststreit gegeben, Wemk mcht der Wachtmeister dazwischen getreten wäre.

Tas macht gefälligst zu Hause ab, hier verbitte ich mir solches' Geschrei," und zu Jörg:Na, wie nun?"

Der.' gab jetzt alles' zu, wie es Lieschen erzählt,oawer aich Wtt staut gefönt, und wdun ihr maich nffgehcirkt hätt.",

Nur nicht so patzig," 'verwies ihn der Wachtmeister,ich will zwar unter diesen Umständen von einer Verhaftung 'Abstand nehin'cn, doch machen Sie sich imstierhin auf eine Vorlckdungs vor ben Richter gefasst, die Affäre bedarf noch sehr der Auf­klärung. Sie sind- vorläufig entlassen."

Darauf versicherten die Anwesenden den Jörg ihrer wärmstest Teilnahme. Mit Ausnahme der HaunjustsHeiir Familie, die einst-, weilen genug mit sich zu tun hatte.

Roch am selbigen Tag-c- ermittelte der unermüdliche Politz-ist di« beiden Ue'beltäter, die Jörg den nächtlichen Schabernack go spielt, nnd bereit Angaben sich vollständig mit beit Aussagen des Liebespaares decktest. Ihnen würde eine Anklage wegen groben Nnftlgs in Aussicht gestellt. \

Hm ganzen Torf gabs keinen mehr, der alt Jörgs Unschuld' tzu zweifelst wagte. Ist Anbettacht der nnangenel-meu Wendung der Tinge unterblieben sogar die üblichicn Anspielungen und Spott- veden über das schdver geprüfte Pärchen: Selbst Müllers Anton' verkniff sich ein Scherzgedicht, das er unter anderen Nm ständen totsicher lcsge lassen hätte. 1

Dafür bewegte die Frag« .nach deckt wirklichen Missetäter die Gemüter in den nächsten Tagen ist hohem Maß«. Es würde viel herüber und .hinüber getuschelt, immer ntehr verdichteten sich die Vermutungen und VervaMsgründe, bis «mm schließlich offen einen) Namen nannte, der sticht ideu bestett Klang hatte: der Malerftitz.

Warum mied er berat auch seit jenem Tag bes Hannjnsts Wirkschast wie bic Pest? Woher hatte ber Arbeitsscheue mtf ein­mal das Gelb, sich) -allabeublich mit gleichgestimmten Seelen beim! Bornwirt vollzusaufcn und vbcnbrein noch ben nobclen Speuber zu spielen? Wenn einem-nm -Ort, so war ihm bte Schandtat zu-, zutrauen.

Sv lag berat bald ein Briefchen int Kasten der Posthilsestelle', das, an feinem Bestimmungsort leingetrofstü, trotz fehlenber Untcr- schrist aufmerksame Leser fand. -

Tieswal kam der Herr Wachtmeister ohne Polizeihund, und nachdem er sich ein Biertelstünbcheu mit dem knieschlotternbeit Malerftitz unterhalten hatte, wauberten bie Zwei Seite an Seite, als vb sie die besten Freunde auf der Welt wären, dem Städtchen! zu, wo t t :r Inhaftierte ein einstweiliges, und nach der bald er- fvlgttu Gerichtsverhandlung ein auf mehrere Monate definitives Fremucnlier auf Staatskosten angewiesen bekam.

Bor Gericht erlebte Lieschen noch ein paar peinvolle Minuten der Herr Assessor stellte auch gar zu komische Fragen! Nach Schluß Her Verhandlung fragte der Pittcrsch Alte die Hannjusts, vb sie tu seinem Wagen mit heimfahren wollten. Es war das erste Wort, das seit -dem Unglückstage zwischen ihnen gewechselt würde.

Hannjust sagte nicht nein. Ihn auch. seinerseits etwas zu leisten, lud er, zu Hause angekommen, bic Pittersch zu einer! Flasche Wein. Hub bent konnten sich biefe als höfliche Leute eben­falls nicht wohl entziehen. Daß Jörg und Lieschen auf einmal: versck-wunden waren, merkten Me -Alten in der angeregten Unter» Haltung gar nicht. Vielleicht wollten sic's gar nicht merkest. Soviel aber ist sicher: Ms man fick- in vorgerückter Stunde und im besten Einvernehmen trennte, nahm der Hannjust den Jörg beim Kragen und sagte:Tont will aich dir gleich sahn, wann bei wirrer mol bei's Liesche willst, dann komm' hübsch zur Tür er um, sonst kennt s «mol schiefigiehu, nun en Schwiegersohn mit kaputtste Knock' kann aich naut gebrauchs."