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Mit der Zeit Hatten sich die beiden Herren ausge- sprochen. Nun kam Graf Röguier mit seinen, von oben bis unten besternten Frack, auf dem auch einige stark glitzernde, etwas exotische Dinger saßen, zu Geheimrat Droesigl. Der Graf kramte Anekdoten aus, erzählte von Japan, im nächsten Augenblick von Bulgarien, dann kam wieder ein zweifelhafter Börsenwitz, und er selber lachte über den Unsinn am aller­meisten.

Nach Tisch war er immer etwas gefährlich, und in der Wilyelmstraße hatte man ihn wohlweislich an Botschaf­ten nicht gesetzt, aber seine unterhaltende Schlagfertigkeit, (einen Mangel an Menschenfurcht und seine Liebenswürdig- eit zugleich wohl zu schätzen gewußt. Wenn es gegolten, die Präsidenten irgendwelcher exotischen Republiken durch Pariser Kokotten-Geschichten zu unterhalten, auf anstrengen­den Ritten in glühendstem Sonnenbrand zu begleiten, sie unter der Wirkung von schweren Weinen für irgend etwas zu gewinnen, gab es keinen, der es mit Graf Regnier du Plessis aufgenommen hätte. Er beherrschte, wohin er auch ge­kommen, nach einem halben Jahre die Landessprache in Wort und Schrift. Und nach erstaunlich kurzer Zeit auch hatte er regelmäßig alles, was es in solchem Staate von Orden gab, auf seiner linken Brust prangen. Er erzählte gern, wie er diese und jene Dekoration bekommen. Ms er nun einen der blinkenden Sterne dem Geheimrat zeigte, während er dabei die Geschichte seiner Erwerbung zum besten gab, wandte sich Herr Droesigl senior zu ihm und sagte mit einem Blick auf seinen eigenen kahlen, schwarzen Frack im Sich-Abwenden nur die Worte:

Ich habe auch so'n Dreck!

Offenbar machte er von diesemDreck" keinen Ge­brauch.

Die Herren kamen jetzt in dasPhotographen-Warte- zimmer" zu den Damen, wo die ganze Gesellschaft versam­melt war. Nur die Verlobten, Graf Mguier und Gräfin Patsch, blieben unsichtbar. Sie standen hinter dem großen photographiebesteckten Schirm und sprachen von ihrer Ein­richtung. Der Verlobte, von dem doch alles ausgehen mußte, schien bescheidenere Ansprüche zu machen. Gräfin Patsch hatte dieses bei einer Freundin gesehen, jenes bei einer anderen, solch schöne Kommode mit alten Bronzebeschlägen wiö sie bei,Lindenbachs stand, mußte sie haben, das Silber, auf dem sie heute gegessen, und kein anderes gefiel ihr. Dann liebäugelte sie mit dem Schmuck, den Fürstin Hohen- ?art trug. Und der verliebte junge Offizier stimmte immer ei, als sei es ein Verbrechen, wenn etwas der süßen, kleinen Patsch fehlte, der alle Herren nachliefen, ble nur einen Finger auszustrecken brauchte, und sie hätte gehabt, wen sie toöfite.

Am Fenster stand Leutnant Graf Lindenbach mit der schlanken Gräfin Olga Regnier. Sie redeten nicht wie das kindische, verliebte Paar dort drüben; das junge Mädchen ließ sich Bücher nennen. Als er mit strahlendem Ange sagte:

Kennen Sie Graf Gobineaus Renaissance? fiel sie lebhaft ein:

Lese ich ja jeden Abend! Es ist so voller Kraft! Herrlich!

Er sah sie beinahe ängstlich an:

Ach so. . . Dürfen Sie denn das lesen? Was sagt Ihr Herr Vater dazu?'

In ihrem Auge lag etwas wie Trauer:

Mein Vater? Ach, darum kümmert er sich nicht.

Und beide schickten einen kurzen Blick hinüber zu dem lebhaften, ordenglitzernden Mann, der sich eben lachend auf den Schenkel schlug, gewiß über eine ganz unglaubliche Geschichte. Gräfin Olga erzählte, ihre Mutter, ihre liebe, liebe Mutter habe ihr das Buch gegeben. Sie sei doch kein Kind mehr.

In diesem Augenblick kam mit Gräfin Lindenbach Olgas Mutter, beinahe wie eine ältere Schwester ihrer Tochter aussehend, nur mit schärferen Zügen und ein paar grauen Mden im Haar. Sie hakte ihre Tochter unter:

' Nun, wovon sprecht ihr denn so eifrig?

Graf Lindenbach kennt auch Gobinean.

Fürstin Hohengart näherte sich. Kein, ein wenig breit hatte sie aus den ersten Blick eine gewisse Ähnlichkeit mit Agathe, ohne im geringsten verwandt mit ihr zu fein. Sie fragte eifrig:

Habt ihr es denn schon gehört?

i< WaS denn?

Das Schloß Kölln!

Es wird wohl versteigert werden müssen!

-7 Nein! Habt ihr's wirklich nicht gehört? Agathes Schwiegervater hat gefragt, was es kostet. Eine große Summe! Er kauft's. Mein Mann hat mir's eben erzählt. Dieser Herr Droesigl hat gar kein Wesens davon gemacht. Wieviel? Gut fertig. Ich dachte doch nicht, daß en so reich wäre!

Nun war auch die Prinzessin noch hinzugekommen. Sie schaute ihrer Schwägerin, die ihr nur bis zur Achsel ging, über den Kopf und sagte spöttisch:

1 Na, da wird's ja schön zugehen' Was will er denn damit anfangen?

Sie verstummten, denn langsam hatte sich die umfang­reiche Gestalt der Frau vom Platz genähert.

In dem Schweigen horte man des alten Droesigl dröhnende Stimme zu Graf Lindenbach:

Ich? Für mich? Ich habe zu arbeiten. Sie sinh ja auch immer zu den Sitzungen da.

In letzter Zeit ist mein körperlicher Zustand. < Aber Herr Droesigl fiel ihm ins Wort:

Werde ich alter Mann mich allein auf ein Schloß setzen. Nee, aber meine Schwiegertochter! Gefällt mir. Schön ist sie nich, wir Droesigl sind schon besser gewachsen. Mer daraus kommt's nicht an. Schönheit ist meistens dumm. Und dumme Frauen können wir nicht brauchen, 's Herz hat sie auf dem rechten Fleck. Und lieb; hat fie meinen Sohn. Gegen den ließe sich übrigens allerlei sagen. Ich bin nicht bfind. Na, und nun der langen Rede kurzer Sinn, haben Sie nicht bemerkt, daß ich dem jungen Paar kein Hochzeitsgeschenk gemacht habe? Ich schenke ihnen den ollen Stiften zur Hochzeit. Dann braucht Agathe gar nicht erst ranszuziehen. Die UmzuAsspesen fallen fort. Immer kaufmännisch denken! Das sollte meine Uederraschung fein für heute. Hatte nur noch keine Zeit es zu sagen. Wir hatten einen Ausstand in Aussicht. Der kann teurer kommen als so'n Schloß Na, da habe ich erst jetzt dran gedacht, und da Sie Vormund sind, Herr Graf . . . vielleicht sagen Sie das den beiden. Dank habe ich nicht gern. Ich habe noch nie auf dem Bauch gelegen, aber vor mir soll es auch keiner tun. Das ist gegen die Menschenwürde, und wenn sie sich bedanken, würde ich mich vielleicht mehr schämen als sie. Also bitte sagen Sie's ihnen!

Gräfin Lindenbach meinte, halb zu ihrem Sohn, halb! zu Herrn Droesigl senior: v

Das junge Paar ist längst fort!

Der Alte, der sich, ohne es zu zeigen, über sein fürst­liches Brautgeschenk selbst wie ein Sind freute, rief auf­brausend, lauter, als je in diesen Räumen gesprochen worden war:

Zum Donnerwetter, ist das ne Manier, einem nicht mal Adieu zu sagen!

Aber die @räfin antwortete mit ihrer kräftigsten Stimme:

Na, ich hab es Ihnen doch vorhin gesagt, und Sie wollten nicht hören!

Ach, das ist Quatsch!

Plötzlich trat der junge Süraffier vor:

Bitte, Herr Geheimrat, meine Großmutter sagt nie Quatsch!

Herr Droesigl sah den Verteidiger der alten Dame an, als wolle er ihn niederblitzen. Doch ein Lächeln ging über sein Gesicht, und die riesige Gestalt streckte dem fast ebenso großen jungen Mann die breite Hand mit den kurzen Nägeln hin. Ans dem Frackärmel rutschte das Röllchen, daß man zwischen dem weißen Seinen und dem schwarzen Aermel den beharrten Arm des alten Mannes sah:

Herr Leutnant, meine Hochachtung vor Ihnen. Ich bin immer mit dem Mund vornweg. Aber cs ist feine! Schande, um Entschuldigung zu bitten.

Herr Droesigl dachte nicht daran, auch der alten Dame ein Wort zu sagen. Die Sache war Unter Männern er­ledigt, etwa wie er es mit seinen Direktoren ober seinen Prokuristen hielt. Er zog die Uhr und sagte zu Prinz Hohengart, indem ein fieundliches, etwas gezwungenes Lächeln über sein Gesicht ging:

Könnte ich wohl einen Wagen zur Pcchn bto kommen?

(Fortsetzung folgt.)