Ausgabe 
12.1.1910
 
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Die Erfindung des Fernglases.

iten wie ein Arm.

Diamanträtsel.

Anflösimg

Auflösung der Altägyptischen Hieroglyphen in vor. Nummer Der Feige kriecht, der Weise geht zu Grabe.

In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben aaaaabddd eeeiiiinmnnn r r r n z derart einzutragen, das; die ivagerechten Reihen iolgendeS bedeuten:

1. Einen Buchstaben.

2. Simiton ui der Schweiz

3. Wirlschailsgegenstand.

4. Ein Cchinuckstl'.

5. Römische Göttin.

6. Fluß in Württemberg.

7. Einen Buchstaben.

Die senkrechte und ivagercchte Mittel­reihe ergeben das Gleiche.

in nächster Nummer.

humoristisches.

* B e i n a he. Frau (erwartungsvoll zum Gatten, der auf dein Gericht war):Rim?" Mann:Freigesprochen, bis auf lumpige vierzehn Tag'!"

* Rache.Waren Sie nicht früher mal mit dem Gatten Ihrer ältesten Tochter verfeindet?" -Natürlich: darum hat er sie ja gekriegt!"

Einkehr.Magst mir nct an Zeugen macha, Wasil?" Na, Seipp, i hab' jetzt'S SckMören gmrz anf'geb'n." ; 1

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcn Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießern

Die Astronomen der ganzen Welt feierten in ihrem Herzen das Jahr 1909 als das 300jährige Jubiläum jenes un­vergeßlichen Momentes, an dem zum erstenmal ein Be­wohner der Erde ein Fernglas nach dem Himmel richtete. Camille Flamm ar io'n, der in einer inhaltsreichen Abhandlung der Revue die Vorgeschichte und Geschichte der Erfindung des Fernglases erörtert, meint aber, daß dieser Tag, der dem Menschen gleichsam erst das Universum auf­schloß und den Blick in das Weltall gestattete, in den ersten Taben des Jahres 1910 zu feiern sei. Die erste wirklich datierte Himinelsbeobachtung ist der 7. Januar 1610, an dem Galilei die Satelliten des Jupiter entdeckte. Wer Galilei ist nicht der Erfinder des Fernglases, das zu feiner Zeit bereits existierte, wenn mich ihm selbst die Konstruk­tion nicht bekannt war. Schon lauge vorher ivar die Idee einer Zusammensetzung von Linsen ausgesprochen ivordeu, ja augenscheinlich hatte man schon in der Antike .Kenntnis von den eigentümlichen Kräften der Spiegel und Linsen, obwohl sie in der Astronomie niemals Verwendung fanden. Man hat in den Ruinen von Ninive ein sechseckiges Kristall­stück gefunden, das nach seiner plan-konvexen" Form von Sir David Brewster für eine richtige optische Linse erklärt worden ist. Konvexe und konkave Linsen müssen auch schon von den alten Griechen benutzt worden fein. Aristophanes gibt z. B. in einer feiner Komödien ein vortreffliches Mittel au, seine Schulden nicht zu bezahlen. Marr soll einen solchen durchsichtigen Stein, wie man ihn bei den Drogisten findet Und mit dem man Feuer anzündet, zirr Hand nehmen, sich in die Sonne stellen und das Wachstäfelchen, auf das der Gerichtsschreiber die Schuld geschrieben hat, zum Schmelzen bringen; dann kann einem keiner etwas an­haben. Es war augenscheinlich ein Brennspiegel, den der attische Schalk bei seinem Spaß verwenden sollte. Seneca erzählt von einem durch seine Verschwendung berühmten Millionär Hostius Quadro, einem Zeitgenossen des August, der sich einer Anzahl von Bergrößerungsspiegeln bediente, in denen eilt Finger so groß und dick erschi ~.....

Rcro betrachtete durch einen Smaragden nach dem Bericht des Plinius die Kämpfe der Gladiatoren, um sie besser zu sehen. Da er kurzsichtig war, so muß der Edelstein eine konkave Form gehabt haben. Es waren also konvexe und konkave Gläser int Altertum schon im Gebrauch, wenn auch nur zufällig, ohne daß jemand auf bett Gedanken gekommen wäre, ein Fernglas zu konstruieren. Aber diese Joee wurde auch während des ganzen Mittelalters nicht aufgenommen, obwohl man damals den Gebrauch von konvexen Linsen für Weitsichtige und von konkaven für Kurzsichtige längst ein- gcfuhrt hatte. Roger Bacon sprach im 13. Jahrhundert Mw erstenmal den Plan eines Sehrohres aus und der Neapolitaner Giambattista Della Porta erörterte nicht lange vor der wirklichen Erfindung die Theorie der Linsenbilder und die Verbindung konvexer und konkaver Linsen ganz ausführlich, ohne aber auch zur Ausführung seiner Ge- danren vorzuschreiten. Die erlösende Tat ist nicht von einem nnne det Wis)eitfchaft, sondern von einem in der prak­tischen Dptrk erfahrenen Gewerbsinanne vollbracht worden.

ersten Ferngläser wurden in Holland konstruiert; Ga<r et horte von ihnen und wurde dadurch zu dem Ent- stylusse geführt, sijch selbst solch ein Sehrohr herzustellen, j.snt a,cihre 1609 waren dieholländischen Brillen" schon in Paris zu Wn. Pierre de lWeife beschreibt sie alsein etliia eut Fuß langes Rohr, an jedem Ende ein Glas, aber verschieden. Durch sie sieht man ent- ferntc Ougenstaude genau, die man soW nur sehr undeutlich

sieht. Man hält eine solche Brille an ein Auge und schließt das andere; sieht man nun nach einem bestimmten Gegen­stände, so scheint er nahe zu kommen. Man sagt, es sei die Erfindung eines Vrillenmachers in Middelburg." Der Ruhm dieser Erfindung ivird heute fast allgemein "dem aus Wesel gebürtigen Brillenmacher Hans Lippershey zugestait- bett.. Mancherlei Geschichten erzählen, auf welch wunderliche Weise dem einfachen Manne die große Erfindung gelang. Hieronymus Sirturus, der dem Sehrohr den Namen Teleskop beilegte, berichtet, ein unbekannter Manu sei zu Lippershey gekommen und habe bei ihm konvexe und konkave Linsen bestellt. Am festgesetzten Tage habe er daun zwei Linsen ausgewählt, eine konkave und eine konvexe, sie vors Auge gehalten, die eine alliuählich immer mehr von der andern entfernt, habe sie bezahlt und sei dann wortlos verschwun­den. Das eigentümliche Benehmen des Fremden habe dem Brillenmacher Stoff zum Nachdenken gegeben, er habe zwei solcher Gläser in einem Rohr befestigt und dann das neue Instrument dem Prinzen Moritz von Nassau überreichen lassen. Das geheimnisvolle Ding soll dann die Spanier in Schrecken gesetzt haben, die mit den Niederländern in Verhandlungen ständen. Nach einer anderen Sage hätten die Kinder von Lippershey in der Werkstatt ihres Vaters gespielt, durch verschiedene Linsen geguckt und dabei zufällig eine konvexe und eilte konkave Linse nach dem Wetterhahn am Middelburger Kirchturm gerichtet, der nun plötzlich ganz nahe schien. Das Erstaunen der Kinder erregte dann Lip- persheys Aufmerksamkeit. Der Erfinder erhielt vom Staat für feilte Gläser 900 Florin, aber ein schriftliches Patent wurde ihm verweigert, weil eserwiesen war, daß schon verschiedene Personen Kenntnis von der Erfindung hatten". Diese offizielle Weigerung hat zu Zweifeln an dein Ruhme Lippersheys geführt, zumal 1655 der bekannte Naturforscher ! Pierre Borel einen andern Middelburger Zacharias Jauseit als Erfinder des Fernglases namhaft machte und ein be­glaubigtes Zeugnis noch lebender Personen beibrachte, die die Priorität Jansens aus eigener Erfahrung bestätigen wollten. Immerhin ist dieses Zeugnis ungewiß und es läßt sich nur feststellen, daß das Fernglas 1608 in Holland, 1609 in Paris bekannt mar und daß Galilei es in dem­selben Jahre von neuem konstruierte. Galilei ivar auch der ' Mann, der die vorher als Spielerei betrachtete Erfindung für die Wissenschaft nutzbar machte. Das Aufsehen, das seine Vorführung des Fernrohres in Venedig erregte, ivar unge­heuer; die Regierung der Lagunenstadt überhäufte ihn mit Ehrungen, weil sie annahm, daß das Fernglas int Kriege den Matrosen der Republik das Uebergewicht über alle Feinde verschaffen werde. Unabhängig von Galilei bat übrigens auch der Ansbacher Hofastronom Simon Marius ungefähr um dieselbe Zeit das neue Instrument gegen den Himmel gerichtet.

Und nutzlos zugleich ist, die Kräfte an Aufgaben zu ver- schwenden, deren Lösung ihnen verschlossen ist; sie sollten mit allem Nachdruck darauf hiitgewiesen werden, welche Fülle von Werten im Volksgesange verborgen liegt. Das kann aber nicht in Frankfurt geschehen, denn gerade die kleinen Vereine werden ja dort nicht zugelassett. Die Tages­presse und die öffentliche Kritik finden da ein Arbeitsfeld, das zu bebauen umso rühmlicher ist, als die Erkenntnis-- früchte bekanntlich nirgends so spärlich reisen, wie in kleinen Vereinen, denen mit wohlmeinender Absicht die Grenzen ihres künstlerischen Könnens gezeigt und ab gesteckt werden.

Arthur Liebscher (Dresden).