Ausgabe 
11.8.1910
 
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vnd wil mit Gewalt zu Felde ziehen / ijt vennuthlich man werde alsdann im Regier- vnd Haußstand seltzarne Zeitungen erfahren / weil er zugleich Saturuuiu vnd 85 eit er em mit einem Gevierdten- schein vebel afsiciret. In der Sommer figur wil ihn Mercurius ulit einem guten Sextilschein auleuchten / vnd etlichermaszen zu feinem Zorn auffhalten / welches dann auch mit ebenmeutger zustirnmung Mercury zu thun sich hefftig bernuehet / doch 1ml er im October seinen Zorn widcrumb etlicher massen merclen lassen / doch tnehrentheils nur im gemeinen Haußstand / dann er 45enerem mit einem Gevierdtenschein vcbel ansihet / vnd daher nicht loenlg Zanck / Hader / Bneinigkeit vnd Widerwillen tut Haußwesen vnd Unter gemeinen Leuthen erwecket.

Gott der ein Gott deß Friedens ist / wolle vns in gutem Frieden vnd Einigkeit erhalten / dem Zanck Teusfel wehren/ vnd alle Feindschaft von vnsern Grentzen abtreiben / damit wir ein stilles vnd geruhiges Leben / im zu Ehren vnd vnserm Nechsten zu Dienst fuehren moegeit.

Bon Kranckheiten vnd L e ib e s g e b r e ch e n.

Dieweil nicht allezeit einerley Kranckkheiten vnter den Men­schen regieren / sondern bald hitzige / bald kalte / bald eitle / bald hefstige vnd geschwinde Seuchen gefunden werden / kann ein Verständiger leichtlich daher mercken / dass solches aus; wunder- barlicher verenderung vnd abwcchstlung der Lnfst / welche nicht an allen Orten vnd zu allen Zeiten einerley gespueret wirbt / entstehen vnd herruehren muesse / Wann dann aber die verende- Tintg der Lusft von bem Laufs der Planeten vervrsachet wirbt / ist es nicht vnbillich / sondern hochnothwendig / das; wir des; Lausfs der Planeten wol in acht nemmen / vnd daraus; was wir von Gesundheit zu hoffen vnd von Schwachheiten zu Morgen; haben bey guter Zeit erkennen lernen / weil man durch solche Erkuudigung vielem Vnheyl vorkommen / vnd den kuenfftigen Kranckheitcn wehren kan / wie auß der Erfahrung bekandt ist.

Was nun beit Zustand der Hauptkranckheiten belanget / der­selbe hat durchs gantze Jahr, seinen Laufs / ncmlich im Stier / wil derhalben mit melancholischen faulen vnd kalten Kranckheiten den Leuthen sehr zusetzen / vnd weil er auch das Regiment veber den Winter suehret / wil er mit solchen Kranckheiten / als mit faulen viertaegigen Fiebern / Bauchgrimmen / Wassersucht / Schlag / Aussatz / boeser Racude / Zipperlin vnd andern den Leu­then hefftig zusetzen / mein halte sich warm timt den Halst vnd Brust / dann viel Finesse in den Hals; fallen / vnd manchem Verhinderung der Sprach / Halstgeschwer vnd ander Angelegenheit verursachen werden.

Im Fruehling fuchret Venus das Regiment / derselben aber hat sich Saturnus auch zugefueget / welcher Martern mit einem Gevierdtenschein vebel ansihet, wil derhalben mit solchen Kranck­heiten / die zum theil von Kaelte / zum theil von Hitze her­ruehren / den Leuthen zusetzen / vnd werden sonderlich viel Schwachheiten deß Magens / der Leber / begleichen hitzige vnd dreytaegige Fieber / Pastemen / Geschwer vnd dergleichen hin vnd wider gespueret werden. 1

Der Sommer ist sonderlich dem Weibsvolck vnd jungen,Leuthen sehr gcfaehrlich / denn der Steinbock setzet der Veneri mit einem Gevierdtenschein gar hart zu / vnd ob wol ein feine constitutio tteriS im Sommer vnter bet Herrschaft Jovis wirbt gespueret werden / sollen doch die obgedachte Personen ihrer fleißig war- nentnien / dann viele Hauptwehe / Husten / Hcyserkeit / Nicren- Ruecken- vnd Lendenwehe / Hertzgespan / Vrschlechten / Auffbleh- Nngen des; Leibs vnd Daermen / vnter ihnen im schwang gehen werden.

Der Herbst ist übermal dem gemeinen Mann vnd jungen Ge­sinde sehr beschwerlich / dann die Oppositio Martis vnd Satnrni vnd der Gevierbteschein Satnrni vnd Äencris wollen mit vielen geschwinden Kranckheiten / als mit Rothlausf / Rother Ruhr / hitzigen Fiebern / hinsallcnder Sucht / Pastemen / vnd anderm den Leuthen zusetzen / vnd wirbt man auch wol von Pestilentz vnd andern boesen Seuchen aust etlichen Orthem Zeitung bekommen / wirbt also durchs gantze Jahr an Kranckheiten nicht mangeln / Alber selig seyn die im HERRN sterben / denn sie ruhen von aller ihrer Arbeyt / vnd sehn außer aller Qual.

Noch manche interessantePractick" enthält der Kalender, die mitzuteilen wir uns aber für heute versagen wollen.

S t a » b a ch , Hungen.;

heitere Ariegrerinnerungen.

Es wär kurz vor der Schlacht bei Sedan, die blutigen Kämpfe um Metz waren siegreich beendet. In langen Zügen kamen die verwundeten Sieger und Besiegten nach Mainz. Donnez-moi un bouton (Geben Sie mir einen Knopf) rief die Straßenjugend den hohläugigen, fiebergeschüttel­ten Franzosen zu, und für eine Brotrinde. rissen sich die armen Teufel die Uniform in Fetzen. Soviel wie möglich

Die Verwundeten jedoch, Freund wie Feind, mußten schließ­lich weitergeschafft werden, da die Festung vollkommen überfüllt war. In Schiffen "brachte man sie den Rhein hinab bis nach Düsseldorf. Alles war überfüllt und über­laufen, aber daß trotz der gedrückten Stimmung bisweilen der frohe Mut durchbrach, kann folgendes Stückchen be­weisen: 3, .

Wieder ging ein solches Verwundeienschifs den Rhein hinunter. Um Wasser einzunehmen, legte es in einem Rheingauörtchen an, dessen Bewohner dringend baten, das Schiff besteigen zu dürfen, um einmal einenTürko" zu sehen. Leider war diesmal gerade keiner an Bord. Doch man wußte sich zu helfen. Rasch schwärzte mau einem leichtverwundeten Sachsen Gesicht und Hände, und als die Bauern kamen und Wein und Zigarren brachten, das hatte man nämlich als Bezahlung gefordert, bestaunten sie höch­lich den mit bunten Lappen behängten (sächsischen) Türko und zogen dann befriedigt ab. Die schlauen Soldaten jedoch rieben sich vergnügt die Hände, denn ihnen halte der Scherz 45 Krüge Wein und 400 Zigarren eingebracht.

Kurz darauf kam Sedan. In dieser Zeit hatte die Stadt Mainz Verhandlungen mit der preußischen Regierung wegen Hinausschieben der Festungswerke, da die Stadt nicht mehr Raum genug bot. Die Regierung forderte jedoch einen der Stadt zu hoch angeschlagenen Preis (4 Millionen) und als man zum erstenmal den Sieg der deutschen Waffen bei Sedan, festlich beging, konnte man folgendes Berochen lesen:

Wilhelm, unser großer Held,

Schenk uns doch das Gartenfeld, Willst du haben vier Million, Laß sie zahlen Napoleon."

humoristischer.

* Abschreckend. Wirt (zum Maler):Seitdem Sie Ihre Landschaftsbilder aus unserer Gegend ausgestellt haben, kommt niemanb mehr in die Sommerfrische!"

* ©ein Staub» it ntt. Der Lehrer spricht mit den Kindern! über Bekleidungsgegenstäube. Lehrer:Welche Bekletduitg haben die Menschen für die Hände?" Peter:Hosentaschen."

* Enfant terrible. Taute:Es fehlte nicht viel, bann wäre ich heut auch verheiratet." Der kleine Fritz:Nich" wahr, Tante: bloßn Bräutjam?"

Büchertlsch.

Dilettantismus und K u u st. Bei einer neuartigen häuslichen Fertigkeit,der Schablonenmalerei", verbindet sich die Kunst mit bem Dilettantismus, indem die von den Künstlern ent­worfenen Muster von Dilettauten nach eigenem Geschmack und Bedarf gruppiert und ausgeführt werden können. Neber das Wesen dieser Liebhaberkuust sowie über deren Ausführung gibt ein int Verlag der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden, erschie- nenes'Wcrk betiteltDie Schablonenmalerei" Aufschluß. Es ent­hält über 100 Muster, die von denen, die sich die Mühe des Nach- zeichueus und Ausschneidens sparen wollen, auch fertig gegen, billiges Geld bezogen werden können.

Das Neueste der Moden bietet in reicher Aus­wahl das neue F a v o r it-M od en-Alb um der Internatio­nalen Schnittmanufaktur, Tresden-N. 8. Welcher Bedarf an Kleidung für Groß oder Klein auch vorliegeu mag, auf allen! Gebieten wird dieses mit gediegenem Geschmack ausgestattetq Modeubuch guten Rat erteilen und für die praktische Anfertigung die rechte Hilfe leisten können, denn für alle.Modelle sind zust bequemen Selbstanfertiguug die Schnitte erhältlich,.

Bilderrätsel.

Auflösung in nächster Nummer.

Y -Al V/ywnV <AK>

Gaasufär\

Auflösung des Arilhiuogriphs in voiiger Nummer' Degen Egge Linde Lille Igel Niel Geld Eger Nigi;

Dollinger.

suchte man die Leute in Mainz nnterzubringen. Die Ge­fangenen kamen vors Gautor in ein besonderes Zeltlager; später brachte man sie wohl auch in die Stadt, wo sie bei Bürgersleuten für ihre verwundeten Brüder arbeiteten.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universttäls-Buch- und Steindruckerei, R, Lange, Gießen-