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Aus einem Aalender vsn Jahr 1617.

Einen in vielfacher Hinsicht interessanten und lehrreichen Einblick in die vor etwa 300 Jahren herrschenden Anschauungen auf den verschiedenen Gebieten des menschlichen Lebens gewinnen wir ans einem Kalender, der zuFrankfurt am Mahn durch Sigißmund Latomi / Uuffs Jahr nach der Gnadenreichen und seligmachenden Geburt unsers Herrn und Hehlands Jesu Christi/ MDCXVII" verlegt wurde. Dieser Kalender versetzt uns in die Zeit der tiefsten Geistesnacht des Konfessionskampses, der in dem dreißigjährigen Krieg die entsetzlichsten Formen annehmen sollte, in eine Zeit, in der Aberglaube, Hexenwahn, Teuselsglauben Nnd Zauberei in allen Schichten der Bevölkerung verbreitet waren und die unheilvollsten Wirkungen übte. Die Wahngebilde der Astrologie und Alchemie erfüllten und erregten die Gemüter vieler Menschen, obgleich Kopernikus sein Weltsystem schon seit mehr als 80 Jahren aufgebaut und Kepler seine berühmten drei Gesetze gefunden hatte. Die große Masse lebte in bodenloser Unwissenheit dahin. Vielen mag lediglich der Kalender zur Be- sriedigung ihrer geistigen Bedürfnisse genügt haben. Der Ka- lender erfreute sich' in damaliger Zeit weit größerer Wertschätzung als heute, und der Kalendermacher galt gewöhnlich als hoch- angesehener, ja außergewöhnlicher Mensch.

Werfen wir nun einen Blick in den vorliegenden Kalender. Da finden wir zunächst für jeden Monat Regeln zu einer >,ber- Nunfftigen" Lebensweise,

Jenner:

Am Daumen laß/sonst bhalt dein Blut/ Bad / Wein vnd Wuertz seyn dir gar gut / Die Apotecken zu der zeit

So viel dir moeglich ist vermeid.

H o r n u n g:

Purgier / laß / bad / Tein Blut erfrisch / Darzu brauch gwuertz/meid Wildpraet/ fisch / In diesem Monat zeiget sich

Das Fieber/drumb hab acht auff dich.

Mertz:

Vinum/ Venus jetzt sind dein feind/ Purgiern ist das dich trewlich meynt/ Zu suesser Speiß hab tust vnd muttz / Davon setzt sich gut Fleisch vnd Blut.:

Mprill:

Allein an Fuessen laß dein Blut / Sonst Aderlässen ist nicht gut/ Jetzund das Blut ernewert sich/ > Daromb spatzier und purgier dich.

May:

Der guten Kraeuter kommen viel/ Dieselb sprech an mit Seytenspiel Laß/schroepff/vnd brauch die Artzeney/ Erlaubt ist auch das Weib darbey.

K r a ch m o n:

Ohn not nit laß /behalt dein Blut/ Bad nit/denn Hitz dem Leib weh thut/ Halt maß in essen/schlafen/trincken/ Magst wol beim Freund zu Salat wincken', Heumon:

Dißmal laß Weiber Weiber sehn/ Das Bad meid/Artzeney vnd Wein, Purgier dich dit vnd Anyß/ Mit warmer Kost Salbey genieß.

Augstmon:

Alles was brennt vnd hitzig ist/ Artzney auch meid zu jeder frist/ Schon deines Weibs vnd deines Leibs/ Kein Blick von dir laß / bist» weiß, Herbstmon:

Bad / schroepff / laß / zeitige Fruechte gebrauch / Wein / gut Gwuertz nicht schadet auch / Curier den Leib / vnd an dein weib / In Zucht vnd Ehrn du dich reib.

W einmon:

Obst obest vnd was Naschwerck ist/ Vermeid das so du witzig bist/ Brauch Ingwer/Meth vnd firne Wein/ Most kann dir noch nicht dienstlich seyn.

Wintermon:

Wein trincken ist dir wol vergunt/ Der beste Vogel singt jetzund/ Man soll viel kochen mit Gekraeut/ Vnd meiden alle Vnkeuschheik, Ehpistmon:

Gehstu bloß vmbher als ein Poepel/ So kreuchstu endlich wie ein Krueppel/ Trinck nicht viel kalt / greiff nicht zu Nah / Sonst wirstn selten alt vnd graw.

Nachetlichen nuetzlichen Regeln vom Baden, Aderlässen Und Schroepfen" unter denbesonderen himmlischen Zeichen" wird angegeben,In vnd nach Verrichtung deß Aderlassens vnd Schroepffens zu erkundigen die jnnerliche Gebrechen deß Leibs vnd guter .Gesundheit nach nachfolgenden Regeln: So das Wut ist

1. Schoen roth mit iveitig Wasser oben verdeckt / gute W* sundheit. }

2. Roth und schaumig / bedeut zuviel Gebluets.

3. Roth Blut mit eint schwartzen Ring / Hauptweh.

4. Schwartz Blut mit Wasser untersetzt / Wassersucht.

5. Schwartz Blut mit Wasser oben ueberschwemlnet / Fieber,

6. Schwartz Blut mit einem rothen Ring/das Gicht vnd Zipperle.

7. Schwartz vnn schaeumig oder eyterig / boese Feuchtigkeit vnd kalte Melancholische Fluß.

8. Weiß Blut/ist ein Anzeigung zeher Feuchtigkeiten vnd Verschleimungen.

9. Weiß vnd schaeumig / zu viel pituetae / dicke Feuchtigkeit vnd Fluß.

10. Blaw Blut/wehe zur Miltzen /oder Melancholey sampt boesen Feuchtigkeiten.

11. Gruen Blut /wehe am Hertzen/oder ein hitzige Gall,

12. Gelb oder bleych Blut zeigt an/wehe an der Leber oder aufstossung der Gall.

13. Gelb vnd schaeumig ist ein bedcutung zu viel Hertzwasser.

14. Gantz waesserig Blut / bedeut ein schwache Leber / oder daß der Magen mit Tranck überladen.

15. Dick / hart vnd zehes Blut /ist ein anzeigung deß Leibs- verstopffung / oder Melancholey."

Weiterhin folgen Bemerkungen für einzelne Berufet

1, FuerSchiffleuth.

I. Wann auffgeht zu Meer:

Der grosse Hundsstern klar bedeutet gesunde Zeit. Der grosse Hundsstern roethlich bedeutet Kranckheiten. Das Siebengestirn hell bedeutet Gut Wetter vnd Wind, Das Siebengestirn dunkel bedeutet Bngewitter.

Der Mond bey Saturnus und Venus bedeutet Glueckliche Zeit'.: Der Mond bey Saturnus und Mars bedeutet Schiffbruch / Rauberey^

II. Unter dem:

Nordstern Seyn die Schissleuth zu Meer in der Moscaw, Arcturo Seyn die Schiffleuth zu Meer in der Tuerkey.

Jacobsstab Seyn die Schisfleuth zu Meer Mitten in der Welk^

2. Fuer Ackerleuth / Gaertner vnd OebßNer.

Wann der Mond ohne Hinderung stehet im Stier, Krebs/ Scorpion, Wag, Steinbock / vnd im guten Schein Saturnus / soll mau allerley Samen außsaeen. Im zunemmen hart Getrehd in trocken Acker / im abnemmen Somnierkorn / Erbes / Bonen / Linsen / vnd welches Getreyd oder Samen / so von natur feucht / dq auch feuchte Ecker zu besaeestam bequemlichsten vnd glueckseligsten., Obst das lang bleiben soll / muß man brechen nach Egidii / int Abnemmen des Mons nach Mitternacht / vor der Sonnenauffgang /, im Anfang des Tags / wann der Man ist im Stier, Scorpion^ Steinbock / Tann zu der Zeit ist kein Gcylheit oder vberigs Feuchtigkeit in allen Frucchten und Gewaechsen der Erde / so ein vrsach der Faeulung vnd Putrefaction zu seyn pflegt.

3. FuerFoerstervndWaldleut.

a. Holtz, das gehawen oder gesellt wird / zwischen Johannis vnd Lucie / im abnemmenden Mon vnd letzten Viertel / ist am besten vnd werhafssten zu einem Bau / dann in dem Holtz waechst kein Unziffer / es wird nit wurmstichig / faulet nit bald / vnd wehret zum allerlengsten / auß vrsach / daß vmb diese Zeit / sampt dem Mondliecht der Tag abnimbt / daher auch die Feuchtig­keit des Holtzes neceflario allgemach vergehen muß / davon es wurmstichig wird vnd verfaulet.

b. Holtz das zum brennen oder Fewer gehoert / vnd bald wieder außschlagen vnd wachsen soll / muß man feilen vnd hawen im ersten Viertel deß Monds / es stehe nun der Mond in was Zeichen er wölle / so er nur ober der Erden vnd im zulegen ist,

Es schließt sich eineFigur deß Aderlassens" an, und ein Taefelin" deß Gluecks vnd Vngluecks zeigt / was in einem geglichen Himmlischen Zeichen zu thun oder zu lassen seh". Nach einer ausführlichen Beschreibung der vier Quartalzeiten und der einzelnen Monate, einer Tafel der fünfFinsternusse des Jahres 1617" folgen Betrachtungen

Veber Krieg vnd Auffruhr,

Demnach die Finsternuß deß Monden so vorM Jahr den 17. oder 27. Augusti geschehen / keine sonderliche Bedeutung zum Krieg vnd Aufsruhr gehabt / den sie in Fischen vnd also bitter der Herrschaft Jovis vnd Veneris fuergangen / als hat die Er­fahrung bezeugt / daß (außer dem was sonst Mars gewircket) es ohne große Empoerung vnd fein still ist abgelaufen / auch die hitzige Bedraewungen vnd Anschlaege zu gefaehrlichen Kriegen allgemach erloschen vnd vorveber gangen seyn.

Was nun die Finsternuß belanget / so bet vns in diesem Ja« gleichsals am Monden den 6. oder 16. Ang. sich erzeigen wirdt / dieselbe geschieht nemlich im Wasserman / bitter der Herrschaffk Saturni / in dessen domicilio diurno sie fuehrgehet / Erscheinet! derhalben hierauß / daß sie zu oeffentlichen Kriegen nicht assectio- niret ist / wiewol sie Vneinigkeit vnd Widerwillen im Getstltchen stand anzurichten sehr geneygt ist. _

Was den stand Martis belangt / derselbe ist den Winter ober retrogradus, bnd gehen im alle seine Anschlaege zurueck, Im Aprill aber wenn er wider directus wirdt / ist er in, mittest deß Himmels zimlich erhoehet / ruestet sich derhalben zimltch Z